Muss Deutschland kriegstüchtig werden?

Meinung

von Siegfried Gerdau

Deutschland muss kriegstüchtig werden sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in einer viel zu wenig beachteten Rede. Was meinte er denn damit genau? So wie 1870 oder 1914 oder vielleicht sogar wie 1939. Deutschland war kriegstüchtig und abgesehen vom „glorreichen“ Sieg 1871 gegen seinen „Erbfeind“ Frankreich, hat es mit seiner Kriegstüchtigkeit nur Tod und Elend produziert und landete selber zweimal tief im Dreck.

Das Volk der Deutschen hat in vielen Jahrzehnten (auch unter dem nötigen Druck durch die Kriegsgewinner) gelernt, dass es einem Volk gut ansteht seine potentiellen Kriegsgelüste in humanitäre Bahnen zu lenken. Dass man getreu dem Bibelwort „Liebe deine Feinde wie dich selbst“ noch erweitern kann, indem man den Begriff Feinde durch Freunde ersetzt.

In den Jahrzehnten des sogenannten kalten Krieges, als die einstigen Siegermächte Atomraketen förmlich in Massen züchteten und sich diese gegenseitig vorhielten, haben wir uns schamhaft zurückgehalten und an unsere unrühmliche Vergangenheit gedacht. Zu Recht wie ich meine. Dann brach 1989 die einstige Sowjetrepublik zusammen und unsere Verbündeten jenseits des Atlantiks hatten ihr Ziel erreicht.

Fortan war Deutschland nur noch von Freunden umgeben. Mit den meisten waren wir verbündet und es gab kaum noch Gründe, sich eine Armee in dem Umfang wie bisher zu leisten. Die Grüne Partei, schon seit ihrer Gründung 1980, tat ihr Übriges und forderte sogar lautstark und sehr penetrant deren Abschaffung.

Deutschland hatte begriffen und war dabei den Übergang in ein friedliches Land zu vollenden. Die Wiedervereinigung beider Teile Deutschlands, von den Freunden sehr misstrauisch beobachtet, gelang. Als schließlich auch die ehemalige DDR-Armee (Nationale Volksarmee) aufgelöst und teilweise in die Bundeswehr integriert wurde, schien ein Traum wahr zu werden.

Die Bundeswehr schrumpfte immer mehr und war schließlich nur ein Schatten ihrer selbst. Den damaligen Friedensfreunden, Wehrdienst-und Atomwaffengegnern war das alles noch nicht genug. „Frieden schaffen ohne Waffen“ und „Schwerter zu Pflugscharen“ skandierten Grüne, Rote, Antifaschisten und ehemalige Kommunisten bei jeder Gelegenheit. Die evangelische Kirche und etwas zögernder ihre katholischen Glaubensbrüder, machten sich zu Vorreitern.

So heiß, wie sie in den vergangenen Kriegen die Waffen segneten, verurteilten sie jetzt bereits den Griff zu Kindergewehren und Pistolen.

Dann änderten sich die Zeiten, lange vor der Scholz‘schen Zeitenwende. Reichte es bisher die eigenen Grenzen verteidigen zu können und damit dem Grundgesetz zu entsprechen, wollten bestimmte Kräfte im Land die Segnungen des Deutschen Friedens auch in die Welt hinaustragen. Der damalige und leider verstorbene Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) meinte sogar „Deutschland auch am Hindukusch verteidigen zu müssen“.

Als Russland im Laufe der Jahre, sehr zum Ärger der USA wiedererstarkt über die ehemalige sowjetische Kolonie Ukraine herfiel, brachen die Dämme auch in Deutschland. Entsetzt stellte man fest, dass es in unserer Schrumpfarmee kaum noch genügend Waffen und gerade einmal Munition für maximal drei Tage gab. Die Regierungskoalition aus Grünen, SPD und FDP schaffte es sich um 180 Grad zu drehen und Krieg unter diesen Umständen zu einer guten Sache zu erklären. Es wurde ein Sondervermögen für die Ertüchtigung der Bundeswehr ausgegraben und der Bundeskanzler rief die Zeitenwende aus, die mit einem Doppel-Bumms für Abhilfe sorgen sollte.

