Gastbeitrag

Von Katrin Zammert

Da so rege und final von manchen leider auch etwas unterhalb der Gürtellinie diskutiert wurde, würde ich gern nochmal ein paar Sätze dazu loswerden.

Katrin Zammert streift in ihrem Betrag das komplexe Thema Corona.

Ich verstehe völlig, dass Menschen, die in Ihrem engeren Umfeld einen mittleren oder schweren Verlauf von Corona erleben mussten schnell emotional werden, Dinge anders sehen und nüchtern Rationales wie Zahlen und Zuordnungen so nicht gelten lassen und ich gestehe schon immer jedem seine eigene Meinung zu, auch wenn ich sie nicht teile. Ich selbst sehe aber, nach nun einem dreiviertel Jahr Covid19 in Europa, eben nicht (mehr) „Corona“ als grösste Gefahr, sondern den Umgang damit. Und das dieser nicht unbedingt richtig ist und es die „eine Wahrheit“ schlicht nicht gibt, wird mittlerweile ja selbst im ZDF offen gezeigt. Das heisst aber auch nicht, das ich in Corona selbst gar keine Gefahr sehe. Leider wird das heute oft gern bewusst missverstanden, denn es gilt die Meinungstotalität: wer das Eine als wichtiger erachtet als das Andere, „leugnet“ automatisch das Andere. Schlicht falsch. Aber man kann damit natürlich sehr gut Stimmung gegen alle machen, die die eigenen Ansichten nicht vorbehaltlos teilen.

Eines ist klar: Wenn weiter so agiert wird wie aktuell (und leider sieht es danach aus), geht uns irgendwann das Geld aus. Dann war es das auch mit dem Gesundheitssystem in dieser Form, denn einem 80 Jährigen eine künstliche Hüfte implantieren zu lassen ist nur möglich, wenn die Wirtschaft läuft. Wieviele Opfer das dann kostet, kann man nur mutmaßen. Genauso wie man nur mutmaßen kann, wieviele Menschen nicht durch „Covid“ sondern an Nebenwirkungen wie Isolation, Pleiten, Suizid oder schlicht fehlender Versorgung sterben mussten.

Dass das hier seit März auf Pump für die Meisten (aber eben auch nicht alle) glücklicherweise aufgefangen wird ist eine Sache, aber auch das kann nicht ewig funktionieren und das Gejammer derer die das irgendwann bezahlen müssen wird verständlicherweise groß sein. Und das irgendwer diese Suppe auslöffeln muss ist eines der wenigen Dinge, die sicher sind.
Auslöffeln müssen das vor allem auch Kinder und Jugendliche. Wer weis schon, welche langfristigen Schäden es verursacht, wenn Abstand die neue Nähe ist? Wer weis schon was es langfristig mit einer Gesellschaft macht, wenn „sozial sein“ plötzlich heisst eben nicht mehr „sozial“ sein zu können, zumindest ausserhalb des Internets? Wobei: mit einem Freund darf man sich ja noch treffen. Mit „einem Freund“. Auf so einen Unsinn kann auch nur jemand kommen, der von realem Leben und besonders von Kindern, keinerlei Ahnung hat.

Es steht doch jedem frei zu Hause zu bleiben wenn er möchte. Jedem. Keiner muss ein Restaurant besuchen wenn er nicht will. Keiner muss in ein Theater gehen, wenn er glaubt es sei gefährlich. Keiner muss sich mit Freunden treffen. Und jeder kann auf sich aufpassen.
Ich habe auch nichts gegen Tests, ausser diesen Nasenabstrich, den ich nach einer recht negativen Erfahrung gerne verweigere würden.  Ich habe auch nichts gegen Quarantäne für nachweislich Infizierte und ich habe nichts gegen Strafen für die, die dagegen verstossen. Ich verstehe das Verbot von Großveranstaltungen und das Menschen sich die Hand vor den Mund halten wenn sie husten oder gähnen bzw. ersteres in die Armbeuge tun, sollte ohnehin selbstverständlich sein. Es ist ja auch nicht so, dass Menschen wie ich die angreifen würden, die am liebsten mit Maske schlafen und seit März gern, wie von der Bundesregierung propagiert, auf dem Sofa zum Held werden, sondern eben umgekehrt. Und der ganz aktulle Grund für die gestrige Demonstration und meinen Post dazu ist ja ohnehin ein gänzlich anderer: Ich bin ganz sicherlich kein Impfgegner. Aber ich will und werde mich nicht gegen Covid19 impfen lassen, so lange es keine Langzeitstudien gibt und ich möchte deswegen nicht komplett auf das öffentliche Leben verzichten müssen. Und auch wenn der Gesundheitsminister, wie erwartet, dem Impfzwang einen Laufpass gab, heisst das nicht, dass er (wovon recht sicher auszugehen ist) nicht durch die Hintertür kommt, so wie seit eingier Zeit ja auch die Testpflicht. Wer sich gestern so über den Begriff „Ermächtigungsgesetz“ echauffiert: der Begriff Ermächtigung taucht mehrfach auf, lest es selbst, bevor ihr mit viel Haltung den passenden Beitrag des „Volksverpetzers“ teilt. Auch will ich weiter Freunde  begrüssen ohne dass der Blockwart deswegen meine Wohnung öffnen darf um zu kontrollieren ob das nicht vielleicht sogar zwei Freunde sind, die sich hier aufhalten und ja, theorethisch würde das Gesetz dies erlauben. Man könnte sich auch problemlos vorstellen, dass davon auch ganz praktisch, selbst im eigenen Wohnhaus, Gebrauch gemacht wird. Wer hätte schon gedacht, dass denunzieren im Kampf gegen Corona zum guten Ton gehören könnte. Und wir reden hier nicht über große Feiern, sondern über Familienbesuch im Garten oder Nutzen der eigenen Ferienwohnung in einem anderen Bundesland. Auch will ich gern Weihnachten mit meiner Familie feiern, ganz selbstverständlich und nicht als „Belohnung für gutes Betragen“.

