Teil VII: Reise in Deutschlands Norden

Die kleine graue Stadt am Meer

Die beiden Eisenbahnwaggons waren gut gefüllt. Es gab aber noch Sitzplätze für uns. Das 9-Euro-Ticket wollte wieder niemand sehen. Für Urlauber ist 9 Uhr noch eine fast nachtschlafene Zeit. Allerdings, der Zug nach Husum kannte keine Gnade. Punkt 9.04 Uhr war Abfahrt am Tönninger Bahnhof. Die Schäfchen und Kühe links und rechts auf den schier endlosen Wiesen, fraßen schon eifrig das leckere Gras. Von dem hin und wieder schiffssirenartigen Geblöke des Zuges, wenn er sich einem unbeschrankten Bahnübergang näherte, ließ sich keines der Tiere stören.

Sanft glitten die Räder des betagten Gefährts über die fast ausnahmslos gerade verlaufenden Schienen. In der Ferne tauchten zwei Schiffskräne am Horizont auf. Das war schon die Hafenstadt, von der Theodor Storm, der große Sohn der Stadt in seinem Gedicht „Die Stadt“ behauptete, sie sei grau. Dies ist vermutlich aber im Kontext zu seiner Entadvokatisierung zu sehen. Er war darüber so bitter enttäuscht, „weil er doch nur trotz Friedensschluss“ gegen die Dänen gearbeitet hatte.

10 Jahre nach seinem Tod 1888 wurde im Park des Schlosses vor Husum seine Büste enthüllt. Sein Wohnhaus in der Wasserreihe 31, unweit des malerischen Hafens, ist Ziel vieler Touristen, die den Juristen gerne auf sein bekanntestes Werg „Der Schimmelreiter“ reduzieren.

In der strahlenden Sonne des Nordens reihen sich Haus neben Haus entlang der Hafenkante und jedes davon ist in bunten Farben gestrichen. Obwohl die Saison noch nicht so richtig brummt, sind die Cafés rund um den Marktplatz und am Hafen schon früh am Morgen besetzt. Es ist Donnerstag und Markt. Die steingewordene Magd Tine, das heimliche Wahrzeichen der Stadt, schaut von ihrem Sockel, auf dem Marktbrunnen, auf das muntere Markttreiben herab. Die Krabbentage im Oktober und im Hochsommer die Husumer Hafentage locken zusätzliche Besucher an.

Das Schloss aus dem Jahre 1577 bis 1582 ist heute ein wichtiger Veranstaltungsort. Das Café im Schlosshof soll im Herbst wieder eröffnet werden. Auch bei einem längeren Besuch der Stadt kommt keine Langweile auf. Schön shoppen geht immer und auch die Gastronomie ist gut aufgestellt. Unbedingt einkehren sollte man in Jacquelines Cafè, im Schlossgang 12. Vor 32 Jahren von der Namensgeberin eröffnet, wird es jetzt vom Sohn der Gründerin geführt. Die täglich gebackenen Torten sind legendär.

Auch das HafenKaffee hatte uns mit einem umfangreichen Frühstück und aufmerksamen Service schon früh gut versorgt. Den Blick auf Hafenbecken und Hafengebiet gab es kostenlos dazu. Das wunderschöne Kopfsteinpflaster in der Stadt wird von PKW, Radfahrern und Fußgängern gleichermaßen benutzt. Keiner ist dem anderen ernsthaft im Weg und die Luft ist auch sehr frisch. Was mir auffiel, ist das selbstverständlich und oft zu hörende Moin! Die Menschen sind freundlich und das gilt auch für das Service-Personal in den Geschäften.

Apropos, Service. Der Mangel an Servicekräften ist in Husum, ebenso wie in allen anderen Orten mit Fremdenverkehr, gravierend. Das ist Angesichts der vielen jungen Menschen, die Deutschland als ihren Lebensmittelpunkt ausgesucht haben, nicht sofort nachzuvollziehen.

Mit einem ansehnlichen Sonnenbrand geht es per Bahn zurück. Auch diesmal keinerlei Probleme mit den Sitzplätzen, obwohl der Ferienanfang in manchen Bundesländer erste Signale aussendet. Fazit: Tönning ist auch als Ausgangspunkt zu vielen attraktiven Ferienorten sehr gut gelegen.

Unser Wohnmobil blieb die gesamten vier Wochen stehen. Alle Fahrten wurden entweder mit dem Rad, dem Ruftaxi, Bus und Bahn erledigt. Nachhaltig heißt das wohl in der Sprache der Klimaschützer und darauf sind wir Stolz. sig/Fotos: Gerdau

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