Teil X: Reise in Deutschlands Norden

Westerhever-der Leuchtturm

Wofür hatte ich eigentlich das 600er-Tele dabei. Na klar, um Deutschlands imposantesten Leuchtturm abzulichten. Den Besuch hatte ich immer wieder verworfen und neu geplant. Mit dem Fahrrad war es uns ein wenig weit und so beschlossen wir das Unternehmen auf den Tag unserer Abreise in Angriff zu nehmen. Eine gute Entscheidung, wie sich erweisen sollte. Der Verkehr von Tönning über Garding bis zum Deich hinter dem Örtchen Westerhever hielt sich in Grenzen und das Wetter spielte ebenfalls mit.

Zweieinhalb Kilometer vor dem Turm konnte man gut, aber nicht ganz billig parken. Die 80 D klar gemacht und los ging’s auf den Deich. Die Sonne lugte immer wieder durch die leichte Wolkendecke, aber als ich oben war, wurde der Turm schön angeleuchtet. Charakteristisch mit den beiden ehemaligen Wärter-Häusern links und rechts, leuchtet der über hundert Jahre alte und 40 Meter hohe Riese mit seiner Lichtkuppel fast 40 Kilometer weit über die Nordsee und ist noch von Helgoland aus zu sehen.

Leuchtturm Westerhever. Rechts dahinter St. Peter-Ording.

Über 157 Treppenstufen erreichen die Besucher für 6 Euro pro Person die Aussichtsplattform und können von dort weit ins Land und die See schauen.

Hallig Süderoog

Die Hallig Süderoog (4 Einwohner) und deren einziges Bauernhaus ist bei guter Sicht ebenso vom Deich aus zu erkennen, wie die Pfahlhäuser am Strand von St. Peter-Ording. Die Radwege zum und vor dem Deich sind ein Traum und wer kein Rad dabei hat, kann sich bei Theo’s Fahrradverleih ein Stahlross gegen eine kleine Gebühr ausleihen. Der große und kleine Hunger lässt sich trefflich „bi Silke & Theo“ in deren Edel-Schnell-Restaurant stillen.

Die von Silke Friedrichsen-Dirks und ihren freundlichen Mitarbeiterinnen zubereitete Ofenkartoffel mit frischen Krabben, haben wir uns ebenso munden lassen, wie die Fisch-und Schafsfleisch-Frikadellen. Das Interieur des Restaurants genügt selbst höheren Ansprüchen und der Service lässt keine Wünsche offen. Was uns besonders gut gefallen hat, sind die mit viel Herzblut angerichteten Speisen. Da isst selbst das Auge noch gerne mit. Das perfekt gekühlte Flensburger Pils, für das der Westerhever Leuchtturm unübersehbar wirbt, rundet jedes Mahl bei Theo und Silke ideal ab.

In Sichtweite des Leuchtturms haben Silke und Theo Dirks ihr Restaurant und einen Fahrradverleih installiert.
Chef Theo Dirks ist der Mann für alle Fälle.

In aller Ruhe peilten wir unser nächstes Ziel auf dem Nachhauseweg, den Stellplatz Wildeshausen, an. Der aufgeräumte und ruhige Platz am Schwimmbad ließ uns gut schlafen.

War auf den Hinfahrt der Campingplatz Münster ein lohnendes Erst-Ziel, wollte wir unsere Reise ebenfalls dort beenden. Leider war der Platz belegt, aber wir ergatterten auf dem Stellplatz davor noch einen Platz. Dennoch konnten wir alle Annehmlichkeiten des Platzes genießen und die Übernachtungsgebühr war sogar etwas reduziert.

Den guten Eindruck, den man auf der Zufahrt zum Campingplatz Münster bekommt, bestätigt sich auch im Inneren.

Am meisten freuten wir uns auf das Abendessen im platzeigenen Restaurant „Wersetiger“. Ein solch erstklassiges Menü bekommt man nicht überall und auch das zuvorkommende Personal bestätigte wieder einmal den Gesamteindruck. Beim Schreiben dieser Zeilen läuft mir das Wasser wieder im Mund zusammen.

Der Optimist denkt oft ebenso einseitig, wie der Pessimist.

Nur er lebt froher

Wandspruch: Wersetiger

Die Furcht vor der Lüdenscheider Vollsperrung war total unbegründet. Es lief langsam aber zügig und das lag sicher auch an dem kaum nennenswerten Verkehrsaufkommen auf der A45.

sig/Fotos: Siegfried GerdauGerdau

Teil VIII: Reise in Deutschlands Norden

Mit dem Adler zu den Seehunden

„Achtung, wir nähern uns den Sandbänken. Wenn wir Glück haben sehen wir ein Seehund-Baby oder eine ihrer Mütter. Noch aber führt die Eider hohes Wasser und bis zur Ebbe ist es noch ein wenig hin“, ruft der smarte Kapitän des Adler durch die Lautsprecheranlage. Wir haben eine Ausflugsfahrt auf der Eider mit Durchquerung der Schleuse in die Nordsee gebucht. Zweimal täglich fährt das Schiff mit Passagieren diese Strecke und zurück.

Das niedliche Seehundbaby ist Synonym für den Zweck des Schiffes .

Die Eider misst hier an der breitesten Stelle drei Kilometer. In der Mitte ist eine Fahrrinne ausgebaut, damit die Schiffe bei Ebbe überhaupt fahren können. Die meisten Mitfahrer haben ihre Kameras gezückt und warten auf die possierlichen Räuber. Ihre Beißkraft ist zehnmal so groß wie die eines Schäferhundes, erzählt der Kapitän und das Erstaunen der Zuhörer ist entsprechend. Schon bald kommt das weltweit einzigartige Eider-Sperrwerk näher. Vier mächtige Tore können bei Sturmflut den Zufluss des Nordseewassers sperren. Ein Segen für die Wattlandschaft im Mündungsgebiet.