Wenn es nur eine Meinung gibt, die zudem noch nicht diskutabel ist, bräuchten wir schlicht keine Demokratie mehr. Doch wir brauchen sie. Und wir brauchen Meinungsvielfalt. Der Umgang mit anderen (nicht dem gewollten Mainstream entsprechenden Meinungen) ist jedoch bedenklich geworden, was allein die Wortwahl zeigt: Wer gegen den Migrationspakt ist: „Nazi“, wer der Meinung ist, dass die Sonne grösseren Einfluss auf die Temperatur auf Erden hat als der Dieselmotor: „Klimaleugner“ (auch wenn keiner erklärt, wie man das Klima überhaupt „leugnen“ können sollte) und wer gegen einen neuerlichen Lockdown und die Beschneidung von Grundrechten ist: „Coronaleugner“, auch wenn hier ebenfalls keiner die Existenz von „Corona“ leugnet. Es scheint ohnehin nur noch Pauschalen und Narrative zu geben, Differenzierungen hört man meist nur noch hinter verschlossener Tür. Lieber wirft man alles in einen Topf und so wird dann ein Kritiker, der völlig berechtigte Fragen stellt, gern mit dem dümmsten und absurdesten Verschörungstheoretiker gleichgestellt und somit mundtot gemacht. Mich erinnert das an dunkle Zeiten und ich verstehe nicht, warum man andere rationale und belegte Meinungen nicht einfach eine „andere Meinung“ sein lassen kann, sondern direkt verbalen Krieg führen und bei mangelnder Einsicht „entfreunden“ muss.

Ein guter alter Bekannter zeigte dann glücklicherweise noch wie es gehen kann und sollte indem er schrieb „die Wahrheit liegt wohl, wie so oft, in der Mitte, wahrscheinlich wurden auf beiden Seiten Fehler gemacht“. Danke dafür.
Wenn wir alle wieder mehr miteinander reden würden als übereinander, wäre das toll. Und wenn wir dann auch noch zuhören und verstehen könnten anstatt nur zu verurteilen, dann könnte jeder aus seiner kleinen Welt heraus helfen das große Ganze etwas besser machen.

7 Gedanken zu „Gastbeitrag

  • 20. November 2020 um 16:00
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    Liebe Kathrin,
    das hast du wunderbar, differenziert, ausgewogen und doch deutlich ausgedrückt!

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  • 20. November 2020 um 16:09
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    Danke für diesen Beitrag.
    Dem kann ich, vom ersten bis zum letzten Wort, zu hundert Prozent, zustimmen.

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  • 20. November 2020 um 21:37
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    Perfekt absolut perfekt!!!!! Ich teile diese Gedanken zu 100 Prozent. Vielen Dank ❤️

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  • 21. November 2020 um 14:21
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    Ja, ich hätte es auch lieber ohne Corona. Aber, wenn jemand dicht vor mir steht und/oder mich ansprechen möchte, fühle ich mich sicherer, wenn er/sie eine Maske trägt und ich auch. Ich schütze ihn und er mich. Ist doch verantwortungsvoll.

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    • 22. November 2020 um 10:56
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      In diesem Artikel steht NICHT, dass man keine Maske tragen soll!!!!!!!

      Antwort

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