Abfall, Dreckspatzen und Zuständigkeiten

Von Siegfried Gerdau

„Wer macht denn so etwas und schmeißt seinen Abfall einfach in die Landschaft“, erregt sich der Handwerksmeister in mittleren Jahren. Mehr zufällig hat er auf seinem Weg zur Arbeit Schnellimbisstüten, coffee-to- go-Becher und sogar Matratzen und Überbleibsel von Campingstühlen gesehen. Das habe ihn so in Harnisch gebracht, dass er auf einer Strecke von zwei Kilometern Fotos mit seinem Handy schoss. „Ich hätte dranbleiben können, es lag noch viel, viel mehr an den Straßenseiten“, sagte der Mann aus einem Herborner Stadtteil.

Was sind das für Menschen, die absichtlich unachtsam mit unserer Natur umgehen, frage er sich schon seit geraumer Zeit. Der Mann ist nicht der typische „Melder“ mit Blockwart-Mentalität. Er ist ein Bürger, der sicher eine gute Kinderstube hatte und schon lange weiß, dass die Menschheit so nicht weitermachen kann.

Offensichtlich wurden diese Zivilisationsabfälle aus Autofenstern „entsorgt“. Wie man aber unschwer erkennen kann, nicht alles. Wer schleppt seine versifften Schlafzimmermöbel an die Straßenränder, anstatt sie kostenlos auf der Mülldeponie oder noch einfacher, beim Sperrmüll abzugeben.

Ex und hopp gehört wohl für Viele nach dem Besuch einschlägiger Lokalitäten „Auf den Lüppen“ zum gepflegten Nachtisch und ist scheinbar ein Zeichen für absolute Coolness. Möglicherweise ist es aber auch nur ein Ausdruck von Verachtung gegenüber dem Verzehrten. Auf jeden Fall ist es eine Sauerei, auf die man nun wirklich nicht Stolz sein kann.

Wenn man die zweite Seite der Medaille betrachtet, wird es auch nicht besser. Warum sammelt den Abfall „von Amts wegen“ eigentlich niemand auf. Mit dieser Frage gerät man aber in das Behördendickicht, das es nicht nur in Deutschland gibt. Wer ist denn zuständig? An dieser Frage scheitern sich die Geister. Eigentlich der, der ihn weggeworfen hat. Ganz richtig. Ob das der Besucher der Stadt ebenso sieht, darf bezweifelt werden. Es fällt ihm vielleicht das sattsam bekannte und leicht abgewandelte Sprichwort ein: „Sage mir wie du aussiehst und ich sage dir wer du bist“.

So ganz nebenbei. Das hier Geschriebene trifft umfänglich auch für den Bahnhofsbereich zu. Auch hier wird über Zuständigkeiten in Sachen Sauberkeit diskutiert: „Bis hierhin ist die Bahn und ab hier die Stadt zuständig“. Das mag richtig sein, aber wenn Bahnreisende die Gleis-Unterführung passieren, werden sie nur denken, „was ist das für eine versiffte Stadt.“ Man kann sich nicht vorstellen, dass sich die Bahn über ein paar säubernde, nicht Bahn-Bedienstete in ihrem Zuständigkeits-Bereich aufregen würde.

Das Gleiche gilt auch für die Straßenränder, für die die Stadt nur teilweise zuständig ist. Die Dill-Kinder machen es vor und fragen nicht: „Wer ist dafür zuständig?“ Sie machen den Dreck entlang der Dill einfach weg.

Das alles ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass es noch viel zu viele Dreckspatzen gibt, denen man nur beikommt, indem man immer wieder für Sauberkeit sorgt. Laut der Broken-Windows-Theorie (englisch für Theorie der zerbrochenen Fenster) soll eine zerbrochene Fensterscheibe schnell repariert werden, damit weitere Zerstörungen im Stadtteil verhindert werden kann. Diese Theorie lässt sich wunderbar auf Abfall und Schmutzfinken (und öffentliche Toiletten am Stadtpark) erweitern.  Fotos: privat

Halt Stop. Beim Schreiben fiel mir noch ein Erlebnis vor Jahren in Frankreich ein. Ich wollte die Stadt Sète besuchen. Es fing an dämmrig zu werden und ich musste aufpassen nicht in ein Hundehäufchen zu treten. Dieses “ Minenfeld“ zog sich dichtgesät in die Stadt. An jeder Ecke Abfall aller Couleur. Schon bald hatte ich genug von dem Anblick und den unangenehmen Gerüchen und beschloss diese Stadt nicht mehr zu betreten. sig

Ein Gedanke zu „Abfall, Dreckspatzen und Zuständigkeiten

  • 23. Dezember 2022 um 13:40
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    Ich bin regelmäßig mit meinem Hund auf der parallel zur Autobahn laufenden Baustraße vom Rehberg in Richtung Austraße unterwegs gewesen. Kurz vor Ende des Waldes – Richtung Austraße- lag regelmäßig Müll unterhalb des rechten Fahrbahnrandes. Hier lagen u.a. mehrere Altölkanister – voll-!!, Tage später lagen große Mengen Unrat einer (scheinbare) Hauhaltsauflösung, Porzellan, Kinderspielzeug, Kleidung usw.
    Der „Abladeplatz“ war/ist scheinbar unter den Umweltsäuen im heimischen Raum bekannt.
    Die „Fundstelle“ wurde immer wieder von mir mit Bildmaterial dokumentiert und an die Polizei in Dillenburg (Umwelt) weitergeleitet.

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