Sehenswerte Kunstausstellung in der alten Färberei

Das Gründungsmitglied der Herborner Künstlergilde Ernst Tropp, stellt am kommenden Wochenende (3. bis einschließlich 5. Dezember 2021) gemeinsam mit Christiane Enners seine Werke im Haus der Vereine (Alte Färberei) aus. Der 89-Jährige ist in seiner Schaffenskraft ungebrochen. Sein neustes Werk, die Trilogie „Kreuzigung, Auferstehung, Himmelfahrt“ ist ein absoluter Hingucker. Tropp malt mit Öl und Acryl, aber ausschließlich mit seinen bloßen Händen. Den Malpinsel setzt er nur dort ein, wo es unbedingt nötig ist. Interessant ist auch die Vorgehensweise bei der Entstehung seiner Bilder. So weiß er zu Beginn nie, wie es am Ende aussehen wird. Seine Werke nennt er „Imaginäre Landschaften und sonstige Fantastereien“.

Um unseren Erdtrabanten zu bemalen, ist auch der von Ernst Tropp eher selten eingesetzte Pinsel zu kurz.

Christiane (Chris) Enners ist mit Ernst Tropp seit vielen Jahren befreundet. Ihre Aluminium-Gießerei auf dem Herborner Rehberg hat sie mittlerweile geschlossen und die Hallen verkauft. Jetzt bleibt ihr die Zeit, sich ihrer heimlichen Leidenschaft, der Metallbildhauerei, zu widmen. Schon lange experimentiert die Hörbacherin mit dem Metall, welches auch in ihrer Firma verwendet wurde. Aluminium wird von ihr auf künstlerische Art zu wahren Kunstwerken geadelt. Bescheiden wie sie ist, nennt sie diesen künstlerischen Entstehungsprozess „Der Wandel“. Die Ausstellung wird unter den derzeit gängigen 2 G- Vorsichtsmaßnahmen mit Mund und Nasenschutzmasken stattfinden. Für ausreichend Desinfektionsmöglichkeiten ist gesorgt. Sie ist täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt ist frei. sig/Foto: Gerdau   

Neue Bücher

„Cruz de Ferro“

Von Siegfried Gerdau

Es gibt viele Bücher über den Camino, den Pilgerweg ins spanische Santiago de Compostela. Das neben Rom und Jerusalem bedeutendste Pilgerziel des christlichen Mittelalters erlebt auch in der Neuzeit eine ungeahnte Renaissance. Jährlich treffen über 200.000 Pilger mit der Jakobsmuschel als Pilgerzeichen am Hut oder Rucksack, zu Fuß, auf dem Fahrrad, zu Pferd oder als Rollstuhlfahrer in Santiago ein. Der Herborner Markus Schlaudraff machte sich 2016 ebenfalls auf die Socken, um mindestens ein Teilstück dieses von der französischen Grenze bis zum Wallfahrtsort 850 Kilometer langen Wegs, in Angriff zu nehmen. Er hatte gute Gründe für sein nicht ganz einfaches Unterfangen. All diese thematisiert er in seinem 2020 bei BoD-Books on Demand, Norderstedt, erschienen Buch, „Cruz de Ferro“.

