Ostern ja, aber anders!

Von Siegfried Gerdau

Das Osterfest 2021 wird ebenso in die Geschichte eingehen, wie 2020 und wie Weihnachten im gleichen Jahr. Die Covid-Pandemie hat Deutschland und die Welt im Griff. Allen Be-und Verschwörungsversuchen zum Trotze, ist noch kein Ende abzusehen. Es wird geimpft auf der Welt, was das Zeug hält. In Deutschland aus den unterschiedlichsten Gründen eher zögerlich. Mal ist kein Vakzin in genügender Menge vorhanden oder in der für alle passenden Form. Ein anderes Mal hapert es an der Organisation die, streng nach deutschem Gusto, bürokratisch verlaufen muss. Die Regierung bemüht sich und das Volk macht mit. Setzt die Maske auf, hält schön Abstand und wenn es dran ist die Oberarme hin. Halt nicht alle. Da gibt es ganz schön viele, die kräftig aufmucken. Entweder in den sozialen Netzwerken oder sogar auf den Straßen und Plätzen. Zehntausende ohne Masken, ohne Abstand und mit Parolen „Frieden, Freiheit, Demokratie“. Es seien sogar Plastersteine-genau genommen einer- geflogen und das gegen einen Vertreter der Presse. Das ist gar nicht in Ordnung und ebensowenig das tausendfache Nichttragen der Masken. Es muss aufgearbeitet werden, aber vor allem muss nachgefragt werden, um was es den Menschen tatsächlich ging und geht. Ist der Grund für die immer mehr zunehmenden Proteste tatsächlich das Maskentragen oder steht da etwas ganz anderes dahinter.

Der Schneefall am Ostermontag ist schon fast wieder romantisch

Wenn man die zahlreichen Videos über die Stuttgarter Proteste akribisch auswertet, muss man feststellen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer überwiegend aus der Mitte der Gesellschaft zu kommen scheinen. Man sah keine „Nazis“, keine „Reichsdeutschen“ und auch keine entsprechenden Attribute wie Reichsfahnen oder ähnliches. Entlang der Strecke wenige sogenannte „Antifaschisten“ und auch die Polizei trat fast ausnahmslos tiefenentspannt auf. Genau dies warf man ihr jedoch erstaunlicherweise vor.

Während an anderen Stellen und Veranstaltungen immer mehr über Prügelpolizisten und übergriffige Beamte berichtet und angeklagt wird, herrschte in Stuttgart Frieden-und Frühlingsfeststimmung. Gewiss, die wenigsten Demo-Teilnehmer trugen Masken. Nicht gut. Sollten daher die Beamte mit Pfefferspray und Schlagstöcken und vielleicht noch mit Gummigeschossen gegen Frauen, Kinder und auch Männer vorgehen?

Doch wohl nicht, auch wenn diese Forderungen zwischen den Zeilen der einschlägigen Berichterstattungen hervorlugen. Selbst bei den übelsten Krawallen in Hamburg und Berlin hat man Verletzungen von Beteiligten und immense Sachschäden als ganz normale Folgeschäden des demokratisch verbrieften Demonstrationsrechts hingenommen. Hmm, was war in Stuttgart anders. Muss die Polizei an Schönwettertagen an den Badeseen, Rheinufern oder im Englischen Garten in München auch draufhauen, wenn die Menschen keine Masken tragen? Wollen wir einer Prügel-Exekutiven das Wort reden.

Und wieder, jetzt zum X.Male. Ja die Demonstranten trugen keine Masken. Das ist verwerflich, aber auch gewaltbereite Demos sind verwerflich. Was soll die Staatsmacht dagegen tun.

Mein Vorschlag: Einfach genauer hinhören, was die Stimme des Volkes „da unten“ denn so sagt. Nicht jeder, der all die Schutz-Maßnahmen nicht versteht und dagegen aufbegehrt, ist ein Nazi, Rechter oder was man sonst noch alles so gerne verstreut. Es fällt oftmals auch den tausenden Verstehern manchmal schwer sich den fast täglich ändernden staatlichen Vorgaben anzupassen.

Die Menschen brauchen klare Ansagen und nicht zigfaches tägliches, oft sich widersprechendes politisches- Geschwätz auf allen Kanälen und in den Printmedien. Die wenigsten Bundesbürger sind Epedimiologen und Virensachverständige.

