Ehemaliger Herborner lenkt Gießener Parlament

„Die Würde unseres Parlaments lebt, nach meiner festen Überzeugung, von den Werten des Grundgesetzes, von Menschenwürde, Toleranz, Respekt und Anstand“, rief der Wahl-Gießener Joachim Grußdorf den Gießener Parlamentariern in seiner Antrittsrede zu. Der 69-jährige ehemalige Herborner wurde am 29. April dieses Jahres „inthronisiert“. Seine Wahl zum Stadtverordnetenvorsteher erfolgte einstimmig und ohne Enthaltungen. Grußdorf, der seit 1993 dem Zusammenschluss der Grünen mit der Bürgerrechtsbewegung Bündnis 90 als Mitglied angehört, versteht sich nach eigener Aussage ausdrücklich als Bündnisgrüner.

Joachim Grußdorf kam am 15. November 1951 in Eberswalde, in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zur Welt und wuchs in Joachimstal nordöstlich von Berlin auf.

Joachim Grußdorf, ein ehemaliges Herborner Gesicht.

Als die DDR am 13. August 1961 ihre Staatsgrenze und damit auch die Berliner Sektorengrenze nach Westberlin mit einer Mauer abriegelte, befand er sich mit seiner Mutter zum Verwandtenbesuch in Westberlin. Joachim, der fast Zehnjährige, blieb mit ihr dort. Verwandte, die in der Nähe von Tringenstein (Lahn-Dillkreis) im Forsthaus Schwellengrund wohnten, versprachen sie aufzunehmen. Bereits am 1. September 1961 ging der Flug von Berlin nach Frankfurt am Main und nach dem Notaufnahmeverfahren in die neue Heimat.

Im April des darauffolgenden Jahres zog die kleine Familie nach Herborn. Joachim Grußdorf besuchte die Alsbach-Grundschule und im Anschluss daran das Johanneum-Gymnasium bis zum Abitur 1971. Seinen Grundwehrdienst leistete er bis 1972 in Herborn-Seelbach ab.

Viele Freundschaften mit Gleichaltrigen, die ihn auf seinem Weg in den Herborner Jahren begleiteten, bestehen heute noch. Die enge Bindung zu der Stadt an der Dill fußt nicht zuletzt auf der familiären Bindung zu Tochter Yvonne Grußdorf , Schwiegersohn Frank Pletka und Enkeltochter Sophie Grußdorf.

Nach dem Lehramtsstudium in Gießen und Marburg, mit Referendariat in Dillenburg, war Grußdorf als Förderschullehrer an der Herborner Kirchbergschule, der beruflichen Schule Limburg, der Gießener Martin-Buber-Schule und schließlich dort als Konrektor tätig. In dieser Zeit (1987 – 1995) heiratete er 1994 seine zweite Frau Susanne Klare-Grußdorf .

Später wechselte er in die Lehrerweiterbildung an der Hessischen Lehrkräfteakademie und wurde 2016 in den Ruhestand versetzt.

Erste politische Schritte unternahm Joachim Grußdorf in der antiautoritären Schülerbewegung 1968. Kommunalpolitisch betätigte er sich jedoch erst seit 2009 in Gießen. Schon 2011 amtierte er als ehrenamtlicher Stadtrat im Magistrat und war ab 2016 bis zu seiner Wahl zum Stadtverordnetenvorsteher 2021 Stadtverordneter. Darüber hinaus fungierte Grußdorf als Schul- und kulturpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, sowie als Mitglied im Schul- und Kulturausschuss des Hessischen Städtetags. Er war Aufsichtsrat in „Schule@Gießen“ und Mitglied im Vorstand des Behindertenbeirats sowie Mitglied im Seniorenbeirat.

Neben Politik und Familie treiben ihn zwei weitere Leidenschaft um. Joachim Grußdorf spielt sehr gerne Gitarre und fährt leidenschaftlich und oft Fahrrad. Seit 2010 stehen regelmäßig Fahrradurlaube mit Distanzen von 500 Kilometern gemeinsam mit Frau Susanne auf dem Stundenplan. Beide hoffen sehr darauf, dass dies auch im Juli wieder klappen könnte. Die Freude an der Gartenarbeit teilt er ebenfalls gerne mit ihr und abends greift Joachim auch schon mal zur Krimi-Nachtlektüre.

Einen seiner prägnanten Grundsätze machte er in seiner Einführungsrede in das Amt des Gießener Stadtverordnetenvorstehers deutlich. „In einem demokratischen Gemeinwesen ist kein Thema es wert, über den Streit das Gemeinsame in Vergessenheit geraten zu lassen.“

In diesem Sinne wünscht auch gerdaus-welt ihm für seine weitere politische und private Zukunft viel Glück und vor allem Gesundheit.

sig/Foto: privat

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