Nach den eher zu feministischen Verteidigungsministerinnen, die nicht über Stöckelschuhe und Handtäschchen für Soldatinnen hinauskamen, wurde mit dem Juristen Boris Pistorius ein Mann aus der Taufe gehoben, der wenigstens die Erfahrungen eines Wehrdienstleisteten für sein Amt mitbrachte. Die Soldatinnen und Soldaten zeigten sich gespannt und hofften nach einer langen femininen Durststrecke einen Minister vorgesetzt zu bekommen, der seinen Job macht.

Der neue Mann an der Spitze einer eher behäbigen Armee, änderte schon bald die militärischen Leitlinien. „Personal und Ausstattung der Bundeswehr muss auf die Wahrnehmung ihrer fordernden Aufträge ausgerichtet sein.“ Maßstab hierfür sei „jederzeit die Bereitschaft zum Kampf mit dem Anspruch auf Erfolg im hochintensiven Gefecht“ zu erreichen. Nur so werde Abschreckung glaubwürdig und der Frieden gewährt, sagte Pistorius.

Gleichzeitig forderte er vor wenigen Tagen: „Wir müssen uns wieder an den Gedanken gewöhnen, dass die Gefahr eines Krieges in Europa drohen könnte. Und das heißt: Wir müssen kriegstüchtig werden, wir müssen wehrhaft sein und die Bundeswehr und die Gesellschaft dafür aufstellen“.

Das ist deutlich und unmissverständlich. Deutschland muss wieder neue Zähne bekommen und diese auch zeigen. Vorbei soll es sein mit der Friedens-Duselei. Orwell würde sagen „Krieg ist Frieden“. Vorbei soll es sein mit den Sprüchen wie: Die Bundeswehr ist eine Friedensarmee. Nein, wir müssen kriegstüchtig werden, sagt der Minister. Ob er sich und seinem Ministerium schon bald den Namen Kriegsminister und Kriegsministerium geben wird? 

Kriegstüchtigkeit kann nur Kriegswilligkeit heißen. Kriegstüchtigkeit des Volkes hieße nämlich auch genügend neue Bunker zu bauen. Die alten hat man fast alle unwiderruflich geschlossen. Kriegstüchtigkeit heißt wieder Reservelazarette vorzuhalten, die man in der Vergangenheit abgeschafft hat und deren Ausrüstung verschenkt oder verschrottet wurde. Kriegstüchtigkeit erreicht man nur, wenn man im Kriegsfall (bisher noch Verteidigungsfall) genügend Kräfte mobilisieren kann. Kriegstüchtig machen heißt auch beim Volk Vertrauen in die jeweilige Regierung zu schaffen. Am Ende stellt sich die Frage, ob man nicht lieber in eine praktikable Friedenstüchtigkeit mit vielen guten Diplomaten investieren sollte. Unserem Nachbarland Schweiz gelingt das schon seit hunderten von Jahren, abgesehen von einem kleinen vierwöchigen „Bürgerkrieg“ 1847 im eigenen Land.

Eine Meinung zum Thema

Verteidigungsminister Pristorius sagt: „Wir müssen kriegstüchtig werden, wir müssen wehrhaft sein und die Bundeswehr und die Gesellschaft dafür aufstellen.“

Sie haben am 29. 10. 23 in der Sendung „Berlin direkt“ gesagt: „Wir müssen kriegstüchtig werden, wir müssen wehrhaft sein und die Bundeswehr und die Gesellschaft dafür aufstellen.“

In Ihrem Amtseid haben Sie gelobt, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes „zu wahren und zu verteidigen“. In unserem Grundgesetz heißt es: „…von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben“.

Ihre gesetzliche Aufgabe ist es also, für Frieden- und Friedenstüchtigkeit sich einzusetzen, nicht für den Krieg zu werben. Korrigieren Sie also Ihre Aussage oder geben Sie Ihr Amt ab – in friedfertigere Hände!

Osnabrücker Friedensinitiative (OFRI)

Importiertes LNG soll viel klimaschädlicher als Kohle sein

Immer mehr LNG-Tanker kommen nach Deutschland

Deutschland setzt zur Überbrückung der Energiekrise auf Flüssiggas (LNG). Nun will eine Studie zeigen, dass LNG noch weit klimaschädlicher ist, als Kohle zu verheizen. „Die Treibhausgasemissionen von LNG sind im schlimmsten Fall um 274 Prozent höher als die von Kohle“, heißt es.

