1500 Impfzweifler demonstrierten friedlich in Herborn mit Video in gesamter Länge

Von Siegfried Gerdau

Wieder einmal marschierten sie, diesmal am heutigen Samstag in Herborn (15. 01. 2022) „für eine freie Impfentscheidung, Menschlichkeit & ein neues Miteinander“. Die Initiative „Herborn steht auf“ (HSA) hatte zu einer angemeldeten Demonstration unter der Leitung des in Herborn wohnenden Thomas Espey aufgerufen. Die Teilnehmer Frauen, Männer und Kinder 1500 an der Zahl (die Polizei sprach von 1400 und die Veranstalter von 2000) trafen gegen 15 Uhr auf dem Schießplatz ein und versammelten sich im Bereich der Rednertribüne.

Auch einige Krankenpflegerinnen nahmen an dem Protestmarsch teil.

Allenthalben sah man rote Luftballons in Herzform und viele Menschen trugen Transparente, mit den mittlerweile bekannten Parolen. Es war ja schließlich die dritte Demo ihrer Art in Herborn. Die Polizei unter Führung des Herborner Polizeichefs Markus Schmitt war recht zahlreich und sogar mit zwei Dienstkrädern vertreten. Allesamt zeigten sich die teils sehr jungen Kolleginnen und Kollegen ziemlich unaufgeregt und hatten die Lage von Beginn bis zum Ende voll im Griff.

Nach dem Entrée, bei dem Espey unter anderen den Veranstaltungsleiter von Wetzlar, Heiko Schuster sowie viele Teilnehmer mit Migrationshintergrund in deren jeweiligen Sprache begrüßte, ging er sachlich und unpathetisch auf den Demonstrationsanlass ein. Es gab viel Zustimmung aus den Reihen der Anwesenden, die seine Worte mit Trommeln und Tröten unterstrichen. Irgendwann setzte sich der lange Zug in Bewegung. Die Polizei sicherte die Menschenschlange ab und die Fahrzeuge auf der Haupt-und Westerwaldstraße mussten sich in Geduld üben.

Zwei Fahnen wurden während des Rundgangs eifrig geschwenkt. Das eine war die bundesdeutsche Flagge, die andere, die Stadtfahne von Wetzlar. Die wurde von den Wetzlarer Freunden der HSA, „Bürger steht auf“ mitgeführt.

Randalierer, Demagogen und politische Wirrköpfe suchte man in den Menschenpulks tatsächlich vergeblich. Zum Glück, meinte einer der Teilnehmer. Man bezeichne sie zwar allesamt als Nazis, Querdenker und Coronaleugner, aber das treffe sicher nur auf einen verschwindend kleinen Teil zu, der aber in Herborn augenscheinlich nicht anwesend war. Die Masse der Teilnehmer nähmen ihre Rechte als freie Bürger in Anspruch und demonstrierten gegen staatliche Willkür. Nach der sehr geordneten Rückkehr vom Gang durch die Herborner Altstadt gab es noch zahlreiche Redebeiträge auf dem Schießplatz.  

   

Hier ist das Video, das ich selber von der Demo erstellt habe. Da ich es in voller Länge einstelle, hatte ich ein wenig Arbeit damit. Mir ist es wichtig, dass ich all das zeige, was ich selber wahrgenommen habe. Nur so kann man sich selber ein Bild von den Geschehnissen machen.

Leider gibt es derzeit keine andere Möglichkeit das Video aufzurufen. Es geht nur wenn man bei Youtube den Namen: Corona Demo 15 01 2022 in Herborn eingibt. Viel Spaß beim anschauen

12 Gedanken zu „1500 Impfzweifler demonstrierten friedlich in Herborn mit Video in gesamter Länge

  • 16. Januar 2022 um 1:35
    Permalink

    Demagogen und politische Wirrköpfe habe ich heute nicht wenige gesehen. NPD-Politiker, AfD-Politiker, QAnon-Anhänger, Reichsbürger, Verbreiter von evangelikaler Endzeit-Prophetie. Sie haben sich vielleicht nicht öffentlich auf Plakaten dazu bekannt, aber sie waren definitiv in Herborn anwesend und verbreiten auch intern ihre verquere Weltsicht.
    Und zumindest eine Preußen-Flagge war direkt hinter einem NPD-Kreistagsmitglied zu sehen, die aber wohl auf halber Strecke entfernt wurde.
    Hintergründe findet man u.a., aber nicht nur, in dem Artikel „Wer steckt hinter den Demos in Wetzlar und Herborn“ von mittelhessen.de.

