Seltene Orchideen und gelebter Naturschutz im Hoffeld

Rund 30 naturinteressierte Teilnehmer folgten am Samstag, dem 13. Juni, der Einladung der Freunde der Flora Herbornensis e.V. zu einer botanischen Exkursion in das Naturschutzgebiet Hoffeld bei Eisemroth. Unter der fachkundigen Leitung von Günther Schwab von der Landschaftspflegevereinigung Lahn-Dill e.V. erkundete die Gruppe das rund 37 Hektar große Schutzgebiet, das zu den botanisch wertvollsten Flächen der Region zählt.

Die Exkursionsteilnehmer lauschten interessiert den Ausführungen von Günther Schwab (dritter von rechts)

Das Hoffeld blickt auf eine bewegte Nutzungsgeschichte zurück: Bis in die 1950er Jahre wurde die Fläche als Hutefläche mit Rinder- und Schafweide genutzt, später diente sie als Truppenübungsplatz der Bundeswehr. Heute ist das Gebiet ein Refugium für zahlreiche seltene Pflanzenarten und ein Beispiel für erfolgreich gepflegte Kulturlandschaft.

Im Mittelpunkt der Exkursion standen die Orchideenbestände, die im Hoffeld in bemerkenswerter Vielfalt vorkommen. Die Teilnehmer konnten unter anderem das Brand-Knabenkraut sowie das Fuchs’ Knabenkraut entdecken. Darüber hinaus präsentierte sich die Fläche mit weiteren botanischen Besonderheiten wie Teufelsabbiss, Heilziest, Klappertopf und dem filigranen Zittergras, dessen zarte Blütenstände im Wind charakteristisch tanzen.

Günther Schwab erläuterte während der Führung aktuelle Maßnahmen zur Pflege des Naturschutzgebietes. Aufgrund der starken Ausbreitung der Herbstzeitlosen sei in diesem Jahr eine frühere Mahd notwendig gewesen. Bereiche mit Orchideenvorkommen wurden dabei bewusst ausgespart, um die empfindlichen Bestände zu schützen. Die Herbstzeitlose ist hochgiftig und macht Heu als Futtermittel unbrauchbar – in der Vergangenheit kam es immer wieder zu Vergiftungen von Lämmern, die die Pflanze fraßen.

Ein besonderer Höhepunkt war die Beobachtung des Brand-Knabenkrauts, das noch in voller Blüte stand. Diese seltene Orchideenart wird derzeit im Rahmen eines Forschungsprojekts der Philipps-Universität Marburg intensiv untersucht. Eine installierte Überwachungskamera dokumentiert die Entwicklung der Pflanzen und erfasst die Zahl ihrer Bestäuber. Die gewonnenen Daten sollen langfristig zum Schutz dieser außergewöhnlichen Art beitragen. Text und Bild: Anne Krüger-Zechlin

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