Hundeschicksal mit Happy End

Von Siegfried Gerdau

„So blauäugig und unbedarft würde ich heute nicht mehr handeln“, sagt die 50-jährige Wahl-Burgerin Manuela Kuhnhold, mit Blick auf die kleine Mira. Bei Facebook sah sie vor einem dreiviertel Jahr das süße Hundegesichtchen und beschloss ihren langjährigen Hundewunsch in die Tat umzusetzen. Eigentlich wollte sie ja einen Welpen von einem heimischen Züchter. Als sie aber von dem Schicksal der rumänischen Hunde las, kam der Wunsch nach Rettung bei ihr dazu. Bei der Mira -Tierhilfe e.V. in Hirtscheid-Alpenrod, Büdinger Straße 15 meldete sich Sabrina Schipper und schon bald hatte die rumänische Straßenhündin ein neues Zuhause. Elsa hieß sie eigentlich, doch der Name Mira gefiel Manuela so gut, dass sie kurzerhand eine Umtaufe vornahm. Das Alter von Mira war mit ungefähr zweieinhalb Jahren angegeben. Auch dass die total abgemagerte Hündin schon einen Wurf Junge gesäugt hatte, war bekannt. Das sei wie auch bei fast allen anderen osteuropäischen Straßenhunden alles gewesen, was man ihr an Erkenntnissen mitgeben konnte.

„Ich wusste im Grunde genommen über Hunde so gut wie nichts und von Straßenhunden erst recht nichts. Das wurde mir schon in den Tagen darauf mit Mira klar.“ Eine Ausrüstung wie Halsband, Leine, Futternäpfe und natürlich ein gutes Hundefutter musste her. Was ich da kaufte und ob das alles das Richtige war, keine Ahnung. Ich ließ mich beraten und das wars. Mira beobachte alles sehr kritisch und war von Anfang an sehr distanziert. Einmal knurrte sie mich an und ich machte ihr lediglich verbal sehr deutlich, dass das nicht geht. Zum Glück blieb es auch bis jetzt dabei. Gelegentliche Besucherinnen und Besucher mussten da schon vorsichtiger sein. Ein paarmal setzte sie auch ihre Zähnchen ein und knapste denen in die Hosen.

Mittlerweile hat sie alles über Hunde gelesen, was ihr in die Finger kam. Das Einzige was sie selber lernen (erfahren) musste, war der Umgang mit Hunden, die auf der Straße lebten. Das ist, so erfuhr sie schon bald, eine Nummer für sich. Wie die Menschen in Rumänien- vielleicht auch anderswo-mit solchen armen Geschöpfen umgehen, kann man nur erahnen. Jedenfalls ist ihre Mira total traumatisiert. Besonders allen Männern gegenüber zeigt sie eine abgrundtiefe Angst und das lässt viele Rückschlüsse zu. Beim ersten Mal Gassi gehen, drückte sie sich fast verzweifelt an die Hauswände, als suche sie Schutz vor Steinwürfen und Fußtritten. Immer wieder blickte sie sich hektisch nach allen Seiten um und hat Fluchtgedanken förmlich im Blick. Das alles hat sich seit Februar nur langsam etwas gelegt. „Zu mir hat sie mittlerweile Vertrauen aufgebaut und das macht mich glücklich“, sagt Manuela

Manuela und Mira-eine Schicksalsgemeinschaft

„Immer wieder las ich, dass Hunde-Erziehung wie auch Übrigens die von Menschen, nur mit viel Liebe, Konsequenz und Geduld funktioniert.“ Das war alles für Manuela, selber Mutter einer erwachsenen Tochter eine Selbstverständlichkeit. Dass sie aber so viel Zeit für Mira aufbringen musste, hatte sie nicht bedacht. Viele Stunden verbrachte sie zum Beispiel mit der Hündin im Auto ohne loszufahren, um sie auch an diese Umgebung zu gewöhnen. Das kleine Hundemädchen kannte das alles nicht und heute ist Manuela froh, dass ihre Geduld auch diesbezüglich Früchte getragen hat. „Zurückgeben war für mich keine Option“, sagte die ehemalige Fußballspielerin und Trainerin. Dennoch habe und hat sie schon einige Male mit ihrem damaligen Entschluss gehadert. Wenn sie Mira jedoch in die lieben Augen schaut und sie auf dem Arm hat, sind alle Zweifel schlagartig beseitigt.

