Proben für das Passions-Musical

Evangelisches Dekanat an der Dill unterstützt „7 Worte vom Kreuz“ mit Projekt-Chor

Die Vorbereitungen für das Passions-Musical „7 Worte vom Kreuz!“ in der Buderus-Arena in Wetzlar am 22. März 2026 laufen auf Hochtouren. Ab kommender Woche (Montag, 12. Januar 2026) beginnen im Evangelischen Dekanat an der Dill die zehn Proben des Projektchores, die am 16. März 2026 enden. Benjamin Gail, der Popmusik-Beauftragte im Evangelischen Dekanat an der Dill, wird die Proben leiten. Er freut sich, dass sich schon über 90 Sängerinnen und Sänger für diesen Projektchor angemeldet haben.



Um weitere Interessierte als Sängerinnen und Sänger zu gewinnen, lädt er für Montag, 12. Januar 2026 zur ersten Probe in das Ev. Gemeindehaus Sinn (Ballersbacher Weg 8 in 35764 Sinn) von 19.15 bis 20.30 Uhr ein. Wer möchte, kann die erste Probe am Montag zum Schnuppern nutzen. Wer sich dann online verbindlich anmeldet, hat einen weiteren Vorteil: Die Kosten für die Chorpartitur werden vom Evangelischen Dekanat an der Dill übernommen für alle Singbegeisterten, die im Dekanat an der Dill wohnen. Die kostenpflichtige Anmeldung zum Projekt mit der angegebenen Reservierungsnummer ist jedoch verpflichtend notwendig. Die Anmeldung erfolgt ausschließlich über das Online-Portal der Creativen Kirche. 

Die Anmeldung ist auf der Webseite  https://www.chormusicals.de/wetzlar unter dem Button „Gruppenanmeldung“ mit der Reservierungsnummer CH01423009039 für diesen Projektchor möglich.

Erfreulich ist, dass für die Aufführung in der Buderus-Arena Wetzlar schon jetzt insgesamt über 600 Sängerinnen und Sänger gemeldet sind. In gemeinsamen Proben bereiten sich die Sängerinnen und Sänger auf die Aufführung am 22. März 2026 vor, bei der sie gemeinsam mit Musicalsolisten der Extraklasse und einer Big-Band auf der Bühne stehen. Weitere Projektchöre proben bereits in Friedensdorf-Dautphetal, in Hallenberg, in Hermannstein, in Linden, in Rodheim und in Simmersbach. Die Veranstalter hoffen auch mit dem Projektchor in Sinn die Zahl der Sängerinnen und Sänger noch auf 700 zu erhöhen.

Musical mit orchestralen Arrangements

Kaum ein anderes Ereignis hat die Menschheit so berührt und Künstlerinnen und Künstler inspiriert wie die Passionsgeschichte. Albert Freys Neuinterpretation vonergreifenden Melodien und Chorvariationen,tiefgehenden Texten bis hin zuorchestralen Arrangements versprechenein einmaliges und unvergessenes Erlebnis. 

Das Stück erzählt von den letzten Worten von Jesus Christus am Kreuz. Die „7 Worte vom Kreuz“ erhellen nicht nur das Geheimnis des Kreuzes aus unterschiedlichen Perspektiven, sondern bringen auch das Wesen und die Botschaft Jesu auf den Punkt.

Das imposante Werk, interpretiert von einem vierköpfigen Ensemble, großem Chor, Band und Orchester, sprengt das Format einzelner Pop-Songs und wird zum orientalisch angehauchten Film-Soundtrack einer inneren Reise der Verwandlung zu einem Hügel im Nahen Osten, wo vor 2000 Jahren Entscheidendes geschah und uns bis heute mit unseren Lebensfragen in Berührung bringt.

Für Rückfragen zum Probechor steht Benjamin Gail, der Popmusik-Beauftragte im Evangelischen Dekanat an der Dill, gerne zur Verfügung.

Benjamin Gail
Mobil: 0176 / 20807986
Mail: b.gail@ev-dill.de

Sozialgruppe Herborn (SGH) geht mit Listen für das Stadtparlament Herborn und den Ortsbeirat Herborn an den Start

„Frauen- Quote? Für uns kein Thema!“ so fassen Frank Deworetzki (Stadtverordneter) und Jutta Franz (Seniorenbeiratsvorsitzende), die die Kandidatenliste der SGH anführen, das Ergebnis der Aufstellungsversammlung zusammen, denn 9 von 15 Listenplätze werden von Frauen eingenommen, mit einem Anteil von 60%, einem beispiellosen Wert für die Herborner Politik.

Wir haben es geschafft, ein breites Spektrum an Bewerberinnen und Bewerbern unter einen Hut zu bringen. Jüngere und ältere, Angestellte, Facharbeiter, Rentner, Alleinerziehende, Mütter, Väter und EU-Bürger konnten wir zu einer Kandidatur motivieren. Mehr als die Hälfte unserer Bewerber und Bewerberinnen kandidieren erstmalig für das Stadtparlament. Mit Markus Schlaudraff ist es der SGH gelungen, einen ehemaligen Bürgermeisterkandidaten an Bord zu holen.
Wir alle stehen für ein gemeinsames Ziel: Sozial-Gemeinsam-Herborn.

Politische Leitlinie für die nächste Legislaturperiode:
Die finanziell guten Jahre sind in Herborn endgültig vorbei. Die Schaffung einer zukunftssicheren und Enkel-tauglichen Finanzstruktur, einhergehend mit einer Konsolidierung des Herborner Haushalts darf nur unter dem Aspekt der sozialen Gerechtigkeit erfolgen. Die SGH wird alles unternehmen, dass soziale Gerechtigkeit, Gemeinwohl sowie die Stärkung der Gemeinschaft die neuen Leitlinien der Herborner Politik sein werden.

Themenschwerpunkte der SGH:
–          Nachhaltige Stärkung der Gemeinschaft durch mehr Kinder-, Familien- und Seniorenfreundlichkeit
–          Entwicklung einer sinnvollen und sozialverträglichen Wärmeplanung, die auch die Bedürfnisse der Ortsteile beinhaltet. Weg von der Großflächen-Fernwärmeverteilung hin zu Wärmeinseln, die kostengünstiger und nachhaltiger Wärme anbieten und vor allem auch in den Ortsteilen realisiert werden können.
–          Schaffung von preiswertem Wohnraum durch Förderung des sozialen als auch frei finanzierten Wohnungsbau
–          Stärkung des ÖPNV unter anderem durch den Start des Herborner Nacht-Express, der eine Anbindung der Ortsteile auch zu später Stunde sicher stellt

Mit dem Tag der Wahlzulassung wird auf der Homepage der Sozialgruppe Herborn www.sozialgruppe-herborn.de sowie weiteren sozialen Medien das vollständige, mehr als 30 Punkte umfassende Wahlprogramm veröffentlicht.

