Teil VI: Reise in Deutschlands Norden.

St. Peter Ording

Das 9 Euro-Ticket lockt. Ich habe es an dem kleinen Tönninger Bahnhof erworben. Bei einem Schalterbeamten aus Fleisch und Blut. „Das ändert sich ab des kommenden Jahres“,sagt der freundliche Mann. Dann werde der Bahnhof nicht mehr besetzt und die Reisenden müssen mit dem Automaten zurechtkommen. Die älteren Bahnreisenden täten ihm schon heute leid. Aber das würde niemand interessieren.

Der Zug fährt stündlich von und nach St. Peter-Ording (SPO)

Der Zug kommt jede Stunde von Husum nach St. Peter Ording und umgekehrt. Erstaunlich, dass wir noch einen Platz finden. Maskenpflicht ist obligatorisch.

Ruhig fährt der Dieselbefeuerte durch die flache Landschaft. Immer wieder wechseln sich Schaf-und Kuhherden links und rechts des Schienenstrangs ab. Vor den zahlreichen unbeschrankten Bahnübergängen gibt der Lokführer durchdringend Laut. Ob das schon mal jemand überhört hat? Einen Conducteur haben wir weder auf der Hin-noch auf der Rückfahrt gesehen.

Wahrscheinlich denkt die Bahn, dass es sich bei den paar Euro nicht lohnt, noch jemand einzusetzen.

Betonkästen, Touristenmassen und volle Strände gefallen nicht jedem SPO-Besucher.

In St. Peter Ording-Bad ist Endstation. Selbst mit gutem Willen würde der kleine Zug den Prellbock nicht bezwingen. „Alles Aussteigen“, verkündete der Mann am Steuer unmissverständlich. Wir dürfen die Masken absetzen und begeben uns mit der gesamten Fahrgastbesatzung auf den Weg ins „Bad“. Der zirka 1,5 Kilometer lange Waldweg hört an der Mainstreet auf und uns empfängt der Touristentrubel  flankiert von Geschäften und Restaurants.

Ruhige Plätzchen sind Mangelware auf Deutschlands Urlaubsmeile SPO.

Der Weg zum Strand führt vorbei an Hotelbunkern und Appartement-Silos. Über eine riesige Betonfläche erreicht man das Kassenhäuschen für die Strandtickets. Am Horizont über den Dünen sieht man immer wieder Kitesurfer auftauchen und verschwinden. Auf einem endlos langen Holzsteg, schiebt sich unaufhörlich die Masse der Badegäste Richtung Strand.

Nix für mich, nix für uns. Wir wenden uns den kulinarischen Genüssen zu, die St. Peter-Ording-Bad zu bieten hat. Abgesehen von den St. Peter, Turbo- Preisen alles ok. Die anderen Ortsteile Ording, Dorf und Böhl ignorierten wir geflissentlich.

Gut leben, wenn auch ein wenig teurer als sonst, kann man auf SPO.

Noch einen leckeren Campari und wir marschieren in Richtung Bahnhof. Völlig ungewöhnlich für die 9 Euro-Ticket-Zeit, der Zug erschien auf die Minute pünktlich und es gab für jeden Reisenden einen Sitzplatz. Interessant auch Durchsagen, die uns völlig fremd waren. Der Lokführer: „Wer in Katharinenheerd aussteigen möchte, muss zum Lokführer kommen.“ Eine Mitreisende wollte, der Zug hielt und die Dame stieg aus. Tolle Sache und auch so etwas macht das Leben auf der Landzunge Eiderstedt lebenswert. Die Entschleunigung und Nachhaltigkeit, zwei Begriffe die mich schon lange anöden, treffen hier dennoch zu. Mein WoMo habe ich seit der Ankunft in Tönning noch nicht einmal angelassen. Wir fahren fast überall mit dem Bike hin. Wenn die Strecke zu weit ist, benutzen wir die öffentlichen Verkehrsmittel. Das macht in der frischen Nordseeluft Spaß, schont die Resourcen, schont das Klima und entschleunigt total. sig/Fotos:Gerdau

Ein Gedanke zu „Teil VI: Reise in Deutschlands Norden.

  • 1. Juli 2022 um 11:13
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    ,.. schöne Eindrücke aus dem Ort.
    Tatsächlich haben wir das 9-Euro Ticket noch nicht in Anspruch genommen.
    Wir warten den Massenansturm auf die Bahnhöfe erst einmal noch ab.
    Sobald sich alle satt gesehen haben, werden wir auch ein Trip über die ganze Woche machen und neue Orte entdecken.

    St. Peter Ording kannte ich speziell nicht, scheint aber ein relativ ruhiger Ort zu sein um die Seele baumeln zu lassen.

    LG
    Simon

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