In sehr einprägsamem, authentischem Stil fasst der 56-Jährige die eindrucksvollsten Momente seiner Wanderung auf 100 Seiten zusammen. Seine eigenen Empfindungen, Gefühle und Erfahrungen sind das alleine Gültige. Niemals will er seine Leserinnen und Leser belehren oder zur Nachahmung überreden. Er regt an, zeigt auf und stellt seine eigene Leistung ganz hinten an. Viele Begegnungen mit Menschen aus der ganzen Welt sind es ihm Wert darüber ein wenig ins Detail zu gehen. Dies macht das Buch auf eine ganz eigene Art sehr menschlich und teilweise auch anrührend. Obwohl der Anlass zu seiner Pilgerreise alles andere als erstrebenswert war, verlor der große starke Mann seinen Humor nicht. „Ich habe nie gelernt meine Gefühle zu zeigen.“ Der Camino machte ihm deutlich, dass auch Männer das Recht zum Weinen haben. Sein eigentliches Ziel, das Cruz de Ferro mit seinem Hügel aus Millionen Steinen, die von Pilgern dort abgelegt wurden und immer noch werden, hat er erreicht. Auch er wurde dort seine aus Deutschland mitgebrachten Steine los und löste ein Versprechen ein. Das Cruz de Ferro am Monte Irago heißt auf Deutsch Eisenkreuz. Es markiert den mit 1500 Meter höchsten Punkt des Camino. Apropos Camino, so heißt Weg auf Spanisch und der Jakobsweg war für den Herborner seine bisher größte Herausforderung. Dem Lebensmittel-Kontrolleur wurde das Wandern nicht in die Wiege gelegt und so musste er sich jeden Meter des spanischen Pilgerwegs erarbeiten. „Immer wieder wurde ich von Pilgern überholt, die mir ein freundliches „Buen Camino“ zuriefen. Entweder war ich sehr langsam oder sie waren sehr flott. Ich erkannte schnell, ich war sehr langsam.“   

Markus Schlaudraff wird nicht zum letzten Mal auf dem Camino unterwegs gewesen sein.

Santiago de Compostela mit seiner Kathedrale und den Gebeinen des heiligen Jakobus war Beginn und Ende von Markus Schlaudraffs Pilgerreise. Dazwischen lagen viele Kilometer echter körperlicher Arbeit, Stunden der Selbstfindung und Erkenntnisse, die er ohne diese selbstgewählte Aufgabe nie gewonnen hätte.

Das Buch untertitelt mit „Steine der Hoffnung auf dem Jakobsweg“ ist kein Reiseführer und sollte es auch niemals werden. So gut wie ein bekanntes Werk eines noch bekannteren Zeitgenossen ist es allemal. Es macht sehr eindringlich deutlich, in welch großer seelischer Not ein Mensch jeden Strohhalm ergreifen lässt, um am Ende zu erfahren, dass die letzte Entscheidung jemand anders trifft. Es zeigt aber auch deutlich auf, wie wichtig es ist unbekannte Wege zu gehen, um den eigenen Horizont zu erweitern. „Ich kann gar nicht sagen, aus welchem Land die anderen kamen. Es gab da keinen Unterschied der Zugehörigkeit, weder religiös oder politisch, noch von der Abstammung her. Alle waren einfach nur Pilger mit dem gleichen Ziel. Vorurteile schmolzen dahin und wir waren alle einfach nur Weltbürger.“

Markus Schlaudraff, hier auf einem Teilstück des Jakobsweges, hat sein sehr lesenswertes Buch mit viel Empathie und Herzblut geschrieben.

Fazit: Dieses Buch fasziniert von der ersten Seite an. Aus zahlreichen, vergleichbaren Reise- oder Erlebnisberichten ragt es einsam heraus und wer je die Absicht hat einen Pilgerweg unter die Wanderschuhe zu nehmen, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Zum Preis von knapp unter 14 Euro ist es in der Herborner Schlossbuchhandlung und in jeder anderen Buchhandlung zu erwerben. ISBN: 9783752612547. Repro und Foto: Gerdau      

Ein Weihnachtsbaum mit Namen Joachim

Zugegeben es ist nicht alltäglich und in Herborn sicher das erste Mal, dass ein Weihnachtsbaum einen Namen hat. „Joachim“ heißt der 13 Meter hohe und 3,5 Tonnen schwere Vertreter seiner Gattung. Die Leute vom Guntersdorfer Pferdehof Welzel hatten ihn der Stadt zur Verfügung gestellt. Sehr schön schmückten ihn die Bediensteten vom Herborner Bauhof und das finden auch fast alle, die ihn gesehen haben. Wenn da nur der Name nicht wäre. Die Einen zucken mit den Schultern nach dem Motto „mir doch egal“, die Anderen sagen „einen Weihnachtsbaum mit einem Namen geht ja gar nicht.“ Wenn er wenigstens nicht so sichtbar angebracht wäre, könne man damit leben.“

Joachim dominiert den Herborner Marktplatz.