Endlich, auf dem Rückweg tauchen Seehunde mit ihren Jungen auf. Langsam aber stetig streben sie zu der noch unsichtbaren Sandbank. Ein Mitarbeiter der Schiffsbesatzung hat ein Schleppnetz ausgeworfen und alle Umstehenden sind schon auf den Fang gespannt. Nach einer kurzen Zeit entleert er das Netz in einem Bottich. Nur ein paar Krabben schauen vorwurfsvoll hoch und ärgern sich, dass sie in ihrer Beschaulichkeit gestört wurden. Immerhin bekommen die Interessierten viel Wissenswertes zu den Meeresbewohnern erzählt. Für uns war die Fahrt ein kleines Highlight, wenn sie auch nicht ganz billig ist. Den Tag beschließen wir in der Alten Werft bei einem Lillet mit Erdbeeren und einem Stück göttlicher Trümmertorte.

Tönning Alte Werft mit Blick auf den historischen Hafen. Rechts oben, das alte Packhaus.

Mit dem Fahrrad nach Tetenbüll

Beinah hätte ich unsere Fahrt in den bezaubernden kleinen Ort Tetenbüll unterschlagen. Bekannte von uns haben dort ein wunderschönes Haus mit großem Garten gekauft und aufs Feinste hergerichtet. Der Ort strahlt eine Ruhe und Behaglichkeit aus, die uns sofort in ihren Bann gezogen hat. Eine hübsche Kirche mit einer bemalten Holzdecke, einen historischen Gemischt-Warenladen, eine Grundschule und ein Seniorenheim. Diese Kriterien waren sicher nicht ausschlaggebend für den Kauf, des mit einem Reetdach gedeckten Hauses. Das Theatrium im Ort bietet Kulturveranstaltungen, leckeren Kuchen und andere kulinarische Köstlichkeiten. Die zehn Kilometer waren auf den geteerten Fahrradwegen überhaupt kein Problem und den E-Antrieb brauchte man nicht zu bemühen. Die hervorragende Beschilderung ließ das Navi im Handy nie in Aktion treten.

Hoch zu Ross zum Herrenhaus Hoyerswort

Damit kein falscher Verdacht aufkommt, ich meine natürlich das Stahlross, mit dem ich eines der schönsten Gehöfte in der Nähe unseres Urlaubsdomizil Tönning besuchte. Anfangs ging es in Richtung St.Peter-Oeding auf einem Radweg, dann leider über die Landstraße, auf der gefährlich schnelle Fahrer mit NF-Kennzeichen unterwegs waren. Zum Glück war die Entfernung moderat und man sah schon von weitem das Dach des mächtigen Hauses durch die Bäume lugen. Das Herrenhaus mit angeschlossenem Haubarg (Bauernhaus eines Großbauern) strahlt aus jeder Ritze das Vermögen seiner Erbauer aus und so ähnelt es eher einem kleinen Schloss als einem Herrenhaus. In dem riesigen Park kann man eine Skulpturensammlung bewundern und es sich danach bei einem Stück Kuchen und einer Tasse Kaffee vor dem Haus gut gehen lassen. Das Herrenhaus ist von einem doppelten Wassergraben umgeben und zählt zu den schönsten Renaissance-Bauten Schleswig-Holsteins. Die Rückfahrt begleitete mich eine zunehmend düstere Wetterlage. Kaum am Wohnmobil angekommen, öffnete sich der Himmel und es regnete wolkenbruchartig.

Liebeserklärung an Tönning, die kleine Hafenstadt an der Eider

Ganze vier Wochen stehen wir nun auf dem Wohnmobilstellplatz Eiderblick. Gras und Klee haben fast den Boden unseres Wohnmobils erreicht und der Platzwart schaut immer kritischer zu diesem Wildwuchs hin. Es ist Zeit ein Statement abzugeben um diese ungewohnte Sesshaftigkeit zu erklären. Der Plan sah ursprünglich lediglich eine Woche Verweildauer vor. War es die fantastische Seeluft, der Platz mit seiner fast perfekten Infrastruktur oder die Nähe zu der gemütlichen Stadt mit allen Einkaufsmöglichkeiten. Nein, das alleine war es sicher nicht. Es war in erster Linie die wunderbare Ruhe, der schöne Blick auf die Eider, die nur wenige Meter entfernt, an unserem Mobil im Takt der Gezeiten vorbei floss. Es war auch die bequeme Verkehrsanbindung mit Bus, Rufbus und Eisenbahn. Die schönen Restaurants und Cafés in fußläufiger Entfernung sowie die freundlichen Menschen, die uns allenthalben aufgeschlossen begegneten. Vielleicht hat aber auch Bäcker Balzer vom Tönninger Marktplatz mit seinem himmlichen Sortiment unterschiedlichster Backwaren einen großen Anteil daran. Auch Boye Hamken, das Geschäft in dem man alles bekommt, was die Lieben zu Hause erfreut, muss man ebenso besuchen, wie auch seinen Ableger „Das Kontor am Hafen“, mit seinen ganz speziellen Leckereien mit und ohne Alkohol.

