Sternstunden der Blasmusik in Bicken.

Wunderschön, war das Zauberwort der Jubiläumsveranstaltung „75 Jahre Musikzug Bicken“ unter der Leitung ihres Dirigenten Gilbert Monter. In dem einschließlich des letzten Platzes gefüllten Dorfgemeinschafthaus erlebten die Gäste ein Konzert, welches man mit Fug und Recht ohne Einschränkung Fulminat nennen darf.

Voller Saal und Spitzenklänge

Die Moderation hatte der Herbornseelbacher Friedhelm Claas übernommen und erntete für seine passenden Bonmots zusätzlich brausenden Applause. Das Sauerländer Ehepaar Bärbel und Willi Wahle begleitete mit professionellen Gesangsbeiträgen die 22 Musikerinnen und Musiker.

Drei Tage lang hatte sich die Bickener Blasmusikformation in Klausur begeben und ihr 11. Konzert so perfekt vorbereitet, dass ihnen die Herzen der Anwesenden regelrecht zuflogen. Claas begrüßte unter anderen besonders den Landrat a.D. Wolfgang Schuster, Vize Landrat Frank Interthal, den Hausherr Bürgermeister von Mittenaar Markus Deusing sowie der Altbürgermeister von Mittenaar Hermann Steubing.

Natürlich ging es am Samstagabend um Blasmusik vom Feinsten. Böhmische und Egerländer Weisen, darunter auch zeitgemäße und bereits historische Stücke begeisterten die Fans der Polka. Mit „Salemonia“, in dem bekannten Bodenseeort Salem komponiert, stiegen die Bickener in ihr Programm und dann glühten auch schon bald die Mundstücke der Flügelhörner, Trompeten, Tenorhorn, Bariton, Holzblasinstrumenten bis hin zur Tuba.

Hennig Becker, dem langjährigen 1. Vorsitzende und gleichzeitigem Perkussions-Künstler des Musikzuges, strömte die Zufriedenheit über die gelungene Veranstaltung förmlich aus allen Nähten. Wie es sich in den Kreisen der Blasmusik gehört, saßen auch zahlreiche Abordnungen befreundeter Formationen und Vereinen in den Rängen.

Am Schlagzeug Henning Becker

Ernst Mosch, dessen Namen untrennbar mit der in allen Regionen beliebten Musikrichtung verbunden ist, erfuhr durch die teilweise sehr informative Moderation von Claas zusätzlich eine posthume Würdigung. Bekannte Weisen wie „Mein Herz schlägt nur für Dich“ oder „Egerländer Musikanten spielen“ begeisterten von Anfang bis Ende.

Mit ihrem Dirigenten und Chorleiter Gilbert Monter haben die Bickener Musiker voll ins Schwarze getroffen. Einen solchen Herzblut-Dirigenten erlebt man sicher selten auf der Bühne. Wer geglaubt hatte, Dirigieren ginge nur mit den Armen, sah sich getäuscht. Monter performt mit vollem Körpereinsatz, mit Mimik und Gestik. Eigentlich mit dem ganzen Körper. Einfach nur Klasse der Mann.

„Hört ihr, wir sind wieder da…. und wie“

Bereits jetzt schon können sich seine Anhänger auf die nächsten Konzerte des Bickener Musikzuges am 1. Mai ab 11 Uhr in Erda sowie am 19. Juni in Bad Vilbel ebenfalls ab 11 Uhr beim Frühschoppen auf dem Hessentaggelände freuen. sig/Fotos: Gerdau

Zeit

Von Siegfried Gerdau

Es lässt sich nicht mehr leugnen. Die immer knapper werdende Zeit hat ihre Spuren hinterlassen. Mit ungeduldiger Unduldsamkeit rast das Leben vorbei, die eigene Langsamkeit ist beängstigend.

Diese Beiden haben ihr Verfallsdatum schon mächtig überschritten. Foto: Gerdau

Das Bewusstsein zunehmender Bedeutungslosigkeit, gepaart mit sich immer verfestigender Sicht der Dinge und dem Wissen selber nichts mehr beeinflussen zu können, macht traurig und böse zugleich.

