Bibelschwingende Missionare

Eine Publikation in „evangelisch.de“ der Baden-Württembergischen Landeskirche macht derzeit von sich reden und ich möchte sie hier in gerdaus-welt zu Diskussion stellen. Das 208 Seiten starke Werk „Ich ein Fremder gewesen“ befasst sich mit dem christlichen Verhalten gegenüber Migranten und wird aufgrund der Brisanz seiner Aussagen sicher nicht unwidersprochen bleiben.

Mein Amado, ein Freund und Begleiter, der mir mindestens genauso wertvoll wie meine menschlichen Freunde war.

Zum Flüchtling keinen Hund mitnehmen. Württembergs Kirche wirbt für bessere Willkommenskultur. Fluchtursachen bekämpfen und Flüchtlinge willkommen heißen – das ist nach Ansicht der württembergischen Kirche das Gebot der Stunde. Ein neues Buch soll zeigen, wie das praktisch geht, und erklärt, wie man Missverständnisse vermeiden kann.

Eine „flüchtlingsbereite“ Kirche will die Evangelische Landeskirche in Württemberg sein, so hat es ihr Bischof Frank Otfried July immer wieder angemahnt. Doch wie geht das praktisch? Darüber haben sich die Mitglieder der Württembergischen Arbeitsgemeinschaft für Weltmission (WAW) Gedanken gemacht und ein mehr als 200 Seiten starkes Buch („Ich ein Fremder gewesen. Mission zwischen Fluchtursachenbekämpfung und Willkommenskultur“) für den Gemeindealltag herausgebracht. Ziel ist es, durch Grundsatzartikel, biblische Impulse, beispielhafte Geschichten von Flüchtlingen und Verhaltenstipps zu mehr Begegnungen mit Migranten zu motivieren. Auch das Engagement zur Bekämpfung von Fluchtursachen soll verstärkt werden.

Gisela Schneider, WAW-Vorsitzende und Direktorin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (Difäm) in Tübingen, zeichnet ein düsteres Bild von der globalen Situation. „Alle drei Sekunden flieht ein Mensch“, schreibt sie und erinnert daran, dass sieben von acht Geflüchteten nicht nach Europa kommen, sondern innerhalb ihres Landes oder in Nachbarregionen verweilen. Wer es bis aufs Mittelmeer geschafft hat, muss immer noch um sein Leben fürchten: In den vergangenen Jahren sind dort rund 40 000 ertrunken. Leseempfehlung „Wir schicken ein Schiff“ Kirchenschiffe stehen sonst auf festem Grund, doch bald wird ein schwimmendes Kirchenschiff im Mittelmeer Geflüchtete retten: Die „Sea-Watch 4“ ist kurz vor ihrer ersten Mission. Gut ein Jahr haben die Vorbereitungen gedauert.

Für die zunehmende Fluchtbewegung gibt es sehr unterschiedliche Gründe, das arbeiten mehrere Autoren heraus. Eine korrupte und menschenfeindliche Politik in vielen Heimatstaaten, aber eben auch Umstände, an denen die westlichen Länder nicht unschuldig sind, darunter unfaire Handelsbedingungen für afrikanische Staaten und die Folgen des Klimawandels. Die biblischen Impulse in dem Buch machen deutlich, dass eine Unterstützung für Migranten insbesondere für Christen geboten ist.

Insgesamt 36 Fallbeispiele beleuchten, was Missionswerke in Ländern des Südens tun, um das Leben der Menschen zu verbessern. Ob Wasserversorgung, Bildung für Frauen oder Ökoprojekte – die Beispiele belegen eindrücklich, dass das Bild vom bibelschwingenden Missionar, dem die Lebensumstände seiner Zuhörer egal sind, nicht passt und vielleicht nie gepasst hat. Vielmehr stehen die christlichen Botschafter heute offenbar an vorderster Front im Kampf gegen Fluchtursachen.

Kulturelle Tipps und praktische Anregungen

Das Buch endet mit kulturellen Tipps, wenn man zum ersten Mal Zeit mit Menschen aus zum Beispiel orientalischen Ländern verbringt. Seinen Hund sollte man zu Hause lassen, er gilt in vielen Kulturen als unrein. Seinem Gegenüber sollte man nie direkt widersprechen, sondern indirekt, das sei eine Frage des Ehrverständnisses. Körperliche Berührungen – auch Händeschütteln – mit Personen des anderen Geschlechts gelten bei einigen als tabu, auch hier ist den Autoren zufolge Zurückhaltung angebracht.

Detlef Blöcher, Andreas Kümmerle (Hg.): Ich ein Fremder gewesen. Mission zwischen Fluchtursachenbekämpfung und Willkommenskultur. 208 Seiten, 14,95 Euro. Evangelischer Verlag Stuttgart 2020.

Ein Gedanke zu „Bibelschwingende Missionare

  • 28. September 2020 um 12:54
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    Ich kann es drehen und wenden wie ich will, es müsste meiner Ansicht nach anders herum lauten, so in etwa: „Wenn der Flüchtling zum Gastgeber kommt“ Praktische Tipps. Komme mit Hund zum Deutschen, der Deutsche liebt Hunde. Direkt Sympathiepunkte.“ Man kommt als Gast und passt sich den Gepflogenheiten des Landes und seiner Gastgeber an. Wenn wir in arabischen Ländern wären, dann haben wir uns selbstverständlich über diese Länder informiert, was man darf, auf keinen Fall machen sollte und was man besser lässt. Wieso sollte es anders herum anders sein? Wenn das selbstverständlich wäre, dann würde ich wetten, würde eine wesentlich höhere Akzeptanz den Flüchtlingen gegenüber bestehen.

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