titelte T-Online gesternWenn (04. 08.2022)
Meinung
Kein Wunder, dass die SPD immer mehr absackt. Man hört und sieht nichts mehr von der einstigen Volkspartei und in den Medien sind fast ausschließlich die Grünen präsent. Wenn jetzt die CDU ihr konservatives Profil deutlicher schärfen würde, könnte sich das Kräfteverhältnis noch sichtbarer zu ihren Gunsten verschieben. Die Menschen im Land brauchen endlich klare Antworten auf ihre drängenden Fragen und keine Phrasendrescherei. Sie brauchen keine Spruchbeutel, die ihnen sagen, wie lange sie duschen dürfen und dass sie ruhig ein wenig für den Frieden frieren können. Sie brauchen vor allem keine gut alimentierten Dilettanten an den Schalthebeln der Macht. Es interessiert höchstens ein paar Ideologen, ob Deutschland alleine die Klimakatastrophe aufhalten kann. Die Welt wird eben nicht am Deutschen Wesen genesen. Dies gelang noch nie. Jetzt geht es um die wirtschaftliche Existenz und um den sozialen Frieden im Land.

Noch halten die Menschen still, obwohl vielen in den unteren Einkommensschichten das Wasser schon bis zum Hals steht. Sie wollen wissen, ob sie im kommenden Herbst und Winter ihre Gas-und Stromrechnungen bezahlen können und ob es genügend Energie für die Privathaushalte und vor allem die deutsche Wirtschaft gibt. Sie fragen sich, wie lange sie die ständig steigenden Lebensmittelpreise noch zahlen können. Sie wollen nicht hören, dass man überlegt, sie mit 70 noch arbeiten zu lassen. Sie wollen auch nicht ständig mit Horrormeldungen über bevorstehende Virusinfektionen überflutet werden. Vor allem wollen sie nicht hören, dass man mit Krieg den Frieden herbeibomben kann. Das deutsche Volk hat seine Lektion gelernt und begriffen, welches Leid „Großdeutschland“ über die Welt gebracht hat. Das wollen die Menschen nicht wiederholen und man hat man ihnen in den Nachkriegsjahrzehnten gründlich genug klargemacht, wie verbrecherisch das Nazi-Regime war. Wir haben gelernt, dass Krieg niemals gerecht und richtig ist. Vor allem begriffen wir, dass Angesichts der riesigen atomaren Bedrohung ein Krieg mehr denn je nur einigen Kriegstreibern und der Waffenindustrie dient. Der Rest bleibt auf der Strecke, auch wenn er auf der „richtigen Seite“ stand. Deutschland will auch nicht, dass Menschen in einem anderen Land für die deutsche Sicherheit zur Schlachtbank geführt werden. Wir hatten es geschafft unseren Kindern beizubringen, dass sie ihre Meinungsverschiedenheiten verbal austragen müssen. Das ist Diplomatie im Kleinen und sollte auch im Großen möglich sein. Wir haben Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet, obwohl wir uns lange dagegen gewehrt hatten. Heute sagen uns die, die sich noch vor wenigen Jahren auf Demos mit der Polizei wegen Wiederbewaffnung und atomarer Aufrüstung prügelten, „das war alles gestern.“ Und die einstigen Ostermarschierer tönen im Brustton der Überzeugung: „Heute geht es um die Zeitenwende und da darf man schon ein wenig bewaffnet sein und sich mit diesen Waffen zur Wehr setzen. Man habe die Wehrdienstverweigerer und Friedensmarschierer immer falsch verstanden und wenn sie junge Soldaten beleidigt und verachteten, sei das ja alles so nicht gemeint gewesen. Die kurze Epoche, der deutschen Gewaltlosigkeit steht offenbar wieder auf dem Prüfstein und die Partei, der es seit weit über hundert Jahren vor allem immer um die soziale Gerechtigkeit ging, schaut mehr oder weniger tatenlos diesem Treiben zu. Regieren geht anders und darf sich nicht im Anschauen von Gasturbinen erschöpfen. Wenn der Grüne Schwanz weiter mit dem Roten Hund wackelt und dem das scheinbar nicht mal auffällt, stimmt etwas ganz und gar nicht
Von Siegfried Gerdau
