Die kleine rumänische Straßenhündin Mira hat bei Manuela Kuhnhold ihren Seelenfrieden gefunden.

Die Zweifel, ob sie wirklich mit dem Kauf eines rumänischen Straßenhundes das schreckliche Hundeleid in diesem Land lindern könne, sind jedoch nicht beseitigt. Im Gegenteil. Immer wieder geht ihr durch den Kopf, dass sie damit die „Hundeindustrie“ in dem Land befeuert. Mittlerweile weiß sie, dass es wie so oft nur ums Geld geht. Für jeden Hund, der ins Tierheim gebracht wird bekommt der Überbringer Geld. Viel Geld für rumänische Verhältnisse. Da liegt bei ihr der Verdacht nahe, dass die Tiere gar nicht von der Straße stammen, sondern eigens zu diesem Zweck gezüchtet werden. Eine brutale Vorstellung, aber so ganz unbegründet scheint sie nicht zu sein.

Um beim Geld zu bleiben. Mira kostete 350 Euro, aber das sei ja nur der Einstieg gewesen. Manuela führt seit Einzug von Mira akribisch Buch über alle Ausgaben rund um den kleinen Hund. Da seien bis jetzt mal locker 1 000 Euro zusammengekommen. Die monatlichen Unterhaltskosten schätzt sie auf 50 überschaubare Euro. Wenn aber der Tierarzt dazu kommt, wird es heftig. Über all das war sie sich so nicht im Klaren. Hundesteuer und Tierhaftpflicht-Versicherung fallen zwar nur einmal jährlich an, müssen aber auch noch bezahlt werden. Also, ein Hund kostet Geld und je größer er ist, umso mehr.

Wer dann noch das Pech hat, dass sein Hund von der Stadtverwaltung als Kampfhund eingestuft wird, kann sich von schreiben. Laut § 5, Abs.1 der „Satzung über die Erhebung einer Hundesteuer der Stadt Herborn“ kostet ein Hund 72 Euro im Jahr. „Abweichend von Abs. 1 beträgt die Steuer für einen gefährlichen Hund jährlich 600,00 €. Ob gefährlich oder nicht legt die Verwaltung fest und deren Feststellung ist rechtsverbindlich.

Mira ist sehr wählerisch was das Futter angeht. Wenn es ihr nicht schmeckt und wenn es das Teuerste ist, was der Markt anbietet, lässt sie die Schüssel links stehen. „Eigentlich ungewöhnlich für einen Straßenhund“, glaubt Manuela. Sie akzeptiert diese kleine Macke und probiert so lange, bis sie etwas passendes für die kleine Diva gefunden hat. Die beiden wachsen zusammen, da kann man ziemlich sicher sein. Aber das dauert und einen Menschen zu finden, der sich darauf einlässt ist auch für den süßesten Hund sicher nicht einfach. Derzeit ist Manuela noch in einer Umschulung und das Examen steht vor der Tür. Sie hat sicher mehr Zeit als wenn sie schon in dem neuen Job arbeitet. Dann wird Mira sich daran gewöhnen müssen, dass die „Mama“ nicht ständig präsent ist. Ein Nachbar im Haus, der ihr die Beaufsichtigung immer dann abnimmt, wenn sie nicht da sein kann, wird auch dann immer mal wieder nach dem Rechten schauen.

Das Schild an Manuela Kuhnhold Tür ist angesichts der kleinen Maus in der Wohnung, nur ein Scherz.

Manuela Kunholds Leben hat sich drastisch verändert. Das weiß sie mittlerweile genau und erlebt es auch fast täglich in allen ihren Lebensbereichen. Dennoch, wenn sie das Hundemädchen anschaut und sich vorstellt, was die kleine Seele in ihrem jungen Leben Schreckliches von grausamen Menschen erdulden musste, weiß Manu, wie ihre Freunde sie nennen, dass sie in ihrem ganz privaten Mikrokosmos alles richtig macht. Fotos: Gerdau

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