Meine Meinung
Am vergangenen Wochenende inszenierte der Schweizer Regisseur und Theatermacher Milo Rau im Thalia-Theater Hamburg eine mehrtägige Bühnenproduktion unter dem Titel „Prozess gegen Deutschland“. Über drei Tage hinweg wurde dort eine fiktive Gerichtsverhandlung aufgeführt, in deren Mittelpunkt die Frage stand, ob ein Verbot der AfD gerechtfertigt wäre. Der Journalist und Schriftsteller Harald Martenstein trat dabei mit einem leidenschaftlichen Plädoyer gegen ein solches Verbot auf.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Harald Martenstein in den 1970er Jahren Mitglied der DKP war. Was den Sozialismus betrifft ist er sozusagen Insider. Man kann also davon ausgehen, dass er sehr genau wusste, was er mit seiner Rede anrichtet. Buhrufe von Links über Grün bis Linksextrem und Beifall von der konservativen bis zur rechten Seite. Die Theatergäste, die wohl alle eher dem Linken Spektrum zuzuordnen waren, zeigten sich überrascht bis empört. Was macht der Mann da am Rednerpult. Eigentlich gar nichts aufregendes. Er erklärte unmissverständlich die Spielregeln der Demokratie. Sein Fehler war, dass er die AfD und ihre 20 Millionen Wähler nicht als Unmenschen brandmarkte. Genau das aber hatten die Thalia-Theater-Besucher wohl erwartet. Er sprach sich eben nicht für ein AfD-Verbot aus. Im Gegenteil. Er warnte vor dem Schaden, den die Demokratie erleide, wenn sich die Befürworter des undemokratischen Weges durchsetzen. Andersdenkenden die Meinungen verbieten oder sie gar bestrafen, ist halt nicht besonders Demokratisch, sondern entspricht eher kommunistischer, sozialistischer oder gar Nationalsozialistischer Denkweise. Wessen einzige Argumente sich in Verboten erschöpfen hat Probleme mit der Tatsache, dass viele Parteien, freie Medien und unterschiedliche Meinungen in einer freien Demokratie ausdrücklich erwünscht sind. Martenstein, ein exzellenter Journalist, wird den linken Shitstorm, wie auch die rechten Beifallsbezeugungen sicher aushalten. Wer sich jedoch hinsetzt und seine mittlerweile weit verbreitete Rede in Ruhe und ohne „Roten Schaum“ vor dem Mund anschaut, kann vielleicht noch ein wenig in Sachen Demokratie dazulernen. sig