Standpunkt

Von Siegfried Gerdau

Der Pranger ist digital

Was passiert gerade mit unserer offenen, aufgeklärten Gesellschaft? Verlassen wir die demokratischen Wege, die uns die Verfasser des Grundgesetzes einst wiesen? Die Corona-Pandemie mit all ihren Auswirkungen bringt gesellschaftliche (Fehl) Entwicklungen zu Tage, die wir gerne übersehen würden. Unsere Regierung regiert immer mehr am Parlament vorbei und findet das völlig in Ordnung. Man kann aber nicht alles mit dem Covid-19 Virus und seinen Mutanten begründen. Was die Regierenden nicht schaffen, erledigen neue „Blockwarte“ in voraus-eilendem-Gehorsam. Es wird denunziert und gemeldet wo es nur geht und die Staatsmacht gibt ihren Segen dazu. Keine gute Entwicklung und der allgegenwärtige Lockdown tut das seinige dazu beitragen.

Unseren Vätern machte man klar, dass sie sich nicht genug gegen das verbrecherische Regime der Nationalsozialisten stemmten. Sie mussten sich gefallen lassen zumindest als Mittäter bezeichnet zu werden. Völlig zu Recht und für jeden denkenden Menschen nachvollziehbar. Meine und die nachfolgenden Generationen wuchsen in der Gewissheit auf, dass nur eine gesunde Demokratie, die sich auch zu wehren weiß, das Mittel der Wahl ist. Wir leisteten Eide und leisten sie immer noch auf unsere demokratische Verfassung und betrachten das Grundgesetz als in Stein gemeißelte Schrifttafeln, auf die man bauen kann.

Seit damals gibt es jedoch immer noch Menschen, die der gottlob untergegangenen Diktatur nachhängen. Ewig-Gestrige, wie auch die versponnenen Kaisertreuen. Das sind Nazis und man kann sie mit Fug und Recht auch so bezeichnen. Es gibt sogar einzelne Gruppen darunter, die Verbrechen begehen. Diese müssen gnadenlos verfolgt und ihre Untaten geahndet werden.  

Seit ein paar Jahren wächst peu à peu eine „Nazi-Gruppe“, die man nicht auf den ersten Blick erkennt und die keine Verbrechen begehen. Dies weit über ein halbes Jahrhundert nach dem Zusammenbruch des sogenannten III. Reiches.  Wie kommt das? Gemeint ist damit das Heer der Andersdenkenden. „Covidioten“, „Querulanten“, „falsche Demonstranten“, „Pediganten“ werden sie genannt. Nicht selten sogar Nazis. Diese grobe Verallgemeinerung beleidigt die zahllosen Opfer der Nationalsozialisten ebenso wie die Menschen, die sich einfach nur Gedanken machen und anderer Meinung als die gängigen Medien sind. Sie deshalb so zu verunglimpfen ist nicht nur wenig intelligent, sondern einfach nur anachronistisch und gefährlich für den gesellschaftlichen Frieden .

Gleichzeitig mit dem behaupteten „Wiedererstarken des Nationalsozialismus“ greift der Antifaschismus in vielerlei Ausprägungen immer mehr um sich. Vor allem in den größeren Städten, wie Hamburg und Berlin, betreibt die Antifa regelrechten Terror. Das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz sagt dazu folgendes: Im linksextremistischen Sinn ist Antifaschismus weit mehr als das Engagement gegen Rechtsextremismus. Er steht für eine grundsätzliche Ablehnung von Parlamentarismus und demokratischem Verfassungsstaat. Antifaschismus im linksextremistischen Sinn behauptet, dass die bürgerliche Gesellschaftsordnung mit Kapitalismus, Parlamentarismus und Rechtsstaat die Ursache von Faschismus und Rechtsextremismus sei. Demokratischen Staaten wie der Bundesrepublik Deutschland wird unterstellt, sich unausweichlich in Richtung eines neuen Faschismus zu entwickeln. Das politische Ziel linksextremistischer Antifaschisten ist deshalb die Beseitigung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung.