Einer neuen US-Studie zufolge ist es viel klimaschädlicher, Energie aus importiertem Flüssiggas (LNG) zu gewinnen, als auf das Verfeuern von herkömmlicher Kohle zu setzen. „Die absoluten Treibhausgasemissionen von LNG sind im schlimmsten Fall um 274 Prozent höher als die von Kohle“, heißt es in der noch nicht veröffentlichten Analyse des Methan-Forschers Robert W. Howarth von der Cornell University. Zuerst hatte die „Neue Osnabrücker Zeitung“ berichtet. Die ganze Studie ist hier frei einsehbar.

Als Ursache hat Howarth Methan-Leckagen in der Lieferkette ausgemacht. Dazu zählen die verschiedenen Etappen vom Fracking über die Reinigung, die Verflüssigung und schließlich den Transport über die Weltmeere. Methan ist ein besonders aggressives Treibhausgas. Selbst bei der Nutzung der modernsten Schiffe und kürzesten Routen seien die Emissionen „um mindestens 24 Prozent höher“, als wenn Steinkohle verwendet würde, so die Ergebnisse der Berechnungen des Professors für Umweltbiologie. Zumindest eben dann, wenn man den gesamten Weg vom Frackingloch bis zur Verfeuerung zur Strom- oder Wärmeerzeugung betrachtet.

Quelle: Getty Images/Image Source/Mischa Keijser

Man muss sich wirklich fragen, welche Kompetenzen sich ernsthaft um Deutschlands Zukunft kümmern. Haben unsere „Experten“ wirklich nichts anderes als obskure Ideologien im Kopf. Was soll eigentlich das ganze Klimagerede und die damit verbundene Panikmache, wenn solche Ergebnisse dabei herauskommen.

Atomstrom aus Deutschland geht gar nicht. Aus den Nachbarländern schon. Gas aus Russland gibt es nicht mehr. Kohlestrom, schon lange vor dieser Regierung als umweltverschmutzend gebrandmarkt, geht plötzlich wieder. Holz darf nicht mehr so einfach verfeuert werden. Die Abgase müssen gefiltert werden. Gasheizungen müssen, wenn Erneuerungen anstehen, durch Wärmepumpen ersetzt werden. Wärmepumpen brauchen Strom, genauso wie E-Autos. Strom, den wir aber nicht ausreichend haben, wird mit LNG-Gas erzeugt. Dieses Gas wird umweltschädlich mittels Chemikalien aus Schiefervorkommen gepresst. Zum Glück noch nicht bei uns. Wir erhalten es zu hohen Preisen und alleine durch den Transport mit einem Tanker werden tausende Tonnen Abgase in die Umwelt geblasen. Die Flatulenzen unserer Rindviecher werden als CO 2- Verursacher eingestuft. Luther würde heute als Anstifter zur ungehemmten CO2-Produktion an den Pranger gestellt. „Warum rülpset und furzet ihr nicht….“ geht ja gar nicht.

Sind wir eigentlich alle irrsinnig geworden. Wo sind eigentlich die ganzen Wissenschaftler und die Politiker die sich von ihnen gut beraten ließen, geblieben? sig

Buchvorstellung

Der Herborner Martinisonntag schien der Sinnerin Saskia Halapatsch genau der richtige Tag zu sein, um ihr Erstlingswerk „Das Wiehern der Pferde“ in der Bücherei Baumann vorzustellen. Die Autorin wurde 1985 in Siegen geboren. Schon als Kind schrieb sie gerne und mit großer Leidenschaft Geschichten und Aufsätze.

Saskia Halapatsch mit ihrem Werk in der Buchhandlung Baumann, Eigentümerin Simone Polzer.

„Obwohl der Titel meines Buches es vermuten lassen könnte, ist es kein reines Pferdebuch“, sagt die 38-Jährige. Sie hat zwar Pferde aber es geht um viel mehr. Der 176-seitige Roman spannt einen weiten Bogen, um eine junge Frau, die auf einem Pferdehof lebt, der ihren Eltern gehört. Der Vater ist gestorben und sie wohnt mit ihrer Mutter zusammen. Ein schlimmes Ereignis zwingt sie jedoch eines nachts, zusammen mit ihrem etwas verrückten Pferd, zur Flucht. Sie gerät in eine ganz neue, ihr völlig unbekannte Welt. Dort erlebt sie ungewöhnliche Abenteuer, die sie nur schwer verkraftet.