Zu alldem Gesagten kommt das einzigartige Flair der kleinen Stadt, dass sich nur ganz schwer erklären lässt. Im Gegensatz zu den klassischen Seebädern in der Nähe, hat sich Tönning seinen ganz eigenen Stil erhalten und lebt mit der überschaubaren Zahl der Touristen in perfekter Symbiose. All das gilt auch für die beiden Stellplätze und den Campingplatz der Familie Simon Am Freizeitpark 1a. Die Anlagen sind super gepflegt und die Organisation ist kaum zu toppen. Einzig die elektronischen Helfer beim Ein-und Auschecken, verlangen vielen Gästen ein wenig Kenntnis in der Handhabung digitaler Kommunikationsgeräten ab. Reservierung ist auf allen Plätzen angesagt und dies ganz besonders in der Saison. Das einzige was die Ruhe auf dem Eiderblick etwas stört, ist das ständige Ratsch-Bumm der Kastenwagentüren. Damit werden die „alten“ Wohnmobilfahrer leben müssen. Diese Art der Freizeitfahrzeuge, aus den Anfängen der Camping-Mobile, hat in den letzten Jahren stetig zugenommen und der Trend wird wohl noch eine Weile anhalten.

Wohnmobil-Stellplatz Eiderblick in Tönning

Seit 30 Jahren bin ich jetzt mit meinem vierten Mobil in ganz Europa unterwegs. In Deutschland, nach dem Besuch vieler Camping und Stellplätzen haben wir wohl unsere Camping-Heimat gefunden. Tönning, wir kommen gerne wieder. sig/Fotos: Gerdau

Tönning ist Tönning

Teil VII: Reise in Deutschlands Norden

Die kleine graue Stadt am Meer

Die beiden Eisenbahnwaggons waren gut gefüllt. Es gab aber noch Sitzplätze für uns. Das 9-Euro-Ticket wollte wieder niemand sehen. Für Urlauber ist 9 Uhr noch eine fast nachtschlafene Zeit. Allerdings, der Zug nach Husum kannte keine Gnade. Punkt 9.04 Uhr war Abfahrt am Tönninger Bahnhof. Die Schäfchen und Kühe links und rechts auf den schier endlosen Wiesen, fraßen schon eifrig das leckere Gras. Von dem hin und wieder schiffssirenartigen Geblöke des Zuges, wenn er sich einem unbeschrankten Bahnübergang näherte, ließ sich keines der Tiere stören.

Sanft glitten die Räder des betagten Gefährts über die fast ausnahmslos gerade verlaufenden Schienen. In der Ferne tauchten zwei Schiffskräne am Horizont auf. Das war schon die Hafenstadt, von der Theodor Storm, der große Sohn der Stadt in seinem Gedicht „Die Stadt“ behauptete, sie sei grau. Dies ist vermutlich aber im Kontext zu seiner Entadvokatisierung zu sehen. Er war darüber so bitter enttäuscht, „weil er doch nur trotz Friedensschluss“ gegen die Dänen gearbeitet hatte.

10 Jahre nach seinem Tod 1888 wurde im Park des Schlosses vor Husum seine Büste enthüllt. Sein Wohnhaus in der Wasserreihe 31, unweit des malerischen Hafens, ist Ziel vieler Touristen, die den Juristen gerne auf sein bekanntestes Werg „Der Schimmelreiter“ reduzieren.

In der strahlenden Sonne des Nordens reihen sich Haus neben Haus entlang der Hafenkante und jedes davon ist in bunten Farben gestrichen. Obwohl die Saison noch nicht so richtig brummt, sind die Cafés rund um den Marktplatz und am Hafen schon früh am Morgen besetzt. Es ist Donnerstag und Markt. Die steingewordene Magd Tine, das heimliche Wahrzeichen der Stadt, schaut von ihrem Sockel, auf dem Marktbrunnen, auf das muntere Markttreiben herab. Die Krabbentage im Oktober und im Hochsommer die Husumer Hafentage locken zusätzliche Besucher an.

Das Schloss aus dem Jahre 1577 bis 1582 ist heute ein wichtiger Veranstaltungsort. Das Café im Schlosshof soll im Herbst wieder eröffnet werden. Auch bei einem längeren Besuch der Stadt kommt keine Langweile auf. Schön shoppen geht immer und auch die Gastronomie ist gut aufgestellt. Unbedingt einkehren sollte man in Jacquelines Cafè, im Schlossgang 12. Vor 32 Jahren von der Namensgeberin eröffnet, wird es jetzt vom Sohn der Gründerin geführt. Die täglich gebackenen Torten sind legendär.

Auch das HafenKaffee hatte uns mit einem umfangreichen Frühstück und aufmerksamen Service schon früh gut versorgt. Den Blick auf Hafenbecken und Hafengebiet gab es kostenlos dazu. Das wunderschöne Kopfsteinpflaster in der Stadt wird von PKW, Radfahrern und Fußgängern gleichermaßen benutzt. Keiner ist dem anderen ernsthaft im Weg und die Luft ist auch sehr frisch. Was mir auffiel, ist das selbstverständlich und oft zu hörende Moin! Die Menschen sind freundlich und das gilt auch für das Service-Personal in den Geschäften.

Apropos, Service. Der Mangel an Servicekräften ist in Husum, ebenso wie in allen anderen Orten mit Fremdenverkehr, gravierend. Das ist Angesichts der vielen jungen Menschen, die Deutschland als ihren Lebensmittelpunkt ausgesucht haben, nicht sofort nachzuvollziehen.

Mit einem ansehnlichen Sonnenbrand geht es per Bahn zurück. Auch diesmal keinerlei Probleme mit den Sitzplätzen, obwohl der Ferienanfang in manchen Bundesländer erste Signale aussendet. Fazit: Tönning ist auch als Ausgangspunkt zu vielen attraktiven Ferienorten sehr gut gelegen.

