Standpunkt

Von Siegfried Gerdau

Der Eklat im Wetzlarer Kreishaus, bei dem es um die Corona- „Testimpfung“ zahlreicher Mitarbeiter der Kreisverwaltung geht, wirft zahlreiche zusätzliche Fragen auf.

Wolfgang Schuster

Den Landrat des Lahn-Dill-Kreises Wolfgang Schuster (SPD) hat jetzt das erreicht, was alle hemdsärmeligen Menschen irgendwann einmal erwischt. Er hat sich wohl auf Menschen in seiner Umgebung verlassen, die es ebenfalls nicht so genau nehmen. Wie kann man nur glauben, dass man in einer Zeit, in der unendlich viele Menschen um ihre Existenz bangen und oft mit dem Tode ringen, ungestraft ein wenig Vetternwirtschaft betreiben kann. Natürlich muss man üben. Es hätten sicher auch Planspiele gereicht. Da man gerade den heißbegehrten Impfstoff zur Hand hatte, wollte man ihn auch im kleinen, aber feinen Kreis einsetzen. Was schert da die Not der Schaffer vor Ort, ob in Krankenhäusern, Altenheimen, Polizei, Feuerwehren oder den Menschen die eng und ständig miteinander umgehen. Mir fallen da spontan die Kassiererinnen in den Supermärkten ein. Sie müssen mindestens acht Stunden täglich ihre Kunden, ob infiziert oder nicht, ertragen. Warum hat man die schichtfreien Damen, aber auch Herren, nicht zum Testimpfen eingeladen?

Die Entschuldigung, dass beispielsweise ein Regierungsdirektor sich ständig in den Impfzentren aufhalten muss und offensichtlich seine Frau auch, ist einfach nur zum Schreien.  

Was mich am meisten wundert, dass gerade vor der Kommunalwahl solche Ausrutscher passieren. Ist das der Größenwahn oder die Arroganz der schon zu lange Amtierenden? Dies alles braucht die SPD nicht. Dennoch besetzen die Genossen die Schützengräben und versuchen zu retten was zu retten ist. Es ist allerdings nichts mehr zu retten. Die fast übermannshohen Wahlplakate, auf denen ihr Frontmann Schuster wider besseres Wissen für den Kreistag wirbt, wurden zu früh aufgehängt. Das würde nun nicht mehr passieren.

GEMEINSAM. Zukunft.Gestalten

Strafrechtlich ist alles kein Thema und wen schert die Moral. Zum Glück funktionierte die öffentliche Meinung und vor allem die Kollegen****innen der heimischen Presse. Wer im (Glas) Kreishaus sitzt sollte zwar nicht mit Steinen werfen, aber auch nicht überheblich werden und vor allem die Menschen nicht vergessen, die diese Sessel ganz ordentlich alimentieren.

Mein dringender Rat, den die Verantwortlichen sicher nicht hören wollen, ist: „Es genügt eine in aller Bescheidenheit, schnörkellos vorgetragene Darlegung des Fehlverhaltens und eine Entschuldigung die nicht nach Schlupflöchern sucht“.

Vor allem liebe Genossen: Der Landrat ist in allererster Linie Amtsträger und die Partei spielt dabei wirklich die allerletzte Rolle. Die Vorwürfe gehen auch nicht gegen die SPD, sondern einzig und alleine gegen die Kreisregierung und deren Boss der Landrat nun mal ist.  Fotos: Gerdau

Ein Gedanke zu „Standpunkt

  • 20. Februar 2021 um 16:59 Uhr
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    Die “ Vetternwirtschaft“ ein Wort das für mich, jedes Jahr – das Wort des Jahres- werden sollte.

    Aufklärung wird nicht voran getrieben, denn dann kommen Dinge ans Tageslicht ….die lieber nicht bei Tage betrachtet werden sollten.

    Wann verstehen unsere Politiker endlich….dass genau Ihre eigene Politik die Menschen zur AfD treiben.

    Das ist im Bund so, und das ist im Land so, wie auch in den Kreisen und Kommunen.

    Wann werden die vom Volk gewählten Amtsträger verstehen, dass Ihre ganze Aufmerksamkeit dem Wohle des Volkes und der Bürger gelten sollte.

    Aber das versteht nur …wer es verstehen kann.
    Der alte Fritz, in seinen Militärstiefeln mit zwei Hunden an der Seite …. hatte zu Lebzeiten mehr Ahnung von moderner Politik, wie die heutige Politiker.

    Ehrlich gesagt ….ich gehe nicht mehr wählen.
    Denn der alte Fritz ist Tod …..

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