Das Buch ist für Leserinnen und Leser ab 12 Jahre geeignet und kostet 12,95 Euro im Buchhandel. Es ist im TWENTYSIX LOVE Verlag unter der ISBN-13: 9783740784980 erschienen. sig/Foto: Gerdau

Hamas: Ihr perfider Plan geht auf

Meinung von Gerhard Spörl (11.11.2023)

Die Führer der Hamas geben in Doha einen Einblick in ihr militärisches Vorgehen. Was treibt die Terroristen an?

Die israelischen Streitkräfte werden täglich vier Stunden die Waffen ruhen lassen, mit denen sie den nördlichen Teil des Gazastreifens an der Küste in eine Trümmerwüste verwandelt haben. Das Ziel ist es, die Hamas so weit zu schwächen, dass sie nicht mehr imstande sein wird, dieses Gebiet zu regieren.

Von der Hamas wissen wir, dass sie Tausende ihrer Kämpfer zum Ermorden möglichst vieler Zivilisten hinüber nach Israel schickte. Dass sie ihre Stellungen mitten unter ihrer eigenen Zivilbevölkerung aufgebaut hat, sei es in Tunneln, sei es in der Nähe von Krankenhäusern. Ansonsten ist die Hamas eine anonyme Größe.

Tausende Tote helfen der Hamas

Nicht mehr gänzlich anonym allerdings, denn einige ihrer politischen Führer, die sich erstaunlicherweise in Doha aufhalten, haben sich jetzt zu Wort gemeldet. Dabei geben sie einen Einblick in ihre Denkweise und die Begründung für diesen Krieg.

Dass Israel Rache für das Inferno am 7. Oktober üben würde, war ihnen nicht nur klar, sondern es war sogar die erwünschte Konsequenz. Dass jetzt viele Tausend Männer, Frauen, Kinder in Gaza sterben, hilft ihnen beim Erreichen ihres Zieles – den Status quo im Nahen Osten zu zerschmettern.

Es sei notwendig gewesen, die ganze Gleichung auf den Kopf zu stellen, anstatt nur einen der üblichen Konflikte zu provozieren, sagt Khalil al-Hayya, der zum engsten Führungszirkel der Hamas gehört, und ergänzt: „Uns ist es gelungen, das palästinensische Problem wieder in den Vordergrund zu rücken. Jetzt ist die ganze Region aus ihrer Ruhe gerissen.“

Der 7. Oktober wurde in Gaza geplant

Versteht man Hamas-Anführer wie al-Hayya recht, sind sie froher Hoffnung, dass der Krieg mit Israel zum Dauerzustand wird, sodass sich die Aussicht auf Koexistenz mit arabischen Staaten zerschlägt. „Ich erhoffe mir, dass ein permanenter Krieg an allen Grenzen Israels tobt und die arabischen Länder an unsere Seite zieht“, sagt Taher el-Nounou, ein Hamas-Berater.

„Die New York Times“ hat den mörderischen Überfall am 7. Oktober rekonstruiert. Ihn habe eine kleine Gruppe aus Kommandeuren im Gaza ersonnen – ohne Abstimmung mit der Führung in Doha oder der Hisbollah im Libanon, den Brüdern im Geiste, welche die Juden aus dem Nahen Osten vertreiben wollen.

Offenbar waren die Gleitflieger und Kämpfer aus den Tunneln selber überrascht, wie leicht sie nach Israel eindringen konnten und auf welch geringen Widerstand sie dort stießen. Die israelische Führung hatte, in maximaler Fehleinschätzung der Gefahrenlage, mehrere Divisionen ins Westjordanland verlegt.

Arabische Länder ließen Palästinenser außen vor

Oberflächlich gesehen herrschte ja tatsächlich Ruhe in Gaza in den Monaten vor dem 7. Oktober. Israel war dabei, das Verhältnis zu Saudi-Arabien zu normalisieren – ausgerechnet Saudi-Arabien, das die Palästinenser als ihren Patron ansahen. Zwei Jahre zuvor hatten Bahrain und die Vereinten Arabischen Emirate Friedensverträge mit Israel geschlossen. Auch Katar und Oman haben Israel mittlerweile anerkannt. Die Region war kurz davor, sich mit Israels Existenz auszusöhnen.