Für das Stadtparlament Herborn kandidieren:
1. Frank Deworetzki                                      (Uckersdorf)
2. Jutta Franz                                                  (Herborn)
3. Maik Geschwill                                           (Herborn)
4. Janina Harbers                                            
5. Caroline Junker                                          (Herborn)
6. Markus Schlaudraff                                   (Herborn-Seelbach)
7. Etelvina Almeida Ramos Da Cruz        (Herborn)
8. Bärbel Hümer                                             (Herborn)
9. Manfred Winkel                                         (Herborn)
10. Nicole Schmalenbach                             (Herborn-Seelbach)
11. Stephan Wilhelmi                                     (Herborn)
12. Jens Fesser                                                (Herborn)
13. Christel Geschwill                                     (Herborn)
14. Theresia Franz                                          (Herborn)
15. Helga Grün                                               (Herborn)

Für den Ortsbeirat Herborn geht die SGH mit 5 Bewerberinnen und Bewerbern ins Rennen.
1. Jutta Franz
2. Maik Geschwill
3. Caroline Junker
4. Etelvina Almeida Ramos Da Cruz
5. Stephan Wilhelmi

(Kandidatenbild von links nach rechts)
Bärbel Hümer, Caroline Jung, Manfred Winkel, Christel Geschwill, Jutta Franz, Maik Geschwill, Janina Harbers , Helga Grün, Frank Deworetzki, Theresia Franz, Nicole Schmalenbach, Markus Schlaudraff, Etelvina Almeida Ramos Da Cruz

Herborner Weltladen lädt zum Märchenabend mit Sieglinde Reich

Mittlerweile zum zehnten Mal präsentiert die Herborner Märchenerzählerin Sieglinde Reich auf Einladung des Herborner Weltladen e.V. Märchen aus aller Welt. 

Archivbild: Sieglinde Reich

Am 16.Januar 2026 um 19 Uhr lädt der Herborner Weltladen alle Märchenfreunde ein zu einem „Ohrenschmaus aus dem Märchenkessel“ in die Aula der Hohen Schule in Herborn ein.
Wieder einmal werden Märchen aus den verschiedensten Teilen der Welt vorgetragen. Schwerpunkt sind diesmal Märchen bei denen es sich um Essen und Ernährung dreht.
Das Zubereiten von Nahrung gehört zu den grundlegenden Kulturtechniken aller Völker dieser Erde und ist weit mehr als nur ein alltäglicher Vorgang des Notwendigen.
Dass diese Kunst eine Fülle erreichen kann, wie so mancher von uns sie in den vergangenen Tagen und Wochen erlebt hat, ist nicht immer gesund – aber voller Tradition und liebgewordener Genüsse.
Essen ist Grundlage des Lebens, markiert Hunger und Not gegenüber Reichtum und Überfluss, spiegelt regionale Unterschiede und kulturelle Eigenheiten, Was liegt da näher als die Kostbarkeiten, welche es im Weltladen zu erwerben gibt, sich einmal auf märchenhafte Weise zu „erschnüffeln“ und den Geschichten um Brot, Tee, Bananen, Couscous und anderem zu lauschen…


Die gelernte Montessori–Pädagogin und Religionspädagogin Sieglinde Reich hat zusätzlich eine zweijährige Ausbildung im Märchenzentrum „Sterntaler“ in Rastatt absolviert. Seit vielen Jahren erzählt Sie auf ihre ganz eigene Art Märchen aus aller Welt, für Groß und Klein, bei verschiedensten Anlässen. Wer einmal einen Abend mit ihr erlebt hat, kommt immer gerne wieder. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.

Muckefuck, Schmalzbrot und Klicker

Von Siegfried Gerdau

Lebertran löffelweise war das Mittel der Wahl, um uns Kinder in einen halbwegs vernünftigen Gesundheitszustand zu versetzen. Ob es stimmte, wer weiß. Geschmeckt hat es auf jeden Fall grauenhaft. Wer größere Geschwister hatte, brauchte sich um die passenden(?) Schuhe keine Gedanken zu machen. Die Großen wuchsen aus ihren ausgelatschten Tretern raus und wir profitierten davon.

Die 1950er Jahre waren in der verklärten Betrachtung einfach wunderbar. Die Welt schien geregelt die Schule ging nur bis mittags, dafür war auch samstags Unterricht. Sonntags ging es für die meisten von uns zum Kindergottesdienst und so kam auch auf pädagogischem Gebiet niemand zu kurz. Es gab kein Fernsehen, keine Playstation, Handys waren Gegenstände in Science-Fiction. Lediglich das alte Röhrenradio mit dem magischen Auge, stand bei den meisten im „Guten Zimmer“.

Nachbarsjungen, Klassenkameraden und Freunde fürs Leben.

Vater hörte dort sonntags das Sonntagmorgenkonzert, mit dem wir schon als Kinder nicht viel anfangen konnten. Dass „Mensch-ärger-dich-nicht“, das zu Weihnachten unter dem- meist requirierten- Christbaum lag, half kaum die Langeweile der Sonntage zu überbrücken. Man sehnte sich nach dem freien Leben an den Wochentagen. Nach den von Mutters Drohungen begleiteten Hausaufgaben, ging es raus in den Wald.

Es wurden Straßen gebaut, mit den Steckenpferden um die Wette geritten oder Cowboy und Indianer gespielt. Manchmal träumte man hoch oben im „Fliegerbaum“ von einem Flug um die Welt. Da das Mittagessen, die oft servierte Weißkrautmischung natürlich ohne Fleisch, schon verdaut war, trieb der Hunger uns irgendwann nach Hause. Der Einbruch der Dunkelheit war die höchste Zeit, aber man musste nicht bekennen wo man gewesen war. Einmal brachte ich voller Stolz eine Wasserratte mit und ließ sie im Spülbecken Kreise ziehen. Mutter hat fast der Schlag getroffen, was ich gar nicht verstand.

