Von gutem und schlechtem Wetter

Der im alten Dillkreis bestens bekannte Langenaubacher Lehrer und Volkskundler Karl Löber aus Rabenscheid brachte 1935 ein Büchlein heraus, das den bezeichnenden Namen „Volkskunde des Dillkreises“ trug. Gedruckt wurde das 62 Seiten umfassende Werk im Druck und Verlag der Buchdruckerei E. Weidenbach in Dillenburg.

Im Kapitel VI fand ich einen Artikel, der mir ganz besonders gut gefiel und der es mir Wert war, ihn hier in gerdaus-welt abzudrucken. Lange habe ich überlegt, ob ich bestimmte Bezeichnungen oder Wörter übersetzen soll. Ich lass es aber genauso, wie er es zu Papier brachte.

Von gutem und schlechtem Wetter

Wer viel im Feld und Wald und auf der Viehweide ist, der lernt es schon als Kind, auf Wind und Wetter zu achten. Und weil in der Natur nichts ohne Sinn und Gesetz geschieht, hat der Bauer, der vom Wetter so stark abhängig ist, die Witterungsvorgänge im Jahreslauf mit vielen Sprüchen und Redensarten begleitet. Damit versucht er Ordnung und Regel in dieses vielgestaltige Naturgeschehen zu bringen. Die allereinfachsten Wetterregeln lernt er aus der Windrichtung. So weiß zum Beispiel der Rabenscheider, dass ihm die „Bradscher“ Luft im Sommer schönes Wetter und im Winter stramme Kälte bringt, dass das Wetter umschlägt, wenn er die Gusternhainer Glocke und die Eisenbahn bei Driedorf hört, dass es unfehlbar Regen gibt, wenn der Wind von Hohenroth kommt, und dass das ganz „schroh Wärrer“ übers Dorf „jägt“, wenn die Wetterfahne nach Weißenberg und Liebenscheid zeigt.

Eine Windrose, ein Wetterkompass in jedem Dorf, einfach und sicher. Schwieriger wird es schon, wenn es gilt, eine regelmäßige Wiederkehr bestimmter Wetterlagen festzuhalten. Die das versuchende Wettersprüche enthalten vielleicht manchen Irrtum und Aberglauben, verraten aber meist so sichere Beobachtungen, dass sie tatsächlich brauchbar und wahr sind, wenn auch noch lange nicht ein „Hundertjähriger Kalender“ dabei herauskommt.

Die „Nächte zwischen den Jahren“ (25. Dezember bis 5. Januar) stehen seit Urväterzeiten als die „Zwölften“ tief verwurzelt im Volksglauben als heilige Nächte. In ihnen entscheidet sich das Geschick des kommenden Jahres. Darum erscheint es verständlich, dass man jeder Nacht in den Zwölften einen Monat zuteilt, dessen Wetter so werden soll wie das seiner Nacht.

So wie der Wind an Pauli Bekehrung weht, soll er während zwei Drittel des Jahres wehen. Regnet es am Karfreitag, dann soll auch der stärkste Regenguss des Jahres dem Land nichts schaden:

„Wann ‚t raant uff Christi Groob, wierd et Land nimmer soot“.

Sturm im April hat der Landmann gern:

„Wann der April bläst ie sei Horn, da stiet’s gout im Haa un Korn“.

Mairegen ist fruchtbar:

„Wann’s Raant uff de irschte Mai, git’s Gärscht uff jeder Ley“.

Das Wetter gewisser Tage hat bestimmte Vorbedeutung:

„Gehannsdogsraa dauert siwwe Wuche“.

Es soll auch dann keine Nüsse geben. Ähnliches sagt man vom „Siwweschläfer“. Man hat oft beobachtet, dass nach trockenem Frühjahr und Vorsommer um Johanni endlich Regen kommt, der dann oft nicht aufhören will. Drum sagt man:

„Im Gehanni sei de Raa reif“.

Und einem alten Westerwälder Pfarrer wird nacherzählt, er habe in der Kirche gesagt:

„Ihr Leu helft m’r bäre vier Gehannsdog; no Gehannsdoog kaan aicht allaa“.

Strenge Winter sind aus mancherlei Anzeichen zu erkennen.:

Mache de Mäus deife Gäng, da gitt‘s en strenge Wenter“.

„Zejt de Feldmaus ient Dorf, sorg für Hulz“.

Tiere wissen überhaupt allerlei vom Wetter:

„Wann de Katz uff der Ank leit, gitt’s schroh Wärrer“.

„Wann der Specht schnarrt uff’m Horn, gitt’s Raa hau orrer morn“.

In unserer Heimat, sonderlich auf dem Westerwald, sind die Winter meist streng und schneereich. Das ist aber für die Saat besser, als wenn der Winter verjungt hat, das heißt als wenn es früh warm wird, um im März und April wieder kalt zu werden. Unzeitiges Frühjahr bringt uns Schaden (ausgewinterte Frucht). Drum sagten die alten Leute:

„Lejwer iem Jannewar en Wulf als wej en Mick“.

Früher kamen nämlich in harten Wintern Wölfe aus den Ardennen über den zugefrorenen Rhein in den Westerwald. Andere sagten:

„Wann iem Jannewar en Grosspitz rausguckt, sull mer se birrem Hulzschlejel dudschlo“.

Erst wenn der „Jägmond“ seine Schuldigkeit getan und auch der März sein Teil Schnee brachte, kann ans „Lenze“ gedacht werden. Aufziehender Nebel „kimmt no drei Dog redour“ und bringt dann Regen:

„Wann em de Niwwel em de Kopp erim hinke, da kotze se gern“.

Nasser Nebel heißt nämlich auf dem Westerwald „Himmelsgekotz“. Im Sommer ist Regenwetter oft abends vorher an einer dunklen Wolkenwand, die über der Kalteiche hängt, kenntlich:

„Kallajecher Hout dout selle gout“.

Gewitter aus dem Osten sind stark und bringen heftigen Regen:

„Wann der Wind kimmt vo Gejsse, raants, dat all Bäche flejsse“.

Die Bestimmung vom Wetter hängt oft mit bekannten Markttagen zusammen. So sagt man:

„Wannt raant un schneit, ist der Hajersch Lauxmaarde net weit“.

Uns wenn um den 24. Oktober „beim Elsoffer Maard de Dier zougemacht wierd“, dann ist der Jahreskreislauf geschlossen. sig/Fotos: Gerdau

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