Von Siegfried Gerdau
Der Garten Eden kann kaum schöner gewesen sein. Eine blühende Landschaft, von Bergen umrahmt, mit einem Klima, das selbst im Monat September keine Wünsche offenlässt, verleiht der Alpenregion Südtirol ein unbeschreibliches Flair. Fleißige Menschen haben der Gegend im Norden von Italien im Verlauf von vielen Jahrhunderten eine ganz eigene Prägung verschafft.

Südtirol. Allein schon der Name weckt geheime Sehnsüchte nach südlicher Sonne und Lebensfreude. Man spricht in dem Land an der Etsch Deutsch oder Italienisch, baut Äpfel in unvorstellbaren Mengen an und versucht den zunehmenden touristischen Zuwachs irgendwie zu händeln. Die feine Welt trifft sich zwischen Bozen und Meran, aber auch die weniger Betuchten fühlen sich hier sauwohl. Einen billigen Urlaub sucht man jedoch vergebens. Die Preise sind absolut mit denen in Deutschland vergleichbar und besonders im Beherbergungsgewerbe nach oben offen.

Wer über die Brenner-Autobahn oder über die Alpenpässe Reschen, Mendel oder Gampen kommt, taucht sofort in eine Welt ein, die an Einzigartigkeit kaum zu überbieten ist. Was sofort auffällt sind die großen und schier unübersehbaren Apfelplantagen, die sich teils bis in die Bergregionen erstrecken. „Daraus wird doch sicher ausschließlich Apfelsaft gemacht“, fragen wir Christian Haller, der inmitten seiner niedrigen Obstbäume fleißig Äpfel erntet. Keineswegs, sagte der Sohn des Hotelier und Plantagenbesitzers. „Unsere „Golden Delicious“ oder auch „Granny Smith“ und Co gehen als Essäpfel in die ganze Welt.“

Der Vinschgau mit seinem idealen Klima schafft die besten Vorrausetzungen für den Apfelanbau. (Schon vor 6000 Jahren nutzten die Menschen diese kultivierte Obstsorte, so dass Äpfel nicht nur im Garten Eden, sondern auch in der Archäologie, Mythologie, Medizin und Landwirtschaft immer wieder auftaucht.)

Der Vinschgau ist außerdem eine kleine, aber extrem hochwertige Weinregion, deren Produkte ideal zum „Vinschger Almkäse“, „Vinschger Speck“ oder dem „Südtiroler Trockenfleisch“ passen. Naturgemäß ist das Tal nicht zuletzt auch eine der spannendsten Genussregionen Südtirols. Alpin, mediterran, bäuerlich aber auch modern und das alles auf relativ engem Raum.

Wer Wandern und sich dabei auch schon mal etwas abverlangen möchte, ist in dieser traumhaften Gegend genau richtig. Der „Algunder Waalweg“ genießt bereits Kultcharakter und lockt nicht nur deshalb die Besucher in das wohl vielseitigste Dorf Südtirols. Schloss Trautmannsdorff mit seiner K&K- Geschichte rund um die legendäre Sissi oder Reinhold Messners Burg „Juval“ in Kastelbell‑Tschars, sind ein Muss für Besichtigungstouren. Meran liegt nur vier Kilometer von Algund entfernt und ist mit Auto oder Fahrrad spielend leicht zu erreichen. Busse fahren im Stundentakt und Haltestellen gibt es genug.

Die alte Stadt Bozen mit seinem modernen Flair, pulsiert im Takt der Zeit und kaum woanders treffen Geschichte und Zeitgenössisches so perfekt wie in der Landeshauptstadt aufeinander. Der Schicksalsstrom, die Etsch, fließt mitten hindurch. Der mit 409 Kilometern längste Strom Italiens bildete die kulturelle aber auch sprachliche Grenze zwischen der deutschsprachigen Bevölkerung (Tiroler) und der romanisch-italienisch geprägten Bevölkerung (Trientiner).

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben textete 1841 das Deutschlandlied. Man einigte sich Jahrzehnte später darauf das Lied, ohne die umstrittene 1. Strophe, zur offiziellen Hymne zu erklären. Diese enthielt nämlich den nicht mehr zeitgemäßen Satz (…„von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt“…
In Meran hingegen wird im Gegensatz zu Bozen überwiegend Deutsch gesprochen. Die Straßenbeschilderung ist wie überall in Südtirol grundsätzlich zweisprachig. Die 550-jährige Südtiroler Zugehörigkeit zu Österreich ist in vielen Bereichen spür- und unübersehbar. Die Trennung von Österreich (Tirol) und die Zuschlagung zu Italien war die Folge des I. Weltkrieges und wurde nie rückgängig gemacht. Aber: Die Alpenregion schaffte es die Autonomie zu erreichen. Das machte Südtirol zu einer der autonomsten Regionen Europas.

Wer ein paar Millionen investiert, bekommt ein schickes Häuschen in renommierten Lagen wie Naturns (Sonnenberg), Algund (Oberplars), Partschins (Hanglagen), Schlanders Sonnenhang, Latsch St. Martin, Laas Marmorviertel. Das sind die Top‑Premiumlagen, die im Vinschgau als „Gebiete für Reiche“ gelten. Dass die nördlichste italienische Region zugleich ihre Wohlhabendste ist, spürt auch der Algunder Gast an allen Ecken und Kanten. Freundliche Gastlichkeit, ein großes Angebot an Hotels und Gaststätten sowie eine Infrastruktur die beispielhaft ist, zeichnen den „Vorort“ von Meran aus.
Herbergen wie die „Pension Residence Blumenthalerhof“ am Leiterweg Vellau 3 sind eine sichere Garantie für einen mehr als erholsamen Urlaub. Der moderne Gebäudekomplex mit einem kleinen Pool liegt am Ortsrand verschafft einen wunderschönen Blick auf die Bergwelt und ins Tal der Etsch bis nach Meran. Die Betreiberfamilie Haller mit Vater Alois, Mutter Maria sowie den beiden Söhnen und Schwiegertöchtern, verschafft ihren Gästen eine familiäre Atmosphäre, die man in dieser Form nur selten findet.