Ich meine: „Warum soll ein Weihnachtsbaum eigentlich keinen Namen tragen.“ Irgend jemand wird sicher damit geehrt, veralbert oder einfach nur in den Herborner Annalen verewigt. Ganz sicher bietet er Gesprächsstoff in einer Zeit, in der es fast nur ums Klima, die Spritpreise und die Politik geht und das ist doch auch schon was. Lassen wir also dem Weihnachtsbaum seinen Namen und freuen wir uns über die schön illuminierte Stadt. sig/Foto: Gerdau

Ahnungslos und zaudernd in der Krise

„Olaf Scholz ist bislang kein echter Staatsmann. Er ist höchstens ein Staatsmännchen. Wenn er den Mund aufmacht, kommen Schwurbelsätze heraus, die bei den Zuhörern zum einen Ohr hinein und zum anderen hinausgehen. Das klingt so: „Und dann, glaube ich, müssen wir uns natürlich damit auseinandersetzen, dass das Virus eben nicht weg ist, dass wir all diese Maßnahmen ergreifen müssen, aber es trotzdem dazu kommen wird, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger infizieren, ganz besonders diejenigen, die sich nicht haben schützen lassen und die nicht geimpft sind.“

„So klingt kein Appell in einer Notlage, so klingt eine rhetorische Kapitulationserklärung. Der Mann, der nach Deutschlands mächtigstem Amt greift und das Land durch den Krisensturm führen will, scheint sich nicht darum zu scheren, ob er von den Menschen überhaupt verstanden wird. Seit er aus dem Wahlkampf heraus ist, traut er sich keinen Klartext mehr zu – und damit ist er nicht der Einzige. Auch viele andere Spitzenpolitiker klingen wie Formularroboter. Damit tragen sie dazu bei, dass sich die Notlage hierzulande weiter verschlimmert.“ Florian Harms

Das schreibt der sonst so regierungsloyale t-online Chefredakteur Florian Harms heute in seinen Newslettern. Recht hat der Mann. Scholz ist ein Opportunist, ein Zögerer und kein Macher. Hieße er Borjans, hätte ihn seine Partei schon in die Wüste geschickt. Die Sozialdemokraten haben jedoch keine Auswahl mehr und sind somit dazu verdammt, ihn weiterhin auf dem Schild zu tragen. Erinnert ein wenig an die Ära Schulz. Die Ähnlichkeit der Situation in der die ehemals erste deutsche Volkspartei CDU steckt, ist verblüffend. Die haben Einen, aber der gefällt vielen Parteifreunden nicht, noch hat er die Chance aus den Tiefen der Opposition aufzusteigen. Die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler wollten es so. Die Zeit der Durchschnittlichen ist gekommen und die fühlen sich wie die Einäugigen unter den Blinden. Die alten, weißen Männer haben verspielt, jetzt kommen die jungen grünen Ahnungslosen und Träumer. Man kann nur hoffen, dass dieses Experiment mit dem 80 Millionen-Volk Deutschland nicht in die Hose geht. sig

Verschwundene Orte

Die Fotos stammen aus dem Archiv von Winfried Rohrbeck.

Der neue Fotokalender im DinA4-Format „Herborn – Verschwundene Orte 2022“, ist ein schönes Weihnachtsgeschenk für alle Herborner und die Freunde der schönen Stadt an der Dill. Der Kalender entstand in Zusammenarbeit mit Winfried Rohrbeck vom Geschichtsverein Herborn und ist zum Preis von 15,90 Euro im Fotostudio am Hexenturm in der Herborner Ottostraße (Wendehammer) erhältlich.

Postbank in Herborn schließt-Paket und Briefpost bleibt.

Postbank und Brief/Paketpost sind hier ab 18. Dezember nicht mehr zu finden.