Keines dieser Länder bezog die Palästinenser bei ihren Verträgen ein, genauso wenig wie Jahrzehnte zuvor Jordanien und Ägypten Rücksicht auf sie genommen hatten. Für arabische Länder sind die Palästinenser kein Machtfaktor, sobald es um ihre eigenen Interessen geht. „Nur eine gewaltige Aktion konnte diese Entwicklung unterbrechen“, sagt Hamas-Führer al-Hayya.

Hamas-Führer will Gefangene freipressen

Die entscheidende Figur innerhalb Gaza ist seit 2017 Yahya Sinwar. Er ist 61 Jahre alt und gründete die Kassam-Brigaden, die berüchtigt dafür waren, Selbstmordattentäter nach Israel zu schicken, vorzugsweise an Bushaltestellen. Im Jahr 1988 wurde Sinwar in Israel verhaftet und wegen versuchten Mordes an vier Palästinensern, die er für israelische Spione gehalten hatte, für lange Zeit ins Gefängnis geschickt. Im Jahr 2011 kam er dann frei. Sinwar war einer von mehr als Tausend Gefangenen, die im Austausch für Gilad Shalit, einem entführten israelischen Soldaten, zurück nach Gaza durften.

„Für mich ist es eine moralische Pflicht, alles dafür zu tun, dass diejenigen Gefangenen, die noch in israelischer Haft sind, bald freikommen“, sagte Sinwar in einem Interview im Jahr 2018. Aus diesem Grund ließ er am 7. Oktober so viele Menschen wie möglich nach Gaza verschleppen. Mehr als 240 sollen es sein.

Arabische Länder müssen ihren Beitrag leisten

Mit dieser Hamas ist kein Ausgleich denkbar. Insoweit liegt es nahe, ihre militärische Führung auszuschalten. Dass daraus kein Krieg in Permanenz entsteht, wie es sich al-Hayya und die anderen erhoffen, ist mehr als zu wünschen. Aber wie geht es weiter? In nicht allzu großer Ferne müssen die arabischen Länder, die diplomatische Beziehungen mit Israel unterhalten, ihren Beitrag zu einer politischen Lösung leisten. Dabei kommt es auf die USA an, die jetzt schon zu Mäßigung aufruft und Vorschläge für eine Zukunft der Region unterbreitet. Gut möglich, dass sich der israelische Premier Benjamin Netanjahu gegen das Unvermeidliche am längsten sträuben wird. Quelle: t-online.de

Vortragsveranstaltung mit Carola Ferstl

Mit der bekannten Wirtschafts-und Finanzexpertin Carola Ferstl konnte der Vorstand der VR Bank Lahn-Dill für Mittwochabend eine Rednerin gewinnen, die nicht nur auf dem Börsenparkett, sondern auch in vielen damit zusammenhängenden Disziplinen zu Hause ist. Die 55-jährige Wirtschaftsjournalistin und Moderatorin beim Nachrichtensender ntv, referierte vor vollem Hause im Dillenburger Gemeindezentrum der FeG in der Stadionstraße über „Neue Technologien und ihre Auswirkungen auf Börse und Wirtschaft“.

Dass die Künstliche Intelligenz (KI) beziehungsweise artifizielle Intelligenz (AI) in ihrem Vortrag einen breiten Raum einnahm, lag auf der Hand. „Was bedeutet das neue Teilgebiet der Informatik für uns im Berufs-und Privatleben, für Gegenwart und Zukunft“, fragte sich Ferstl. Obwohl der Visionär Elon Musk gesagt habe, dass man die KI stoppen müsse, weil sonst die Büchse der Pandora geöffnet würde und die Menschheit in ihrer Existenz auf dem Spiel stünde, bastele er gerade mit Hochdruck an einer eigenen KI.

Knapp 300 Interessierte nahmen an der Veranstaltung mit der Fernsehmoderatorin teil.

Sie selber sehe diese Entwicklung eher optimistisch und faszinierend. „KI ist eine große Chance für uns und deren Entwicklung geht auch an der Gesundheit nicht vorbei“. Die Autorin verschwieg aber auch die Risiken nicht, wenn man die KI unkontrolliert in „unser“ Leben lasse. Die sei schon daran zu sehen, dass man manches mal schon jetzt nicht mehr unterscheiden könne, ob zum Beispiel ein Bild oder Artikel echt oder ein Produkt der KI sei.