Die ersten Schritte in die Unendlichkeit sind getan und es folgen immer mehr. Aufflammende Versuche umzukehren scheitern bereits im Ansatz. Wo einst Verständnis war, ist nur noch Unverstand.

Die überflüssige Hektik der Welt kristallisiert sich immer deutlicher als das heraus, was sie ist-nämlich überflüssig. Kaum jemand hat das Ziel vor Augen und doch steuern alle mit Todesverachtung darauf zu. Auf dem Weg dahin so viel raffen wie nur irgend möglich, als wenn die Vergänglichkeit ein Märchen sei.

Nach allen Seiten tretend, beißend, missgönnend und misstrauend bleibt das kleine unbedeutende und allzu vergängliche Leben auf der Strecke. Die Bemühungen die eigene Einzigartigkeit herauszustellen, versanken in Uniformität. Resignation und Verzweiflung macht sich breit und die Erkenntnis, dass der Daseinskampf keine Gewinner kennt, drängt sich immer mehr in das Bewusstsein.

Haus, Auto, Boot und Geld verlieren an Bedeutung und die Tatsache, dass alles nur geliehen ist manifestiert sich. Schlüsselwörter wie Krieg und Frieden, Glück und Unglück, Glauben und Unglauben, Freude und Trauer, Gesundheit und Krankheit enttarnen sich als Worthülsen mit sehr kurzer Habwertzeit.

Es gibt keine Beständigkeit außer dem Tod. Hoffnung, gepaart mit immateriellen oder vermeintlich zustehenden realen Wünschen sind der vergebliche Versuch dem festgelegten Kreislauf von Anfang und Ende ein Schnippchen zu schlagen.

Viele, allzu viele Weggefährten haben das Rennen mit der Zeit bereits verloren. Schulterzucken oder echte Trauer hilft oder schadet ihnen zumindest nicht mehr.

Gegenseitiges Abschlachten-man nennt es Krieg- ist wieder in den Bereich der Möglichkeit gerückt. Der Mensch, das angeblich einzigartige Wesen der Schöpfung, legt noch einen Zahn zu. Kriegsberechtigung, Kriegshetze, Aufrüstung, Kriegstüchtigkeit oder Kriegsverniedlichung gehören wie selbstverständlich zum verbalen Repertoire von Politik und Medien.

Die Gleichen, die noch vor wenigen Jahrzehnten all die mit einem Bann belegt und bekämpft haben, die an die Macht der Waffen glaubten, sind mittlerweile Vorreiter, wenn es heute um den totalen Krieg geht. Die, die vollmundig verkünden, keine Angst selbst vor einem Atomkrieg zu haben, werden die Ersten sein die zeitig das Weite suchen, wenn es denn soweit ist.

Die zwangsweise Zurückbleibenden müssen die Zeche zahlen und können als gesichtslose Überbleibsel auf dem heimischen „Aufmarschgebiet“ mit Stolz feststellen, für eine „gerechte“ Sache gestorben zu sein. Der Kreislauf von Geburt und Tod wird in Windeseile kleiner und kleiner und alle machen mit oder nehmen diese scheinbare Unabänderlichkeit schweigend in Kauf.

Alles wie gehabt und seit jeher praktiziert. Lediglich die Mittel sind „moderner“ geworden. Wollt ihr den totalen Krieg…. bejahten schon einmal Tausende und bekamen ihn. Was solls. Die Statistik über die durchschnittliche menschliche Lebensdauer erführe eine kleine Zäsur und alles fing wieder von vorne an-vorausgesetzt, dass die Computer noch funktionierten. Es ist höchste Zeit den Verstand einzuschalten und denen einen Korb zu geben, die meinen die Zeit des Einzelnen ohne Not verkürzen zu dürfen.  

Andachten an Schmerzpunkten der Region

In den kommenden Wochen führen Andachten zur Passionszeit zu Schmerzpunkten unserer Region: Jeden Donnerstag um 19 Uhr treffen sich Menschen dazu draußen an verschiedenen Orten wie hier unterhalb der Burgruine Siegbach-Tringenstein. Hier unsere Übersicht.

