Die Illusion, dass deutscher Fußball noch eine Rolle auf der Weltbühne spielt, ist wohl endgültig geplatzt. Das verlorene Spiel gegen Uruquay war letztlich nur der Sargnagel, der dies bestätigt hat. Es ist wohl etwas vermessen die Schmach der ehemaligen Spitze der Fußballwelt alleine der Mannschaft oder dem Trainer Nagelsmann zuzuschreiben. Möglichweise hat aber auch die immer wieder zu beobachtende Überheblichkeit gegenüber vermeintlich bedeutungsloser Gegner mit dazu beigetragen, dass die Fußball-WM 2026 für die Deutsche Mannschaft vorbei war, bevor sie richtig angefangen hatte.

Rein gefühlsmäßig nahmen die Nationalspieler die über Deutschland liegende latente Depression mit in die Arenen auf dem amerikanischen Kontinent. Die innere Zerrissenheit Deutschlands haben Auswirkungen auf Teamgeist und Zusammengehörigkeit. Wer daran zweifelt handelt genauso wie der Bundestrainer, der die psychische Komponente seiner Profis unberücksichtigt ließ. Eingefleischte Pessimisten wie ich sehen in dem Scheitern der Nationalmannschaft die Fortsetzung einer Kumulation von Fehlentscheidung und dem Abgleiten in die Bedeutungslosigkeit.
Was haben wir in den vergangenen Jahren „unseren Fußballern“ alles zugemutet. Wenn ich alleine an die Regenbogenflagge-Diskussionen denke, kommt mir heute noch die Galle hoch. An der Unterstützung durch die Fans in den Stadien hat es nicht gelegen, dass ihre Jungs so legendär scheiterten. Ob der zu erwartende Trainerwechsel etwas entscheidendes bewirkt bleibt abzuwarten.
Nach der Weltmeisterschaft ist vor der Weltmeisterschaft, aber wenn kein fundamentales Umdenken in den Spieler-aber auch den Funktionärsköpfen erfolgt, ist alles sinnlos. Nur mit Geldbergen und Streicheleinheiten lässt sich die Leistung einzelner sowie des gesamten Team nicht steigern. Das „Wir“-Gefühl unter Fahne der deutschen Nation mit dem Ziel nicht nur sich selbst alles zu geben, sondern vor allem dem eigenen Land und seinen zahlreichen Fußballbegeisterten, ist eine Voraussetzung für den Erfolg. Wie das geht, kann man vielleicht von den „kleinen“ und wenig beachteten Teams lernen. Die Spieler sind satt und selbst die neu hinzu kommenden, haben möglicherweise überwiegend das Funkeln des Geldes im Auge. Dies darf in einer WM kein Kriterium sein. Dem deutschen Fußball haben die Männer um ihren Kapitän Joshua Kimmich mit dem frühzeitigen Ausscheiden aus der WM keinen Gefallen getan und die Weltmeisterprämie im Falle eines Sieges in Höhe von mindestes 400 000 Euro pro Spieler, hat sich ja auch erledigt. Wer nun diese in meinen Augen angemessene Kritik als Stammtischgeschwätz abtut, sollte nicht vergessen, dass man es beim Fußball in dieser Liga ausschließlich mit Millionären zu tun hat. sig/Karikatur: KI