Zum Abendessen gabs Schmalzebrote, runter gespült mit Milch vom Bauern oder auch schon mal Kakao. Mein Cousin war da schon etwas bessergestellt. Für ihn gab es Ovomaltine. Einmal in der Woche kaufte Mama ein oder meist zwei Brote vom Bäcker. Die mussten für die ganze Woche reichen. Wenn etwas davon übrigblieb, wurde zum Frühstück Muckefuck, die koffeinfreie Kaffee-Alternative mit darin eingeweichten Brotbrocken, serviert. Ein Löffel Zucker darüber und man konnte alles gut essen. In der Regel waren es jedoch kernige Kölln-Flocken in Milch, mit denen im Leib der Tag gestartet wurde.

In den beiden Anfangsjahren bekamen wir in der Schule noch eine Schulspeisung, Quäkerspeise genannt, von der Organisation American Friends Service Committee (AFSC) in Form von Suppeneintopf, Hafer- oder Grießbrei. Da war auch schon mal ein Riegel Schokolade dabei, von der wir sonst nur träumen konnten. Unser Lehrer in der Grundschule hatte wohl bei dem Studien-Fach Pädagogik manche Dinge fehlinterpretiert. Wir lernten viel bei ihm, aber auch was schmerzende Handflächen sind. Während andere Lehrer Rohrstöcke benutzten, war er schon ein Schritt weiter. Ein Klassenkamerad, dessen Eltern eine Druckerei besaßen, musste ihm immer die ausgewechselten Kunstoffleisten aus der Papierschere mitbringen. Unaufmerksamkeit wurde so direkt mit Leistenschlägen in die Handfläche geahndet und wir beschworen den Mitschüler oft diese Teile nicht mehr mitzubringen. Vergeblich, aber man gewöhnte sich daran. Lehrer L. war Mathematik-Fan und so begann der Unterricht nach dem „Guten Morgen Herr L.“ noch im Stehen mit dem großen 1×1. Wer seine Frage richtig beantwortete durfte sich setzen. Ich blieb meistens stehen und entwickelte im Laufe der Jahre einen regelrechten Hass auf Zahlenspiele.

Die Disziplin, die während der Unterrichtsstunden eingebläut wurde, wurde fand in den Pausen auf dem Schulhof ihr Ventil. Raufereien waren an der Tagesordnung, aber interessanterweise wurde nie die unsichtbare Grenze zur Gewalt überschritten. Schon bald grassierte das Feuer des Klickerspiels.

Das obligatorische Klassenfoto entstand 1952

Es gab Lehmkügelchen und welche aus Glas. Die letzteren waren fast unerschwinglich und so begann ein reger Tauschhandel. Zehn Lehmer gegen einen gläsernen Klicker. Und hier begannen schon die ersten Schritte in die Kleinkriminalität. Einer von uns kam auf die Idee die Lehmer selber herzustellen und zu bemalen. Dass sie auch gebrannt werden mussten, war uns nicht bekannt. Der Tausch der Eigenproduktion gegen die gläsernen Schönheiten lohnte sich allemal. Beim ersten Wurf in das Zielloch zerplatzte jedoch der Traum vom Glück buchstäblich und wir machten das Geschäft schnell rückgängig.

An manchen Sonntagen ging es mit „Tanti“ in den Wald um Tannenzapfen zum Heizen zu sammeln. War das ein Spaß, wenn sich der kleine Handwagen zusehends füllte. Das mitgeführte, gezuckerte Essigwasser schmeckte so köstlich und löschte den Durst in Windeseile. Manchmal holte ich mit Mama Papa vom Bahnhof ab. Das war in der Regel nicht ganz einfach. Wir hatte ja keine Fahrkarte für einen Zug und mussten daher eine Bahnsteigkarte kaufen, damit wir ihn betreten durften. Das wurde streng kontrolliert, aber es lohnte sich meist. Vater bracht oft sein Butterbrot von der Arbeit mit und ich freute mich riesig das sogenannte Hasenbrot zu vertilgen.

Einmal fuhren wir mit dem Zug, der von einer Dampflok gezogen wurde, nach Siegen. Ich sollte einen Bleyle-Pullover zu Weihnachten bekommen und freute mich aber fast mehr über die Bahnfahrt. Die harten Holzbänke störten nicht und wenn man das Fenster aufmachte und heraus sah, war das Gesicht fast so schwarz wie das des Heizers. Die Stadt an der Sieg erschien mir riesenhaft und ich konnte die Pracht um mich herum gar nicht alle aufnehmen. Papa durfte sich noch einen geräucherten Bückling kaufen und Mama passte auf, dass die wenigen Markstücke zusammenblieben.

Es war eine Zeit in der man eine unverheiratete Frau mit Fräulein ansprach und die Eltern auf dem Weg zum Wahllokal ihren besten Zwirn anhatten. Die Männer zogen beim Grüßen ihren Hut und die Kinder steckten beim Verlassen der Kirche dem Negerlein auf dem Altar eine Münze in den dafür vorgesehenen Spalt. An ein eigenes Fahrrad war nicht zu denken und als ich von Verwandtschaft ein Vorkriegs-Herrenrad geschenkt bekamen, durfte ich unter der viel zu hohen Stange hindurch Radfahren lernen.

Ein Schwimmbad gab es im weiten Umkreis nicht. Schwimmen lernte ich und viele andere Kinder, mehr schlecht als recht, in einem ausgewaschenen Teil des Aubachs, den die Einheimischen Säukimbche nannten. Unweit von meinem Elternhaus gab es einen Luftschutzbunker, den wir Felsenkeller nannten. Auf diesem Terrain hatte ein Pferdemetzger seine noch zu schlachteten Pferde stehen. Das Futter dafür, eine ausgedehnte Wiese, mähte er im Sommer und wir Kinder waren in den Ferien fast täglich dabei. Apropos die Sommer. In der Erinnerung waren die endlos lange und ganz selten regnete es. Während sich der gute Mann Tag für Tag mit dem Heu quälte, tollten wir auf der Wiese herum und saßen auf der Heimfahrt hoch auf dem Heuwagen.

