Herborner Menschen

Von Siegfried Gerdau

Wovon lebt ein Gemeinwesen, ein Dorf, eine Stadt? Von ihren Menschen natürlich und je überschaubarer eine Kommune ist, desto intensiver finden Kommunikation und Miteinander statt. Was aber ist mit den Bürgern, die zwar einen Wohnsitz haben, aber den größten Teil des Tages woanders verbringen.

Diese sogenannten Pendler möchte ich gerne in meinem Blog in unregelmäßiger Reihenfolge und Abständen vorstellen.

Hans Dieter Wieden. Foto: Siegfried Gerdau

Hans Dieter Wieden, ein Sohn der Stadt

Hans Dieter Wieden soll den Anfang machen. Warum gerade er? Weil mich mit Hans Dieter ein Interessengebiet verbindet, welches uns beiden am Herzen liegt.

Schon bin ich in medias res. Es ist die Fotografie, die seinen beeindruckenden Werdegang immer begleitet hat. Ohne Kamera sieht man ihn selten und seine Fotografien zeugen von einer intensiven, produktiven Beschäftigung mit seiner Umwelt.

Wer den 60-Jährigen jedoch auf sein sicher „formatfüllendes“ Hobby reduziert, ist viele Meter zu kurz gesprungen.

Der gebürtige Marburger begann nach einem abgeschlossenen Jurastudium (Erstes Staatsexamen 1988, Zweites Staatsexamen 1990) seine Laufbahn in der hessischen Steuerverwaltung und war vier Jahre lang Leiter des Finanzamtes Weilburg. Dem folgte eine siebenjährige Verwendung als Leiter der Abteilung Revision und Vergabe im Lahn-Dill-Kreis.

Als die Stadt Frankfurt rief, konnte und wollte der umtriebige Mann nicht widerstehen. Seit 2011 ist er Verwaltungsdirektor und Amtsleiter des Revisionsamtes der Stadt Frankfurt am Main und damit Chef von fast 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Das sind alles sehr qualifizierte Leute wie Bauingenieure, technische Prüfer und Architekten, die die Projekte und die Magistratsvorlagen sehr genau und in kürzester Zeit beurteilen können. Das ist das große Glück in diesem Amt“, sagt Wieden und weist daraufhin, dass Revision keine Einmischung in die Politik ist.

Sein Amt erinnert jedoch immer wieder die Verwaltung und besonders die Politik an den sparsamen Umgang mit Steuergeldern und das gefällt sicher nicht jedem.

Wir beschränken uns längst nicht mehr auf die Prüfungen von Rechnungen

In diesem Monat feiert das Revisionsamt der Stadt Frankfurt sein 125-jähriges Jubiläum. Grund genug einmal nachzufragen, was denn die Aufgaben des Amtsleiters Hans Dieter Wieden, respektive seines Teams sind.

Wieden: Das Revisionsamt ist für alle Prüfungen im Bereich der Stadtverwaltung und der städtischen Beteiligungen wie Unternehmen und Stiftungen zuständig. Zu allen Beschlussvorlagen, die im Magistrat beraten werden, können wir Stellung nehmen. Unsere Prüfungsmaßstäbe sind Zweckmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit und Ordnungsmäßigkeit.

Wie die Rechnungshöfe sind wir unabhängig, neutral und keinerlei Weisungen unterworfen aber können selbst keine Weisungen erteilen.

Was wir prüfen, wie wir und mit welchen Ergebnissen wir prüfen, entscheiden alleine wir. Als Amt unterliegen wir dem Dienstrecht der Stadt, was z.B. die Personalfragen betrifft. Unsere Unabhängigkeit wird davon aber nicht tangiert. Dienstrechtlich unterstehen wir direkt dem Oberbürgermeister, der uns aber nicht vorschreiben kann, was wir wie im Bereich der Stadtverwaltung und anderer städtischer Einrichtungen zu prüfen haben. Das ist, wie bereits gesagt, unsere alleinige und von allen äußeren Einflüssen oder internen Weisungen unabhängige Entscheidung.

Hans Dieter Wieden bringt seine reichhaltige Erfahrung auch als Dozent bei der University of applied sciences (UAS) Frankfurt, der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (VWA) Stuttgart, der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) und dem Institut für Rechnungsprüferinnen und Prüfer ein.

Er ist Gründungsmitglied, Verwaltungsratsvorsitzender und seit November 2016 Vorsitzender des „Institut der Rechnungsprüfer“ (IDR). Damit nicht genug ist er auch noch Vorsitzender der AG der Leitungen der Revisionsämter im Hessischen Städtetag und Mitglied der AG im Deutschen Städtetag.

Hans Dieter Wieden ist mit Marlene Wieden verheiratet und wohnt in Herborn.

Wer also beim nächsten Stadtbummel oder bei der Zugfahrt nach Frankfurt den bescheiden und sehr höflichen „Fotografen“ entdeckt, weiß mit wem er es zu tun hat und wird ihm vielleicht die vertrauliche Frage stellen: „Herr Wieden sagen sie mir doch bitte, warum die Stadt Frankfurt bei ihrer und der finanztechnischen Kompetenz ihres Amtes einen solchen Schuldenberg vor sich herschiebt?“

Seine Antwort wird die Gleiche sein, wie sie möglicherweise alle Amtsträger seines Genres geben könnten: „Wenn man doch nur auf uns hören würde.“    

Ein Gedanke zu „Herborner Menschen

  • 18. Dezember 2021 um 22:44
    Permalink

    Lieber Siggi,

    vielen Dank für die Vorstellung meiner Person und meiner Aufgabe in Frankfurt.
    Wer sich für die Tätigkeit des Revisionsamts noch mehr interessiert, der findet auf https://www.revision125ffm.com eine umfassende Darstellung der Historie, der Aufgaben, der Perspektiven und der Menschen, die im Revisionsamt der Stadt Frankfurt am Main arbeiten.

    Fotografieren ist meine Leidenschaft, im Mittelpunkt stehen Landschaften, unsere schöne Heimat und die Dokumentation von Ereignissen. Mein bisheriges fotografisches Highlight war der Hessentag 2016 in Herborn, den ich zusammen mit der „Fotomafia“ in Bildern festhalten durfte. Schon jetzt freue ich mich auf Haiger im Juni 2022.

    Außer dem Fotografieren liegt mir auch die Entwicklung unserer schönen Stadt Herborn am Herzen, deshalb engagiere ich mich zusammen mit Ronald Lommel und vielen Mitstreitenden in der Initiative „Wir für Herborn“ Wir setzten uns für eine Integrierte Stadtentwicklung ein. Hierzu verweise ich auf die Homepage: http://www.Wir-für-Herborn.de. Interessierte sind herzlich willkommen.

    Ich lebe gerne in Herborn, hier fühle ich mich wohl und finde meine Ruhe beim Bummeln durch die Stadt, beim Wandern im Westerwald und natürlich beim Fotografieren.

    Danke Siggi, ich bin schon gespannt, mit wem Du Deine Reihe „Herborner Menschen“ fortsetzen wirst.

    Hans-Dieter

    Antwort

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