Eben erreichte mich folgende Mail:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebes Redaktionsteam,

wie alle Banken beobachtet auch die Postbank, dass sich der Markt sowie das Verhalten unserer Kunden in Zeiten der Digitalisierung verändern. Hierauf stellen wir uns u.a. dadurch ein, dass wir für unsere Kunden unterschiedliche neue Filialformate mit differenzierten Produkt- und Serviceangeboten entwickeln. Zudem überprüfen wir kontinuierlich unser Filialnetz hinsichtlich seiner Wirtschaftlichkeit und Optimierungsmöglichkeiten.

In diesem Zusammenhang hat die Postbank beschlossen, die Filiale in Herborn zu schließen.

Das Angebot an Post- und Paketdienstleistungen bleibt in unmittelbarer Nähe aber auch in Zukunft bestehen und wird durch unseren Kooperationspartner Deutsche Post sichergestellt sein.

Die Postbank schließt zum 17. Dezember ihre Filiale in Herborn. Die Filiale am Bahnhofsplatz 2, in 35745 Herborn öffnet daher letztmalig am Freitag, den 17. Dezember, 2021 von 9:00 Uhr bis 12:30 Uhr.

Die Post- und Paketdienstleistungen können Kund*innen wie gewohnt in vollem Umfang nutzen. Dafür steht den Kund*innen ab dem 1. Dezember ganz in der Nähe die Partnerfiliale der Deutschen Post, Westerwaldstraße 4, in 35745 Herborn mit den im Einzelhandel üblichen Öffnungszeiten zur Verfügung.

Also noch einmal im Klartext:

Die Postbank schließt endgültig in Herborn ihre Pforten.

Die „normale“ Post wie Brief- und Paketpost, verlässt ebenfalls das Gebäude am Bahnhof und siedelt in die Westerwaldstraße 4 um.

Pressedienst der Deutschen Post
Neue Poststelle in der Westerwaldstraße 4 (Herborner Textilreinigung) ab 1. Dezember. Fotos: Gerdau

Mörsheim-Bestattung geht neue Wege.

Mit einer neuen, revolutionären Bestattungsform will der Herborner Bestattungsunternehmer „Mörsheim Bestattung-Ihr Trauerbegleiter Herborn“, einen von vielen Menschen gehegtem Wunsch entsprechen. Dirk Mörsheim betreibt seit dem 13. März dieses Jahres sein Bestattungsunternehmen in der Herborner Turmstraße 4-6. Neben den üblichen Erd-, Feuer-und Seebestattungen, können die Angehörigen der Verstorbenen auch die Urnen-Beisetzung im Friedwald wählen. Seit neuestem hat der 30-jährige Verbandsgeprüfte Bestatter mit BaumFrieden ein Angebot in seinem Repertoire, auf das viele Menschen schon lange gewartet haben.

Dirk Mörsheim

Bei BaumFrieden wird die Asche des Verstorbenen in Kerkrade in den Niederlanden einem ausgewählten Bäumchen beigegeben. Nachdem die Asche vollständig in dessen Wurzelwerk übergegangen ist, kann der Baum an einem von den Verstorbenen oder deren Angehörigen gewünschten Ort in Deutschland eingepflanzt werden. Vielfach wird das der eigene Garten sein. Es spricht aber auch überhaupt nichts dagegen ihn an einem Lieblingsort der Verstorbenen in die Erde zu bringen. Der Wunsch, den lieben Verstorbenen auf diese Art ganz nahe zu sein, hat etwas ganz Besonderes.

An einem solchen Ort als Baum der Ewigkeit entgegen zu dämmern, ist für viele Menschen ein tröstender Gedanken.

Dirk Mörsheim, der erst kürzlich eine umfassende Ausbildung zum Verbandsgeprüften Bestatter absolviert hat, gibt über diese und alle anderen Bestattungsarten umfassend Auskunft.

Der sichtbare Lohn für die sechsmonatige, kostenintensive Ausbildung.

