Weihnachten im Schuhkarton

Von Siegfried Gerdau

Früher als bei vielen anderen hat die Weihnachtssaison für Alexandra Müller aus Driedorf Münchhausen jetzt schon begonnen. In vielen Räumen ihres schönen Einfamilienhauses mit Blick über den Westerwald, stapeln sich leere und bereits gefüllte Schuhkartons, weihnachtlich beklebt oder noch nicht. Die 50-jährige Büroangestellte ist eine von vielen Weihnachtsengeln, die sich zur Aufgabe gemacht haben osteuropäischen Kindern das Weihnachtsfest zu versüßen. In diesem Jahr werden es bei ihr 40 Päckchen sein, die sie bis spätestens 15. November zu der Annahmestelle von Daniela Peter in Haiger gebracht haben muss.

„Schon meine Mutter Roswitha denkt jedes Jahr aktiv an die Kinder in der Welt, deren Weihnachtsfeste eher traurig und sehr arm verlaufen“, erzählt Alexandra. Diese Initiativen hat sie auch für sich übernommen und das gute Gefühl etwas für Kinder getan zu haben, die von der Welt vergessen worden sind, ist ihr Antrieb und Berufung zugleich.

Ein Richtwert für das, was sie in die Päckchen packt, gibt die Samaritan`s Purse, die barmherzigen Samariter, mit Sitz in Berlin. Die Empfehlungen sind nach Altersgruppen und Geschlecht der Kinder geordnet. Auch die Zollbestimmungen der unterschiedlichen Länder fließen da mit ein. Die Münchhäuserin hat das alles schon seit vielen Jahren ihrer Tätigkeit verinnerlicht und Ehemann Klaus unterstützt sie, wo er gebraucht wird. Er weiß, dass sein häuslicher Bewegungsbereich in der Vorweihnachtszeit durch Süßigkeiten, Mützchen, Schals, Handschuhe und Spielzeug drastisch beschnitten ist und akzeptiert die Aktionen seiner Frau voll und ganz.

Die leeren Schuhkartons bekommt Alexandra von einem Haigerer Schuh-Discounter. Die muss sie alle weihnachtlich bekleben und mit einem Hinweis auf Alter und Geschlecht außen versehen. Der Einkauf für den Inhalt der Schuhkartons ist abgeschlossen, wie man an den teilweise meterlangen Einkaufs-Bons leicht erkennen kann. „Die Kassiererinnen müssen bei mir schon Geduld haben und die Kunden hinter mir an der Kasse auch“, lächelt sie. Dann beginnt die Füllarbeit. Es gibt für alle eine sogenannte Grundausstattung. Das sind auf jeden Fall zwei Schulhefte, zwei Tafeln Vollmilchschokolade, Bonbons (nicht gefüllt), Kaugummistangen, Zahnpasta und je eine Zahnbürste. Den Rest füllt sie nach eigenen Vorstellungen und Erfahrung auf. Immer dabei ist jedoch ein kleines Kuscheltier.

Die Bekleidungsartikel müssen neu und ungewaschen sein, erklärt sie. Das habe einen ganz logischen Hintergrund. Man wolle so vermeiden, dass jemand seine ausgesonderten Textilien einfach in die Päckchen stopft. Auch Kriegs-oder Horrorartikel haben in den Weihnachtspäckchen nichts verloren. Die Vorstellung von den leuchtenden Kinderaugen beim Auspacken der Geschenke, ist ihr jeder Aufwand Wert. Bereits Anfang Januar schaut sie sich in den einschlägigen Geschäften der Region um, damit ihr ganz privates „Warenlager“ sich wieder füllt. Lediglich die verderblichen Waren wie Schokolade und CO kauft sie im letzten Moment ein.

Angst davor, dass ihre Päckchen nicht die richtigen Empfänger erreichen, hat sie nicht. Mein Gottvertrauen und auch das Vertrauen in die Arbeit der Samaritan`s Purse- Leute ist groß und außerdem will ich auch an das Gute glauben. Wenn schon bald die Kartons auf die Reise nach Berlin und dann nach Osteuropa gehen, ist „Weihnachten im Schuhkarton“ nicht mehr weit und ein klein wenig fiebert Alexandra Müller schon jetzt mit den kleinen Empfängerinnen oder Empfänger mit. Weitere Informationen bei Samaritan’s Purse e. V. Haynauer Straße 72 a, 12249 Berlin. Phone: +49 (0)30 76 883 883. Mail: Kontakt@die-samariter.org. Fotos: Gerdau

„Weihnachten im Schuhkarton“ ist nach eigenen Angaben eine internationale Aktion, die von Samaritan’s Purse getragen wird. Mehr als 186 Millionen Kinder wurden seit 1993 erreicht, davon 9.123.202 im Jahr 2020.

Samaritan’s Purse e. V. – Die Barmherzigen Samariter (bis 2018 Geschenke der Hoffnung e. V.) ist ein überkonfessionell tätiges Hilfswerk mit evangelikalem Hintergrund, das Menschen in gegenwärtig 16 Ländern unterstützt. Arbeitsschwerpunkte sind internationale humanitäre Hilfe sowie Entwicklungszusammenarbeit durch Unterstützung von bedürftigen Kindern und Familien im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit. Bekannt geworden ist es durch die Aktion Weihnachten im Schuhkarton. Diese ist Teil der weltweiten Aktion Operation Christmas Child, welche von der amerikanischen Organisation Samaritan’s Purse getragen wird.

Ein Gedanke zu „Weihnachten im Schuhkarton

  • 7. November 2021 um 22:11
    Permalink

    Und wer in Herborn mitpacken möchte, kann seine fertigen Päckchen gern in der offiziellen Sammelstelle in Herborn Burg, bei den EssensRetter Dillkreis, abgeben.

    Fragen gern an Kontakt.Essensretter@gmail.com oder über Facebook

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