Sie verstehen nicht, wenn an einem nordrheinwestfälischen See auf der einen Uferseite Maskenpflicht herrscht und an der anderen nicht. Auf der Seebrücke hingegen für alle, weil sich dort die Masken-und Nichtmaskenträger treffen. Sie verstehen nicht wenn sich bei Aldi und lidl die Menschen vor den NonFood-Ständen ballen, aber in den Einzelhandelgeschäften ihr mehrfache Anwesenheit für die Nation höchstgefährlich ist.

Sie erleben hingegen fast täglich, dass sie mit neuen Auflagen bis hin zur totalen Ausgangssperre bedroht werden, wenn gleichzeitig andern Ortes fröhliche Veranstaltungen stattfinden, gegen die von den Ordnungshütern mangels Masse nicht eingeschritten wird.

Die Masse der Bundesbürger ist Pandemie-Ungeübt, aber in totaler Freiheit großgeworden. Jetzt verlangen Politiker, die ebenfalls Pandemie-Ungeübt und in totaler Freiheit großgeworden sind, ein Verhalten, dass massiv in die grundgesetzlichen Bürgerrechte eingreift. Ist doch verständlich wenn dann Bürger misstrauisch werden und vor allem wenn diese Eingriffe in den wenigsten Fällen parlamentarischen Ursprung haben. Wer mit unserer Demokratie groß geworden ist, sie zu schätzen weiß und nicht selten geschworen hat, sie zu verteidigen, schaut halt genauer hin, wenn an ihren Fundamenten vermeintlich oder tatsächlich gekratzt wird. Besonders dann, wenn die Bürgern in Schule und anderen Bildungsstätten gut aufgepasst haben, wenn landauf landab immer die demokratischen Errungenschaften gepredigt wurden und ihnen so ein halbes Jahrhundert lang, die schlimme Kehrseite des freiheitlich-rechtlichen Daseins vor Augen geführt wurde.

Fazit: Demonstrieren ohne Maske ist schlecht, aber grundsätzlich gut und vom Grundgesetz besonders geschützt. Steine schmeißen war schon in den 1968er Jahren kaum zu akzeptieren, auch wenn die Steineschmeißer mittlerweile zu Ehren gekommen sind. Wenn sich die Bundesbürger gegen staatliche Bevormundung wehren, sind sie nicht automatisch Covidioten, Pack und Neonazis. Differenzierung tut Not und strikte Einhaltung der demokratischen Spielregeln, die wir uns einst selber auferlegt hatten, auch. Jeder Bürger, Beamte und Politiker, der dagegen verstößt, bereitet dem Extremismus von links und rechts noch mehr das Fundament. Die Maskendemos haben die Ostermärsche der Atomwaffengegner weitgehend abgelöst. Wenn wir es noch schaffen, dass alle Demonstrierer ihre Masken tragen und gewaltfrei über die die Straßen ziehen, sollte eigentlich die deutsche Welt ein Stück mehr in Ordnung sein. Denke ich, aber ich kann mich auch täuschen.

Über 70 000 Clicks für meinen Blog gerdaus-welt. Ist doch schon ganz ordentlich. Herzlichen Dank an meine Lesern.

Ein Gedanke zu „Ostern ja, aber anders!

  • 8. April 2021 um 17:35
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    Bei allen Demos habe ich noch nie die Frage gehört: “ Wo ist unsere Demokratie geblieben“?
    Die Exekutive in Form der Kanzlerin und der Ministerpräsidenten regieren ohne die Volksvertreter- die Parlamente.
    Demokratie= alle Gewalt geht von Volke aus. Wie denn, wenn das Volk ausgeschaltet ist ?
    Vertreter der Exekutive sitzen gleichzeitig als Legislative in den Parlamenten.
    Ein Wesensmerkmal der Demokratie ist die Gewaltenteilung. Wo bitte schön ist diese in Deutschland zu finden?
    Art. 21 Verfassung: Die Parteien wirken bei der pol. Willensbildung mit. ( nur da)
    Fehlanzeige in Deutschland. Weisungen aus Parteien heraus darf es an die Volksvertreter nicht geben

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