Unser Wohnmobil blieb die gesamten vier Wochen stehen. Alle Fahrten wurden entweder mit dem Rad, dem Ruftaxi, Bus und Bahn erledigt. Nachhaltig heißt das wohl in der Sprache der Klimaschützer und darauf sind wir Stolz. sig/Fotos: Gerdau

Vokssport Wohnmobil

Als ich mein erstes Wohnmobil 1992 mein Eigen nennen durfte, war ich Happy. Es war ein gebrauchter Chausson mit 69 PS. Der westerwälder Händler hat sich bestimmt belacht. Immerhin tauschte ich meinen 8 Meter langen, zweiachsigen und kaum drei Jahre alten  Hobby-Wohnwagen gegen das Fahrzeug meiner Begierde ein.

Mein Sohn fand das alles sehr spannend und wir haben sehr schöne Reisen durch ganz Europa gemacht.  Reservieren war ein Fremdwort und damals höchstens auf wenigen Campingplätzen üblich. Stellplätze ausschließlich für Wohnmobile gab es ein paar, aber verteilt über ganz Europa.

Autark,  wie man es heute immer liest, war der Normalfall und wurde so gut wie überall geduldet. Wer ein Wohnmobil hatte, war entweder ein wenig durchgeknallt, hatte zuviel Geld oder war einfach nur ein Mensch mit einer ganz eigenen Urlaubsphilosophie. Pauschalreisen waren angesagt und wer es sich leisten konnte, enterte ein Kreuzfahrschiff.

Wie oft hörte ich:“ In so einer Hasenkiste Urlaub machen? Im Leben nicht.“ Ich machte und weil meinem heranwachsenden Sohn die 69 PS so langsam peinlich wurden, kam ein größerer, immer noch gebrauchter, aber immerhin Hymer in die Scheune. Im Alkoven ruhte mein Sohn, der Rest im Doppelbett und die fast doppelt so starke Maschine röhrte immer noch wie ein Schiffsdiesel.

Alle waren zufrieden, die Reisen führten uns nach Frankreich und in viele andere Länder. Noch immer grüßte man sich bei der Begegnung mit andern Wohnmobilisten und auch die Stellplätze wurden mehr. Die französischen Senioren hatten mittlerweile auch diese zwar teure, aber unkomplizierte und dennoch komfortable Form des Camperlebens entdeckt. Ihre mobilen Konstruktionen gefielen mir so gut, dass ich mit einem Challenger liebäugelte. Neu sollte er sein. Der wohnmobilistische Größenwahn hatte mich voll im Griff. Es wurde ein Verlustgeschäft, aber immerhin profitierten der Hymerkäufer, der Challenger-Verkäufer und der Staat.

Fast 7 Jahre lang war er Urlaubsdomizil, Zweitwohnung und Übernachtungsherberge während Verwandtenbesuche. Dann war wieder ein Messebesuch angesagt. Dem voraus ging ein Korsika-Urlaub, bei dem Petra und ich feststellten, dass unser französisches Wägelchen Probleme mit den engen, korsischen Gebirgsstraßen hatte.

Wir beschlossen zu reduzieren. 6 Meter lang sollte der Neue höchsten sein und in der Breite auch etwas abspecken. Knaus hatte genau das, was wir suchten. Mit einem Werksverkäufer wurden wir schnell handelseinig und wir stellten uns ein WoMo genau nach unseren Vorstellungen zusammen. Die lange Lieferzeit war uns egal, da wir in den Wintermonaten als Camper sowieso nie unterwegs sind. Bereits im Jahr darauf waren wir minimalistischer als je zuvor auf Achse. Mit einem möglicherweise Kastenwagen wollten wir garantiert nicht tauschen. Abgesehen von dem nervigen Ratsch- Bumm der Eingangstür, wohnt man in unserem teilintegrierten Mobil doch wesentlich komfortabler. Das glauben wir zumindest ganz fest.

Seit Corona hat sich auf dem Campingsektor alles geändert. Ohne Reservierung geht zumindest auf deutschen Plätzen nichts mehr. Aus Angst vor Ansteckung, steigen immer mehr Menschen in die einst mit Naserümpfen beobachteten rollenden Kisten. Der Preis: Die Plätze werden immer voller…und teurer, die Fahrzeuge natürlich auch. Der Markt ist leer gefegt und die Wohnmobilcaravanen gehen den Menschen in den klassischen Urlaubsregionen immer mehr auf den Wecker. Wer nicht mal eben 70, 80 oder 90 000 Euro locker hat, lässt sich bei den Händlern alte Möhrchen für teures Geld andrehen. Die hohen Spritpreise dämpfen die Lust aufs Fernreisen und wer autarke Camperfreuden im Sinn hat, wird schon bald eines Besseren belehrt. Man braucht Wasser, muss sein Abwasser an der richtigen Stelle loswerden und den Inhalt der bordeigenen Toilette möchte auch niemand gerne in seinem Vorgarten haben.

Wohnmobilurlaub kostet Geld und wer das sparen möchte oder muss, ist mit einer Ferienwohnung sicher gut beraten. Ja, wenn da nicht die schöne Philosophie von der unbegrenzten Freiheit wäre, hätte auch ich meinen Knaus schon verkauft. Ich warte noch ein wenig. Dann sehen wir weiter. Ob mir der Umstieg aufs E-Lastenrad mit Schlafkoje noch gelingen wird, glaube ich nicht. Aber über 30 Jahre Urlaub mit Wohnmobilen reichen vielleicht auch aus. sig/Fotos: Gerdau

Teil VI: Reise in Deutschlands Norden.

