Farhud-der arabische Judenmord

Von Ru Em 

Vor 84 Jahren, am 1. Juni, wurden in Bagdad Juden abgeschlachtet. Der Name dieses Ereignisses lautet Farhud – ein arabisches Wort, das sinngemäß „gewaltsame Plünderung“ oder „Pogrom“ bedeutet. Zwei Tage lang, am 1. und 2. Juni 1941, verwandelten sich die Straßen Bagdads in ein Schlachtfeld.

Sieben Jahre vor der Gründung Israels.

Sieben Jahre bevor uns bis heute erklärt wird, Israel sei die Ursache aller Probleme des Nahen Ostens. Irakische Soldaten, Polizisten und bewaffnete Banden beteiligten sich an den Ausschreitungen. Die offizielle Zahl der Ermordeten liegt bei 187. Die tatsächliche Zahl wird von vielen Historikern auf nahezu 400 geschätzt. Mehr als 2.000 Menschen wurden verletzt. Säuglinge wurden ermordet. Frauen vor den Augen ihrer Familien vergewaltigt. Jüdische Geschäfte geplündert. Synagogen verwüstet und in Brand gesetzt.

Symbolbild „Erinnerung“

Die Straßen waren voller Blut.

Eine bemerkenswerte Geschichte – insbesondere für jene, die bis heute behaupten, die arabische Welt habe sich erst nach 1948 gegen die Juden gewandt. Israel sei schuld. Die „Besatzung“ sei schuld. Die Siedlungen seien schuld. Nun gut. Hier haben wir das Jahr 1941. Kein Israel. Keine Besatzung. Keine Siedlungen. Nur Juden in Bagdad – dort, wo ihre Vorfahren bereits seit rund 2.500 Jahren lebten. Lange vor der arabischen Eroberung, lange vor dem Islam und lange vor den meisten heutigen Staaten der Region. Der Hintergrund war vergleichsweise einfach:

Der prodeutsche Militärputsch von Raschid Ali al-Gailani war zusammengebrochen.

In das entstandene Machtvakuum strömten nationalsozialistische Propaganda und der Jerusalemer Großmufti Amin al-Husseini. Jener Amin al-Husseini, der noch im selben Jahr Adolf Hitler in Berlin traf und mit ihm über die „Endlösung“ für die Juden des Nahen Ostens sprach. Der Mufti sympathisierte nicht nur mit den Nationalsozialisten. Er arbeitete für sie.

Arabischsprachige Propagandasendungen aus Berlin.

Rekrutierung muslimischer Freiwilliger für SS-Einheiten auf dem Balkan. Briefe an Himmler mit der Forderung, jüdische Kinder an der Ausreise nach Palästina zu hindern. Das sind keine Legenden. Das sind dokumentierte historische Tatsachen. Britische Truppen standen damals vor den Toren Bagdads. Sie hätten eingreifen können. Sie taten es nicht. Zwei Tage lang warteten sie. Erst danach rückten sie ein. Viele Überlebende fragten sich später, was tödlicher gewesen war: der Mob auf den Straßen oder die britische Zurückhaltung.

Besonders bewegend finde ich bis heute die intellektuelle Konstruktion, nach der Juden und Araber bis 1948 angeblich friedlich miteinander lebten und erst der Zionismus alles zerstört habe. Eine schöne Theorie. Leider passt der Farhud nicht dazu. Ebenso wenig wie die Pogrome von Constantine in Algerien im Jahr 1934.

Ebenso wenig wie die Tatsache, dass nach 1948 rund 850.000 Juden aus arabischen Ländern vertrieben wurden – aus Irak, Ägypten, Syrien, Jemen, Marokko und anderen Staaten. Menschen, deren Familien dort seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden lebten. Ohne Entschädigung. Ohne Rückkehrrecht. Ohne internationale Sonderkonferenzen.

Der Judenhass im Nahen Osten begann nicht mit Israel. Er begann nicht mit der Nakba. Er begann nicht mit den Siedlungen. Nationalsozialistische Propaganda fand in Teilen der Region deshalb so fruchtbaren Boden, weil dieser Boden längst vorbereitet war – durch Jahrhunderte von Diskriminierung, Gewalt, Pogromen und religiösen Traditionen, in denen Juden häufig als Feinde dargestellt wurden.

Der Mufti erfand den Hass nicht. Er importierte ihn, modernisierte ihn und verband ihn mit dem europäischen Antisemitismus seiner Zeit. Der Farhud endete. Die jüdische Gemeinde Bagdads überlebte noch einige Jahre. In den 1940er Jahren lebten dort etwa 150.000 Juden. In den 1970er Jahren waren es nur noch rund hundert. Heute sind es vermutlich weniger als zehn. Zweieinhalb Jahrtausende jüdischer Geschichte – ausgelöscht innerhalb weniger Jahrzehnte. Über Politik, Grenzen und Konflikte kann man streiten. Das gehört zu einer freien Gesellschaft. Aber bevor man diese Diskussion beginnt, sollte man sich wenigstens einmal im Jahr daran erinnern, was am 1. Juni 1941 in Bagdad geschah. Zum Beispiel heute.