Von links: VR-Vorstands-Mitglied Ralph-Uwe Ort, Carola Ferstl, VR-Vorstandssprecher Klaus Königs und VR-Vorstandsmitglied Steffen Simmer

Carola Ferstl ging auch auf die Gefahren durch ChatGPT (Generative Pre-trained Transformer) ein und riet den Anwesenden sich ruhig, aber mit der nötigen Vorsicht, an die Kryptowährungen wie Bitcoin zu wagen. Wichtig sei in diesem Zusammenhang, dass man immer die Kontrolle behalten müsse.

„Bleiben sie hungrig nach Neuem, aber mit einer guten Skepsis“, riet die dreifache Mutter und Buchautorin. Ob Deutschland der Abstieg aus der „Champions-League“ drohe, wollte VR-Vorstandsmitglied Ralph-Uwe Orth am Ende von der Gastrednerin wissen. Das sei letztlich eine Frage der Finanzierung. Wenn das Geld von woanders herkomme, dann gingen die Unternehmen und seien in Deutschland nicht mehr zu halten, war ihre eher sibyllinische Antwort. Alles in allem war die kurzweilige Veranstaltung mit Carola Ferstl ein Gewinn für die Gäste. Die erfuhren viel Neues und tauchten zeitweise tief in die überwiegend unbekannte Welt der „Künstlichen Intelligenz“ ein. sig/Foto: Gerdau  

Kaffee trinken unterm Wasserturm

Unterm Wasserturm respektive in der Herborn-Merkenbacher Gaststätte Schäfer, trafen sich am Sonntagnachmittag rund 70 Menschen aller Altersklassen zum gemeinsamen Kaffeetrinken. Anfang des Jahres wurde die Veranstaltung „Dorf Café unterm Wasserturm“ von den Merkenbacher Ortsvereinen ins Leben gerufen und findet um 15 Uhr am letzten Sonntag eines jeden Monats (Ausnahmen bestätigen die Regel) statt. Diese Sonntage richtet immer ein anderer Ortsverein aus. Am vergangenen Sonntag war es der Gesangverein CMG Kontraste. Ralf Schäfer, der Wirt des Restaurants im Merkenbacher Bürgerhaus, der seine Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, freute sich über die unerwartet große Resonanz. 15 leckere Kuchen hatten die Sängerdamen gebacken. Übrig blieben davon gerade einmal drei Stückchen. Wie es sich für einen Gesangverein gehört, begann die Veranstaltung mit zwei Liedchen. Peter Ferdinand Schönborn dirigierte unter anderem „Heute marschieren wir…..“. Nach der „Schlacht am Kuchen-Büfett“ saßen die Gäste noch lange zusammen und unterhielten sich prächtig.

Die Spenden für Kaffee und Kuchen gehen an den CMG Kontraste. Der Verein ist mittlerweile um weitere 10 Mitglieder gewachsen und dies freut nicht nur den 1. Vorsitzenden Jürgen Scherf. Weiter Informationen bei Ortsvorsteher Dieter Freitag. Phone: 02772 5 11 49. sig/Fotos: Gerdau

Autorenlesung in Herborn

Der Roman „Das Hanfseil“ ist ein Erstlingswerk der Wahl-Braunfelserin Bea Quilitzsch, alias Beate Quilitzsch-Schuchmann. Am kommenden Freitag (10.November) um 19 Uhr liest sie aus ihrem 442 Seiten umfassenden Roman in der Herborner Stadtbücherei in der Mühlgasse. Die Autorin, Agrarwissenschaftlerin, Journalistin und PR-Beraterin erzählt in dem Buch ein Stück deutsch-deutscher Zeitgeschichte aus den Jahren 1938 bis 1957. Eingebunden in die tatsächlichen geschichtlichen Abläufe, sind Handlung und Protagonisten rein fiktiv.

Aus dem Inhalt: Georg, möchte Medizin studieren und hasst die Nazis aus tiefsten Herzen. Beim Ausbruch des II. Weltkriegs steht er vor den Trümmern seiner Träume. Anna, Lily und Antonia, drei sehr unterschiedliche junge Frauen geben seinem Leben, immer wieder eine neue Richtung. Die Lesung wird von der Herborner Buchhandlung Baumann begleitet. Der Eintritt ist frei.