Herborn-Burg:

Donnerstag, 6. März 2025, 19 Uhr, Burger Hauptstraße 54 (gegenüber vom Burger-Eck):
Pfarrer Konrad Schullerus erinnert an den 17. Juli 1932. Mitglieder der SA überfielen den Gastwirt Adolf Kunz und schlugen ihn brutal zusammen. Kunz war eine bedeutende Gestalt in der Gewerkschaftsbewegung. Wie bereiten wir in Zeiten zunehmender Radikalisierung der Friedensliebe und der Versöhnung den Weg? 


Herbornseelbach:

Donnerstag, 13. März 2025, 19 Uhr, Hohe Straße 700, ehemalige Kaserne:
Pfarrerin und stellvertretende Dekanin Anja Vollendorf erinnert an die bis September 1993 betriebene Aartalkaserne. Hier taten Soldaten ihren Dienst, die in Bellersdof Atomwaffen einsatzbereit hielten. Wie stärken wir in Zeiten der Kriegstüchtigkeit unsere Friedensfähigkeit? Mit dabei ist Ortsvorsteher Christian Görzel.

Mittenaar-Ballersbach:

Donnerstag, 20. März 2025, 19 Uhr, Alter Stollen (Auf der Gieß / Kreuzung Bicker Weg):
Pfarrerin Sonja Oppermann erinnert an die Zeit, in der Menschen in Bunkern und Stollen Schutz suchten, als während des Zweiten Weltkrieges Flugzeuge auch in unserer Region Bomben abwarfen. 

Mittenaar-Bicken/Offenbach:

Donnerstag, 27. März 2025, 19 Uhr, Altes Pfarrhaus Bicken (Hauptstraße 21):
Pfarrer Roland Friedrich erinnert an Pfarrer Friedrich Ackermann (1929-1943), der Mitglied der Bekennenden Kirche war. 1940 wurde er vor die Wahl gestellt, sich zur Wehrmacht zu melden oder verhaftet zu werden. Was heißt es heute, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen?

Siegbach-Tringenstein:

Donnerstag, 3. April 2025, 19 Uhr, Friedhof Tringenstein (unterhalb der Burgruine):
Pfarrerin Jelena Wegner erinnert an die Burg Tringenstein, die bis 1772 Sitz des nassauischen Amtes war. In dieser Folge kam es im 17. Jahrhundert auch zur Hexenverbrennung im Amt Tringenstein. Wie gehen wir in heutiger Zeit mit unserer Angt um? Und welche Sündenböcketreiben wir durchs Dorf?  

Herborn:

Donnerstag, 10. April, 19 Uhr, Herborner Bahnhof:
Pfarrerin Claudia Sattler erinnert an falsche Weichenstellungen im Leben: Werden Weichen falsch gestellt ruckelt es. Am Herborner Bahnhof trifft man Menschen, die auf unterschiedlichsten Lebensgleisen unterwegs sind. Denis und Andreas arbeiten als Streetworker am Ort und erzählen etwas davon, was sie hier am Bahnhof erleben.
Text: Holger J. Becker-von Wolff. Foto: Gerdau

Faschingsschwimmen im Waldschwimmbad Sinn

Von Joachim Baudisch

Was war das schön: Strahlender Sonnenschein, angenehme 7°C Wassertemperatur und insgesamt 15 Mutige aller Altersklassen, die es sich nicht nehmen ließen, mit und ohne Verkleidung ins Wasser zu steigen und ein bisschen zu schwimmen. Staunend standen ca. 70 Personen am Beckenrand und applaudierten den Mutigen.


Unter sachkundiger Leitung von Steffen Kasper begutachteten Mitglieder der Karnevalsvereine aus Sinn und Fleisbach die Kostüme und vergaben Preise an die besten Kostüme.


Auf der Terrasse des Kiosks ließen es sich die Gäste mit Getränken und dem Kioskangebot an Pommes Frites, Bratwurst und auch Kreppel gut gehen.

