Erdgas gegen Menschen(Un)recht

Von Siegfried Gerdau

Deutschland braucht Erdgas und das in riesigen Mengen. Mit der erfolgten und weiter geplanten Stilllegungen von Kraftwerken im Land, wird der Bedarf noch um das Vielfache steigen. 2019 lag der Jahresverbrauch schon bei 982 Milliarden KWh. Hauptlieferant mit 50,7 Prozent ist Russland und das sollte nach dem Willen der Bundesregierung durch den Bau einer weiteren Pipeline durch die Ostsee intensiviert und noch versorgungssicherer werden. Nun steht Nord Stream II kurz vor der Fertigstellung. Weniger als 150 Kilometer müssen die Verleger bis zur endgültigen Fertigstellung noch bauen. Bisher sind fast 9 Milliarden Euro auf den Ostseegrund verlegt. Den Amerikanern war das Projekt schon lange ein Dorn im Auge. Sie wollen ihr Fracking-Gas verkaufen und per Gastanker nach Europa verschiffen. Sie stört dabei nicht die enorme Umweltbelastung durch die Gasgewinnung aus dem Gestein, noch die zusätzliche Verschmutzung von Luft und Weltmeeren durch den Schiffstransport. Auch dass das sogenannte Schiefergas deutlich teurer als herkömmliches Erdgas ist, spielt dabei scheinbar keine Rolle. America First ist die Devise.. auch unter Joe Biden.

Jetzt ist der Streit in eine neue Runde getreten. Plötzlich fordert auch Frankreich das Ende des Pipeline-Projektes und argumentiert mit der Verhaftung von Putin-Gegner Nawalny. Der hat damit zwar überhaupt nichts zu tun, aber da er mit Ansage nach seiner Heimreise nach Russland verhaftet wurde, soll Druck auf Putin ausgeübt werden und dazu bietet sich Nord Stream II nach Meinung vieler Europäer an.

Mehrere europäische Staaten, darunter auch Polen und das europäische Parlament warnen darüberhinaus vor einer zu großen Abhängigkeit von russischem Gas und damit vor negativen Folgen für viele osteuropäische Staaten.

Obwohl die Arbeiten an dem Endstück der Pipeline vor kurzem wieder aufgenommen wurden, warnen nun auch in Deutschland vermehrt Stimmen vor deren Fertigstellung. Die neue US-Regierung gibt dem Projekt keine Chance. Aber: Bundeskanzlerin Angela Merkel will (noch) kein abschließendes Urteil fällen.

Meine Meinung zum Thema:

Ehrlicher wäre den Eiertanz jetzt zu beenden und zuzugeben, dass die Bundesregierung vergaß die USA zu fragen, ob man denn diese Nord Stream II- Pipeline überhaupt hätte bauen dürfen. Jetzt möchte man freundlich sein, um den neuen amerikanischen Präsidenten nicht gleich zu Beginn zu verärgern. Aber man weiß nicht, wie man die Kuh vom Eis bringen soll. Also: Scheiß auf die paar Milliardchen und die vermeintliche Versorgungssicherheit. Stampft doch einfach die Röhrchen in den Meeresboden. Aber Achtung: Die deutsche Umwelthilfe wird sicher noch fordern, dass die komplette Konstruktion entfernt werden muss. Kein Problem das schaffen wir sicher dann auch noch. 

Ob amerikanisches Frackinggas oder Erdgas aus Russland. Den meisten Verbrauchern wird es ziemlich Schnuppe sein, was durch ihre Zähler strömt. Erst wenn die Preise noch mehr steigen, wird es unangenehm.

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