Auch die wenigen Spediteure oder die Schrotthändler ließen ihre Wagen von Pferden ziehen. Einer beendete seine täglichen Fuhren mit einem Gang ins Wirtshaus und auf der Weiterfahrt schlief er regelmäßig auf dem Kutschbock ein. Kein Problem, der Gaul kannte seinen Weg. Oft ging ich mit Mutter zum Einkaufen. Genau genommen gab es nur zwei Geschäfte in meiner Heimatstadt. Eins davon war der Kamitz. Nie gingen wir raus ohne, dass ich ein kleines Tütchen mit Bonbons bekam, die der Händler aus einem großen Glas fischte. Zeitungspapier war das ideale Packpapier, Plastikverpackungen gab es noch nicht. Als Unverzagt ein kleines Milchgeschäft an der Aubachbrücke eröffnete, entfiel der lange Weg zu dem gleichnamigen Bauern. Mit einer Alu-Kanne ging es zum Milchholen und auf dem Rückweg wurden die Gesetze der Fliehkraft getestet. Beim Rundschleudern des Gefäßes musste man nur schnell genug sein, dann blieb der Deckel drauf. Einmal, so erinnere ich mich ging daneben und die Kanne war nicht mehr so ganz voll.

Ich durfte mittlerweile auch selber Brot holen und nicht selten überkam mich die Versuchung ein Loch in den Leib zu bohren, um ein wenig von dem frischen Inneren zu naschen. Das blieb nie ohne Folgen, aber auch an ein paar Kopfnüsse gewöhnte man sich. Wenn das Obst reif war klauten wir Äpfel und Kirschen was das Zeug hielt. Wir hatten alle den begriff Mundraub im Kopf und waren uns demzufolge keiner Schuld bewusst. Die Besitzer der Obstgrundstücke sahen das ein wenig anders und so hagelte es Beschwerden bei unseren Eltern. Auch dafür gab es keine langen Strafpredigten, sondern kräftige Hiebe. Als wir einmal auf der Steilstrecke nach Donsbach ein dort abgestelltes Pferdefuhrwerk einer gründlichen Inspektion unterzogen, hatten wir im Eifer des Gefechtes die Bremsen gelöst. Das Fahrzeug fuhr mit Getöse die Straße hinab und kam im Gartenzaum eines Nachbarn zum Stehen. Wie dieser Vorfall geahndet wurde weiß ich nicht mehr, aber sicherlich waren es keine Streicheleinheiten.

Vater besserte den häuslichen Verpflegungsplan mit Stallhasen auf. Als ich einmal zusah wie eines der armen Geschöpfe zu Tode kam, läuft mir bei der Erinnerung heute noch ein Schauer über den Rücken. Auch ein Hammel gehörte zur Familie und der stand auf einer Wiese gegenüber unserem Hause. Der nur wenige Häuser entfernt wohnende Bankdirektor nahm gewohnheitsmäßig seinen Weg über besagte Wiese, aber plötzlich war dort ein Hammel in seinem Revier. Der nahm den armen Mann aufs Korn und verpasste ich einen schmerzhaften Stüber. Das war das Ende des Hammels schließlich war der Direktor eine Respektsperson und die traktierte man nicht.

Da Fleisch in unserer Familie Luxus war und nur an Wochenenden auf den Tisch kam, wartete Mama ab bis Vater ein paar Tage weg war und bereitet für uns Kinder ein Stück Pferdefleisch zu. Für ihn wäre als geborener Westpreuße die Welt zusammengebrochen, aber wir hielten dicht. Diesbezüglich war er mit meinem väterlichen Freund, einem hochgeachteten Geschäftsmann, auf einer Linie. Der züchtet Trakehner und betrieb eigens dafür einen fast luxuriösen Pferdestall. Ein Fauxpas hätte fast unsere Freundschaft zerstört. Ich fragte völlig arglos wie teuer den ein Gaul bei ihm sei. Seitdem weiß ich, dass Gäule als Kutschpferde im gehen äppeln und Pferde geritten werden.

Mit meinem Freund aus Kindertagen erlebte ich wohl die schönste Kinderzeit, die man sich nur denken kann. Dass da auch schon mal was in die Hose ging lag in der Natur der Sache. Es war wieder einmal einer dieser endlosen Sommer und wir hatten ein Feuerzeug dabei. So eine unbearbeitete vertrocknete Wiese muss doch gut brennen, dachten wir. Man kann das Feuer ja schnell wieder löschen, nahmen wir an. Wir konntes es nicht und so musste der angrenzende Wald auch dran glauben. Der oder die Brandstifter wurden nie gefunden, zum Glück. Das hätte das Leder unserer kurzen Hose wohl nicht überlebt.

Die Schlitten stammten aus dem Vorkriegsfundus unserer Familien.

Auch der Handel mit Devotionalien in Form von eisernen Grabkreuzen lief nicht gut. Wir bedienten uns bei einem Schrotthändler und verkauften sie dem anderen. Scheinbar ein sehr listiges Geschäft bis uns wieder besagter Bankdirektor einen Strich durch die Rechnung machte. Er sah uns mit der Beute auf dem Weg zum Schrott und petzte bei meinen Eltern: „Ihr Sohn hat Grabkreuze auf dem Friedhof entwendet“. Es halfen keine Erklärungen, dass wir die nicht vom Friedhof gestohlen hatten, aber das war ja nun einmal die Wahrheit. Mutter setzte zum ersten Mal ihre Klopfpeitsche mit den Lederriemen ein und damit mein Wehklagen nicht von den Nachbarn gehört wurde, geschah alles im Keller.

Vater, der sich aus solchen Strafaktionen immer heraushielt, bemerkte nur, dass mein Lebensweg in Richtung Schrotthandel führen würde. In der Tat blieb meine Liebe zu noch Brauchbarem ungetrübt. Ein anderer Schulkamerad betrieb einen schwungvollen Handel mit Weltkrieg-Überbleibsel. Sein Fundus war überwältigend und als er mit einer Pistole warb, konnte ich nicht wiederstehen und bot ihm dafür eine lederne Fliegerhaube. Der Handel war perfekt, lediglich der angelötete Lauf der Pistole war ein leichter Schönheitsfehler. Mein Freund war begeistert und wir gingen in „unseren Wald“ um die Waffe einzuschießen. Schon beim ersten Schuss flog der Lauf weg und so löste sich (zum Glück) der Traum von einer eigenen Pistole in Luft aus. Die Müllkippe in der Hachelbach war unser zweites Zuhause. Was man da alles Brauchbare fand, schier unvorstellbar. Unsere Eltern waren wie so oft wenig begeistert über unsere Aktivitäten und der arme Wächter über dieses Eldorado ebenfalls nicht. Er verlor einen Arm und ein Auge im Krieg. Dass man sich über so jemand nicht lustig machte, wurde uns schon im Elternhaus beigebracht, aber wir machten es. Unvorstellbar in der Retrospektive.

