IGM Herborn erinnert an den „schwarzen Tag“ der Gewerkschaft

Am vergangenen Montag legten Mitglieder des Arbeitskreises der IG Metall Seniorinnen und Senioren- und Außerbetriebliche Gewerkschaftsarbeit an der Erinnerungstafel in der Burger Landstraße, dem ehemaligen Sitz des Bergarbeiterbandes bis 2. Mai 1933, rote Nelken zum Gedenken an die Stürmung und Besetzung der Gewerkschaftshäuser am 2. Mai 1933 nieder.

Werner Schäfer, Sprecher des IG Metall Arbeitskreises, bei der Blumenniederlegung. Foto: privat

Die Gedenktafel am heutigen Autohaus Grimm, soll an die Verfolgung der Gewerkschaft durch die Faschisten erinnern. Nur wenige Stunden nach dem von dem NS-Staat zum Feiertag erhobenen 1. Mai zum »Tag der Arbeit«, stürmten am 2. Mai 1933 auch in Herborn Nazis das Büro der damaligen Bergarbeitergewerkschaft in der Burger Landstraße 5.

Der alte Dillkreis war in den 30er Jahren schon stark industrialisiert und es hatte sich eine Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung entwickelt. Schon kurz nach ihrer Machtergreifung ging es den Nationalsozialisten darum, diese freien Gewerkschaften zu zerschlagen. Die Parteien der Arbeiterbewegung – KPD und SPD – waren schon verboten, beziehungsweise in ihrer Betätigung eingeschränkt.

In Herborn waren den Nationalsozialisten besonders die beiden Gewerkschaftssekretäre Heinrich Becker und Paul Szymkowiak ein Dorn im Auge. Becker gehörte zudem für die Sozialdemokraten dem Reichstag und hatte dort gegen die Ermächtigungsgesetze gestimmt.

Während Becker über das Saarland nach Frankreich flüchtete und dort später verhaftet wurde, nahm man Szymkowiak im Sommer 1933 in Wetzlar in „Schutzhaft“. Dabei wurde er von der Polizei gefoltert. Nach dem missglückten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 verhaftete man den Gewerkschaftler erneut und verschleppte ihn in ein Konzentrationslager.

Bei der Blumenniederlegung erinnert Andrea Theiß, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Herborn daran, dass es in Herborn nicht nur ein Büro der Bergarbeitergewerkschaft, sondern auch des Deutschen Metallarbeiterverband (DMV) – der Vorläuferorganisation der IG Metall – in der Kaiserstraße gab.

Den dortigen hauptamtlichen Gewerkschaftssekretär Adolf Kunz überfiel und verprügelte die SA am 17. Juli 1932 in seiner Gaststätte in Burg (heute Burger Eck). Der Augenzeugenbericht von Henriette Bretthauer beschreibt den Überfall 1983 detailgetreu.

Der Arbeitskreis will mit einer repräsentativen Gedenkveranstaltung am 17. Juli 2022 an die Geschehnisse am gleichen Tag im Jahr 1932 in Burg erinnern. Eine Projektgruppe trifft sich, um die Ausgestaltung der Erinnerungstafel und der Veranstaltung vorzubereiten. Mit dabei sein wird Holger Gorr, Verfasser des Geschichtsbandes „Verdammte Geduld“ über die Situation und Kämpfe der Arbeiterbewegung im Dillkreis. Der Augenzeugenbericht von Henriette Bretthauer (Gespräch vom 22. April 1983) soll als Zeugnis für die junge Generation mit einbezogen werden. red

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