    Antwort
    • 16. Januar 2022 um 14:12
      Permalink

      Hallo Tino L., meine Aufgabe sehe ich darin, zu berichten was ist und war. Vermutungen habe ich ständig in alle möglichen Richtungen. Die haben aber nichts in einem Artikel oder nenne es Reportage zu suchen. Mir ging es auch nicht darum zu erfragen, wer dahinter steckt und welche Leiche wer in welchem Keller vergraben hat. Ich werde gleich ein von mir gedrehtes und ungekürztes Video einstellen, damit sich jeder Außenstehende ein Bild von den gestrigen Geschehnissen machen kann. Wenn ich als stiller Beobachter einen Nationalsozialisten, Kommunisten oder andere extreme, staatsgefährdende Subjekte unter den Teilnehmern entdeckt hätte, wäre das in meinem Artikel gestanden. Leider habe ich die Gabe bisher nicht entwickeln können, Menschen ihre politische Gesinnung an der Stirn abzulesen. In meinen Bemühungen, mich nicht an Hetze in egal welcher Richtung zu beteiligen, werde ich hingegen fortfahren. Mit freundlichen Grüßen Siggi

      Antwort
      • 16. Januar 2022 um 15:29
        Permalink

        Hallo Siggi, danke für die Antwort und deinen Bericht. Ja, du hast Recht, es wurde Wert darauf gelegt, keine extremistischen Plakate zu dulden. Und als stiller Beobachter sieht man niemandem seine Gesinnung an, der es nicht selbst drauf anlegt.
        Aber gerade deswegen hätte ich persönlich ein wenig Hintergrundrecherche/-informationen erwartet. Aber gut, dafür gibt’s ja den mittelhessen.de-Artikel.
        Aber zumindest der NPD-Kreistagsabgeordnete mit dem Plakat der „Deutschen Stimme“ sollte als öffentliche Person soweit bekannt sein, dass man ihn beim Vorbeigehen erkennen kann.
        Viele Grüße, Tino

        Antwort
    • 16. Januar 2022 um 15:53
      Permalink

      Hallo Timo, schlimm ist das was sie sagen… Es stimmt nicht mit was sie mit der Preussenflagge sagen diese war nicht von Anfang an dabei… ich habe das erst später gesehen, die Leute die die Fahne trugen im Hinblick auf die Auflagen angesprochen.. er wollte natürlich nicht… danach bin ich sofort zu dem Veranstalter der bei der Polizei stand und habe die Personen informiert. Es wurde sofort beschlossen, die Leute von der Demo aus zuschliessen. Ich sollte dann die Personen nochmals auffordern, die Fahne einzurollen oder die Demo zu verlassen… Sie haben nicht darauf reagiert. Ich habe dann Herr M.Schmitt von der Polizei darüber informiert 100 m später war die Sache erledigt…. was hätten wir sonst tun müssen… was hätten wir schneller machen sollen… ich finde es nicht korrekt was sie sagen… habe aber dann die Hoffnung aufgegeben, das sie das kapieren… Das Narrativ Rechts rechts Nazi rechts können sie vergessen

      Antwort
      • 17. Januar 2022 um 12:16
        Permalink

        Hallo Herr Giebeler, die Preußenflagge war in der Hainstraße und in der Schloßstraße noch mit dabei. Dass die Flagge dann auf halber Strecke entfernt wurde, habe ich doch geschrieben. Gut, dass da reagiert wurde.
        Dass mehrere Politiker der NPD und AfD mitliefen, will aber doch wohl keiner bestreiten.

        Antwort
      • 17. Januar 2022 um 14:18
        Permalink

        Möchte mich bedanken für die objektive Berichterstattung. Das ist mal guter Journalismus!

        Was mit unserer Gesellschaft zur Zeit passiert, macht mich sehr traurig. Wie lieblos und respektlos miteinander umgegangen wird. Wie schnell doch manche urteilen und verurteilen, ohne sich wirklich informiert zu haben. Sich zu informieren bedeutet doch, alle verschiedenen Ansichten urteilsfrei und kritisch zu betrachten und wirklich auch selbst zu recherchieren. Wie sonst kann man sich denn eine objektive Meinung bilden? Gebe aber auch zu, dass das nicht so einfach ist, da mega viel zensiert wird und man eigentlich nur eine Meinung in den Mainstream Medien und der Politik findet. Allein diese Tatsache macht mich schon misstrauisch und müsste meiner Meinung nach, doch jeden zum selbstständigen Denken, anregen. Habe leider fest gestellt, dass dies bei vielen Menschen nicht der Fall ist. Woran liegt das? Sind die Menschen zu bequem, oder haben sie selbständiges Denken verlernt?

