Die alte Zeit hautnah erleben

Das Navi mit dem Namen Hessenpark gefüttert und noch keine Stunde später parkt man (über die A45 und A5 kommend) vor den Toren einer der bekanntesten Hessischen Sehenswürdigkeiten unweit von Neu-Anspachs. Das 1974 dort angesiedelte „Freilichtmuseums Hessenpark“ hat einen Ruf, der weit über die Hessischen Landesgrenzen geht.

Der gepflasterte Marktplatz ist der gesellschaftliche Mittelpunkt des Hessenparks

Das Eintauchen in eine Welt, die es schon lange nicht mehr gibt, hat seinen ganz besonderen Reiz und zieht nicht nur Erwachsene in seinen Bann. Wer jedoch so „leichtsinnig“ ist ausgerechnet am 4. Oktober den Park besuchen will, muss sich auf lange Schlangen und volle Parkplätze einstellen. Am Tag zuvor waren es 6 000 Besucher, erfuhren wir von einem netten alten Herrn und viel weniger waren es sicher ein Tag später auch nicht.

Nach dem Passieren des Haupteingangs und dem Erwerb einer Eintrittskarte (14 Euro) verliert man sich in Fachwerkbauten, die einst zur baulichen Normalität gehörten. Ein riesiger gepflasterter Marktplatz mit Brunnen ist der Ausgangspunkt für eine Besichtigungstour ohnegleichen. Neben zahlreichen Einzelhandelsgeschäften, einem Hotel und einem Restaurant mit leckerer Speisekarte, reihen sich alte Häuser, die ehemals in hessischen Kleinstädten und Dörfer standen.

Wenn man sich vorstellt mit welch großem Aufwand und Sachverstand die abgebaut, an ihren neuen Standort Hessenpark gebracht und wiederaufgebaut wurden, steigt der Respekt für diese Leistung unaufhörlich. Unter den rund 350 überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeitern gibt es Spezialisten für alle Gewerke und das ist für den substanziellen Erhalt und den originalgetreuen Aufbau der Häuser elementar wichtig.

Scheune aus Driedorf-Münchhausen.

Wer glaubt, er könne sich die gesamte Parkanlage in ein paar Stunden „reinziehen“, ist schief gewickelt. Alleine die Tatsache, dass es fast in jedem Gebäude etwas zu erleben gibt, verschlingt Zeit, die man gerne aufbringen möchte. Auch Außenveranstaltungen wie Bauernmarkt oder aktuell ein Erntefest, faszinieren durch ihre Vielfältigkeit und diverse Mitmachaktionen. Auffällig ist, dass auch Kleinkinder in den Besucherreihen zu finden sind. Viele Menschen suchen ganz gezielt nach Häusern aus ihren Kommunen, die im Hessenpark einen Platz gefunden haben. So entdeckt man zum Beispiel ein Haus aus Driedorf- Mademühlen, dass die Armut der damaligen Zeit widerspiegelt. Auch aus Driedorf-Münchhausen haben ein Haus und eine Scheune ihren Weg nach Neu-Anspach gefunden.

In der alten Schmiede scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

Sogar drei Kirchen, eine Schmiede, eine Stellmacherei und viele alte Handwerke gilt es in Augenschein zu nehmen und es ist erstaunlich zu sehen, mit welchen, nach heutigen Maßstäben primitiven Werkzeugen gearbeitet wurde. Ein Fotogeschäft mit unzähligen Apparaten, die schon lange nicht mehr „in“ sind, fasziniert den Fotografen ebenso wie den Technik Interessierten. Mit zahlreichen Original-Exponaten wird in einem anderen Haus auf die Entwicklung des Drucks eingegangen. Unter den Spezialisten führt ein mittlerweile 91 Jahre alter Schriftsetzer sehr eloquent in die Geheimnisse des Buch- und Zeitungdrucks. Der Sachverstand der einzelnen Fachleute und die Möglichkeit sich mit ihnen ausführlich über die einstigen, teilweise bahnbrechenden Erfindungen unterhalten zu können, ist bereits das Eintrittsgeld Wert.

Der Lageplan des Parks vermittelt seine Größe sehr gut

Unbedingt muss man sich auch im „Schawellsche“ umsehen und gegebenfalls einkaufen. Dieser einzigartige Laden hat sich auf den Verkauf von Produkten aus der Holzmanufaktur „Oberurseler Werkstätten“ spezialisiert. Eine Vielzahl von Holz- und Stoffspielzeugen, traditionellen und neuen Spielen sowie hochwertigen Dekorationsartikeln werden dort von Behinderten hergestellt und nur die werden im „Schawellsche“ verkauft.

Ein Hinweis auf die Landesgartenschau 2027, in die auch der Hessenpark eingebunden ist, wirft seine Schatten voraus.

Die Menschenschlange vor der Bäckerei am Marktplatz riss stundenlang nicht ab und wer das Geheimnis des Andrangs erkunden wollte musste sich einreihen. Ein wunderschönes Haus mit Hof, der durch einen Sandsteintorbogen erreicht werden kann, liegt gegenüber einer Schule die noch von einer anderen alten Bildungseinrichtung bautechnisch getoppt wird. Wer erst zu Mittag im Park erscheint, hat bis zu Schließungszeit viel zu wenig gesehen und muss wiederkommen. Die beste Gelegenheit ist sicher der Weihnachtsmarkt 2026. Er findet im Hessenpark“ 2026 vom 28. November bis 13. Dezember jeweils samstags und sonntags von 11:00 bis 16:00 Uhr statt.

Der Hessenpark ist von März bis Oktober täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, von November bis Februar an Wochenenden und Feiertagen von 10:00 bis 17:00 Uhr.
Freilichtmuseum Hessenpark,Laubweg 5, 61267 Neu-Anspach
06081 588-0* oder 06081 588-127, www.hessenpark.de, service@hessenpark.de

sig/Fotos: Gerdau

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