Am 6. Dezember, dem Nikolaustag will Mörsheim den von der Corona-Pandemie besonders belasteten Kindern eine Freude machen. Als Nikolaus verkleidet wird er von 9 bis 16 Uhr im Rewe-Markt an der Herborner Austraße stehen und ihnen mit einem kleinen Nikolausgeschenk ein Lächeln ins Gesicht zaubern. sig/Fotos: Gerdau

Klare Worte vom Sitzungspräsidenten

Von Siegfried Gerdau

Bekamen die Karnevalistinnen und Karnevalisten des Herborner Karnevalverein (HKV) am 11.11. zum Beginn der närrischen Saison „nur“ den Schlüssel für den Hintereingang des Herborner Rathauses, so überreichte ihnen Bürgermeisterin Katja Gronau am Nachmittag darauf den für den Haupteingang. Zum Dank für die widerstandslose Überlassung des mächtigen Teils, ließ Sitzungspräsident Bernd Willi Walther alle drei HKV-Garden auf dem Marktplatz tanzen. Von den Elferratsmitgliedern und vielen Zuschauern flankiert, gaben die jungen Damen einen Vorgeschmack von dem, was die Besucher auf den Karnevalsveranstaltungen 2022 in Herborn erwartet.

Walther betonte: In seiner bis zum Aschermittwoch des kommenden Jahres währenden „Amtszeit“ im Rathaus, werden es zwar keine Gehaltserhöhung für die Bediensteten geben, aber der Humor, den er schon seit langem dort vermisse, werde wieder Einzug halten. Schon seit geraumer Zeit beobachte er und seine Narrenschar die Obrigkeit. So gehe es unter dem Dach des Rathauses alles andere als humorvoll, sondern im Gegenteil oft verletzend zu. „Das wollen weder wir, noch die Bevölkerung“, sagte Walther und empfahl wieder mehr Sachlichkeit und so oft wie möglich auch eine Prise Humor im Plenarsaal.

Walther schrieb den Herborner Politikern deutliche Worte ins Gebetbuch.

Das Gute an meinem Blog ist, dass ich zu jeder Zeit korrigierend eingreifen kann, wenn ich etwas geschrieben habe, das meine Leser als sachlich falsch einstufen.

Im vorliegenden Fall, wurde ich darauf hingewiesen, dass der HKV kein 10-sondern das 11-jährige Jubiläum feiere. Ich nehme an, dass dies so ist und habe mich (im Zweifelsfall) dazu entschieden, den fraglichen Satz zu entfernen.

Das gilt auch für die genannten Trainerinnen der Gardetänzerinnen. Auch hier habe ich scheinbar die falschen Infos bekommen und dementsprechend war wohl auch das Ergebnis nicht korrekt.

Vielen Dank für den Hinweis aus erster Hand. Ich habe das Foto und den offensichtlich strittigen Text dazu entfernt.

Der November

Nur noch kurze Zeit, dann sind auch diese Buchenblätter nur noch gefallenes Laub.

Von Kurt Reihl

Warum sind wir voreingenommen,

wenn der November zieht ins Land?

Warum sind wir bedrückt, benommen,

was wir im Sommer nicht gekannt.

Ist es vielleicht die Totenklage,

die durch den ganzen Monat weht?

Ist es die bang verborgene Frage,

wie es ums eigene Leben steht?

Von Frucht entleert der Apfelbaum,

leicht fröstelnd, ohne Laub.

Die Sommerpracht, man glaubt es kaum,

verwandelt sich in Staub.

Es ist ein Sterben ohne Ende.

Man sieht, gedrückter Stimmung nicht,

dass sich im Knospenteil die Wende

anbahnt, eh er im März aufbricht.

Es neigt das Jahr sich, um zu wissen,

dass jetzt die Zeit gekommen sei,

wo alte Blätter fallen müssen,

eh neue sprießen dann im Mai.