Der Roman „Hanfseil“ ist im BoD-Verlag als gebundenes Buch (ISBN: 9783743140035) und als E-Book (ISBN: 9783757840556) erschienen.

Junge Pianisten begeisterten

Was am Freitagnachmittag in der Aula der Comeniusschule (csh)geboten wurde, war nicht weniger als ein Klavierkonzert der Extraklasse. Zwei ukrainische Schüler, Alexandr (16) und sein Bruder Illia (13) Pototskiy, die mit ihren Eltern und weiteren drei Geschwistern in Sinn wohnen, verzauberten die Gäste am Konzertflügel.

 Die Familie floh aus der seit April 2014 proklamierten Ortschaft Nowopskow in der umkämpften Republik Lugansk, einem Teilgebiet der Oblast Luhansk in der Ukraine ohne internationale Anerkennung. Wie in der Ukraine üblich hatten auch die Brüder ab der 1. Klasse Musikunterricht, erzählte die Mutter. Tante Haivea Valeriia, eine Klavierlehrerin, fördert die Talente ihrer Neffen, die zusätzlich die Wetzlarer Musikschule besuchen.

Die beiden können viel besser Klavierspielen als Deutsch sprechen, sagte der Rektor der Comeniusschule Micha Gabriel. Daran, dass dies besser wird, arbeitet Klassenlehrerin Isolde Kaufmann mit viel Hingabe. Sie hatte auch den Vortragsabend gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Fördervereins Philip Endres und seinen Mitstreitern ausgerichtet.

Illia Pototskiy

Der 13-jährige Illia Pototskiy ging als erster Interpret mit der Sonate Rr.1, 1. Teil von Ludwig van Beethoven in medias res. Sehr konzentriert und mit erkennbarer Freude beherrschte er den Flügel souverän. Nach Edvard Griegs „Nocturne C-Dur“ und der EtüdeNr. 5 „Jagd“ von Franz Liszt, verzauberte der junge Klaviervirtuose mit dem fünf-minütigen Stück „Toccata“ von Aram Chatschaturjan. Rauschender Beifall war der Lohn auch für diese tolle Darbietung.

Alexandr Pototskiy

Bemerkenswert, dass auch sein Bruder Alexandr, der nach der Pause den zweiten Part übernahm, völlig ohne Notenblätter spielt. Auch er, der Ältere von Beiden, übt täglich bis zu drei Stunden. Am Wochenende sind es schon ein paar Stunden mehr, erzählte Mutter Pototskiy mit einem verschmitzten Lächeln.

Faszinierend das Fingerspiel von Alexandr bei der Transcendentale Etüde von List. Auch das Poeten-Herz von Edward Grieg war nicht nur für die Kenner der klassischen Musik ein Hochgenuss. Mit der Ballade g-Moll von Frederic Chopin, einem sehr anspruchsvollen Stück mit spontanen Stimmungs- und Kontrastwechsel, verschaffte der Klavierkünstler seinen Zuhörerinnen und Zuhörern eine Gänsehaut-Atmosphäre erster Sahne.

Von links: Alexandr und Illia Pototskiy, Micha Gabriel

Schulleiter Gabriel glaubt, dass man von den Brüdern Pototskiy in absehbarer Zeit noch überregional hören wird. Alexandr wird wahrscheinlich schon bald nach Frankfurt auf das dortige Konservatorium wechseln. Sein kleiner Bruder bleibt der Comeniusschule noch erhalten. Ihn wird man als Klavier-Solist beim Weihnachtskonzert des Herbornseelbacher Musikvereins (Rote Teufel) erneut erleben können, verspricht Dirigent Erwin Gabriel. Text und Fotos: Gerdau

Unsere schöne Heimat

Mein Herborner Freund Winfried Rohrbeck hat mich wieder aus seinem reichen Fundus mit Material versorgt. Die eingeborenen Herborner haben diesen Dialekt nie gesprochen. Dafür aber die Menschen in den heutigen Stadtteilen umso mehr. Es ist schade wenn diese „Sprache“ untergeht. Sie war und ist auch heute noch ein regelrechter „Türöffner“.