St. Peter Ording

Das 9 Euro-Ticket lockt. Ich habe es an dem kleinen Tönninger Bahnhof erworben. Bei einem Schalterbeamten aus Fleisch und Blut. „Das ändert sich ab des kommenden Jahres“,sagt der freundliche Mann. Dann werde der Bahnhof nicht mehr besetzt und die Reisenden müssen mit dem Automaten zurechtkommen. Die älteren Bahnreisenden täten ihm schon heute leid. Aber das würde niemand interessieren.

Der Zug fährt stündlich von und nach St. Peter-Ording (SPO)

Der Zug kommt jede Stunde von Husum nach St. Peter Ording und umgekehrt. Erstaunlich, dass wir noch einen Platz finden. Maskenpflicht ist obligatorisch.

Ruhig fährt der Dieselbefeuerte durch die flache Landschaft. Immer wieder wechseln sich Schaf-und Kuhherden links und rechts des Schienenstrangs ab. Vor den zahlreichen unbeschrankten Bahnübergängen gibt der Lokführer durchdringend Laut. Ob das schon mal jemand überhört hat? Einen Conducteur haben wir weder auf der Hin-noch auf der Rückfahrt gesehen.

Wahrscheinlich denkt die Bahn, dass es sich bei den paar Euro nicht lohnt, noch jemand einzusetzen.

Betonkästen, Touristenmassen und volle Strände gefallen nicht jedem SPO-Besucher.

In St. Peter Ording-Bad ist Endstation. Selbst mit gutem Willen würde der kleine Zug den Prellbock nicht bezwingen. „Alles Aussteigen“, verkündete der Mann am Steuer unmissverständlich. Wir dürfen die Masken absetzen und begeben uns mit der gesamten Fahrgastbesatzung auf den Weg ins „Bad“. Der zirka 1,5 Kilometer lange Waldweg hört an der Mainstreet auf und uns empfängt der Touristentrubel  flankiert von Geschäften und Restaurants.

Ruhige Plätzchen sind Mangelware auf Deutschlands Urlaubsmeile SPO.

Der Weg zum Strand führt vorbei an Hotelbunkern und Appartement-Silos. Über eine riesige Betonfläche erreicht man das Kassenhäuschen für die Strandtickets. Am Horizont über den Dünen sieht man immer wieder Kitesurfer auftauchen und verschwinden. Auf einem endlos langen Holzsteg, schiebt sich unaufhörlich die Masse der Badegäste Richtung Strand.

Nix für mich, nix für uns. Wir wenden uns den kulinarischen Genüssen zu, die St. Peter-Ording-Bad zu bieten hat. Abgesehen von den St. Peter, Turbo- Preisen alles ok. Die anderen Ortsteile Ording, Dorf und Böhl ignorierten wir geflissentlich.

Gut leben, wenn auch ein wenig teurer als sonst, kann man auf SPO.

Noch einen leckeren Campari und wir marschieren in Richtung Bahnhof. Völlig ungewöhnlich für die 9 Euro-Ticket-Zeit, der Zug erschien auf die Minute pünktlich und es gab für jeden Reisenden einen Sitzplatz. Interessant auch Durchsagen, die uns völlig fremd waren. Der Lokführer: „Wer in Katharinenheerd aussteigen möchte, muss zum Lokführer kommen.“ Eine Mitreisende wollte, der Zug hielt und die Dame stieg aus. Tolle Sache und auch so etwas macht das Leben auf der Landzunge Eiderstedt lebenswert. Die Entschleunigung und Nachhaltigkeit, zwei Begriffe die mich schon lange anöden, treffen hier dennoch zu. Mein WoMo habe ich seit der Ankunft in Tönning noch nicht einmal angelassen. Wir fahren fast überall mit dem Bike hin. Wenn die Strecke zu weit ist, benutzen wir die öffentlichen Verkehrsmittel. Das macht in der frischen Nordseeluft Spaß, schont die Resourcen, schont das Klima und entschleunigt total. sig/Fotos:Gerdau

Johanneum auf Hooge

Von Bastian Busch

Moin Moin von der Hallig Hooge

Bio WU-Kurs reist eine Woche in den hohen deutschen Norden

 

In der ersten Woche nach den Osterferien reiste der Biologie-WU Kurs der 10. Klassen, unter Leitung von Biologielehrerin Nathalie Mang und in Begleitung von Biologielehrer Sebastian Busch, an einen ganz besonderen Ort: Die Hallig Hooge. Bereits vor drei Jahren erfreuten sich die damaligen Schülerinnen und Schüler des Bio-WU Kurses an diesem einzigartigen Ort, der dem gewohnten heimischen Umfeld doch so unähnlich und dadurch so faszinierend ist. In den vergangenen zwei Jahren war diese außergewöhnliche Exkursion leider den Beschränkungen durch die Pandemie zum Opfer gefallen ist.

 

Die im Weltnaturerbe des Wattenmeers liegende Hallig zeichnet sich nicht nur durch ein ganz besonderes Lebensgefühl, sondern vor allem auch durch einzigartige Lebensräume und Biodiversität aus. Auf den Salzwiesen finden sich beispielsweise zahlreiche Pflanzen und Tiere, die perfekte Anpassungen an diesen extremen Standort entwickelt haben. Zugleich begegnete man den wenigen, aber sehr gastfreundlichen Halligbewohnern und bekam in Erzählungen vermittelt, was das Halligleben so besonders macht.