Das Team des Waldschwimmbads Sinn bedankt sich bei allen Mitwirkenden der Veranstaltung, insbesondere auch bei der DLRG Bezirk Dill e.V., die die Badeaufsicht dankenswerterweise übernommen hatte. Fotos: Joachim Baudisch

Pub-Quiz, Karaoke und Sicherheit am Bahnhof

Von Michael Scheld

Seit Juni 2024 betreiben Franziska Hermann (29) und Anastasios Gontelos (27) das Irish Pub in der Herborner Bahnhofstraße. Ihr Konzept: eine authentische Mischung aus Pub-Kultur und Eventgastronomie für Jedermann. Irische Biersorten, Live-Musik, Pub-Quiz-Abende und Karaoke sorgen für ein abwechslungsreiches Programm.

Die beiden engagierten Pächter beschäftigen drei Minijobber und haben sich schnell einen Namen in Herborn gemacht. Ihr Publikum ist bunt gemischt, meist zwischen 20 und 40 Jahren, und genießt die besondere Atmosphäre des Pubs. Der Eintritt ist erst ab 18 Jahren erlaubt, da es sich um eine Raucherkneipe handelt. Trotz steigender Brauereipreise halten sie ihre Preise fair und orientieren sich an den umliegenden Gastronomen. Besonders die regelmäßigen Events sind für den Umsatz essenziell – und die Gäste lieben sie.

„Unser Bauchgefühl hat uns überzeugt, diese Bar zu eröffnen“, erzählen mir Franziska und Anastasios. Ihr Ziel: Menschen wieder dazu bewegen, rauszugehen, sich zu begegnen und das Miteinander zu genießen. „Bei uns ist das von Donnerstag bis Samstag möglich!“ fügen die beiden hinzu. Sie möchten in Zukunft noch weitere Events auf die Beine stellen und das Irish Pub als festen Bestandteil des Herborner Nachtlebens etablieren.

Sicherheit am Bahnhof – ein wichtiges Thema

Neben der Pub-Kultur haben wir auch über ein wichtiges Thema gesprochen: die Sicherheit am Herborner Bahnhof. Die gute Nachricht: Bislang gab es keine Zwischenfälle mit Gästen oder Polizeieinsätze im oder wegen des Irish Pubs. Im Gegenteil – das Lokal trägt zur Belebung des Bahnhofsviertels bei. Doch insbesondere für Frauen kann das Sicherheitsempfinden in diesem Bereich ein Thema sein.

Franziska und Anastasios berichten, dass ihnen bisher keine Zwischenfälle oder Übergriffe bekannt sind. Trotzdem wünschen sie sich für die Zukunft eine freundlichere und einladendere Gestaltung des Bahnhofsumfelds – etwa durch bessere Beleuchtung und eine ansprechendere Gestaltung des Bereichs vor dem Pub.

Zukunftspläne: Außengastronomie, Straßenfeste und Live-Musik

„Für die Zukunft wünschen wir uns, den Bereich vor unserer Bar – so wie es früher einmal war – wieder für Außengastronomie nutzen zu können“, erklären die beiden. Dies würde sich ohnehin nur auf die Sommermonate beschränken. Ein fester Ansprechpartner bei der Stadt wäre dabei eine große Hilfe, um entsprechende Möglichkeiten zu prüfen und umzusetzen.

Auch größere Veranstaltungen können sich Franziska und Anastasios gut vorstellen: Ein Straßenfest oder ein Fest auf dem Bahnhofsplatz könnte das Viertel noch attraktiver und lebendiger machen. Besonders spannend wäre es, ein solches Event gemeinsam mit anderen Herborner Gastronomen zu organisieren.

„Wir sind offen für alles und jeden!“, betonen sie. Besonders am Herzen liegen ihnen mehr Live-Musik-Events in Herborn zu etablieren, die jungen Nachwuchskünstlern und Bands eine Plattform bieten, um sich zu zeigen und weiterzuentwickeln. Musik und Kultur sind für sie ein wichtiger Bestandteil der Pub-Tradition – und eine große Bereicherung für die Stadt.