Aus welcher Zeit die Seniorenzeitung stammt, ist nicht bekannt. Dennoch freue ich mich über die Fleißarbeit des unbekannten Kollegen. sig/Foto: Gerdau

“{الله أَكْبَر}“ „Allahu akbar“-Glaubensbekenntnis oder Schlachtruf

Gott ist größer (Allahu akbar), kann diese Verlautbarung von extremen Muslimen bei Demonstrationen oder gar terroristischen Anschlägen deren Vorhaben oder sogar Taten rechtfertigen.

Im Namen Gottes Menschen abzuschlachten, ist ein schweres Verbrechen und ganz sicher nicht im Sinne des Angerufenen.

Wer für die Vernichtung des Staates Israel betet oder schreit und dabei Gott anruft, kann nicht ernsthaft verlangen, dass zivilisierte Menschen im Jahre 2023 dafür Verständnis aufbringen.

In dem Zusammenhang mit dem terroristischen Angriff auf israelische Kinder, Frauen und Männer und der daraus resultierenden Vergeltung durch die israelische Armee, ist es vielleicht an der Zeit sich mit dem Kern des gegenseitigen Hasses zu befassen.

Bei meiner Recherche stieß ich auf einen Beitrag von Alexander Schaumburg, den ich hier veröffentlichen möchte. In seinem Artikel versucht er zwar nicht die Zusammenhänge, sondern die Ausgangslage des jahrzehntelangen Konfliktes zu erläutern. sig

Nachfolgend ein Text von Emrah Erken, übernommen von Alexander Schaumburg am 29.10.2023

Unten ist die Frontseite des im Jahr 1714 in Utrecht erschienen Werkes «Palaestina ex monumentis veteribus Illustrata» zu sehen. Der Autor Adrian Reland (1676-1718), niederländischer Orientalist, wurde in Ryp geboren, studierte in Utrecht und Leiden und war Professor für orientalische Sprachen in Harderwijk (1699) und Utrecht (1701).

Wichtige Feststellungen (auch über Gaza):

Kein einziger Ort in dieser Gegend hat einen Namen, der aus dem Arabischen stammt. Die Ortsnamen sind hebräischen, griechischen oder lateinischen Ursprungs und wurden in sinnfreie arabische Ableitungen umgewandelt. Akko, Haifa, Yafo, Nablus, Gaza oder Jenin haben keine Bedeutung im Arabischen, und Städtenamen wie Ramallah, Al-Khalil und Al-Quds haben keine historischen oder philologischen arabischen Wurzeln. Im Jahr 1696, dem Jahr der Erhebung, hieß Ramallah Bt’ala (=Beit-El), Hebron Chevron und die Höhle der Machpela Al-Khalil, arabisch für Patriarch Avraham.

Das Gebiet war weitestgehend ein Ödland. Die wenigen Einwohner konzentrierten sich auf die Städte Jerusalem, Akko, Safed, Jaffa, Tiberias und Gaza. Die meisten Stadtbewohner waren Juden oder Christen. Es gab nur wenige Muslime; die meisten von ihnen Beduinen.

Eine Ausnahme bildete Nablus (Shechem), wo etwa 120 Muslime und 70 Schomronim (Samariter) lebten. Natzeret (Nazareth), die Hauptstadt Galiläas, wurde von 700 Christen bewohnt

In Jerusalem lebten etwa 5000 Menschen, die meisten von ihnen Juden. Interessanterweise werden Muslime nur als nomadische Beduinen erwähnt, die saisonal in der Landwirtschaft und auf dem Bau arbeiteten.

In Safed und Tiberias gab es ebenfalls jüdische Gemeinden, aber die einzige Beschäftigung, die erwähnt wird, ist der Fischfang im See Genezareth. Die Stadt wie Um-al-Fahm zum Beispiel wird als ein kleines Dorf mit 10 christlichen Familien und einer kleinen maronitischen Kirche erwähnt.

Die damalige Bevölkerung von Gaza (rund 500 Menschen!) bestand zu gleichen Teilen aus Juden und Christen. Juden bauten Weintrauben, Oliven und Weizen an, während die Christen mit dem Handel und dem Transport von Waren beschäftigt waren. Der Autor Reland schreibt, dass Muslime als nomadische Beduinen in das Land kamen, um als Arbeitskräfte bei Juden und Christen zu arbeiten.

Heute lebt in Gaza kein einziger Jude mehr. Die Zahl der Christen wird auf rund 1’000 Personen geschätzt, die unter mehr als 2 Mio. arabischen Muslimen leben.