 

Am ersten Tag begann die Klassenfahrt mit einem Inselrundgang und damit, was eigentlich „Landunter“ bedeutet. Der Hauptunterschied zwischen einer Insel und einer Hallig ist es nämlich, dass eine Hallig regelmäßig vom Meer überspült wird und somit „landunter“ herrscht. Im Wattenmeer trotzten die Schülerinnen und Schüler den teilweise widrigen Wetterbedingungen, trafen auf die „small five“ – Wattschnecke, Strandkrabbe, Wattwurm, Herzmuschel und Nordseegarnele – und konnten deren Bedeutung für das gesamte Ökosystem in originalen Begegnungen erleben und im Labor weiter untersuchen. Des Weiteren hielten die Schülerinnen und Schüler Ausschau nach Vögeln, denn Hooge wird als beliebter Zwischenstopp von Zugvögeln genutzt. Die aktuell herrschenden „Ringelganstage“, mit weit über 10.000 Gänsen auf der Hallig, waren ein willkommenes und beeindruckendes Ereignis.

 

Wattwanderungen sind für Besucher ein Muss.

Eines der Highlights der Fahrt war zweifelsohne die vierstündige Wattwanderung zur vorgelagerten Sanbank „Japsand“. Hier kamen auch weitere Aspekte, wie z.B. die aktuell gesellschaftlich viel diskutierten und präsenten Themen der Umweltverschmutzung und der Nachhaltigkeit deutlich zur Sprache. So ist es gängige Praxis, dass „frische Nordseekrabben“ zwar in der Nordsee gefangen, jedoch erst in Marokko weiterverarbeitet werden, bevor sie wieder in Deutschland als eben diese angeboten und verkauft werden. Hier machten die Schülerinnen und Schüler am eigenen Leib die Erfahrung, wie aufwändig das Pulen von Krabben ist, wenngleich die Scheu vor den frischgefangenen Krabben erst einmal abgelegt werden musste. Das im Unterricht erarbeitete Vorwissen war nicht nur hierbei sehr hilfreich, sondern bekam auch zahlreiche neue und vertiefende Facetten.

 

Die meisten Programmpunkte wurden seitens der ansässigen Schutzstation durchgeführt und geleitet. Die offene, freundliche und kompetente Art der Mitarbeiter machte diese Klassenfahrt zu einem eindrücklichen Erlebnis, welches die Schülerinnen und Schülern sicher nicht so schnell vergessen werden. Es zeigte sehr schön, wie einzigartig und zugleich vielfältig das Ökosystem Meer ist, welche globale Bedeutung dieses hat und dass man nicht immer in einen Flieger steigen und tausende Kilometer zurücklegen muss, um die Schönheit und die Bedeutung der Natur hautnah kennenlernen zu können. Den Schülerinnen und Schülern wurde bewusst, dass es sich um ein sensibles Gleichgewicht handelt und es an jedem einzelnen von uns liegt dies zu schützen und zu bewahren.

 

Fotos: privat

 

Teil V: Reise in Deutschlands Norden

Friedrichstadt

Das Thema Rufbus beschäftigte uns seit unserer Ankunft in dem Ferienort Tönnig an der Eidermündung. Es gibt zwar eine Zugverbindung nach Husum und St.Peter Ording, aber die ist derzeit alles andere als benutzbar. Zugausfälle und Streckenarbeiten sind an der Tagesordnung. Per Linienbus hat man auch nicht gerade die ideale Verbindungen in die umliegenden Ortschaften. Die Alternative Rufbus ist hingegen ideal. 90 Minuten vor dem geplanten Antritt der Fahrt, das Reiseziel, die Menge der Mitreisenden und einen der angepeilten 20 Haltestellen telefonisch (04841 67 777) angeben und die Sache ist gebucht.

Am historischen Packhaus im Tönniger Hafen nahm uns ein Sechsitzer-Mercedes, mit einem leuchteten Taxischild auf dem Dach, auf. Der Fußweg vom WoMo-Stellplatz Eiderblick bis dorthin, betrug gerade einmal 10 Minuten. „Wir fahren für Rufbus Nordfriesland“, erklärt der freundliche Fahrer und weißt daraufhin, dass er auf dem Weg nach Friedrichstadt noch einen Fahrgast aufnehmen muss.

Friedrichsstadt empfängt uns mit total niederländischem Flair. Stadtgründer Herzog Friedrich III von Schleswig-Gottorf holte sich 1621 Religionsflüchtlinge (Remonstranten) aus Holland, die sich auf Entwässerung und Landgewinnung verstanden. Die haben viel mehr als nur Fußabdrücke hinterlassen. Kenner behaupten, dass das 3000 Einwohner zählende Städtchen, der schönste Flecken Hollands in Deutschland sei.

Die Stadt ist schachbrettartig angelegt und es gibt natürlich auch die, für Holland typischen, Grachten. Nicht nur für Fotografen oder Architekturliebhaber ist der Baustil der schönen Häuser, mit den stufigen Giebeln eine Augenweide. Der Einzelhandel blüht und für Wohnmobilisten gibt es einen sehr guten Stellplatz. Wer sich die Stadt aus einem Panoramaboot anschauen möchte, hat dazu massig Gelegenheit. Die gesamte Altstadt ist mit dicken Kopfsteinen gepflastert, aber am markantesten sind die ausladenden Rosensträuche mit blühenden Sutter’s Gold-Rosen, Beetrosen Schweizer Gruß und viele Polyanthrosen an den Hausfronten. Die farbenprächtigen und berauschend duftenden Blütenträume, sind schon für sich alleine einen Besuch Wert.