Hundeschicksal mit Happy End

Von Siegfried Gerdau

„So blauäugig und unbedarft würde ich heute nicht mehr handeln“, sagt die 50-jährige Wahl-Burgerin Manuela Kuhnhold, mit Blick auf die kleine Mira. Bei Facebook sah sie vor einem dreiviertel Jahr das süße Hundegesichtchen und beschloss ihren langjährigen Hundewunsch in die Tat umzusetzen. Eigentlich wollte sie ja einen Welpen von einem heimischen Züchter. Als sie aber von dem Schicksal der rumänischen Hunde las, kam der Wunsch nach Rettung bei ihr dazu. Bei der Mira -Tierhilfe e.V. in Hirtscheid-Alpenrod, Büdinger Straße 15 meldete sich Sabrina Schipper und schon bald hatte die rumänische Straßenhündin ein neues Zuhause. Elsa hieß sie eigentlich, doch der Name Mira gefiel Manuela so gut, dass sie kurzerhand eine Umtaufe vornahm. Das Alter von Mira war mit ungefähr zweieinhalb Jahren angegeben. Auch dass die total abgemagerte Hündin schon einen Wurf Junge gesäugt hatte, war bekannt. Das sei wie auch bei fast allen anderen osteuropäischen Straßenhunden alles gewesen, was man ihr an Erkenntnissen mitgeben konnte.

„Ich wusste im Grunde genommen über Hunde so gut wie nichts und von Straßenhunden erst recht nichts. Das wurde mir schon in den Tagen darauf mit Mira klar.“ Eine Ausrüstung wie Halsband, Leine, Futternäpfe und natürlich ein gutes Hundefutter musste her. Was ich da kaufte und ob das alles das Richtige war, keine Ahnung. Ich ließ mich beraten und das wars. Mira beobachte alles sehr kritisch und war von Anfang an sehr distanziert. Einmal knurrte sie mich an und ich machte ihr lediglich verbal sehr deutlich, dass das nicht geht. Zum Glück blieb es auch bis jetzt dabei. Gelegentliche Besucherinnen und Besucher mussten da schon vorsichtiger sein. Ein paarmal setzte sie auch ihre Zähnchen ein und knapste denen in die Hosen.

Mittlerweile hat sie alles über Hunde gelesen, was ihr in die Finger kam. Das Einzige was sie selber lernen (erfahren) musste, war der Umgang mit Hunden, die auf der Straße lebten. Das ist, so erfuhr sie schon bald, eine Nummer für sich. Wie die Menschen in Rumänien- vielleicht auch anderswo-mit solchen armen Geschöpfen umgehen, kann man nur erahnen. Jedenfalls ist ihre Mira total traumatisiert. Besonders allen Männern gegenüber zeigt sie eine abgrundtiefe Angst und das lässt viele Rückschlüsse zu. Beim ersten Mal Gassi gehen, drückte sie sich fast verzweifelt an die Hauswände, als suche sie Schutz vor Steinwürfen und Fußtritten. Immer wieder blickte sie sich hektisch nach allen Seiten um und hat Fluchtgedanken förmlich im Blick. Das alles hat sich seit Februar nur langsam etwas gelegt. „Zu mir hat sie mittlerweile Vertrauen aufgebaut und das macht mich glücklich“, sagt Manuela

Manuela und Mira-eine Schicksalsgemeinschaft

„Immer wieder las ich, dass Hunde-Erziehung wie auch Übrigens die von Menschen, nur mit viel Liebe, Konsequenz und Geduld funktioniert.“ Das war alles für Manuela, selber Mutter einer erwachsenen Tochter eine Selbstverständlichkeit. Dass sie aber so viel Zeit für Mira aufbringen musste, hatte sie nicht bedacht. Viele Stunden verbrachte sie zum Beispiel mit der Hündin im Auto ohne loszufahren, um sie auch an diese Umgebung zu gewöhnen. Das kleine Hundemädchen kannte das alles nicht und heute ist Manuela froh, dass ihre Geduld auch diesbezüglich Früchte getragen hat. „Zurückgeben war für mich keine Option“, sagte die ehemalige Fußballspielerin und Trainerin. Dennoch habe und hat sie schon einige Male mit ihrem damaligen Entschluss gehadert. Wenn sie Mira jedoch in die lieben Augen schaut und sie auf dem Arm hat, sind alle Zweifel schlagartig beseitigt.

