Was ist der richtige Fotoapparat für mich? Teil II

Gibt es eigentlich „den“ richtigen Fotoapparat für jedermann? Kurz und prägnant: Nein! Auf dem Markt tummeln sich nicht nur viele Kamerahersteller, sondern noch viel mehr Kameramodelle. Da die Richtige zu finden ist gerade für einen Neueinsteiger nicht einfach. Hier verschieben sich die Vorlieben ständig und so ist zum Beispiel die einst beliebte Kompaktkamera mit dem Erscheinen des Foto-Handys auf der Strecke geblieben. Stattdessen haben sich Bridge-Kameras etabliert und wetteifern immer mehr mit den in den vergangenen zwanzig Jahren zur Hochform aufgelaufenen Spiegelreflexkameras. Waren es einst die SLR kamen später die DSLR und Digital löste Analog komplett ab. Aber auch deren Thron gerät schon ins Wanken. Das beliebte Klicken-je härter desto teurer-kommt aus der Mode, seit es die Spiegellosen wie Canon R und Co gibt. Wenn auch das Feld der Berufs-und Semifotografen noch fest zu den klappernden Spiegeln steht. Ihre Zeit läuft ab und davon bin nicht nur ich fest überzeugt.

Die 70 D noch einmal jung mit dem Tamron 18-400

Bleiben wir im hier und jetzt. Dass ich ein Canon-Fan bin, weiß jeder der mich kennt und als ich im vergangenen Herbst eine Neue kaufen wollte, habe ich sehr mit mir gerungen. Sollte es eine sogenannte Vollformat, eine Spiegellose oder der derzeitige Spitzenreiter in der gehobenen Mittelklasse, eine Canon 90 D sein. Nach Abwägung aller Vor-und Nachteile und im Bewusstsein schon bald eine Sammlung von Antiquitäten zu besitzen, entschied ich mich für die 90 D. Um es gleich vorweg zu nehmen ich habe es keine Sekunde bereut. Ich liebe den gefühlvollen Auslöser und die Möglichkeit per Live View das Auslösegeräusch völlig zu unterdrücken. Dennoch ist die 90 nicht meine Alltagsfotomaschine. Das erledigt immer noch die 70 D und immer öfter die 80 D. Wenn mir vor einigen Jahren jemand gesagt hätte wie wertvoll mir die Klappdisplays an diesen Maschinchen sein werden, hätte ich ihn ausgelacht. Es ist sehr schön wenn ich mich beim „Schießen“ aus der von mir bevorzugten Froschperspektive nicht jedesmal auf mein Bäuchlein legen muss. Es gäbe so viel noch zu den vorzüglichen zweistelligen Semi-Kameras zu sagen, aber ich will den Kern des Themas nicht aus den Augen verlieren. Zu einer guten Kamera gehört auch ein gutes Objektiv. Bestimmt ist das noch wichtiger als die Kamera. Obwohl ich gut verstehe, dass die sich immer weiterentwickelnde Technik einen großen Reiz auf viele Fotografen (und auch auf mich) ausübt. Mein Objektivpark hat sich im Laufe der Jahre immer mehr vergrößert. Wenn ich aber ganz ehrlich zu mir selber bin, gebrauche ich nur wenige der Boliden regelmäßig. Ob Fischauge, zahlreiche Festbrennweiten und Teleobjektive alle werden regelmäßig vor den Body geschraubt, aber dies in sehr großen Abständen und je nach Lust und Laune. Das 24-105 mm 1:4, L IS USM von Canon hingegen ist mein Geheimtipp und obwohl es nach einem Totalausfall schon in der Werkstatt war ist es immer noch das zuverlässigste, schärfste und universellste in meinem Objektivstall. Es hat alle Fernreisen klaglos mitgemacht und wenn ich heute etwas scharfes zum Beispiel für eine Hochzeit brauche, kommt es vor den Sensor. Etwas anderes ist das Canon 18-135 mm. Dieses Universal-Objektiv muss im täglichen Einsatz an der 70 oder 80 D dass Honorar verdienen und erledigt diese Aufgabe bravourös. Was mich vor wenigen Wochen gejuckt hat, dass Tamron 18-400mm F/3,5-6,3 Di II VC HLD anzuschaffen, hat einen ganz banalen Hintergrund. Ein namhaftes Mitglied der Herborner Fotofreunde (Foto-Mafia) hatte selbiges erworben und macht tolle Aufnahmen damit, die er auch ins Netz stellte. Selbst Makro-Aufnahmen gelangen erstaunlich gut damit. Was soll ich weiter sagen, ich habe es gekauft und ausprobiert. Das Ergebnis einfach Klasse.

