Ist Afghanistan noch zu helfen?

Von Siegfried Gerdau

Jetzt, wo die Deutschen aus Afghanistan abgezogen sind, kommen die Stimmen derer aus der Deckung, die dies nicht für richtig halten. Wir sollen helfen, dass das Land nicht völlig in die Hände der Taliban fällt. Ich frage mich, was haben wir denn in den vergangenen zehn Jahren dort getan? Die Bevölkerung, besonders die Frauen seien jetzt noch ärmer dran. Das ist sicherlich richtig und andererseits doch nicht so ganz. Wir reden hier von einem autarken Land mit einer Regierung und bewaffneten Kräften, die jahrelang von der Bundeswehr ausgebildet wurden.

Frauen und Kinder sind die Leidtragenden

Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der nicht in diesem Land auf die Welt gekommen ist, weiß, was dort wirklich gespielt wird. Schon bei der Frage, wer denn die Taliban-früher waren es die Mudschaheddin- wirklich sind, scheiden sich die Geister. Ganz davon abgesehen, ist Afghanistan der weltgrößte Heroin-Produzent und wir tun sehr viel für die Menschen dort, indem wir sie zu Zehntausenden in Deutschland aufnehmen. Wenn wir Deutsche- „am Deutschen Wesen soll die Welt genesen“-in alle Länder der Welt unsere Nasen stecken, weil es dort nicht so ist wie bei uns, werden wir immer erleben, dass diese Menschen dort der Meinung sind, dass es uns nichts angeht, was sie machen. Unsere Sicherheit müssen wir erst einmal in unserem eigenen Land verteidigen. Da haben wir eine Menge zu tun. Am Hindukusch, in Mali oder sonst wo auf der Welt, sollte wir uns heraushalten. Wir haben bis 1945 genug Tod und Elend in weite Teile der Welt getragen. Das sollte für die nächsten 300 Jahre genügen. Etwas mehr Bescheidenheit in allen Fragen, die uns höchstens philosophisch tangieren, stünde gerade uns Deutschen sehr gut. Das betrifft Übrigens auch unsere Waffenlieferungen.

Die ehemalige Sowjetunion hat sich im Kampf gegen die damaligen Aufständigen, die von den USA mit Waffen und „Militärberatern“ unterstützt wurden, die Zähne ausgebissen. Als die Russen gingen, wendete sich das Blatt. Aus den einstigen Protegierten wurden Gegner. Amerika schickte Truppen und wollte den Spuk beenden. Deutschland ließ sich nicht lange bitten und beteiligte sich daran. Die Bundesrepublik müsse ihre Sicherheit am Hindukusch verteidigen, erzählte man dem Volk. Die Armee marschierte, von allen Parteien, bis auf die Linke, in Marsch gesetzt.

Man wolle die afghanischen Frauen von der Burka befreien, den Mädchen den Schulbesuch ermöglichen und dem Land endlich eine demokratische Struktur verpassen. Was schon seit Jahrhunderten bekannt ist, wurde auch von den westlichen Staaten einfach ignoriert. Ein Volk, wie die Afghanen, lässt sich keinen Willen von außerhalb aufzwingen. Ja, sie leben teilweise am Existenzminimum. Die Frauen sind so unfrei, wie man es sich hier bei uns kaum vorstellen kann. Dennoch. Die Potentaten, auch Warlords genannt, beherrschen die einzelnen Landstriche und sorgen dafür, dass alles so wie im Mittelalter bleibt. In diesen Kreisen lebt sich hervorragend von den üppigen Mohnfeldern und vom Verkauf des Heroins an die Jugend der Länder, die ihnen mit modernem Kriegsgerät Störenfriede vom Leib halten sollen.

Bescheuert kann ich da nur sagen. Mir fällt eine Fernsehsendung von vor vielen Jahren ein, als eine Journalistin einen Oberstleutnant der Bundeswehr im Einsatzland Afghanistan fragte: „Was sagen sie denn zu den riesigen Mohnfeldern hinter ihnen?“ Der Gefragte: „Ich sehe keine.“ Die Reporterin daraufhin: „Sie müssen sich umdrehen!“ Er daraufhin: „Wie ich schon sagte, ich sehe keine.“ Die Kamera schwenkte zum Themenwechsel.

Das war für mich ein Schlüsselerlebnis und ein Symbol für den gesamten Einsatz in diesem archaischen Land. 52 deutsche Soldaten mussten dort ihr Leben lassen. Die westliche Allianz hat insgesamt 3 600 ihrer besten Männer und Frauen verloren. Sie sind bei kriegerischem Einsätzen gefallen. Dieses Wort galt lange Zeit als Unwort und erst der damalige CDU-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (2009 bis 2011) hob dieses Tabu auf und machte damit aus dem bisher angeblichen Friedenseinsatz einen Kampfeinsatz.

Als jetzt die letzten Bundeswehrsoldaten zurückkamen, vermittelten sie den Eindruck einer geschlagenen Armee, die mit hängenden Ohren heimkehrt. Niemand von denen, die sie in den Krieg geschickt hatten, empfing sie zu Hause. Meine ehemaligen Kameraden haben mir einfach nur Leid getan. Als dann auch noch der befehlshabende General Ansgar Meyer die Regierung in Schutz nahm, wurde mir leicht übel.

„Herr General sie führen Soldaten einer Parlamentsarmee und keine Söldnertruppe, die man klammheimlich hin und her kommandieren kann.“

Fazit: Wir und auch kein anderes westliches Land werden es schaffen in dieser, durch und durch korrupten islamischen Republik, etwas zu verändern. Im Gegenteil. Wir und die Kriegsteilnehmer der anderer Länder, haben dort getötet und sind damit potentielle Ziele der Blutrache geworden.

Ein Gedanke zu „Ist Afghanistan noch zu helfen?

  • 10. August 2021 um 21:40
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    Wir, die Mitglieder der Gebirgsjägerkameradschaft 232 Berchtesgaden haben immer versucht, mit Spendengeldern, die von unseren Soldaten vor Ort in Spielplätze und Schulen investiert wurden, Brücken zwischen den „Eindringlingen “ und der Bevölkerung zu schlagen.
    Die Aktion „Hilfe im Zeichen des Edelweiß“ begann 1999 mit dem Bau eines Spielplatzes in Dobrinja /Sarajevo.
    2002 ein Kinderspielplatz in Miljevina / Bosnien.
    2005 ein Kinderspielplatz am Krankenhaus in Prizren /Kosovo.
    2009 konnte dem Hilfswerk „Kinderberg e.V. eine Spende für unterernährte Mütter und Kinder in Afghanistan direkt vor Ort übergeben werden.
    2011 wurde eine, von Spendengeldern der Gebirgsjägerkameradschaft 232 neu eingerichtete Schule in Naluk Ma /Afghanistan dem Direktor übergeben.
    All unsere „Brücken“ wurden dankend von der Bevölkerung angenommen.
    Auch in den besagten Regionen in Afghanistan gibt es noch Menschen, die nicht mit/durch Rauschgift ihren Lebensunterhalt finanzieren.

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