Unsere Kindheit war geprägt von Entbehrung, die wir jedoch nicht realisierten. Es war einfach so wie es war. Auch damals gab es Kinder, den es etwas besser ging. So bekam ein anderer Freund von mir von seinem Vater eine elektrische Eisenbahnanlage, die über zwei Kellerräume hinweg ging. Wir durften sie höchstens anschauen. Trotzdem kam kein Neid auf, aber ich habe im ganzen Leben keine elektrische Eisenbahn mehr gewollt. Mir genügten Wiking oder den etwas teureren Siku-Autos. Beim Kauf von Sanella- Margarine gab es Tierfiguren, Mini-Ställe und Zäune, so dass man ganze Zoos oder Bauernhöfe bauen konnte. Lego-Steine kamen in der heutigen Form erst 1958 auf den Markt. Zu spät für uns und immer noch kaum erschwinglich.

Vaters altes Motorrad, eine NSU mit Tankschaltung, hatte es mir schon früh angetan. Wie ich mit dem schweren Teil fertig wurde, ist mir bis heute noch ein Rätsel. Auf jeden Fall fuhr ich damit im Wald spazieren und wurde mehrfach vom Förster beobachtet und nach Hause gemeldet. Anzeigen bei der Obrigkeit gab es damals so gut wie nicht. Das wurde im interfamiliären Kreis geregelt. Mein Vater regelte es auf seine Weise und sägte das gute Stück in einzelne Teile. Die brachte es persönlich zum Schrott. Darüber bin ich heute noch traurig. Genauso erging es mir mit einem Speicherfund. Der alte Weltkriegskarabiner entlockte mir Freudenschreie. Mit Freund Ulrich ging es in den Wald. Wir banden das gute Stück an einen Baum und mit einem am Abzug angeknoteten Seil wurde ausgelöst. Kein Schuss fiel. Die Büchse war also nicht geladen. Vater kam mir auf die Spur und nahm den Schießprügel an sich. Vermutlich verhökerte er ihn.

Die Firma Cloos brauchte für ihre Schweißmaschinen Karbid. Die Substanz wurde außerhalb gelagert und wir stellten bald fest, dass sie auch für unsere Zwecke brauchbar war. Eine Blechdose mit Deckel, ein kleines Loch im Boden, Karbid in die Dose und etwas Spucke dazu. Die Kanone war fertig. Jetzt brauchte man nur noch ein brennendes Streichholz an das Loch zu halten und der Deckel flog mit Getöse davon.

Unser Städtchen war aufgeteilt in zwei Sektoren. Der Bereich unter der Bahnlinie nach Siegen wurde von den oberhalb dieser Bahnlinie residierenden „Banden“ gemieden und umgekehrt. Zorro-Peitschen aus einem Holzstab und einem langem Reifengummi, der beim vulkanisieren von Autoreifen als Abfall anfiel, waren eine schreckliche Waffe. Gut das beide Banden sie besaßen und somit war ein Patt die reine Überlebensstrategie. Die Kämpfe wurden daher ausnahmslos verbal ausgetragen.  Wie schon oben erwähnt hatten wir eine schöne Kindheit und dass wir stark wurden, lag vielleicht doch an dem übel schmeckenden Lebertran. Fotos: Gerdau

Ein Verfechter der demokratischen Freiheit, Manuel Ostermann, sprach in Wetzlar

In der Wetzlarer Stadthalle feierte die Wetzlarer Bürgerinitiative Pro Polizei e.V. gemeinsam mit 420 Mitgliedern, Förderern und Anhängern ihren traditionellen Neujahrsempfang. Der 1. Vorsitzende des Vereins Hans Jürgen Irmer freute sich besonders über die teils hochrangigen Angehörige der sogenannten Blaulichtkräfte wie Polizei, Feuerwehr, THW und Rettungsdienste, die dem Event die Ehre durch ihre Anwesenheit erwiesen. Er begrüßte auch die Festgäste die aus vielen anderen Bundesländern gekommen waren, um Manuel Ostermann hautnah erleben zu können.  Der Chef der Polizeikräfte im Lahn-Dillkreis, Kriminaldirektor Joachim Bernhard, ließ es sich nehmen Grußworte zu der Veranstaltung der Bürgerinitiative, die im kommenden Jahr ihren 30. Geburtstag feiert, beizusteuern. Er glaube, dass die Polizei die Rückendeckung in der Bevölkerung dringend brauche und die auch habe (der ganze Saal klatscht). Bernhard lobte Irmer für dessen großes ehrenamtliches Engagement bei der intensiven Unterstützung der Polizeiarbeit.

Während vor der Stadthalle die „Verkörperung der neuen Inquisition“, mit Kamera und Mikrofon bewaffnet, darauf lauerte Interview-Partner zu bekommen, beantwortete er die Frage „Herr Schäfer, erwarten sie denn auch Nazis zur heutigen Veranstaltung“ mit „Herr Ostermann ist doch da.“ Während dessen erklomm Manuel Ostermann die Bühne im Saal. Der 35-Jährige, schon geraume Zeit bundesweit bekannte, stellvertretende Bundesvorsitzender der DPOLG (Bundespolizeigewerkschaft, Teilverband der Deutschen Polizeigewerkschaft) und Politiker (CDU) mit dem Schwerpunkt Innenpolitik ist wegen seiner klaren Worte ein geschätzter Redner und ein guter Interessenvertreter der Bundespolizisten. Er ging auch gleich in medias res.

Manuel Ostermann behauptet, dass es ohne Sicherheit keine Freiheit gäbe

Wenn sich nicht alles fundamental verändere, sehe er schwarz. „Wenn wir den Extremismus nicht mit allen Mitteln bekämpfen, bekämpft er uns.“ Die Aussagen besonders aus der Berliner Politik, Silvester sei vergleichsweise eine friedliche Nacht gewesen, mache ihn fassungslos. Ostermann lässt keine Zweifel daran, dass dem individuellen Schutzbedürfnis der Bürger aber auch den Polizeibeamten dringend Rechnung getragen werden muss. Es gäbe keine Freiheit ohne Sicherheit, so sein Resümee. Antifaschisten wären die eigentlichen Verfassungsfeinde. Dies werde unter anderem bei dem linken, tief verwurzelten Polizistenhass deutlich, sagte der Polizist, der nach eigenen Worten seinen Beruf mit Leib und Seele ausführt. Er müsse allerdings damit leben, dass er für seine offenen Worte besonders aus dem linken Lager heraus stark angefeindet und nicht selten bedroht werde.

