Das Lahn-Dill-Gebiet – wichtige „Wirtschaftsregion“ am Rande des keltischen Kulturkreises

Von Klaus Gerhard Schreiner

Auf Einladung des Herborner Geschichtsvereins referierte Dr. Frank Verse, Direktor des Vonderau-Museums in Fulda, in der Aula der Herborner Hohen Schule über die unterschiedlichen Besiedlungsphasen der Kelten im Lahn-Dill-Gebiet.

Dabei räumte der Vorsitzende der Hessischen Kommission für Archäologische Landesforschung mit der Vorstellung auf, bei den Kelten hätte es sich um einen einheitlichen Volksstamm gehandelt. Besser ist die Definition, dass sie als die Bevölkerung der Eisenzeit, also der Zeit des 8. -1. Jahrhunderts v.Chr., anzusprechen sind. Da es keine unmittelbaren schriftlichen Zeugnisse der Kelten gibt, können Erkenntnisse über ihr Wirken und ihre Lebensvorstellungen ausschließlich über archäologische Artefakte gewonnen werden.  Hierzu erläuterte Verse eine Vielzahl an Gegenständen, die er teilweise  vor ca. 20 Jahren selbst auf der Kalteiche ergraben und wissenschaftlich bearbeitet hat. Einen Schwerpunkt legte er dabei auf die Skizzierung der Entwicklungsstufen der keltischen Kultur.

Blick in die vollbesetzte Aula der Hohen Schule

Für eine aktuelle Sonderausstellung im Vonderau-Museum hat das Herborner Museum „Hohe Schule“ Exponate aus seiner Keltensammlung zur Verfügung gestellt. So konnte von Ulrike Litzba, Museum „Hohe Schule“, der Kontakt zu Dr. Verse geknüpft und der Vortrag organisiert werden. Zur Fuldaer Ausstellung „Eisen verändert die Welt“ wird der Herborner Geschichtsverein am 15.7.2022 eine Busfahrt organisieren.

Bekannt sind die kunstvollen Schmuckgegenstände der Kelten, wie etwa die Wendelhalsringe, die sich besonders als Bestattungsbeigaben finden.    Eine der wichtigsten keltischen Errungenschaften war jedoch die Erfindung der eisernen Pflugschar, mit der auch schlechtere Böden, im Gegensatz zum reinen Holzpflug, bearbeitet werden konnten. In der Folge stieg durch die deutlich verbesserte Lebensmittelsituation die Bevölkerungszahl an und auch Mittelgebirgslandschaften, wie etwa der nördliche Lahn-Dill-Kreis, konnten besiedelt werden.

So wurde die heimische Region zu einem der Zentren der Eisengewinnung am Rande des keltischen Kulturkreises. Dies dokumentieren Bodendenkmale und Grabungsergebnisse; der bekannte Heunstein bei Dillenburg, der Oberwald bei Herborn, Siedlungsreste bei Ritterhausen oder auf der Kalteiche bei Haiger sind Zeugnisse dieser Entwicklung. Dr. Verse vermutet noch eine Vielzahl an Siedlungs- oder Eisenverhüttungsplätzen, die bislang noch nicht entdeckt wurden.

Was ist aus den Kelten geworden?  Sie sind nicht einfach verschwunden, sondern wurden von den Germanen und Römern quasi „in die Zange genommen“ und gingen schließlich in deren Kulturen auf.

In humorvoller und äußerst fachkundiger Weise fesselte Dr. Verse seine Zuhörer in der voll besetzten Aula der Hohen Schule. Auch nach dem eigentlichen Vortrag traten viele Besucherinnen und Besucher in einen regen Austausch mit dem Keltenexperten ein.

Geschenkübergabe Klaus Gerhard Schreiner, 1. Vorsitzender Geschichtsverein Herborn e.V., an Dr. Frank Verse

Als Abschiedspräsent erhielt er eine Auswahl diverser Salzspezialitäten – als wichtiges Handelsobjekt der Kelten konnte so der Bogen zum Thema der Vortragsveranstaltung gespannt werden.

Fotos: D. Wieden

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