Flora Herbornensis pflanzt wieder

Von Siegfried Gerdau

Eine bemerkenswerte Ausstellung findet derzeit in der Herborner Gärtnerei Kuhlmann in der Dr.-Siegfried-Straße 1 statt. Die „Freunde der Flora Herbornensis“ präsentieren in Zusammenarbeit mit den Inhabern des bekannten Gartenbaubetriebes eine Reihe von heimischen Bäumchen, die am Samstag, 6. November an der Dill gepflanzt werden. Zuvor sollten die jungen Pflanzlinge jedoch nach Möglichkeit eine Käuferin oder Käufer finden, die Quitte, Sandorn oder Heckenrose und Co anschließend in die Obhut des Vereins geben. Für den Kauf gibt es dafür vom Verein Spendenquittungen.

Beschau der Pflanzlinge. Von links: Anne Krüger-Zechlin, Gerhard Cunz und Hildegard Graffmann.

Schon am kommenden Samstag werden die Freunde der heimischen Flora gemeinsam mit freiwilligen Helfern viele Blumenstauden am Ufer der Dill pflanzen. Im zweiten Schritt, eine Woche später, kommen dann die Paten-Bäumchen dran.

Das Dillufer zwischen Dill-Center und AWO soll schon im kommenden Jahr in voller Farbenpracht blühen. Die Bäume und Büsche werden wohl ein wenig länger brauchen.  Hildegard Graffmann, die ehemalige Biologielehrerin und Vorstandsmitglied der Flora Herbornensis berichtet, dass eine Baumreihe entlang des ganzen Hangs entstehen soll. Sie ist ein wenig enttäuscht darüber, dass es nicht mehr gelingen kann, die Bäume in das Öko-System der Stadt einzubinden. Dann wäre die Wanderung von Insekten und Vögel an die Dill noch viel besser gegeben. Der Bauhof habe im vergangenen Jahr ein wenig dazwischen gefunkt und die Weiden an der Dill abgeholzt.

Der kleine Garten im Pflanzgebiet an der Dill, wurde im vergangenen Jahr von der Flora und den Dillkindern angelegt. Die Pflanzen bleiben genau so wie sie sind, als Unterschlupf für alle möglichen Insekten im kommenden Winter.

Mit der ehemaligen Vorsitzenden des Bienenzuchtvereins an der Dill Sarah Schlicht, hatte Graffmann einen Pflanzplan über die in Frage kommenden Bäume aufgestellt. Hierbei wurde auch sehr genau darauf geachtet, dass nicht nur die Honig-sondern auch die Wildbienen zu ihrem Recht kommen, fügte das künftige Vorstandsmitglied Anne Krüger-Zechlin hinzu.

„Jeder Baum der erhalten oder neu gepflanzt wird, trägt zur Klimaerneuerung bei“, sagte die 79-Jährige Hilde Graffmann. So verstehe sie auch nicht, dass alle Douglasien auf dem Friedhof abgeholzt werden, weil sie krank und damit sturzgefährdet seien. Sie könne ja verstehen, wenn einige gefällt werden müssten, aber ob alle 30 Bäume auf einmal nicht mehr standfest wären, erschien ihr doch sehr zweifelhaft.

In diesem Zusammenhang machte sie die drei Ziele des Vereins deutlich. „Wir wollen den Erhalt der Natur und des Klimas durch Aktionen wie die an der Dill voranbringen. So findet jedes Jahr eine „Erhaltungsmaßnahme“ für die Stadt und das Klima statt. Zum zweiten wollen wir unsere Umgebung in und außerhalb der Stadt bewusst machen. „Was man weiß, das lernt man auch zu schätzen“. Zum dritten schauen wir sehr genau nach, wo wir helfen können und wo müssen wir uns einmischen, weil etwas nach unserer Meinung verkehrt läuft.“  

Hildegard (Hilde) Graffmann die Gattin des 2011 verstorbenen Friedrich Graffmann hält am geistigen und ideellen Erbe ihres Mannes fest. Der ehemalige Biologielehrer am Herborner Gymnasium gründete den Verein „Freunde der Flora Herbornensis“ und war selber 34 Jahre der 1. Vorsitzende. Der Vereinsname erinnert an den Herborner Apotheker und Botaniker Johann Daniel Leers, der 1775 die „Flora Herbornensis“ schrieb. In dieser Lokal-Flora, trug der Apotheker der damaligen Hohen Schule alle Pflanzen um Herborn zusammen und verzeichnete sie mit ihren Fundorten. Leers wohnte Übrigens am Kornmarkt in dem Haus, welches heute den Weltladen beherbergt.

Friedrich Graffmann, der weitgereiste Privatgelehrte knöpfte sich die von Leers in lateinischer Schrift verfasste Enzyklopädie vor und übersetzte sie. Heraus kam ein Werk mit dem Namen „Neue Flora von Herborn und dem ehemaligen Dillkreis sowie ihre Entwicklung in den letzten 250 Jahren.“

Das Werk erlaubte es, den Zeitraum von 225 Jahren in drei Abschnitte zu unterteilen und Graffmann versuchte auf diesem Wege Begründungen für Veränderungen zu finden. Man kann auf jeden Fall deutlich erkennen, dass die stärksten Veränderungen in den letzten 50 Jahren stattgefunden haben. Tiefgreifende Umbrüche alleine in der Landwirtschaft, sind unter anderen die Gründe dafür. Durch sogenannte Sozial-Brachen ist die Region an der Dill wie keine andere in Deutschland betroffen. So ist deutlich eine Verarmung der Flora zu konstatieren.

Eine höfliche Bitte um Rücksicht für Tiere und Pflanzen.

Im kommenden Jahr soll der Fußweg entlang der Dill hinter Eitzenhöfer und Johanneum den großen Namen des Apothekers Leers erhalten. Hilde Graffmann wünscht sich zu diesem sichtbaren Zeichen viel mehr Sensibilität im Umgang mit der Natur und den klimaschadenden menschlichen Aktivitäten.

Ein weiterer Wunsch, auch von Gerhard Cunz ist, dass sich noch mehr Menschen und vielleicht auch jüngere, in den Dienst der guten Sache stellen und sich dem Verein Freunde der Flora Herbornensis anschließen. „Wir haben viele Mitglieder im vorgerückten Alter und sind daher auf jüngere geradezu angewiesen“, sagt Anne Krüger-Zechlin.

Wenn an den nächsten beiden Samstagen die Pflanzaktionen abgeschlossen sind, hat der rührige Verein wieder einen großen Schritt in die richtige Richtung getan. Fotos: Gerdau

Ein Gedanke zu „Flora Herbornensis pflanzt wieder

  • 28. Oktober 2021 um 21:24
    Permalink

    Lieber Siggi,
    ein sehr schöner Artikel.
    Ich habe mir erlaubt, den Link auf der Facebookseite vom Blumenhaus Kuhlmann zu teilen.
    Liebe Grüße
    Hans-Dieter

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