Der unbedarfte Bürger steht dieser Entwicklung ziemlich ratlos gegenüber. Er versucht sich rauszuhalten, eine alte und weitverbreitete Form des „nur-ja-nicht-aneckens“. Er bekommt mehr oder weniger deutlich gesagt, dass mangewisse Bücher/Zeitschriften nicht liest und schon die Nennung bestimmter Verlage ein Sakrileg sein kann. Wählen sollte er nur die richtigen Parteien und wenn er dem nicht folgt, spricht er am besten nicht darüber. Die Freiheit der eigenen Meinung ist ihm laut Grundgesetz § 5 Absatz 1 stehts zugesichert. Er tut jedoch gut daran darauf zu achten, dass sie nicht zu sehr von der Gängigen abweicht. Die Gefahr an den „digitalen Pranger“ gestellt zu werden ist allgegenwärtig. Es kann aber schlimmer kommen und wenn er gemeldet wird, könnte sogar der Arbeitsplatz gefährdet sein. War das jetzt zu drastisch? Ich denke nicht und es ist meine Meinung!

Am besten überprüft der gute Bürger auch seine Sprachgewohnheiten. Freute er sich früher, dass es in seiner Umgebung genug Ärzte für die medizinische Versorgung gab, darf er heute das Sternchen und die Ärztinnen nicht vergessen (mehr Ärztinnen aber auch Ärzte sind es dennoch nicht geworden). Aber: Alles schön auf Gendergerechtigkeit überprüfen. Wer das nicht tut ist mindestens ein Ewiggestriger.

Die Staatsmacht kontrolliert, überwacht, verbietet und verordnet was das Zeug hält. Wer sich in Wort oder Schrift öffentlich dagegen stemmt, läuft Gefahr als Rechter (was ist das überhaupt) stigmatisiert zu werden.

Vor wenigen Tagen tanzten ein paar Leutchen vor dem Brandenburger Tor eine Polonaise. Die Polizei rückte mit einer Hundertschaft an, sperrte den Tatort ab und verhaftete einige von ihnen. Der Tatvorwurf: Mangelnder Abstand. Gleichzeitig wurden wie jeden Tag im Görlitzer Park Drogen aller Härtegrade an Jugendliche und Erwachsene „ohne Abstand“ vertickt. Herr Geisel, der Berliner Innensenator, freut sich, wenn es ihm gelingt einen der schwerkriminellen Clan-Paten für ein halbes Jahr abzuschieben. Er hält das für ein „denkwürdiges Ereignis“. Auch derartige schwachsinnigen Widersprüche darf und muss man hinterfragen.

Wer öffentlich die „falschen Fragen“ stellt oder seine eigenen Wahrheiten von sich gibt, findet sich möglicherweise bei George Orwell „1984“ wieder. Der schrieb einst in seinem immer noch aktuellen Werk: „Freiheit bedeutet die Freiheit, zu sagen, dass zwei und zwei vier ist. Gilt dies, ergibt sich alles Übrige von selbst“.

Bitte Leute hört auf euch gegenseitig verbal zu zerfleischen. Wir waren einst Stolz auf unsere Freiheiten und die Möglichkeiten des offenen Disputs. Nicht jeder der einer anderen Meinung ist und sei sie noch so quer, muss gleich mit hässlichen Schlagwörtern mundtot gemacht werden. Ich fand gerade einen denkwürdigen Satz bei DW: „Wer mundtot ist, redet nicht mehr – obwohl er es eigentlich könnte. Denn er ist nicht tot, sondern sehr lebendig“. Das gibt zu denken. Jeder darf, nein muss eine eigene Meinung haben und diese auch ohne Angst vor dem digitalen Pranger so vertreten, wie er möchte. Wer anderer Meinung ist, darf das gerne sein. Aber: Bevormunden oder gar verunglimpfen geht gar nicht.

Ein Gedanke zu „Standpunkt

  • 21. Februar 2021 um 21:27
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    Sehr gut geschrieben Siegi,
    leider befinden wir uns, meiner Meinung nach, schon viel zu sehr in einer gespaltenen Gesellschaft, die so habe ich fast den Eindruck, politisch gewollt ist. Der Mainstream fördert diese Spaltung zudem leider noch. Nie hätte ich gedacht, dass ich miterleben werde, wie unsere demokratischen Freiheits- und Grundrechte peu a peu abgeschafft werden und Menschen mit andren Meinungen in die rechte Ecke gedrückt werden. Ich sehe dunkle Zeiten auf uns zukommen.

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