Grönland, die Insel der neuen Begierde

Von Siegfried Gerdau

Die Weltnachrichten werden derzeit von einem Thema beherrscht, dass viele Menschen nie auf dem Schirm hatten. Grönland ist seit den Okkupationsträumen des amerikanischen Präsidenten plötzlich wieder „aus dem ewigen Eis aufgetaucht“ und macht mit seiner geopolitischen Lage, sowie seinen bis heute nur unter größten Schwierigkeiten zu gewinnenden Bodenschätzen, den Großen den Mund wässrig. Das Mutterland Dänemark kann darüber nicht lachen, zumal Donald Trump sogar von militärischer Inbesitznahme fabulierte.

Die US-amerikanische Militärbasis Pituffik Space Base kontrolliert auch die besonders für russische Atom-U-Boote so interessante GUIK-Lücke

Die größte Insel der Welt, im Nordatlantik zwischen Europa und Nordamerika gelegen, war nie ein Land der Begierde und erst in der Neuzeit schielen China, die USA und Russland begehrlich zu ihrem eisigen Nachbarn. Seinen rund 55 000 Einwohnern, ist dieses Interesse eher suspekt und bereitet ihnen Sorgen. Das am dünnsten besiedelte Land der Welt, mit gerade einmal einer Bevölkerungsdichte von nur 0,1 Personen pro km² kann sich alleine gegen solche Übernahmeabsichten nicht zur Wehr setzen.. Rund 81 Prozent seiner Fläche ist dauerhaft von Eis bedeckt, so dass die Bevölkerung fast ausschließlich in kleinen Küstenorten vor allem im Westen der Insel lebt. Die größte Stadt ist Nuuk mit etwa 19.000 Einwohnern – also rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung der Insel.

Grönland ist gigantisch im Vergleich zu Deutschland und immer noch deutlich größer als ganz Westeuropa. Es umfasst 2.166.000 km² und ist damit etwa sechsmal so groß wie Deutschland.

All das konnte sich der Namensgeber dieses für den Rest der Welt unwirtliche Land einst nicht vorstellen. Erik der Rote (Erik Thorvaldsson), ein aus Island verbanntes Mitglied der Wikinger, erreichte um 980–986 n. Chr. die Südspitze der Insel. Er gab Grönland den Namen, der sich aus grœnn (grün) + land zusammen setzt. Er wollte damit ganz einfach neue Siedler anlocken. Ein „guter Name“ sollte Menschen motivieren, ihm zu folgen. Die Küstenregionen waren im Sommer tatsächlich grün und fruchtbar genug, um Viehzucht zu ermöglichen – aber der Name war bewusst optimistisch gewählt.

Der aktuelle Grund für das wiedererwachte Interesse der Mächtigen ist das von Eis bedeckte Innere der Insel. Grönland besitzt sehr viele Bodenschätze, darunter einige der weltweit wichtigsten strategischen Rohstoffe. Dazu gehören Seltene Erden, Uran, Gold, Eisen, Zink, Blei, Nickel, Graphit, Titan, Molybdän sowie mögliche Erdöl‑ und Erdgasvorkommen. Der Abbau ist jedoch schwierig, teuer und politisch umstritten.

In und um Kvanefeld (rot eingekreist) sind die Hauptlagerstätten der Bodenschätze.

Darüber hinaus ist das Land am Rande der Welt auch militärisch hochinteressant, weil es eine Schlüsselposition zwischen Nordamerika, Europa und Russland einnimmt. Für Frühwarnsysteme und Raketenabwehr ist es somit unverzichtbar und auch die GIUK‑Lücke lässt sich gut kontrollieren. Es bieten Zugang zu der neuen arktischen Routen und ist dadurch ein zentraler Punkt im NATO‑Sicherheitskonzept. Die sogenannte GIUK‑Lücke (Grönland–Island–UK) ist eine der wichtigsten maritimen Engstellen der Welt. Sie kontrolliert: U‑Boot‑Routen zwischen Atlantik und Arktis, NATO‑Zugänge zum Nordatlantik und ermöglich Frühwarnketten gegen russische Aktivitäten.

  • Amerika betreibt schon seit vielen Jahren mit der US-Pituffik Space Base eine militärisch besetzte Station. Sie liegt im äußersten Nordwesten Grönlands auf der Hayes-Halbinsel, etwa 1.200 km nördlich des Polarkreises und rund 950 km südlich des Nordpols, nahe der Stadt Qaanaaq und ist damit die nördlichste aktive US-Militärbasis weltweit. Die Basis liegt direkt an der Küste zur Baffin Bay und ist 9 Monate im Jahr von Eis umgeben. Ihre Lage erlaubt maximale Sicht auf den Nordatlantik und die Arktis. Damit ist sie ideal für Frühwarnsysteme gegen Raketenstarts aus Russland und dem direkten Zugang zu Weltraumüberwachung und Satellitenkommunikation.

Ob die USA ihre Ideen tatsächlich mit militärischen Mitteln in die Tat umsetzen, darf man mit Fug und Recht bezweifeln. Mehrfach äußerten US-Präsidenten (zuletzt Trump) den Wunsch, Grönland zu kaufen oder militärisch zu kontrollieren. Spannungen mit Dänemark und Europa sind allerdings vorprogrammiert. Die NATO ist auf solche innerbündnischen Konflikte nicht vorbereitet – Artikel 5 schützt vor äußeren Angriffen, nicht vor internen Machtansprüchen und somit träte in einem solchen kaum anzunehmenden Fall, der Bündnisfall, nicht ein, weil die Nato daran zerbrechen würde. KI-Fotos: Bearbeitet von Siegfried Gerdau

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