Wo einst Eisenerz dominierte, rösten heute die Bohnen.

Von Siegfried Gerdau

Inge Lauel und Oliver Keller von der Herborner Kaffeerösterei Inge Lauel verschafften mir am vergangenen Freitag einen Kurztrip in Sachen Heimatkunde und Zeitgeschichte. Das Unternehmerpaar betreibt neben einer Ladengeschäftes auf dem Herborner Kornmarkt 1, seit geraumer Zeit eine Produktionsstätte zur Kaffeebohnenröstung in Oberscheld. Genauer gesagt auf dem Gelände der ehemaligen Eisenerz-Grube Königszug direkt an der Schelde-Lahn-Straße. In dem gut erhaltenen Sozialgebäude aus wunderschönen Backsteinen, wo sich früher die Bergleute für die Untertageschicht fertigmachten, duftet es heute nach handverlesenen Kaffeebohnen. Auch zwei Drehteams drehten hier. Den Streifen vom HR kann man am Ende des Artikels aufrufen

Ein schlichtes Schild weist auf die Produktionsstätte hin.
Inge Lauel mit Oliver Keller und Florian Lumeau vom HR (von links).

Als ich nach einer kleinen Irrfahrt-wer weiß denn schon genau wo die Grube Königszug liegt- ankam, hatte Reporter Florian Lumeau vom Hessischen Rundfunk schon sein Equipment eingeräumt. Der Wiesbadener Filmemacher Manuel Bahmer war hingegen mit seinem Team noch voll zu Gange. Zum Glück für mich. Sollte ich mir doch ein Bild von der Aktion in den historischen Räumen machen. Der Eingangsbereich war von Uniformierten bewacht und ich hatte das Gefühl als Eindringling zu stören. Olli Keller kam mir entgegen und räumte gleich mit diesem Eindruck auf. „Das sind die Protagonisten von der Dillenburger Lebenshilfe Am Forstdenkmal und die haben gerade eine Drehpause.“  

Die Protagonisten nehmen ihre Rollen sehr ernst.

Bei mir hatte sich auf der Rollerfahrt eine Schraube gelockert. Natürlich nicht in meinem Kopf, sondern in einem meiner Objektive. Olli stürmte los, kam mit Uhrmacherbesteck zurück und ich konnte den Schaden beheben.

Manuel Bahmer in Doppelfunktion als Regisseur und Kameramann, lässt sich von Inge das Röst-Handwerk erklären.

Vorsichtig näherte ich mich dem Drehort. Inge erklärte dem Mann vom Film gerade die Kaffeeröstanlage. Im Raum davor ruhten sich Filmleute und Darsteller samt dem Lebenshilfe- Kulturreferenten Sascha Kirchhoff zwischen den Kaffeesäcken aus. Sascha nutzte die Zeit, um mir alles zu erklären: Seine Jungs hätten die Zeit des Lockdowns zwar überstanden, aber es sei so gar nichts passiert. Da sei ihm der Gedanke gekommen, wieder einmal einen Film mit ihnen zusammen zu drehen.

Auch Kulturreferent Sascha Kirchhoff braucht mal eine Pause nach einem langen Drehtag.

Der Zufall wollte es, dass er vor einem Jahr Manuel kennenlernte und den konnte er für das Projekt begeistern. Das tolle daran, Manuel Bahmer wollte alles völlig unentgeltlich machen. Rasch hatte Kirchhoff eine Crew zusammengestellt und auch ein Drehbuch entstand in relativ kurzer Zeit. In dem Streifen geht es um eine Zeitreise und die Kaffeerösterei Inge Lauel spielt darin eine wichtige Rolle. Zwischen ihren Kaffeebohnen befindet sich ein Sack mit einer Zauberbohne und die muss gefunden werden.

Um diesen schmucken Kaffeesack aus Mexiko dreht sich (fast) alles.

Dafür rückt sogar die amerikanische Polizei mit einem ihrer Dienstwagen aus. Soviel zur Handlung. Mehr wird noch nicht verraten. Das Unternehmerpaar hatte sich mit Kaffee und Kuchen, sowie einem Sortiment von leckeren Pralinen aus dem eigenen Angebot, gut auf den Drehtag vorbereitet. Auch Vermieter Addi Hagelüken schaute vorbei und fand die Idee einfach Spitze.

Haltung zeigen, wenn der Dienstwagen vorfährt.

Mitten in den Szenegesprächen ertönten auf einmal Hornsignale. „Dynamit sprengt gerade wieder“, sagte Inge und kurz darauf gab es einen mörderischen Knall. Das passiere sechsmal am Tag, aber man gewöhne sich daran, meinte sie achselzuckend. Der Hintergrund: Die Firma DMC Dynaplat, ehemals aus Dynamit Nobel hervorgegangen und jetzt die Tochter eines amerikanischen Unternehmens, fügt Metalle, die sich auf herkömmliche Art nicht miteinander verbinden lassen, mittels Sprengung zusammen. Das passiert tief in der Grube Königszug und belästigt bis auf den Sprenglärm wohl niemand.     

Inge Lauel hat mit ihrer Kaffeerösterei ihre Berufung gefunden.

Die Grube Königszug war eine Eisenerzgrube bei Eibach (Gemeinde Dillenburg) im Lahn-Dill-Kreis. Sie war zeitweise die größte Eisenerzgrube in Hessen. Die Grube lag zwischen Oberscheld, Eibach und Nanzenbach. In ihrer aktiven Zeit war sie eine von mehreren Gruben rund um das Bergmannsdorf Oberscheld. Ihre oberirdischen Gebäude sind als einzige noch gut erhalten und werden von unterschiedlichen Firmen genutzt. Noch 1957 förderte Buderus 142 249 Tonnen Eisenerz. 500 Bergleute förderten in der Hoch- Zeit der Grube das sehr ergiebige Eisenerzgestein zu Tage. 1968 wurde der Betrieb endgültig eingestellt- aus wirtschaftlichen Gründen wie es heißt. Fotos: Gerdau

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Video: Hollywood in Dillenburg | hr-fernsehen.de | Sendungen (mit freundlicher Genehmigung vom Hessischen Rundfunk)

Ein Gedanke zu „Wo einst Eisenerz dominierte, rösten heute die Bohnen.

  • 4. Juli 2021 um 19:50
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    Vielen Dank lieber Siggi für diese schöne Zusammenfassung.

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