Auch in dieser kleinen Stadt ist das Miteinander von Rad, Auto und Spaziergängern überhaupt kein Problem. Es gibt eine kleine Fußgängerzone und einen riesigen Marktplatz, mit einem Pumpbrunnen. Direkt gegenüber steht das alte Rathaus. Umgerüstete, gusseiserne Gaslampen komplettieren das Stadtbild und auch die holländische Remonstranten-Kirche 1624 gebaut, 1850 zerstört und zwei Jahre später neu errichtet, lohnt sich anzuschauen.

Na klar, das Essen. Es gibt viele Möglichkeiten seinen Hunger und Durst zum Beispiel im Klein Amsterdam zu stillen und dies natürlich auch mit leckeren Fischgerichten.

Zum Abschluss ein Eis bei Pinoccio am Marktplatz und die Heimfahrt mit dem Rufbus ist ein Klacks. Die Hin-und Rückfahrt kostete für die knapp 20 Kilometer lange Strecke Tönning-Friedrichstadt gerade einmal 9,20 Euro. Wie das mit dem 9-Euro-Ticket gewesen wäre, haben wir nicht feststellen können. Statt schwerer, meist leerer, Gelenkbusse, sind Kleinbusse unterwegs, die nur die Haltestellen anfahren, die nachgefragt werden. Eine tolle und nachhaltige Idee, die der Umwelt und den Geldbeuteln von Kommune und Kreis, sowie den Benutzer gut tun. sig/Fotos: Gerdau

Teil IV: Reise in den Norden Deutschlands

Radfahren in und um Tönning

Flacher geht es nicht mehr und daher ist Radfahren in Schleswig-Holstein nicht nur bei Urlaubern so oft es geht angesagt. Früher machte der Gegenwind das Pedalieren oft zur Qual. Das ist seit der Erfindung des E-Bikes kein Thema mehr. Bis auf die Einheimischen, fährt heute kaum ein Mensch mehr ohne den hilfreichen Antrieb. Ohne Zusatzantrieb und Gangschaltung müsste man auf dem Radweg zum Eidersperrwerk ganz schön in die Pedale treten.

Schöner Blick in die Ferne

Der Blick über die Weiden zum Horizont ist schier unendlich. Große Windkraftanlagen, wohin man auch blickt, stören immer wieder den Gesamteindruck. Leider müssen wir damit leben. Es gibt wohl mittelfristig keine Alternative. Immer wieder öffnet sich die Grasfläche für kleine Wasserflächen. Möwen baden darin, während zufriedene Kühe, direkt daneben, sich leckeres Gras munden lassen. Auf halbem Weg kann man in einem kleinen Aussichtspunkt, mit Blick aufs Katinger Watt, pausieren. Direkt davor steht ein schwerer Findling mit einer eingemeißelten Inschrift, zum Andenken an Eidersperrwerksbau und Flurbereinigung.

Dann taucht der Kontrollturm des Sperrwerks am Horizont auf. Der Wind frischt auf, man spürt deutlich die Nähe der Nordsee. Große Parkplätze stehen den Besuchern zur Verfügung und es gibt nur wenige Einschränkungen bei der Besichtigung der gewaltigen Anlage.

Eidersperrwerk bei Tönning

Die Möwen haben scheinbar nur auf deren Errichtung gewartet und gleich damit begonnen ihre Brutgelegenheiten einzurichten. Hunderte der oft besungenen Vögel segeln durch die Luft oder kümmern sich auf einem kleinen Dreieck, neben der Schleuse im ihren Nachwuchs. Das ohrenbetäubende Möwengeschrei wird teilweise vom starken Wind übertönt. Die schnellen Vögel stören sich nicht an den Besuchern, nur ein mitgebrachter Hund mischt die gesamte Belegschaft lediglich durch seine Anwesenheit auf. Die frisch Geschlüpften und die Jungvögel, ziehen die Köpfe zwischen die Schultern und bleiben sitzen.

Der Rückweg versprach Rückenwind, aber es kam wie so oft anders. Also schaltete ich den Motor ein und trat in die Pedale. Die erste Stufe und der 4. Gang reichte aus. Ein bisschen wollte ich ja auch leisten. Immer wieder gab es einen Halt, die Landschaft forderte mehr als einen Klick auf meiner Canon.

Viel Wasser auch jenseits der großen Nordseedeiche.

Obwohl das Tönniger Freibad nur eine Steinwurfweite vom Stellplatz Eiderblick entfernt liegt, haben wir es noch nicht gewagt ins Wasser zu gehen. Auch die Eider erscheint noch ein wenig zu kalt, um Badefreuden zu genießen. Morgen früh fahren wir erst einmal nach Friedrichstadt. sig/Fotos: Gerdau

Teil III: Reise in Deutschlands Norden

Tönning kulinarisch.

Wer nichts arbeitet, soll wenigstens gut essen. Ein ironischer Grundsatz. Dem zu folgen, ist in dem gemütlichen Tönning nicht schwer.

Die Alte Werft, ein wahrhaft historisches Gebäude. Hier wurden einst stabile Holzschiffe gebaut und überall sind die Spuren aus dieser Epoche noch zu entdecken.

Der Tönninger Michael Lass hat in dem hohen Schuppen ein kleines Bistro installiert. Ehefrau Insa betreibt mit Schwägerin Simone und vielen Helferinnen das gemütliche Kleinod mit dem Sandboden und zahlreichen alten Holzbearbeitungsmaschinen. Mitten in der Corona-Pandemie war die Eröffnung. Ein großes Wagnis, aber es hat geklappt. Die Menschen schätzen nicht nur den Kaffee, sondern auch die besonders leckeren Fish&Chips und dazu ein leckeres Flensburger Pils. Verzehren kann man die unterschiedlichsten Köstlichkeiten da, wo einst der Stapellauf stattfand und man auch heute noch den schönsten Blick in den historischen Hafen hat. Fast hätte ich den selbst gebackenen Kuchen vergessen. Besonders die Torten wie Eierlikör-und Trümmertorte. Die gibt es mit Stachelbeeren oder auch Rhabarber.

