Auszüge aus dem Dillenburger Wochenblatt von 1859

Ein verspätetes Weihnachtsgeschenk machte mir heute Wolfgang Leichthammer mit einer kompletten Sammlung des Dillenburger Wochenblattes aus dem Jahr 1859. Das „Amtliche Organ für den Bezirk Dillenburg“ erschien jeden Dienstag und Freitag zu einem halbjährlichen Pränumerationspreis von 54 Kreuzer (kr). Der Botenlohn zu dem Im-Voraus-zu-bezahlenden-Preis kam extra dazu. Wenn auch die Terminologie eine andere als heute war, die Aussagen, Anordnungen und viele „wichtige“ Dinge, die von der Administration an die Frau beziehungsweise den Mann gebracht werden mussten, deckt sich mit ähnlichen heutigen Verlautbarungen. Die Lektüre gehörte zum Leben dazu und war trotz knapper Familienkassen in den meisten Haushalten zu finden- der durchschnittliche Tages-Verdienst eines Arbeiters betrug rund 55 Kreuzer. Ich möchte gerne in loser Folge aus diesem reichhaltigen Fundus, einer doch noch gar nicht so lange zurückliegenden Zeit, zitieren.

Am 4. Januar 1859 las der geneigte Leser (Gendern war damals noch nicht gebräuchlich) unter Bekanntmachungen folgendes:

(Oberscheld.) Samstag den 29. Januar dieses Jahres, Nachmittags 2 Uhr, werden in der Gemeindestube zu Oberscheld die dem Thomas Ridge Hacket, dermalen unbekannt, wo ? abwesend, an der Eisenerzgrube „Augustzeche“ bei Oberscheld zustehenden, zu 665 Gulden taxierten 64 Kuxen zwangsweise versteigert. Dillenburg, den 27. December 1858. Herzogl. Nass. Landoberschultheißerei. Roth.

Die Kuxe war ein Wertpapier über den Anteil an einer bergrechtlichen Gewerkschaft, ähnlich einer Aktie (d.red).

Dem 90. Geburtstag von Ernst Moritz Arndt am 26. Dezember 1858 widmete das Dillenburger Wochenblatt am 4. Januar 1859 eine halbe Seite. Arndt (* 26. Dezember 1769 in Groß Schoritz; † 29. Januar 1860 in Bonn) war ein deutscher nationalistischer und demokratischer Schriftsteller, Historiker und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung. Als Publizist und Dichter widmete er sich hauptsächlich der Mobilisierung gegen die Herrschaft Napoleon Bonapartes in Deutschland. Daher wird er auch als Freiheitskämpfer bezeichnet. Er gilt als bedeutender Lyriker der Epoche der Befreiungskriege.

Auf der gleichen Seite berichtet das von E. Weidenbachs Witwe in Dillenburg gedruckte Blatt: Oberitalien. Es wurden wieder mehrere Cigarrenraucher misshandelt, aber nur durch die Schlechtigkeit ihrer Cigarren selber.

Auch das war dieser Ausgabe ein paar Zeilen Wert: „Der Fürst von Porcia, Edler von Görz, welcher die Erzherzogin mit der Cigarre grüßte, ist ausgewiesen worden. Unter dem Namen Graf von Lümmellowsky nach Genua gereist und im Hotel zum goldenen Flegel abgestiegen.“ Wie zu lesen ist, hatten die Redakteure auch damals schon Sinn für Humor.

Am 5. Januar 1859 verkündet Dillenburgs Bürgermeister Gail: „In der gestrigen Sitzung des Gemeinderathes wurden zu Armenpfleger erwählt. (Es folgten sechs Namen für sechs Bezirke). Es wird dieß hiermit veröffentlicht, damit die Armen wissen, an wen sie sich zur Abhilfe bei eintretender Noth zunächst zu wenden haben. Gleichzeitig wird milden Gebern die Gelegenheit geboten, ihre desfallsigen Gaben durch die genannten Herren Armenpfleger den Hülfsbedürftigen zukommen zu lassen.

Auch für Privatanzeigen war Platz und so suchte ein im Schreibfach geübter junger Mann, welcher bereits auf einigen Bureaux zur Zufriedenheit seiner Vorgesetzten fungierte, eine Stelle als Schreiber. Näheres in der Redaction d.Bl.

Bei Gutbrod, wohl in der Stadt bestens bekannt, war 1858r Aepfelwein, in größerer und kleinerer Quantität, billigst zu haben.  sig

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