Anastasios Gontelos, Franziska Hermann und Michael Scheld (von links)

Ein bereichernder Abend voller guter Gespräche

Mein Besuch im Irish Pub Herborn hat mir gezeigt, wie wertvoll solche Orte für unsere Stadt sind. Sie sind nicht nur Treffpunkte für Jung und Alt, sondern beleben auch das Stadtbild und tragen zur Vielfalt Herborns bei. Das Engagement von Franziska und Anastasios verdient Anerkennung – und Unterstützung.

Das Thema Sicherheit am Bahnhof nehme ich als Bürgermeisterkandidat sehr ernst. Die Anregungen der beiden werde ich mitnehmen, denn es ist wichtig, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger in diesem zentralen Bereich wohlfühlen. Gleichzeitig finde ich es großartig, dass hier Menschen mit Ideen und Leidenschaft etwas für Herborn bewegen wollen.

Ein Abend voller guter Gespräche, irischem Flair und neuer Ideen – ich war begeistert von dem Engagement und den vielen guten Ideen der beiden und freue mich auf viele weitere Begegnungen mit den Menschen, die Herborn zu dem machen, was es ist: lebendig, vielfältig und lebenswert.

„Ich werde mich dafür einsetzen, dass Gastronomiebetriebe wie das Irish Pub die nötige Unterstützung erhalten, um ihre kreativen Ideen umzusetzen – sei es bei der Nutzung von Außenflächen, der Organisation von Veranstaltungen oder der Verbesserung der Aufenthaltsqualität im Bahnhofsviertel. Gemeinsam können wir Herborn weiterentwickeln und lebendiger gestalten.“

Viel Erfolg liebe Franzi und lieber Tasso! Fotos: privat

Autobahnkirche Wilnsdorf – der Eyecatcher

Ein modernes Kirchen-Bauwerk, das die Meinungen über miss-oder gelungen weit auseinanderdriften lässt, steht am Rande des Autohof Wilnsdorf. Fest steht, es ist ein absoluter Eyecatcher. Die Architekten schneider+schumacher aus Frankfurt a.M. durften sich offensichtlich mit ihren Ideen bei der Planung austoben. Es gelang ihnen eine weiße, schwebende Kirche zu gestalten, die mit ihrem Design bereits von der A 45 als Kirche zu erkennen ist und in der Umgebung des Autohofs Wilnsdorf zwar ungewöhnlich, aber keinesfalls einen Fremdkörper darstellt.

Wer den „ersten Schock“ bei der Betrachtung des Äußeren mit seinen charakteristischen „Fledermausohren“ überwunden hat und es wagt das futuristische Gebäude zu betreten, ist in der Regel begeistert.

Die Wabenkonstruktion aus Pressspanplatten verschafft dem Raum eine unvergleichliche Ruhe und die Innenarchitektur setzt damit neue Maßstäbe. Das überkonfessionelle Gotteshaus ist unvergleichbar und deshalb einzigartig. Durch seine Holzkonstruktion wird es der Forderung nach Nachhaltigkeit ebenso gerecht, wie einer weitgehenden Klimaneutralität. sig/Fotos: Gerdau

Kleine Anfrage mit großem Echo

Nichtregierungsorganisationen (NGO) stehen nicht erst seit einer Kleinen Anfrage der CDU/CSU unter erhöhter Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Die Wahlsieger 2025 wollen wissen, ob mit Öffentlichen Geldern auch Demonstrationen gegen sie gefördert werden und verlangen entsprechende, detaillierte Offenlegungen.

Fakt ist:

Derzeit werden zahlreiche Projekte mit einer Gesamtsumme von 182 Millionen Euro gefördert. So erhält beispielsweise die Umweltschutzorganisation BUND aus dem Programm „Demokratie leben!“ dieses Jahr 249.820 Euro, Correctiv 140.000 Euro. HateAid (Unterstützung bei Online-Hassrede und Hasskommentaren) erhält im laufenden Jahr 420.000 Euro.