Wer lange reist, dem wachsen auch die Haare. In Tönning gibt es vier Friseurgeschäfte und wir haben das mit dem schnellsten Termin favorisiert.

Petra in Arbeit

„Hair Land“ war nicht nur nach unserem Bauchgefühl der richtige Entschluss. Nett, kompetent und gemütlich. Wir kommen gerne wieder.

….und das Ergebnis.

Mittlerweile haben wir unsere Buchung auf dem WoMo-Platz verlängert. Tönning entschleunigt uns. Die gute Seeluft und die allgegenwärtige Ruhe tut ein Übriges.

Wir sitzen vor dem Eiscafe in der Sonne und haben einen schönen Überblick über den alten Marktplatz. Ein Ordnungsamtsmitarbeiter dreht seine Runden und kontrolliert die Parkscheine.  Offensichtlich sind alle Parker brav. Es gibt nichts zu beanstanden. Tönning hat keine autofreien Zonen. Es herrscht eine friedliche Koexistenz zwischen Fußgängern, Rad-und Autofahrern.

Annalena Thiemann, von der Tourist-Information auf dem Marktplatz, empfiehlt unbedingt am Wochenende das kleine Museum im Packhaus zu besuchen. Das machen wir und werden natürlich im nächsten Teil darüber berichten. sig/Fotos: Gerdau

Offener Brief an LDK-Landrat Wolfgang Schuster (SPD)

Sehr geehrter Herr Landrat Schuster,

am 3.5.2022 erhielt ich ein Schreiben Ihrer Behörde (FD 23.1), in dem mir mitgeteilt wurde, dass ich Betreiber einer Einzelraum-Feuerungsanlage sei. Diese müsse aufgrund ihrer hohen Feinstaubemissionen außer Betrieb genommen oder mit einer Einrichtung zur Reduzierung der Staubemission nachgerüstet werden.

Gemeint ist der erstklassig gepflegte Holzofen meiner 83-jährigen Großmutter.

Symbolbild.

Man forderte mich auf, meine Entscheidung, was wir nun mit dem Ofen machen wollen, bis zum 30.5.2022 schriftlich mitzuteilen. Ich hoffe, die Tatsache, dass ich mir einige Tage länger Zeit genommen habe, zieht nicht direkt die angedrohte, kostenpflichtige Verfügung nach sich.

Vorsorglich möchte ich schon mal versichern, dass die Oma den Ofen im Juni nicht anfeuern wird.

Die Zeit habe ich mir nicht aus Ignoranz genommen. Sie versetzte mich viel mehr in die Lage, eine sachliche Antwort zu formulieren. Ich gebe nämlich zu: Ihr Schreiben hat mich verärgert.

Da ich nicht davon ausgehe, dass wir die Einzigen sind, die dieser Tage solche Schreiben Ihrer Behörde erhalten, möchte ich nicht nur aus der Perspektive meiner Großmutter argumentieren.

Wir leben in Zeiten einer galoppierenden Inflation, in denen darüber hinaus die Versorgung mit Primärenergie in der Bundesrepublik und der gesamten europäischen Union nicht nur erheblich verteuert, sondern schlichtweg nicht gesichert ist.

In dieser Situation fordern Sie die Menschen nun dazu auf, gut gepflegte und gut funktionierende Heizanlagen außer Betrieb zu setzen. Heizanlage, die zudem mit Primärenergie betrieben werden, die direkt vor ihrer Haustüre steht.

Das ist unverantwortlich.

Die Teuerungsrate lässt vielen Menschen nicht den Spielraum, ihre bestehenden Heizanlagen zu ersetzen oder umzurüsten. Was bleibt, ist eben diese Außerbetriebsetzung.

Damit nehmen Sie den Menschen nicht weniger, als die Sicherheit, im Winter ihre Wohnungen heizen zu können.

Um es ganz deutlich zu sagen: Sie verbieten hier keine Luxus-Kreuzfahrten mit Schadstoff-emittierenden Ozeanriesen. Hier geht es ans Eingemachte.

Ich sehe natürlich ein, dass Sie das Bundesimmissionsschutzgesetz nicht ignorieren können. Da Sie sich hier jedoch auf die erste Bundesimmissionsschutzverordnung beziehen, habe ich die Hoffnung, dass mit Kreativität und Mut in Ihrer Behörde ein Weg gefunden werden kann, diesen Wahnsinn zu stoppen.

Eine Idee könnte sein, den §22 der ersten Bundesimmissionsschutzverordnung anzuwenden. Dieser ermächtigt die zuständige Behörde, Ausnahmen zuzulassen. Die Merkmale der besonderen Umstände und unbilligen Härten dürften aufgrund der oben kurz angerissenen, aktuelle Lage, nicht nur im Einzelfall, sondern für die Allgemeinheit leicht zu begründen sein. Das könnte auch den dort geforderten Antrag entbehrlich machen.

Sie als Landrat sollten in diesen unsicheren Zeiten Ihren Beitrag dazu leisten, den Menschen die Angst vor dem nächsten Winter zu nehmen, statt diese noch zu schüren.

Mit freundlichen Grüßen

Patrick Pfeiffer