Walzenmühle Herbornseelbach

Am Radweg Herborn-Burg – Seelbach – Ballersbach – Mittenaar-Offenbach, steht ein altes, schon von weitem sichtbares Fachwerkgebäude. Die Walzenmühle im Aartal südlich des Herborner Stadtteils Herbornseelbach hat sicher schon bessere Zeiten gesehen. Urkundlich erwähnt wurde sie erstmals im 14. Jahrhundert. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Mühle neu aufgebaut. Heute befindet sich das Kulturdenkmal in einem bedauernswerten Zustand. Die letzten größeren Umbaumaßnahmen wurden 1932 vorgenommen. Im Zuge der damaligen Baumaßnahmen wurde ein großer Teil der Gebäude mit heute kaum noch lesbaren Sprüchen versehen.

Der alte Mühlgraben, direkt an der Mühle, ist nur noch zu erahnen. Links unten im Bild die Aar.

Auch diese heimische Mühle entging dem großen Mühlensterben nicht, wurde aber erst 1997 stillgelegt.

Die Mühle aus der Vogelperspektive zwischen Aar und Aartal-Radweg.
Rechts oberhalb der Mühle ist ist ein Teil von Herbornseelbach erkennbar.

Die Herbornseelbacher Klaus Benner und Christian Görzel haben sich mit der Geschichte des noch immer imponierenden Bauwerks in einem Herbornseelbacher Heimat-und Geschichtsverein zu beziehenden Heft: „Die Walzenmühle Herborn – Seelbach“-Geschichte einer Mühle im unteren Aartal“ eingehend befasst.

Das ziemlich verwahrloste Mühlen-Ensemble wartet auf seine Renaissance.

Das Heft zeigt die Ursprünge der Mühle mit einer allgemeinen Einführung in das Thema Mühlen. Dazu Baugeschichte, Müllerfamilien, Mühlenpersonal und der Betriebsablauf in der Walzenmühle.
Zahlreiche Bilder und Grafiken dokumentieren die Vergangenheit der alten Mühle an der Aar.

Mit derartigen teils unlesbaren Sinn-Sprüchen sind Teile der Hauswände „verziert“.

Die gesamte Anlage ist für Unbefugte nicht zugänglich und teilweise vom Einsturz bedroht. Mit der notwendigen Ausrüstung gelang es mir dennoch ohne das Grundstück zu betreten ein paar schöne Fotos zu machen. Vor meinem geistigen Auge sah ich mich dabei als stolzer Mühlenbesitzer, der dass von den Bauern der näheren Umgebung mit Kuhfuhrwerken angelieferte Getreide entgegennahm und ihnen die entsprechenden Mengen Mehl dafür aushändigte.

Der Eingangsbereich sieht so aus, als wenn jeden Moment jemand heraustreten wollte.
„Der Staat diene dem Volke und nicht umgekehrt“, steht auf dem Fachwerkputz.

Aus der Geschichte weiß man von oft nicht ganz ungetrübten Verhältnissen zwischen Bauern und Müller. Immer ging es dabei um vermeintliche oder tatsächliche unberechtigte Vorteilsnahmen durch die Müller. In der Regel waren die auch sehr betucht, was schon alleine den Unmut der meist kleinbäuerlichen Kundschaft hervorrief. Ob das auch auf die Besitzer der Walzenmühle am Ortsrand von Herbornseelbach zutraf, bleibt im Dunkel der Geschichte verborgen.

Ein Sprüche-Ratespiel, dass viel Vergnügen bereitet.

Das nötige Kleingeld vorausgesetzt und die Bereitschaft der Besitzer zum Verkauf dieses Kleinods, wäre die gesamte Anlage die Meine. An die Renovierungskosten will ich dabei gar nicht denken. Schade, das alte Gemäuer hat bestimmt viel zu erzählen und lädt den fantasievollen Betrachter zu einer träumerischen Zeitreise ein.

Im Internet-Verzeichnis der getreideverarbeitetenden Betriebe Hessens steht ebenfalls der Name des letzten Besitzers der Mühle Benner Franz Walzenmühle, Herbornseelbach, Tel: 2772 628 04

Text und Fotos: Siegfried Gerdau

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