        Habe leider auch feststellen müssen, dass es noch einen anderen Virus gibt. Einen, der die Herzen infiziert. Vor diesem Virus kann man sich gefahrlos schützen durch Respekt, Empathie und ein liebevolles Miteinander.
        Diesen Schutz wünsche ich uns allen von ganzem Herzen.

        Antwort
  • 16. Januar 2022 um 13:08
    Permalink

    Alle Achtung, es gibt sie noch, die Journalisten, die schreiben was sie sehen und hören. Dafür meinen Dank.

    Antwort
  • 16. Januar 2022 um 15:04
    Permalink

    Hallo Tino,
    es ist schon erstaunlich das es Menschen gibt die es nicht begreifen das wir aus einer normalen Mitte heraus kommen.
    Einen normalen gesunden Menschen scheint es in deiner Weltanschauung nicht zu geben. Das ist sehr schade.
    Gerne lade ich dich ein Menschen wie uns kennen zu lernen.
    Plötzlich festzustellen das man für Grundbedürfnisse einstehen möchte ist ein tolles Gefühl. Zumal man dann noch feststellt das es noch mehr von denen gibt.
    Also Angebot gilt. Wirrkopf ist Sache des Betrchters.

    Antwort
    • 17. Januar 2022 um 12:32
      Permalink

      Hallo Christoph,
      Ich bezweifle nicht, dass viele Menschen mit guten und richtigen Anliegen mitgelaufen sind. Es sind auch mehrere alte Bekannte von mir mitgelaufen, von denen ich weiß, dass sie gute Beweggründe haben, um sich zu engagieren. Umso mehr ist es wichtig, auch die Verbindungen gerade der Veranstalter ins rechte Milieu aufzuzeigen. Die Zusammenarbeit mit Ingo Helge von der NPD, das Vernetzen mit anderen Demos und Parteien wie den Freien Sachsen. Das Einschüchtern von Pressevertretern. Das entweder naiv geduldete oder bewusste Teilen von Beiträgen hetzerischer Seiten und von Falschinformationen in den Telegram-Gruppen der Bewegung. Besorgten Menschen wird nicht dadurch geholfen, dass man sie mit Falschinformationen und aus dem Kontext gerissenen Zitaten zuschüttet.

      Über all das sollte sich jeder ein objektives Bild machen können, der aus Besorgnis über die aktuelle Lage und aus idealistischen Gründen auf den Demos mitläuft.

      Antwort
  • 16. Januar 2022 um 15:17
    Permalink

    An den Verfasser,
    toller ehrlicher Beitrag. Hier sieht man ehrlichen Journalismus. Habe die Demo gestern als Autofahrer am Kreisel beobachten müssen. Zuerst habe ich mich mächtig geärgert. Auch ich verfolge unsere heimische Presse und deren Reportagen. Folgedessen war ich voreingenommen. Heute muss ich sagen. Dein Bericht stimmt 100%. Ich habe keine hasserfüllten Gesichter gesehen. Im Gegenteil Menschen wie ich waren dort unterwegs. Viele Kulturen. Für mich habe ich 2 Dinge gelernt. 1.
    Die nächste Demo schaue ich mir selber an
    2. Mittelhessen.de sollte aufhören solche Augenwischereien zu schreiben.

    Antwort
  • 16. Januar 2022 um 15:51
    Permalink

    Dem letzten Kommentar schließe ich mich an.
    Herzlichen Dank.

    Antwort
  • 17. Januar 2022 um 10:36
    Permalink

    Vielen Dank für Ihre neutralen Berichte! Leider scheint es in diesem Land nur noch sehr wenige Journalisten zu geben, die einfach nur neutral ohne Wertung berichten können. Stattdessen findet man auch in der heimischen Presse fast nur noch Berichte, die eindeutig werten und Meinung machen und auch vor persönlichen Diffamierungen nicht zurückschrecken. Die Kollegen aus der Mittelhessen Redaktion sollten vielleicht mal ein Praktikum bei Ihnen machen, um zu lernen, wie Journalismus funktioniert. Dies scheint dort komplett in Vergessenheit geraten zu sein. Leider.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.