„Rennstrecke“ und ein kaputtes Wehr

Uckersdorf, an einem ganz normalen Donnerstagnachmittag. Ich stehe mit den Bewohnern von Haus Nummer 14, Burgerstraße direkt hinter dem Ortseingang von Burg kommend. Die Geschwindigkeiten, die hier gefahren werden, erscheinen nicht nur Thomas Janssen viel zu hoch. „50 Stundenkilometer sind das sicher nicht, ruft er das ein und andermal, wenn die Autos vorbeizischen. Dazu kommen die schweren, mit Steinen beladene LKWs. Davon, wie das rumpelt, wenn die Brummis mit viel Getöse und entsprechender Geschwindigkeit in die Löcher der defekten Straße „fallen“, konnte ich mir kurz darauf ein Bild machen. Das sei aber gegen den Motorenlärm nachts noch gar nichts, sagt Evelyn, seine Ehefrau. Dann würden auf der Strecke vor ihrer Haustüre regelrechte Rennen ausgetragen. Bereits das siebte Mal wurde ihrem PKW der Spiegel abgefahren. In ihrer Not stellten die Janssens ihr Auto mit zwei Räder auf den Bürgersteig. Prompt steckte ein Knöllchen an der Scheibe. „Das Fahrzeug darf nicht auf dem Bürgersteig stehen“, belehrte man das Ehepaar im Herborner Rathaus. Also stellten sie es auf die Straße. „Was da los war, kann man sich nicht vorstellen. Es wurde fortwährend gehupt und gebremst, dass die Reifen quietschten. „Das haben wir nicht lange ausgehalten und unser armes Auto wieder auf dem Bürgersteig geparkt“ sagte Evelyn Janssen. „Nur mit zwei Rädern, versteht sich“, fügte Thomas hinzu.

Sie wünschen sich Geschwindigkeitsmessungen. Das sei aber erst einmal in der Straße der Fall gewesen. Auch eine kleine Verkehrsinsel in der Mitte könnte den Verkehrsfluss bremsen. In Kirburg, auf dem Westerwald, könne man sich so etwas ansehen. Evelyn Janssen mag gar nicht daran denken, wenn irgendwann einmal ein Kind oder ein älterer Mensch an der 200 Meter entfernten Bushaltestelle unter die Räder eines der rasenden Fahrzeuge kommt. Jeden Morgen gehen dort viele Schulkinder über die Straße. Einen sogenannten Zebrastreifen gibt es dort jedoch nicht.

Ein ganz anderer Fall ist das Wehr, gleich hinter ihrem Haus. Dies wurde einst zusammen mit einem weitern oben im Dorf angelegt, um das Wasser des Ambach besonders bei Hochwasser in seiner Fließgeschwindigkeit zu bremsen. Viele Jahre lang hat das Bauwerk aus Bruchsteinen seinen Dienst getan.

So sah es einst aus und erfüllte seinen Zweck, den Ambach zu bremsen.

2003 lockerten sich ein paar Steinbrocken und es entstand ein verhältnismäßig kleines Loch. Die Janssens meldeten dies mehrmals im Rathaus, aber es erfolgte keine Reaktion. Der Schaden, den man mit kleinem Geld beheben können, wurde ständig größer. Als 2014 das Hochwasser des Abbachs darüber rauschte, wurde ein Drittel des Wehrs mitsamt der Fischtreppe fortgerissen. An der Stelle klafft heute ein richtiges Loch. Die Stadt reagierte auf Nachfrage aber es passierte immer noch nichts. Man gab den Eheleuten lediglich zu verstehen, dass die Wehre am Ambach sowieso irgendwann zurück gebaut werden sollen.

Verstanden haben Evelyn und Thomas Janssen das nicht und ich muss zugeben, ich auch nicht. Wozu wurden die Wehre denn einst gebaut? Wenn ich richtig informiert bin, um die Fließgeschwindigkeit des Baches bei Hochwasser zu verringern, damit die Flut in Burg keine Schäden verursachen kann. Spontan fiel mir das Ahrtal ein. Aber egal, die Fachleute werden wie immer schon wissen was sie tun. Getan werden müsste aber auf der Stelle etwas. Das Wehr muss repariert werden, schon alleine der Fische wegen oder will man dessen Abbruch durch die Wasserkraft alleine erledigen lassen. sig 

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