Die 80 D mit meinem Liebling dem Canon L-Objektiv 24-105

Wenn ich auch immer mehr sehr gute professionelle Aufnahmen mit meinem Samsung S 10+ mache und dabei auf die echten Objektiveinstellungen Weit, Normal und Tele zurückgreife, bleiben meine DSLR immer noch die erste Wahl, wenn es etwas Gutes sein soll.

Jetzt mein Tipp für alle, die sich engagiert mit dem Fotografieren beschäftigen wollen und auch Willens sind, sich mit mehr als nur dem Automatikmodus abzugeben. Bei Amazon kostet zur Zeit die Canon 80 D einschließlich dem Canon-Objektiv EF-S 18-135 IS USM knapp über 1200 Euro. Für die 90 D mit dem gleichen Objektiv muss man mindestens 400 Euro drauflegen. Der technische Unterschied zwischen beiden Kameras ist diese Preisdifferenz jedoch nicht unbedingt Wert. Aber das muss jeder für sich selber entscheiden. So ausgerüstet steht dem Start ins fotografische Mittelfeld nichts mehr im Wege und man ist für ein Großteil der meisten Aufgaben bestens gerüstet. Es gibt Übrigens ein tolles Forum in dem man viele Tipps bekommt und wo man sich mit den unterschiedlichsten Hobbyisten austauschen kann. Ich selber bin dort seit vielen Jahren Mitglied und habe in dieser Zeit so manches gebrauchte Objektiv und auch diverse Kameras erworben. Die Adresse ist: https://www.dslr-forum.de

Die 90 D ist für mich die Ultima Ratio, wenn es um DSLR der gehobenen Mittelklasse geht.

Wer jedoch lediglich ein paar sehr gute Erinnerungsbildchen machen möchte, der soll sich ein gutes Handy wie zum Beispiel das Samsung S 10+ für 639 Euro, das Huawei P40 pro oder das iPhone 11 pro bei Amazon oder einem anderen Anbieter kaufen. Das sind sicher keine Spiegelreflexkameras, aber vom Ergebnis stehen sie denen kaum nach und sind vor allem immer dabei.

Eins möchte ich am Ende noch klarstellen. Meine Plädoyers für bestimmte Marken bringen mir keinen roten Cent. Ich gebe hier nur meine eigenen Erfahrungen wieder. Andere Hersteller haben auch schöne Töchter und es spricht auch nichts dagegen, wenn man sich von seinem Bauchgefühl leiten lässt oder den Erfahrungen anderer Fotografen zuhört.

Zum Schluss noch ein Satz, der von mir stammen könnte. „Nicht das Gerät, also der Fotoapparat samt Objektiv macht gute Fotos, sondern es ist immer noch die Person, die dahinter steht.“ Jetzt wisst ihr sicher welche Kamera die richtige für euch ist. Oder vielleicht doch nicht? Ich habe mich redlich bemüht, entscheiden müsst ihr euch selber.

In der Hoffnung, dass dies jetzt etwas leichter fällt verbleibe ich mit dem alten Fotografenwunsch „immer gut Licht und ein ruhiges Händchen.“ Euer Siggi Gerdau