Folgen wird die Anfrage für die Union keine haben

Die Bundesregierung hat jetzt 14 Tage Zeit um die Anfrage zu beantworten. Angesichts der zahlreichen Einzelfragen dürfte es ein wenig länger dauern. Mit Konstituierung des neuen Parlaments sind gleichzeitig alle, bis dahin unbeantworteten Anfragen, hinfällig. Quelle: Tagesspiegel

Was sind kleine Anfragen
Als Kleine Anfrage bezeichnet man eine auf wenige Punkte begrenzte Fragestellung eines Parlamentariers an die Exekutive, beispielsweise eines Bundestagsabgeordneten an die Regierung. Sie ist ein Instrument der parlamentarischen Kontrolle.
Das Bundesverfassungsgericht entschied im Juli 2009, die Bundesregierung müsse Kleine Anfragen umfassend beantworten. Nur so könne der Bundestag seine Aufgabe der parlamentarischen Kontrolle effektiv wahrnehmen. (Wikipedia)

Ehrungen und Verabschiedungen bei Notfallseelsorge

Zum Jahresgottesdienst der Notfallseelsorge Lahn-Dill trafen sich Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger, der Landrat des Lahn-Dill-Kreises, Carsten Braun, sowie Abordnungen von Polizei, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW) und Rotem Kreuz in der Evangelischen Kirche Volpertshausen.

Notfallseelsorgeteam

Der Jahresgottesdienst wird traditionell von der ehrenamtlichen Notfallseelsorge, Vertretern des Evangelischen Kirchenkreises an Lahn und Dill, des Evangelischen Dekanats an der Dill, des Evangelischen Dekanats Biedenkopf-Gladenbach sowie des katholischen Bistums Limburg gestaltet. In diesem feierlichen Rahmen wurden Katriene Schmoor (Greifenstein), Birgit Bäuml (Herborn), Marion Christl (Dillenburg) und Thomas Gaß (Mittenaar) durch den Superintendenten des Evangelischen Kirchenkreises an Lahn und Dill, Dr. Hartmut Sitzler, offiziell in ihren Dienst als neue ehrenamtliche Mitarbeitende eingeführt.

Das neue Team


Für ihr zehnjähriges Engagement in der Notfallseelsorge wurden Kathrin Born (Eschburg-Eibelshausen), Monika Entrop (Breidenbach-Achenbach), Gabriele Groos (Siegbach-Übernthal), Annette Hoppe (Eschburg-Eibelshausen), Uta O’Brien (Mittenaar-Ballersbach), Brigitte Ambrosius-Ruggia (Leun-Biskirchen), Hildegard Schwarz (Herborn) und Lars Thom (Braunfels-Philippstein) mit der Silbernen Ehrennadel der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ausgezeichnet. Die Ehrung erfolgte durch Dekan Andree Best sowie den Koordinator der Notfallseelsorge im Lahn-Dill-Kreis, Christian Reifert.

Eine besondere Würdigung erhielten Pfarrer Dr. Friedhelm Ackva und Peter Hermann für ihre 25-jährige Tätigkeit als Notfallseelsorger: Ihnen wurde die Goldene Ehrennadel der EKHN verliehen. Gleichzeitig wurden Hildegard Schwarz und Dr. Friedhelm Ackva aus ihrem aktiven Dienst in der Notfallseelsorge verabschiedet.

Für die stimmungsvolle musikalische Untermalung des Gottesdienstes sorgte die Band Rock-Pool unter der Leitung des Gemeindepädagogen Thomas Fricke (Katzenfurt).

Notfallseelsorge sucht Verstärkung

Die Notfallseelsorge im Lahn-Dill-Kreis sucht engagierte Helferinnen und Helfer zur Verstärkung ihres Teams. Wie der Leiter der Notfallseelsorge, Christian Reifert, ankündigte, startet Anfang März ein neuer Ausbildungskurs. Gesucht werden Menschen, die anderen in akuten Krisensituationen oder bei plötzlichen Verlusterfahrungen beistehen möchten. Interessierte haben die Möglichkeit, sich bei einer Info-Veranstaltung über die Arbeit der Notfallseelsorge Lahn-Dill zu informieren. Diese findet am Donnerstag, den 6. März 2025, um 18:00 Uhr im Haus der Kirche und Diakonie (Am Hintersand 15, 35745 Herborn) im „Raum der Begegnung“ im Erdgeschoss statt. Christian Reifert wird die Arbeit der Notfallseelsorge im Lahn-Dill-Kreis vorstellen und Fragen beantworten. Die ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen freuen sich über neue engagierte Mitglieder im Team.