Die kleine rumänische Straßenhündin Mira hat bei Manuela Kuhnhold ihren Seelenfrieden gefunden.

Die Zweifel, ob sie wirklich mit dem Kauf eines rumänischen Straßenhundes das schreckliche Hundeleid in diesem Land lindern könne, sind jedoch nicht beseitigt. Im Gegenteil. Immer wieder geht ihr durch den Kopf, dass sie damit die „Hundeindustrie“ in dem Land befeuert. Mittlerweile weiß sie, dass es wie so oft nur ums Geld geht. Für jeden Hund, der ins Tierheim gebracht wird bekommt der Überbringer Geld. Viel Geld für rumänische Verhältnisse. Da liegt bei ihr der Verdacht nahe, dass die Tiere gar nicht von der Straße stammen, sondern eigens zu diesem Zweck gezüchtet werden. Eine brutale Vorstellung, aber so ganz unbegründet scheint sie nicht zu sein.

Um beim Geld zu bleiben. Mira kostete 350 Euro, aber das sei ja nur der Einstieg gewesen. Manuela führt seit Einzug von Mira akribisch Buch über alle Ausgaben rund um den kleinen Hund. Da seien bis jetzt mal locker 1 000 Euro zusammengekommen. Die monatlichen Unterhaltskosten schätzt sie auf 50 überschaubare Euro. Wenn aber der Tierarzt dazu kommt, wird es heftig. Über all das war sie sich so nicht im Klaren. Hundesteuer und Tierhaftpflicht-Versicherung fallen zwar nur einmal jährlich an, müssen aber auch noch bezahlt werden. Also, ein Hund kostet Geld und je größer er ist, umso mehr.

Wer dann noch das Pech hat, dass sein Hund von der Stadtverwaltung als Kampfhund eingestuft wird, kann sich von schreiben. Laut § 5, Abs.1 der „Satzung über die Erhebung einer Hundesteuer der Stadt Herborn“ kostet ein Hund 72 Euro im Jahr. „Abweichend von Abs. 1 beträgt die Steuer für einen gefährlichen Hund jährlich 600,00 €. Ob gefährlich oder nicht legt die Verwaltung fest und deren Feststellung ist rechtsverbindlich.

Mira ist sehr wählerisch was das Futter angeht. Wenn es ihr nicht schmeckt und wenn es das Teuerste ist, was der Markt anbietet, lässt sie die Schüssel links stehen. „Eigentlich ungewöhnlich für einen Straßenhund“, glaubt Manuela. Sie akzeptiert diese kleine Macke und probiert so lange, bis sie etwas passendes für die kleine Diva gefunden hat. Die beiden wachsen zusammen, da kann man ziemlich sicher sein. Aber das dauert und einen Menschen zu finden, der sich darauf einlässt ist auch für den süßesten Hund sicher nicht einfach. Derzeit ist Manuela noch in einer Umschulung und das Examen steht vor der Tür. Sie hat sicher mehr Zeit als wenn sie schon in dem neuen Job arbeitet. Dann wird Mira sich daran gewöhnen müssen, dass die „Mama“ nicht ständig präsent ist. Ein Nachbar im Haus, der ihr die Beaufsichtigung immer dann abnimmt, wenn sie nicht da sein kann, wird auch dann immer mal wieder nach dem Rechten schauen.

Das Schild an Manuela Kuhnhold Tür ist angesichts der kleinen Maus in der Wohnung, nur ein Scherz.

Manuela Kunholds Leben hat sich drastisch verändert. Das weiß sie mittlerweile genau und erlebt es auch fast täglich in allen ihren Lebensbereichen. Dennoch, wenn sie das Hundemädchen anschaut und sich vorstellt, was die kleine Seele in ihrem jungen Leben Schreckliches von grausamen Menschen erdulden musste, weiß Manu, wie ihre Freunde sie nennen, dass sie in ihrem ganz privaten Mikrokosmos alles richtig macht. Fotos: Gerdau