2 Gedanken zu „Was ist der richtige Fotoapparat für mich? Teil II

  • 19. Mai 2020 um 0:39
    Permalink

    Man fühlt sich ja manchmal regelrecht unter Druck gesetzt von der Werbung, immer das neuste und modernste besitzen zu müssen. Will man etwas neues kaufen, dann schaut man schon gehetzt, ob nicht bald schon ein neueres Modell heraus kommt und man lieber doch noch wartet, vor lauter Angst, sich ein prähistorisches Teil gekauft zu haben und nicht die optimalste Bildqualität möglich ist. Da muss man sich mal bewusst machen, wie du schon schreibst, dass die meisten die technischen Möglichkeiten wahrscheinlich niemals vollkommen ausnutzen und besondere Gimmicks wie Doppelbelichtung, Zeitraffer etc. vielleicht ein oder zweimal testen und das wars in der Regel. Die meisten werden ihre Kamera vermutlich zu 90% in den Standardanwendungen nutzen und ich würde wetten, die wenigsten werden noch im manuellen Modus oder zumindest in der Zeit oder Blendenautomatik fotografieren, um die Bildgestaltung zu beeinflussen. Ich könnte mich immer kaputt lachen wenn man Leute sieht, mit einer Mörderspiegelreflex mit allem Pi pa po und sich dann beim Sonnenuntergang und Abendrot fotografieren der Blitz aufklappt und sie denken das müsse so sein und abdrücken. Das sind die gleichen, die mit Handyblitzen ganze Konzerthallen ausleuchten wollen, oder die Allerhärtesten, die Hobby Leica-Fotografen, die Technik im Wert eines Mittelklassewagens mit sich herum schleppen, aber dann grauenhaft belichtete, schiefhorizontige Bilder mit abgeschnittenen Köpfen und Beinen ihrer Modells präsentieren. Ganz wichtig selbstverständlich mit Bildunterschrift, die Bezeichnung der verwendeten Leica Kamera und dem obligatorischen Sumilux Objektiv. All die technischen Raffinessen nutzen nichts, wenn man sich nicht mit den Grundlagen der Fotografie auseinandergesetzt hat. Wenn man das Zusammenspiel von Blende, Zeit und Lichtempfindlichkeit nicht verstanden hat, dann wird man immer von der Kameratechnik überrascht, zugegeben oft positiv, aber man wird nie das Bild aktiv selbst gestalten. Es wird immer so werden, wie die Kameratechnik entschieden hat, wie es werden soll. Die beste Kamera nutzt nichts, wenn man kein Auge für den Motivausschnitt hat. Das, was man mit dem menschlichen Auge sieht und als fotografierenswert erachtet, befindet sich in etwa 214° horizontal, 70 ° nach oben und nach unten. Was man sieht, nimmt man im günstigsten Falle mit allen fünf Sinnen wahr. Ein Alpenpanorama beispielsweise, mit dem Licht der untergehenden Sonne, der Duft von Gras oder Heu, Die Kuhglocken im Hintergrund und eine frische Briese Bergluft. Die Herausforderung ist nun, aus dieser Szenerie, den Ausschnitt auszuwählen, der dem Betrachter des Bildes, einer zweidimensionalen Darstellung , das vom Fotografen erlebte am besten rüberbringt. Das kann keine Technik der Welt. Den richtigen Ausschnitt aus einem Drittel des umgebenden Raumes finden und das vorhandene Licht entsprechend mit Blende und Zeit zu bewerten, um soviel wie möglich Emotion im Bild zu transportieren. Das ist die Aufgabe des Fotografen und nicht der Technik und ist oft der Grund für enttäuschte Blicke, wenn man die Bilder von dem sieht, was man irgendwie ganz anders glaubte erlebt zu haben, als es letztendlich im Bild rüber kommt. Das kann man schon mit einer ganz einfachen Kamera, aber auch mit einem teuren Modell, denn dann betrachtet man die Technik als Werkzeug seiner Kreativität und nicht als Ersatz einer fehlenden Kreativität. Deshalb würde ich das was du geschrieben hast, zu hundert Prozent unterschreiben.

    Antwort
  • 19. Mai 2020 um 6:55
    Permalink

    Danke lieber Thomas für deinen unterstützenden Kommentar. Ich lege sehr viel Wert auf deine Aussagen, weil du in der Regel weißt wovon du sprichst. Mir fällt dazu eine Episode in meinem Leben ein. Als ich meine erste „richtige“ Kamera eine Canon A1 kaufen wollte, riet mir der Ladenbesitzer in Daaden davon ab. Er meinte, dass ich nie im Leben alle Funktionen dieser tollen Kamera beherrschen würde. Ich war beleidigt, rauschte ohne Kauf ab und holte mir woanders das Teil meiner Träume. Bereits ein halbes Jahr später und mitten im Tal der Tränen wusste ich, dass der Mann sowas von Recht hatte. Ich habe die A1 immer noch, aber so ganz beherrscht habe ich sie bis heute nicht.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.