Mehr im Video unter   https://youtu.be/wBhnqoiLcrQ

Text:  Jan-Christopher Krämer  |   Fotos: Holger Jörn Becker-von Wolff

Lost & Dark Places

Rezension von Siegfried Gerdau

Mit offenen Augen, einer Fotolinse und gründlicher Recherche befasst sich Andreas Stahl mit vergessenen und dunklen Orten seiner Heimat, dem Westerwald. Daraus resultierend entstand das 156-Seiten- Werk „Lost & Dark Places Westerwald“, das mit viel Augenzwinkern und einem umfangreichen Bilderpool 33 Plätze beschreibt, die vergessen wurden oder ein dunkles Schicksal bewahren.

Andreas Stahl. Foto: Monika Walther

Ob es um den Rabenscheider Reichsbahntunnel, den Erlebnispark Stöffel in Enspel, die Dianaburg in der Gemeinde Greifenstein, den ehemaligen Truppenübungsplatz Stegskopf oder den alten Lokschuppen in Dillenburg geht, Stahl war da und hat sich eingehend mit den Lost Places befasst.

Anschaulich, authentisch und sehr respektvoll berichtet er über den Massenmord in Haiger und um das Ganze etwas zu entschärfen, erwähnt er so ganz nebenbei die Haigerer Senfmanufaktur am Marktplatz. Andreas Stahl, ein Mann mit einem ausgeprägten, hintersinnigen Humor erzählt auch bestimmt nicht ganz zufällig von einer unterirdischen Toilettenanlage in Dillenburg und im gleichen Atemzug von alten Verteidigungsanlagen in der einstigen Kreisstadt.

In launiger Schreibweise, aber sehr informativ, befasst er sich mit einer ehemaligen Raketenstellung aus der Zeit des Kalten Krieges in Burbach-Lützeln und vergisst auch nicht das Lidl-Zentrallager ganz in der Nähe zu erwähnen. Selbst einige der wüsten (verlassenen) Siedlungen in der Gegend um Driedorf haben die Neugierde des Verfassers geweckt- was war geschehen, dass die Menschen ihre Heimat verließen, fragte sich bereits 1957 ein Professor als er sich mit der Siedlungsentwicklung am Osthang des Westerwaldes befasste.

Ein besonderes und eher seltenes Schmankerl sind die präzisen Ortsangaben zu seinen Artikeln. Neben der Adresse und den GPS-Daten fehlen nicht einmal eingehende Wegebeschreibungen. Mit einer im Umschlag befindlichen Karte, lassen sich Lost Places und Co zudem leicht orten.

Foto: Andreas Stahl

Fazit: Andreas Stahl hat mit seinem Buch genau den Nerv derer getroffen, die neben einer ungewöhnlich schönen Landschaft auch deren Geheimnisse erleben wollen. Neben einer reichhaltigen Bebilderung, sticht besonders der sehr gut verfasste Inhalt hervor. Auch ohne die beschriebenen Orte selber zu besuchen, regt der Autor die Fantasie und Vorstellungskraft seiner Leserinnen und Leser in hohem Maße an. Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern, werden seine Besitzer es ganz sicher mehr als einmal lesen. Das Werk, im Bruckmann-Verlag erschienen, ist für den Preis von 22,99 Euro eine gute Investition.