„Wir bekämpfen die „Rechten“, darin sind wir Weltmeister. Beim Linksextremismus oder auch bei den islamistischen Steinzeit-Aktivisten, die mittlerweile mit den Linken zusammenarbeiten, schauen wir nicht so genau hin.“ „Als Vater zweier Jungs will ich nicht zuschauen, wie sich in Deutschland alles zum Negativen entwickelt.“ Wer glaube, dass der Rechtsextremismus im Lande die größte Bedrohung sei, der irre, fügte er hinzu. Im Übrigen hätten wir keine Politikverdrossenheit, sondern eine Politiker-Verdrossenheit und wir erlebten derzeit den Beginn vom Ende unserer individuellen Freiheit.

Auch die so genannte Migrantenkrise war ein Thema für den Bundespolizisten. „Merkels Spruch: „Wir schaffen das“ sei eine historische Dummheit gewesen. Angesicht der amtlich nachgewiesenen 24 täglichen Vergewaltigungen und anderer Verbrechen, gäbe es keine Migrationskrise, sondern eine Kriminalitätskrise. „Bevor wir im Bereich Integration Debatten führen, müssen wir den Zusammenbruch unseres Sozialsystems verhindern.“ Migranten mit Geld zu alimentieren stehe im Übrigen nicht im Grundgesetz. Wir müssen endlich aufhören uns zu belügen, sagte der CDU Mann und fügte hinzu, dass er von Merz erwartet hätte, dass der sofort nach Amtsübernahme diese Thematik mit den Ministerpräsidenten der Länder bespreche.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der DPOLG Ostermann wird für seine klaren Worte aus dem linken Lager stark angefeindet

In den nächsten Tagen treffe er den hessischen Innenminister und werde ihm ein frohes neues Jahr wünschen. Was die Besoldung der Polizeibeamten anbelangt, stelle sich besonders Hessen ein Armutszeugnis aus. „Ich werde Roman Poseck empfehlen zurückzutreten.“ Die ungeheuren Belastungen der Beamten im Dienst würden von der Politik monetär nicht gewürdigt. Darüber hinaus treten Journalisten und linke Politiker die Polizei pauschal für jedes und sei es noch so geringes, angebliches Fehlverhalten sofort in den Dreck.

Ostermann betonte in aller Deutlichkeit, dass kein Polizist gerne auf Menschen schießt. Daher erwarte er vom Dienstherrn in Person aller Innenminister, dass sie sich vor ihre Leute stellen. „Polizisten sind keine Maschinen, sondern Menschen“, so sein Credo. „Wir brauchen dringend Law and Order (in etwa Recht und Ordnung oder Gesetz und Ordnung)“, machte der Gast-Redner unmissverständlich deutlich. Die frei vorgetragene Rede des gebürtigen Rheiners wurde immer wieder von starkem Beifall unterbrochen.

Hans Jürgen Irmer bedankte sich bei Manuel Ostermann und betonte, dass er sich Menschen vom Format Ostermann in der großen Politik wünsche. Die Veranstaltung wurde vom Saxophon-Quartett „Saxism“ unter Leitung von Martin Zörb, dem hauptamtlichen Saxofonisten im Landespolizeiorchester Rheinland-Pfalz begleitet.

Die Musiker des Saxophon-Quartett „Saxism“ bekamen für ihre musikalischen Beiträge viel Applaus.

Der 1. Vorsitzende freute sich Ostermann und anderen Anwesende als neue Mitglieder von Pro Polizei begrüßen zu dürfen. „Dadurch ist heute die 1000er-Schwelle überwunden worden“, sagte der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete. sig/Fotos: Gerdau

Interessen der eigenen Bevölkerung wieder in den Mittelpunkt stellen

Netzfund

Von Odo Stüttgen ·

Sehr geehrter Bundeskanzler Friedrich Merz,

ich wünsche Ihnen ein gutes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2026 und ein gutes Gelingen zum Wohle unseres Landes, seiner Wirtschaft, seiner Bürger sowie von CDU und CSU!

Es ist nicht möglich, die ziemlich schwierige Lage, in der sich unser Land befindet, innerhalb von acht Monaten spürbar zum positiven hin zu verändern, in die es in rund 20 Jahren unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel und Olaf Scholz geraten ist. Dazu gehören u.a. eine Energiewende mit Atomausstieg, eine unkontrollierte Einwanderung von überwiegend jungen muslimischen Männern in großer Anzahl mit späterem Familiennachzug, sowie ein überzogener Klimaschutz. Hinzu kommt, dass Putins Krieg in der Ukraine immer noch nicht beendet ist.

Was wir Bürger jedoch erwarten ist, dass Sie, Markus Söder und die Union den angekündigten und notwendigen Politikwechsel konsequent angehen, den Lars Klingbeil, Bärbel Bas und die SPD seit dem Wahlabend ausbremsen, wo immer sich die Gelegenheit dazu bietet. Die Mitglieder und Wähler an der Basis von CDU und CSU, und nicht nur diese, erwarten eine vernünftige und bürgerliche Politik, bei der die Interessen der eigenen Bevölkerung wieder im Mittelpunkt stehen, und dem rot-grünen Zeitgeist mit seiner überzogenen Wokeness und dem Hype um Klima und CO2 Ausstoß etwas entgegen gesetzt wird. Dazu gehören u.a.:

1. dass die Beschränkung der illegalen Migration konsequent fortgesetzt wird, wozu Alexander Dobrindt erste Schritte eingeleitet hat, doch es sind in den nächsten Monaten noch einige weitere erforderlich, bevor man von einer signifikanten Begrenzung sprechen kann.

2. dass die Energiewende ohne Kernkraft korrigiert wird, und durch einen Energiemix aus erneuerbaren Energien und Kernkraft sowie einigen Kohle- und Gaskraftwerken ersetzt wird. Wann werden die mehrfach zugesagten Gutachten in Auftrag gegeben, die prüfen sollen, ob eine Reaktivierung bestehender Kernkraftwerke möglich ist?

Symbolfoto: AKW an der Rhone

3. dass das verpflichtende Ziel, unbedingt bis 2045 eine Klimaneutralität zu erreichen, aufgehoben wird, wodurch die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft und der Wohlstand unserer Bürger massiv gefährdet wird.

4. dass das Heizungsgesetz sowie das Verbrennerverbot auf EU Ebene aufgehoben wird

5. dass die CO2 Abgaben gedeckelt oder am besten ganz abgeschafft werden.

6. dass die schnellere Einbürgerung bereits nach 5 statt frühestens nach 8 Jahren abgeschafft wird.

