Artikel von Judith Görs (BILD)
Für die Taliban ist häusliche Gewalt kein Verbrechen, sondern eine Privatangelegenheit. Seit dem Wochenende gilt in Afghanistan ein neues Strafgesetz, das es Männern ausdrücklich erlaubt, ihre „Ehefrauen und Kinder“ zu schlagen – solange es durch die Misshandlungen nicht zu „sichtbaren Frakturen oder offenen Wunden“ kommt. Eine Einschränkung, die kaum zynischer sein könnte, denn Frauen und Mädchen müssen sich in der Öffentlichkeit vollverschleiern.
Wie der britische „Telegraph“ zuerst berichtete, umfasst das Gesetz mehr als 60 Seiten. Unterzeichnet hat es laut Bericht Taliban-Anführer Hibatullah Akhundzada (58) – er ist das offizielle Staatsoberhaupt des Islamischen Emirats Afghanistan. In dem Papier sei unter anderem festgelegt, dass bei schweren Verletzungen maximal 15 Tage Haft drohen. Den Opfern werde es durch die juristische Formulierung außerdem bewusst schwerer gemacht, vor Gericht die Nachweise für Verletzungen zu erbringen.
So müssen misshandelte Frauen ihre Verletzungen vor einem männlichen Richter vorzeigen. Und das in Anwesenheit eines männlichen Vormunds – häufig ist das der Ehemann, der selbst zuschlug. UND: Auch die Flucht vor häuslicher Gewalt steht unter Strafe! Frauen, die vor ihrem Ehemann in ihr Elternhaus fliehen, drohen demnach bis zu drei Monate Gefängnis – auch Angehörige, die ihnen Schutz gewähren, müssten mit einer Strafe rechnen.
Meine Meinung
Seit ihrer Machtübernahme am 15. August 2021 hat die islamische Taliban in Afghanistan die Menschenrechte, besonders der Frauen im Land, massiv eingeschränkt oder gar aufgehoben. Seitdem ruhen zwar die Waffen aber die „Schüler“ oder „Religionsstudenten“, wie die Taliban in der Paschtunischen Sprache heißen, praktizieren wieder ihren Steinzeit-Islamismus in voller Ausprägung. Ihr grausamer Umgang mit Frauen basiert weitgehend auf der Scharia und ist an zivilisatorischen Maßstäben gemessen, kaum noch zu übertreffen.
Man müsste meinen, dass daher die Frauen in Scharen aus ihrem Land flüchten. Leider haben sie so gut wie keine Möglichkeit ihre Wohnhäuser genannten Gefängnisse zu entfliehen. Männer hingegen verlassen zu tausenden das Land am Hindukusch und bitten bevorzugt in Deutschland um Asyl. Da stellt sich die vielleicht naive Frage „Vor wem fliehen die eigentlich?
In Kenntnis dieser grausamen Verhältnisse müssten doch mindestens die Medien unisono aufschreien und besonders auch einschlägige NGO sowie Frauenrechtsorganisationen.
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