Deutschland deine Schulden

Das Thema Schuldenbremse ist aktueller denn je. Natürlich kann ein Staat auf Teufel komm raus Schulden machen, um Projekte oder laufende Verbindlichkeiten zu finanzieren.  Ob dies allerdings angesichts der zunehmenden Deindustrialisierung und der damit einhergehenden Steuerminderung, besonders klug ist, mag strittig sein. Fest steht, dass die Quittung den jungen oder noch überhaupt nicht geborenen Generationen vorgelegt wird. Tot gespart, wie so viele meinen, hat sich meiner Meinung nach noch nie jemand, überschuldet hingegen schon viele. Es ist bekannt, dass ein Staat nicht in Konkurs gehen kann. Zahlungsunfähig wurden allerdings schon viele. Je mehr ein Staat in wenig nachhaltige Projekte wie Rüstung, aber auch mit Einschränkung, soziales investiert, desto weniger stehen Gelder für Bildung, Infrastruktur und viele andere Dinge zur Verfügung.   sig

Aktuelle Staatsverschuldung Deutschlands

Zum Ende des vierten Quartals 2024 (23.12.2024) belief sich die Staatsverschuldung Deutschlands auf rund 2,51 Billionen Euro(1). Bei einer aktuellen Bevölkerungszahl von etwa 84,7 Millionen Menschen (Stand 30.09.2024) entspricht dies einer Verschuldung von 29.650 Euro pro Kopf.

Diese Daten veröffentlicht, dass Statistische Bundesamt. Erfasst werden dabei die Schulden des öffentlichen Gesamthaushalts – ohne die Pensionsansprüche der Beamten – inklusive des sogenannten „nicht-öffentlichen Bereichs“. Unter diesem Begriff versteht man die privaten Geldgeber, die dem deutschen Staat Kapital leihen; dazu zählen vor allem Banken, Unternehmen, Pensionsfonds und weitere institutionelle Investoren im In- und Ausland. Auch Privatanleger, die deutsche Staatsanleihen halten, gehören zu den Gläubigern.

Update: 2025 wird die wirtschaftliche Schwäche Deutschlands, verbunden mit steigenden Ausgaben und Lücken im Bundeshaushalt die Marke von 2,9 Billionen Euro Staatsverschuldung wahrscheinlich deutlich überschreiten (Schätzung: Ende Dez.’2024).

Entwicklung

Nach einigen Jahren des Schuldenabbaus kehrte sich ab 2020 der Trend um und die Schuldenmenge wuchs wieder an. Die Staatsverschuldung Deutschlands belief sich zum dritten Quartal 2024 auf etwa 2.488,6 Milliarden Euro.

Dies entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung von rund 30.200 Euro bei einer Einwohnerzahl von 83,2 Millionen. Im Vergleich zum Jahresende 2023, als die Verschuldung bei etwa 2,45 Billionen Euro lag,

bedeutet dies einen Anstieg um rund 38,6 Milliarden Euro.

Ursachen für das Schuldenwachstum waren die andauernden massiv höheren Rüstungs- und Sozialausgaben.

Allein die Kreditaufnahme für das „Sondervermögen“ der Bundeswehr erhöhte die Schulden für Verteidigung im Juni 2024 um 1,1 Milliarden Euro auf insgesamt 11,2 Milliarden Euro. Damit markiert der Schuldenstand Deutschlands einen neuen historischen Rekordstand:

Aktuelle Verteilung und Zusammensetzung

Zum Stichtag 30. Juni 2024 betrug die Gesamtverschuldung des öffentlichen Gesamthaushalts in Deutschland laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden 2.461,4 Milliarden Euro.

Die Aufteilung dieser Schulden auf die verschiedenen Ebenen war wie folgt:

Bund: 1.702,9 Milliarden Euro

Länder: 602,3 Milliarden Euro

Gemeinden: 156,1 Milliarden Euro

Sozialversicherung: 22,1 Millionen Euro

Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Bund den größten Anteil an der öffentlichen Verschuldung trägt, gefolgt von den Ländern und den Gemeinden.

Aber:  Aufschlussreich sind die Zahlen zum privaten Vermögen: So betrug das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland Ende des vierten Quartals 2023 rund 7,7 Billionen Euro 6. Eine Studie des DIW belegt, dass sich 35 Prozent des individuellen Nettovermögens in den Händen von nur einem Prozent der vermögendsten Deutschen konzentrieren.

„In fast keinem anderen Land in Europa sind Vermögen so ungleich verteilt als in Deutschland.“