7. dass das Selbstbestimmungsgesetz in seiner jetzigen überzogenen Form reformiert wird

8. dass eine Wahlrechtsreform kommt, die künftig jedem Wahlkreisgewinner wieder einen Sitz im Deutschen Bundestag garantiert.

9. dass die generelle Ausgrenzung der AfD von einer argumentativen Auseinandersetzung abgelöst wird, wie es sich in einer Demokratie gehört.

10. dass die SPD in ihre Schranken verwiesen wird, und falls das nicht gelingen sollte, eine Minderheitsregierung der Union erwogen wird, die ihre Vorhaben teils mit den Stimmen von SPD und Grünen, teils mit den Stimmen der AfD umsetzt.

Beste Grüße

Ihr Odo Stüttgen

Menschlichkeit, ein eher schwammiger Begriff

Nachdenkenswertes zum Jahreswechsel

Von Siegfried Gerdau

Höflichkeit, Respekt, Anstand und Rücksichtname waren einst die „Kopfnoten“ im Zeugnis eines guten Miteinanders. Der Wunsch für einen „guten Tag“, auch Fremden gegenüber, gehörte ebenso dazu, wie einem Anderen die Türe aufzuhalten. So lernte und lehrte man einst, dass es sich „gehört“ einem Älteren oder einer Älteren seinen Platz anzubieten und dies im Besonderen einer Person, die auf unterschiedlichste Weise gehandikapt ist.

Eine Gesellschaft in der sich nur der Schnellere und Stärkere ohne Rücksicht auf Verluste skrupellos durchsetzt, verliert den Respekt vor sich selber. Das deutsche Volk hatte ihn einst gegenüber seinen Mitmenschen verloren und wurde dafür hart bestraft. Die nachfolgende Generation begriff, dass das Grundgesetz Paragraf 1 Absatz 1 nicht ohne Grund in unserer Verfassung festgeschrieben wurde. Aus unserer schrecklichen Vergangenheit ergab sich auch die Erkenntnis, dass nur aus dem sorgsamen, respektvollen Umgang untereinander ein Gemeinwesen auch pekuniär profitieren kann.

Höflichkeit und Respekt gegenüber dem sogenannten „schwachen“ Geschlecht, ist eine männliche Tugend und wird auch von den „Betroffenen“ in der Regel so empfunden. Emanzipation ist absolut in Ordnung, denn eine Frau ist eben nicht nur Gebärmaschine oder Hausangestellte, sondern den „Herren der Schöpfung mindestens gleichgestellt. Dennoch gebietet es der Anstand und die Achtung ihr im wahrsten Sinne des Wortes den „Vortritt“ zu lassen.

Das Gleiche gilt auch im Straßenverkehr gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern. Wer einmal die Vorfahrt gewährt, den Blinker rechtzeitig setzt oder auch mal auf die Bremse tritt, auch wenn das eigentlich der andere tun müsste, ist immer noch männlich (oder auch fraulich) aber in jedem Fall höflich und respektvoll. Menschen die nicht Willens oder in der Lage sind, diese einfachen Regeln des höflichen Miteinanders zu akzeptieren, erfahren früher oder später am eigenen Leib, dass sie den falschen Weg gegangen sind.

Das alles gilt im Übrigen auch für ein Unwesen des gegenseitigen „in-die-Pfanne-hauens“. Denunzieren, melden und anschwärzen gilt seit einiger Zeit als Tugend, ist aber im Grunde genommen die Belebung der niedrigsten Instinkte. Die gesellschaftlichen Folgen sind Abschottung, Angst vor offenen Gesprächen und Wegbereiter von Hass und Hetze. Melde-Menschen spielen sich zu Rechthabern und einzig Wissenden auf, um von ihren eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken.

Der Artikel 2 des Grundgesetzes spricht von der Freiheit der Person und im Artikel 5 werden klare Ansagen zu Meinungsfreiheit, genauer Meinungsäußerungsfreiheit paraphiert. Sie gewährleisten das subjektive Recht auf freie Rede sowie freie Äußerung und (öffentliche) Verbreitung einer Meinung in Wort, Schrift und Bild sowie allen weiteren verfügbaren Übertragungsmitteln. Wenn diese Meinungen keine persönlichen Beleidigungen enthalten, sind sie auch nicht „meldewürdig“.

Respekt und Anstand gebieten es, eine Meinung höchstens mit einer Gegenmeinung zu beantworten, aber sicher nicht mit anonymem Anschwärzen nach Blockwartmanier. Die sozialen Netzwerke sind vielen Menschen ein Dorn im Auge, weil sich dort nicht selten der Volkszorn entlädt. Nein, das gab es früher nicht und es wurden auch keine Häuser beschmiert, Autos angezündet, Menschen mit Gewalt bedroht oder gar wegen den unterschiedlichsten Anschauungen ums Leben gebracht. Ja, das war vor vielen Jahrzehnten einmal ganz anders. Leider treten die Erkenntnisse daraus (schon wieder) immer mehr in den Hintergrund.

Es lohnt sich darüber nachzudenken. Wer schon bei seinen Kindern einfach zu begreifende gesellschaftlichen Verhaltensregeln in die Erziehung einfließen lässt, macht garantiert nichts falsch und schafft vielleicht damit die Voraussetzung für Höflichkeit, Respekt, Anstand und Rücksichtname. Bild: KI

Orgelkonzert in der Herborner Evangelischen Stadtkirche

Kurz vor Beginn der Innenrenovierung der Herborner Evangelischen Stadtkirche, weshalb die große Orgel für längere Zeit nicht zur Verfügung stehen wird, kommt die Walcker-Orgel, Baujahr 1966, am Sonntag, 28.12. um 11 Uhr nochmal voll zur Geltung.

Drei Generationen von Organisten , die langjährige Kantorin Regina Zimmermann-Emde, der aktuelle Kantor Johann Lieberknecht und der Orgelschüler Linus Wolf aus Schönbach spielen Werke von Buxtehude, Bach, Liszt und Messiaen. Dabei werden alle Facetten und Klangfarben der Orgel zu hören sein, und zwar letztmals in genau dieser Form (im Jahr 1990 fand eine Außenreinigung der Orgel statt). Im Zuge der nun dringend notwendigen Orgelsanierung werden neben zahlreichen mechanischen und elektrischen Bauteilen auch Pfeifenreihen überarbeitet und ergänzt, sodass sich ein neues Klangbild ergibt.

