Siebenuhrdreißiggedanken

Von Siegfried Gerdau

26. April 1986, 1:23 Uhr Ortszeit: Im sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl explodiert ein Reaktor. Radioaktive Stoffe werden 1.200 Meter hoch in die Atmosphäre geschleudert. Das Unvorstellbare war eingetreten: Der Super-GAU, der größte anzunehmende Unfall, der nicht mehr kontrollierbar ist. In den folgenden Tagen zogen radioaktive Wolken über Europa hinweg.

Westerwald-Landschaft

Man erinnert sich unaufgeregt daran, als läge die Katastrophe schon hunderte Jahre zurück. Dabei haben sich auch die Böden in Deutschland bis heute nicht von der radioaktiven Belastung erholt. Vor allem in Süddeutschland sind Wildtiere, Waldbeeren und Pilze in einigen Regionen noch immer teilweise relativ hoch belastet. Der Grund: 30 Jahre nach dem GAU ist die Radioaktivität in den betroffenen Gegenden gerade einmal auf die Hälfte gesunken.  

Wer spricht noch von der katastrophalen Nuklearkatastrophe am 11. März 2011 auf der Glücksinsel Fukishima. Deutschland hat reagiert und seine Reaktoren stillgelegt beziehungsweise den vollständigen Ausstieg aus der Atomenergieerzeugung geplant. Damit ist die Welt im deutschen Mikrokosmos wieder in Ordnung? Ist sie nicht! Das unsichtbare atomare Grauen geht rund um die Bundesrepublik weiter und selbst Japan kehrt zur Atomkraft zurück. Die Stimmen mehren sich auch bei uns, doch wieder über eine „saubere“ Stromerzeugung zusätzlich zu Wind und Sonne nachzudenken.

Alles fließt.

Wir haben derzeit andere Sorgen. Da war doch was mit diesem heimtückischen Virus COVID-19. Auch schon wieder vergessen? Die deutsche Spaßgesellschaft will davon nichts mehr hören und feiert ausgelassen auf Mallorca ohne Maske und Abstand und vielleicht auch ohne Anstand. Die kognitive Halbwertzeit der Gesellschaft ist mittlerweile auf wenige Monate gesunken. Lediglich ein paar Angsthasen und Hypochonder glauben, dass Corona noch nicht vorbei ist und schon bald mit voller Härte zuschlagen könnte. Hoffen wir, dass die fröhlichen Optimisten Recht behalten. Ich persönlich halte die Wahrscheinlichkeit, dass es noch viel schlimmer kommt, für viel größer.

Blick ins Aartal bei Ballersbach

Ach wie war das denn mit den Kassenbons? Ein Hype, der durch die Republik raste, nicht nur die kleinen Bäcker oder Marktbeschicker in Aufregung versetzte und die Bürger in Rage brachte. Wann war das gleich noch mal? Der Start war am 1. Januar 2020. Schon so lange her. Man kann sich kaum noch erinnern. Was damals den Medien wochenlang einen Riesenaufmerksamkeitsbonus verschaffte ist heute nicht einmal einen Bon Wert. Niemand spricht mehr darüber. Die Bäcker und andere kleinen Handelstreibenden halten sich höflich bedeckt und lassen den Bon diskret unter die Theke fallen.

Birkentraum

Die Staatsanwaltschaft betreibe „Stammbaumforschung“ um die Rädelsführer der Stuttgarter Straßenschlachten zu fassen, geifern linke Eiferer und die Medien greifen die kruden Meinungen einiger Scharfmacher begierig auf. Gestern noch waren die Polizeibeamtinnen und Beamten wegen „schlimmer Polizeigewalt“ am Pranger. Heute sollen sie Hetzer wie die die taz-Kolumnistin Hengameh Yaghoobifahrah, die deren Entsorgung auf dem Müll gefordert hatte, vor dem von ihrer Zeitung aufgeheizten Mob schützen.

Weg zum Althaus

Stehen wir vor einem wirtschaftlichen Zusammenbruch katastrophalen Ausmaßes oder gehen wir noch goldeneren Zeiten entgegen wie manche Politiker uns glauben machen wollen? Für viele ist es kein Thema. Man nimmt es so wie es kommt. Wir schaffen das schon sagt die Kanzlerin und das Volk will es gerne glauben. Wer viel Geld hat legt es in Betongold an. Überall sprießen Neubauten aus dem Boden. Ganz egal was mit der Umwelt wird. Wohnraum wird gebraucht, auch wenn er für die meisten schon nicht mehr bezahlbar ist. Hauptsache es werden bleibende Werte geschaffen und die Besitzenden sind ihre Geldsorgen los.

Es steht alles auf dem Prüfstein, selbst unsere recht ordentlich funktionierende Demokratie ist scheinbar vielen Weltverbesserern nichts mehr Wert.

Winterbach am Dreiländereck

Art 5   Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. …

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

Nicht allzu viele Länder auf unserem Planeten können sich glücklich schätzen, einen solchen Wächter in ihrer Verfassung zu haben. Die Meinung frei zu äußern ist eines der Privilegien, dass uns die Väter des deutschen Grundgesetzes 1949 mit auf den Weg gegeben haben. Jedoch: Seit damals versuchen reaktionäre Kräfte, links-und rechtsextreme Gruppierungen, aber auch ganz „normale“ Politiker der unterschiedlichsten Richtungen immer wieder an diesen Statuten zu feilen oder auszuloten.

Zuversicht

Ich bin Stolz auf unser Grundgesetz verabscheue diejenigen, die es sezieren, nach ihren Vorstellungen auslegen oder gar einzelne Artikel abschaffen möchten. Ich respektiere die Exekutivkräfte unseres Staates und die Judikative, wenn sie ihre Aufgaben ernst nimmt und Urteile tatsächlich im Namen und zum Wohl des Volkes fällt. Ich schätze die Arbeit der Politiker aller Ebenen, wenn sie sich gemäß ihrem Wählerauftrag für die Belange des Volkes wie auch des Staates mit aller Kraft einsetzen. Ich verurteile Laissez faire-Tendenzen wenn es um die elementaren Interessen unserer Bundesrepublik geht ebenso, wie Gewalt gegen Mensch und Tier.

Ein starkes Symbol

Das waren die Gedanken, die mich heute beim Aufstehen begleiteten und damit mag es erst einmal gut sein. Zum Schluss möchte ich alle meine Blog-Leser bitten, nichts allzu schnell zu vergessen und selbst die seriösesten Informationsquellen auf ihren Wahrheitsgehalt so weit möglich zu hinterfragen. Ich weiß genau wovon ich rede und möchte sie daher vor zu schnellen Urteilen bewahren. „Nichts ist, wie es scheint“  stellte der Verschwörungstheorie-Forscher Michael Butter in einer 2018 veröffentlichten Studie vor und dem möchte ich mich anschließen. Fotos: Siegfried Gerdau

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