Rund um die Fischbachs-Mühle

Da wo der junge Aubach von Waldaubach (unterhalb der Fuchskaute), kommend, sich durch das Wiesental bei Rabenscheid schlängelt, steht ein bemerkenswertes hessisches Kulturgut. Die Fischbachs Mühle mitten in einer scheinbar unberührten Natur, ist etwas für Landschafts-Gourmets.

Die alte Mühle im oberen Aubachtal

Auf dem idyllisches Fleckchen Erde, wo man höchstens mal den Start eines Kleinflugzeuges auf dem nahegelegenen Flugplatz Breitscheid hört, haben unzählige Kleinlebewesen ihr Refugium. An dem klaren Bach, der sich noch 15 Kilometer talwärts durch die Landschaft schlängelt, baute um 1900 ein beherzter Müller eine Mühle. Dies ungeachtet der Tatsache, dass damals noch die harten Winter den kleinen Bach zufrieren und die Sommermonate ihn nahezu austrocknen ließen. Die Anlage, in der die umliegenden Bauern ihr mühsam angebaut und ebenso aufwendig geerntetes Getreide mahlen ließen, ist mittlerweile verlassen, steht aber zum Glück unter Denkmalschutz. Im Inneren der Mühle sollen noch alle Maschinenteile vorhanden sein. Wohnhaus, Stall und Scheune erwecken den Anschein, als warteten sie nur auf ihre Bewohner. Selbst die Hundehütte ist zum sofortigen Einzug verfügbar. Zweifelsohne nagt der Zahn der Zeit heftig an dem Gemäuer, aber das macht es für viele Zeitgenossen und besonders für Fotografen erst richtig interessant. Dass nur ein paar Schritte entfernt liegende Naturschutzgebiet macht hingegen deutlich, wie wertvoll für Flora und Fauna der Lebensraum um das Mühlengelände herum ist. Die Anwohner oben im Dorf haben das Kleinod fest im Blick. Nur kurze Zeit, nachdem ich mir die schönen Pferde anschaute, die auf einer naheliegende Wiese weideten, kamen schon zwei Menschen per PKW, um nach dem Rechten zu schauen. Gut so. Man weiß ja nie, was sich da so herumtreibt.

Hier auf dem Mühlenhof wuchs früher garantiert kein Löwenzahn.

Ich schaute mir dann doch lieber die Blumen in den Wiesen an und fand sogar blühenden Raps, der sich dort irgendwann ausgesät hatte. Am Himmel kreiste ein Greifvogel und ganze Wolkenformationen schoben sich immer wieder vor die Sonne. Vermutlich um mich zu ärgern. Schwere Betonteile, deren Sinn und Herkunft nicht zu erklären sind, dienten mir als Sitzgelegenheit. Vom leisen Bachgeplätscher begleitet, schweifte mein Blick übers Tal. Ich konnte mir gut vorstellen, wie einst in den Herbstmonaten die Kuhgespanne auf dem schmalen Wege mit ihrer goldschimmernden Fracht in Richtung Mühle fuhren und sich mit Mehlsäcken voll beladen wieder auf den Nachhauseweg machten. Spontan fiel mir ein altes Volkslied von Joseph von Eichendorff ein und ich summte es vor mich hin.

Broken Windows sind der Zeit geschuldet.

Das zerbrochene Ringlein.
In einem kühlen Grunde
Da geht ein Mühlenrad
Mein’ Liebste ist verschwunden,
Die dort gewohnet hat.

Sie hat mir Treu versprochen,
Gab mir ein’n Ring dabei,
Sie hat die Treu’ gebrochen,
Mein Ringlein sprang entzwei.

Ich möcht’ als Spielmann reisen
Weit in die Welt hinaus,
Und singen meine Weisen,
Und geh’n von Haus zu Haus.

Ich möcht’ als Reiter fliegen
Wohl in die blut’ge Schlacht,
Um stille Feuer liegen
Im Feld bei dunkler Nacht.

Hör’ ich das Mühlrad gehen:
Ich weiß nicht, was ich will —
Ich möcht’ am liebsten sterben,
Da wär’s auf einmal still!

Das traumhafte Wiesental erwacht nach dem langen Winter zu neuem Leben. In dem Bach tummeln sich Forellen.
Leidenschaftliches Fressen sieht anders aus.

Das Mühlrad der Fischbachsmühle geht schon lange nicht mehr, aber die Vorstellung von einer Zeit, als hier noch geschäftiges Treiben herrschte, hat etwas heimeliges und wundersam vertrautes. Text und Fotos: Siegfried Gerdau

Ein Gedanke zu „Rund um die Fischbachs-Mühle

  • 13. Mai 2020 um 16:40
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    Habe 14 Jahre in der Nähe gewohnt bin auch öfters dagewesen.

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