Texte und Gebete liest Pfarrerin. Anja Vollendorf.  Der Eintritt ist frei.

Text: Johann Lieberknecht. Foto: Jonas Müller

Was hat Abfall mit Gehirntraining zu tun?

Kommentar von Siegfried Gerdau

Gehirnjogging hat die Abfallwirtschaft Lahn/Dill ihren Kunden mit der Herausgabe ihres Abfallkalenders 2026 fürs ganze Jahr verordnet. Unübersichtlicher geht’s nun wirklich nicht mehr, meinten viele Bürgerinnen und Bürger, als sie das „Werk“ in den vergangenen Tagen aus ihren Briefkästen holten.

Bunt und mit vielen Abkürzungen gespickt, präsentiert sich ein DIN A 4 Blatt an dem sich besonders ältere Menschen mit viel Mühe abarbeiten müssen. Damit sollen nun die Haushalte „ermitteln“ wann sie ihre Abfalleimer vor den Türen abstellen können oder nicht. He, Bu, Gu, He Am, Gu, Hi oder nur Gu. Es liest sich wie die farbig unterlegte Geheimschrift aus einem Kryptografen.

Also bitte liebe Abfallwirtschaftler, das war nichts und innovativ schon mal gar nicht. Wer das verbrochen hat, sollte darüber nachdenken, ob man wirklich alles den Praktikanten überlassen kann. Farbe ist zwar schön, muss jedoch nicht über allem ausgeschüttet werden. Es gibt Dinge die man, weil bewährt, auch mal einfach so lassen kann wie sie waren.

Besonders die Seniorinnen und Senioren, aber auch die Farbenblinden unter uns freuen sich sicher schon jetzt über einen übersichtlichen Abfallkalender 2027. Aber dann bitte, bitte wieder schwarz/weiß.

Exquisites Konzert der Herborner Kantorei mit Solisten und Instrumentalgruppe

Mit einem fantastischen Adventskonzert öffnete die Herborner Kantorei die Herzen der zahlreichen Gäste in der Herborner Evangelischen Stadtkirche. Unter der Leitung von Kantor Johann Lieberknecht und der instrumentalen Begleitung des Instrumentalensemble Wetzlar/Herborn, erklangen Werke von Georg Philipp Telemann, Henry Purcel und Georg Friedrich Händel.

Kantorei-Chor mit Instrumentalgruppe

Das I- Tüpfelchen des Konzerts war ganz sicher der Auftritt von vier Solistinnen und Solisten. Ihr Einsatz deckte die häufigsten Stimmlagen wie Alt (Marie-Luise Reinhard), Sopran (Annette Meisner), Tenor (Michel Brauer) und mit seinem raumfüllenden Bass (Katamba Kazaku) ab. Der Bassist und Kantor Kazaku ist der Nachfolger des Herborner Kantor Lieberknecht an dessen alter Wirkungsstätte in Biedenkopf.

Unterstützt von Marie-Luise Reinhard und Annette Meisner eröffnete der Kantorei-Chor mit einer Komposition „Machet die Tore weit“ von dem 1681 geborenen Magdeburger Georg Phillipp Telemann. Kirchenmusik für die Sonn- und Festtage des Kirchenjahres waren unter anderem die Passion des barocken Multitaskers. Die Kantate wurde am 28. November 1734, dem 1. Advent, in Leipzig aufführte. Sie entwickelte sich bald zu einem der meistaufgeführten Kirchenmusikwerke Telemanns.

Annette Meisner

Während Annette Meisner die Sopran-Arie „Jesus komm in meine Seele…“intonierte, übernahm Michel Brauer den Tenor-Rezitativ, also den Sprechgesang „Ich will zu Einzug gern die Bahn bereiten…“. Volltönend folgte Katamba Kazaku mit der Bass-Arie „Ich will beten…“. Mit dem Choral „Warum willst Du draußen stehen…“ endete die eindrucksvolle Kantate.

Eigentlich eher der Profiliga zugehörig, hatte die Lehrerin und Altistin Marie-Luise Reinhard ihren Einsatz bei dem Auszug aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach „Bereite dich Zion…“. Ihre unvergleichliche, tiefe Stimme kontrastierte mit dem Erscheinungsbild der jungen Frau und hatte somit einen hohen Aufmerksamkeit-Faktor.

Ein Vorweihnachtskonzert ohne Georg Friedrich Händel geht gar nicht. Das bekannteste Werk des bedeutendsten Musikers der Geschichte der 1685 in Halle an der Saale geboren und 1759 in London starb, ist sicherlich das Oratorium „Messiah“. Lieberknecht hatte sich am Sonntag aber für „O praise the Lord with one consent“ entschieden. Das Werk gehört zu Händels „Chandos Anthems“, einer Sammlung geistlicher Kompositionen.

Händel nutzte den Lobespsalm 135 für das Werk „O Praise…“, um Chor und Solisten gemeinsam einzusetzen. So erscholl schon bald die geballte Ladung von Chor und den vier Solisten im Kirchenrund. Mit der Alt-Arie „Gelobt sei der Herr mein Gott“ von Johann Sebastian Bach bewies Marie-Luise Reinhard erneut ihr großes Talent. Bach hat in seinen Kantaten, Oratorien und Passionen zahlreiche Arien für die Stimmlage Alt komponiert. Diese gehören zu den ausdrucksstärksten und emotional tiefsten Momenten seiner Vokalmusik.

Blumen für Solisten und Dirigenten

Mit „Rejoice in the Lord alway“, von Henry Purcell, das oft auch „The Bell Anthem“ genannt wurde, endete ein Konzert wie man es nicht alle Tage hören kann. Die Kirchengäste goutierten die hohe Leistung aller Protagonisten wohl mit einem der längsten Beifalle in der Konzertgeschichte der Herborner Kantorei. sig/Fotos: Gerdau

Johann Lieberknecht

Vom 1. Januar bis zum 31. März 2026 geht Kantor Johann Lieberknecht in Elternzeit und wird sich um seine drei Kinder intensiv kümmern. Die Vakanz läuft in der Phase des Kirchenumbaus im Innern und passt seiner Meinung nach ganz gut in diese Zeit. Seine Vorgängerin im Amt Regina Zimmermann-Emde werde einiges übernehmen, sagt Lieberknecht. Die Dillenburger Kantorin Petra Denker hat den Chor für diese Phase nach Dillenburg eingeladen, um für das Haydn Oratorium „Die Schöpfung“ im Mai des kommenden Jahres zu proben.