Wir waren vor wenigen Jahrzehnten noch von Freunden umgeben. Aktuell zählen wir unsere Feinde. Die Russen das ist klar. Bei den Amis sind wir noch unschlüssig. Ungarn ist uns auch weiterhin suspekt und die Chinesen sowieso.

Die deutsche Industrie hat nur noch unfähige Manager. Sie sträuben sich gegen den Niedergang. Viele sind Vaterlandsverräter und gehen mit ihren Unternehmen ins Ausland. Das gilt auch für viele Facharbeiter. Die brauchen wir aber auch nicht wirklich, weil wir genug davon haben.
Wir haben auch immer noch die höchsten Steuereinahmen, aber wir brauchen noch viel mehr. Da nützt auch das „Sondervermögen“ von ein paar hundert Milliarden wenig. Unsere Freunde weltweit müssen schließlich bedient werden und wir wollen unseren guten Ruf als großzügige Geber nicht aufs Spiel setzen. Mit gelassener Überlegenheit registrieren wir die Bemühungen unserer Nachbarn, wie sie ihre Stromversorgung aus- und weiterbauen. Mit Atomkraft! Wie dumm und wenig umweltbewusst. Da sind wir doch viel intelligenter. Wir warten bis sie fertig sind und kaufen ihnen den Strom einfach ab. Wir sind dann ebenfalls auf der sicheren, weil CO2-freien Seite.
Von dem gesparten Geld bauen wir lieber Windräder en masse und bedecken die freien Flächen mit Solaranlagen. Was sind wir so schlau und wie dumm ist der Rest der Welt.
Das Sprit-Experiment läuft auf vollen Touren. Jetzt endlich haben wir die vor Jahren von der Grünen Partei avisierten 5 „DM“ pro Liter erreicht. Auch die inflationären Lebensmittelpreise zeigen Wirkung. Die Menschen kaufen weniger, bleiben dabei gesünder und verringern somit den CO2-Ausstoß. So ist allen geholfen und der Klimaschutz hat gewonnen. Mittelfristig wird der Autoverkehr reduziert und damit der Reifenabrieb auf den Straßen. Wer es sich leisten kann, den juckt das alles nicht. Wichtig ist, dass unsere politischen Führungskräfte mobil bleiben. Schließlich können sie ja ihre Akten nicht mit Lastenfahrräder transportieren. Das Flugbenzin Kerosin wird knapp, so hört man. Hier muss man gut abwägen und dafür Sorge tragen, dass wichtige Persönlichkeiten auch weiterhin fliegen können. Notfalls muss man mit einer Art Triage reagieren.
Der Mittelstand bemüht sich intensiv seine Betriebe abzubauen. Gut so. Wir müssen alle zusammen am Klimaziel arbeiten und daran, dass am Deutschen Wesen das Welt-Klima genesen wird. Der Sozialetat, der mittlerweile oberhalb von 50 Milliarden Euro per Anno liegt, wird schon bald aufgestockt werden müssen. Bei der Aufrüstung können wir uns hingegen noch Zeit lassen. Laut Experten greift uns der Russe erst 2029 an. Er wartet großzügigerweise so lange bis wir kriegstüchtig sind.
Vielleicht lassen sich durch die Gesundheitsreform noch ein paar Euro generieren. Viel Arztbesuche sind eh überflüssig und ab 60 Jahre muss man nicht mehr mit den geballten medizinischen Möglichkeiten zuschlagen. Dies würde dann auch dem maroden Rentensystem gut tun. Unter alldem sollte allerdings die Gastfreundlichkeit nicht leiden. Oberstes Gebot wird sein, die Bürger auf Verzicht zu trimmen.
„Wir seien zu faul“ sagte der Kanzler und meint damit natürlich nur die, die das Glück haben arbeiten zu dürfen. Auch das hohe Privatvermögen der Bundesbürger ist ihm ein Dorn im Auge. Da lässt sich bestimmt aber noch was machen.
Der Zahl der Bundestagsabgeordneten nach zu urteilen, haben wir die beste Demokratie weltweit. Da sind wir sogar den USA weit überlegen. Das ist mit Sicherheit auch der Grund, warum wir keinerlei Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild brauchen. Die Besten der Besten haben unser Land schließlich gut im Griff.
Sorge bereitet hingegen die Unflexiblität des Deutschen Volkes hinsichtlich des Genderns. Bei diesem elementaren Thema sperren sich noch allzuviele. Zum Schluss noch ein Wort zum Umgang mit der höchstgefählichen AfD. Dieser Partei, die von 20 Millionen gewählt wurde, folgen immer mehr Menschen. Nach Meinung der etablierten Parteien und ihrer Gefolgsleute sind die der Bodensatz der Gesellschaft. Deshalb betreiben die guten Demokraten echte Demokratie und halten die Blauen von allen wichtigen Ämtern fern und streben an die unliebsamen Mitbewerber zu verbieten. Auch die Meinungsfreiheit wird in diesem Zusammenhang, entsprechend dem Deutschen Grundgesetz, hochgehalten. Wir sind schließlich alle einer Meinung. Für Ausreißer gibt es zum Glück die Meldestellen. Oh, bald hätte ich ein sehr wichtiges Thema unterschlagen. Die Nilgans muss abgeschossen werden, sagt der Tübinger Oberbürgermeister. Diese Vögel gehören hier nicht her. Das gilt auch für Wolf, Waschbär und Braunbär genauso. Die einen vertreiben und löschen andere Arten aus oder machen sogar dem Menschen den Platz streitig. Bei den Kormoranen sieht das ein wenig anders aus. Sie stehlen den Anglern den Fisch, den die zum Überleben brauchen.
Ein Hinweis zum Schluss: Sarkasmus kann auch ein Mittel zur Frustbewältigung sein. sig