Ehepaar Hähner kämpft um seine Nachtruhe

Von Siegfried Gerdau

Ihren Humor haben Anja und Klaus Hähner zum Glück noch nicht verloren. Die kleine Hühnerschar aus Metall und Stein auf dem Torpfosten am Hofeingang, legt dafür ein beredtes Zeugnis ab. Wenn Hähners jedoch schon frühmorgens um vier Uhr mit Gepolter und Gedröhn aus dem Tiefschlaf geweckt werden, ist Schluss mit lustig.

Ihn kratzt nichts

Das Ehepaar wohnt in der Ortsmitte von Dillenburg-Frohnhausen. Die Hausnummer 24 an dem kleinen knuffigen Einfamilienhaus an der Frohnhäuser Hauptstraße weist deutlich darauf hin. Klaus der Flugzeugküchen-Mechaniker, hat schon viel an seinem Eigenheim renoviert. Fertig wird er wohl nie, aber das ist auch gar nicht sein Bestreben. „Es macht mir Spaß, es immer noch ein wenig perfekter zu machen“, so seine klare Ansage. Ehefrau und Schöngeist Anja hat mit noch mehr Händchen fürs Detail, viel in die Gemütlichkeit investiert und auch sie entdeckt immer wieder noch ein Plätzchen für etwas Selbstgewerkeltes.

„Als wir vor vielen Jahren das alte Fachwerkhaus kauften, haben wir den Straßenlärm mitgekauft“, philosophiert Klaus Hähner. Sie hätten sich im Laufe der Zeit daran gewöhnt und selbst als sich die Zahl der 30 000 Fahrzeuge pro Tag immer mehr erhöhte, klagten sie nicht. Wie viele es heute sind weiß er nicht, aber es wären sicher viel mehr als damals.  Auch die Zahl der LKW, die täglich durch den Ort rollen, hätten drastisch zugenommen.

Klaus baute dreifach verglaste Fenster auf der Straßenseite ein, isolierte die Wände zusätzlich und als der Lärm nicht deutlich genug nachließ, montierte er zusätzlich schallschluckende Folien an den Fenstern. Es sei ruhiger seitdem, aber die schweren LKW und hier besonders die Container-Transporter nerven immer noch.

Den Grund dafür haben die Hähners schon vor geraumer Zeit entdeckt. Direkt vor dem Haus ist die Teerdecke defekt und dadurch uneben. Beim Darüberfahren merkt man es nicht und es entsteht auch kein Lärm. Wenn aber die LKW mit höherer Geschwindigkeit als die erlaubten 30 Km/h nachts durch den Ort brettern und in die Vertiefungen vor Hähners Haus „fallen“, ist der Lärm groß. Mit ein wenig Teer, ein paar fleißigen Händen und einer Rüttelplatte könnte man die 3×3 Meter große Fläche leicht reparieren. Könnte man, aber man tut es nicht. Der Schaden ist nicht groß genug und Hähners Nachtruhe nicht gravierend, vermutet Klaus.

Der Lärm ist besonders nachts für das Ehepaar Hähner kaum noch auszuhalten.

Der Ortsvorsteher nahm sich der Sache an, aber konnte wohl nichts bewegen. Das Ehepaar fuhr nach Dillenburg zum Bürgermeister Lotz (CDU) ins Rathaus. Der hörte sich wohlwollend und sehr freundlich die Probleme an und versprach sich der Sache anzunehmen. Es sei jedoch nicht ganz einfach, belehrte er die Beiden und wies auf den Umstand hin, dass Hessen Mobil zuständig sei. Seitdem ist viel Zeit ins Land gegangen. Anja und Klaus Hähner warten und warten und verbringen viele Stunden schlaflos im Bett. Seitens der Stadt tut sich nichts, aber die LKW werden nicht weniger und besonders die Autotransporter, Container und Abfalltransporter nerven immer mehr. „Wenn die doch wenigstens die Geschwindigkeitsbeschränkungen, besonders nachts, einhalten würden“, klagt Anja. Sie muss morgens raus, um ihre Kunden in der Herborner Imbissbude zu bedienen.

Die beiden sprechen sich klar für Geschwindigkeitsmessungen aus, aber außer den stationären Anlagen an den Ortseingängen tut sich da nichts. Da diese Blitzer lediglich die Übertretungen oberhalb von 50 km/h erfassen, haben die Brummis in der Nacht freie Fahrt und knallen durch die Straßenschäden vor Hähners Haus Nummer 24.

Das Idyll trügt. Was hier so beschaulich wirkt, ist besonders bei Nacht einem Höllenlärm ausgesetzt.

Leider oder Gott sei Dank war auch der vergangene Winter nicht hart genug, um die geschädigte Straße noch deutlicher zu schädigen. Vielleicht wird es ja im nächsten Winter passieren. So lange müssen die Gehörschutzstopfen von Klaus Hähner noch mindestens halten. Ob sich Hessen mobil dann seiner erbarmt und einen Erneuerungstrupp in die Frohnhäuser Hauptstraße entsendet, wissen die Götter. Vielleicht wartet man ja noch zehn Jahre, bis die Ortsdurchfahrt völlig kaputt ist, um dann eine komplett neue Teerdecke aufbringen zu können. Nach er Devise: Nicht kleckern, sondern klotzen und was nichts kostet ist auch nichts.  Fotos: Gerdau

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