Der Einstieg in den „Waalweg“, nur 100 Meter unterhalb des Anwesens, eröffnet Wanderwilligen ein Paradies für Augen, Ohren und natürlich den Waden. Die „Waale“ sind ein fast 1000-jähriges künstliches Bewässerungssystem, mit dem die Fruchtbarkeit des Vinschgau erst ermöglicht wurde. Die heutige wasserwirtschaftliche Bedeutungslosigkeit kommt allerdings den Wanderern zugute. Nur wenige hundert Meter entfernt verläuft eine Kleinbuslinie die den Blumenthalerhof unter anderem mit Algund und Meran verbindet. Die jedem Gast ausgehändigte Gästekarte ermöglich darüber hinaus mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln kostenlos durchs Land zu touren.

Apropos fahren. PKW mit italienischen Nummernschildern sind oft sportlich unterwegs, aber die Deutschen nicht weniger. Man fühlt sich eigentlich verkehrstechnisch ganz zu Hause. Da die italienische Regierung schon seit Beginn der Treibstoffkrise etwas für ihre Bürger tut, kostet der Sprit deutlich weniger als in Deutschland. Ob Italien allerdings eigene Ölquellen hat, ist mir allerdings nicht bekannt. Mieter von Ferienwohnungen haben keinerlei Schwierigkeiten sich in Algund mit dem Nötigsten einzudecken. Zahlreiche Geschäfte und ein Einkaufszentrum, dass jeder Großstadt zur Ehre gereichen würde, schaffen die Voraussetzungen dafür. Auch die Sauberkeit entlang der Straßen in den Städten und Dörfern ist bemerkenswert. Graffitis an Wänden sind ebenfalls die Ausnahme.

An Arbeitskräften allgemein und Servicekräften im Besonderen mangelt es auch in „Gottes Paradies“. Gerade während der Apfelerntezeit, die genau abgestimmt ist, wird dies besonders schmerzhaft deutlich. Es fehlen allenthalben Pflücker und die stehen höchstens als kraftstrotzende junge Männer vor den heimischen Supermärkten und betteln die Menschen an.

In acht bis neun Stunden schafft man die Strecke Herborn auf der A45 – A3 – A9 – A8 – B17 – Fernpass – Landeck – Reschenpass – Vinschgau mit einer Gesamtentfernung von rund 520–540 km recht leicht. Fest steht, dass wir im nächsten Jahr wieder nach Algund in Südtirol fahren werden und auch dann nicht mit unserem Wohnmobil, sondern mit dem PKW. Wir haben im Altmühltal im „Blauen Hecht“ in Kipfenberg übernachtet und das aufs Feinste.
Die Südtiroler Alpenregion mit ihren oft schmalen Straßen ist keine Gegend für WoMo‘s. Man tut sich und den Einheimischen, keinen Gefallen, wenn man mit Gefährten in dieser Größenordnung die engen Verkehrswege benutzt und dabei den fließenden Verkehr behindert. Die Provinzregierung geht mittlerweile auch energisch gegen sogenannte „Freisteher“ vor und das ist gut so. Der ohnehin in Südtirol knapp bemessene Parkraum darf nicht noch mehr eingeschränkt werden und die unkontrollierten, menschlichen Hinterlassenschaften sind nicht nur in diesem schönen Land ein Ärgernis. Fotos: Gerdau
Lieber Siggi,
vielen Dank für die exzellente Beschreibung dieses unglaublich schönen Fleckchens Erde.
Ich habe schon oft Südtirol bereist, die verschiedensten Regionen dort besucht und bin jedes Mal überwältigt von Gottes schöpferischer Vielfalt. Südtirol hat so viel zu bieten, dass es sich lohnt, dort mehrfach Urlaub zu machen. Hier noch ein paar Empfehlungen.
Der Hausberg von Bozen, der Ritten, mit einem spektakulären Blick auf die Dolomiten, Rosengarten und Schlern. Schon die Anreise zum Ritten ist ein Erlebnis. Von Bozen die Seilbahn nach Oberbozen, vorbei an den Erdpyramiden hinauf zum Hochplateau auf 1227 m. Von hier aus mit der letzen Schmalspurbahn Südtirols während einer tollen Panoramafahrt bis nach Klobenstein. Von Klonenstein aus erreicht man mit dem Bus Pemmern und steigt dort in die Rittner Horn Seilbahn ein, um auf den Gipfel zu gelangen.
Die zweite Empfehlung ist das Knottenkino in Vöran auf dem Rotseinfelsen. Der Künstler Franz Messner erschuf auf dem Felsen ein Freiluftkino mit 30 Sitzplätzen aus Edelstahl und Kastanienholz. Der Blick auf das Meraner Becken, das Etschtal und die Texelgruppe ersetzt die Leinwand. Wer lieber mit dem Auto unterwegs ist, dem empfehle ich die kleine Dolomitenrundfahrt, durch das Grödnertal zum Sellajoch, hinab ins Fasatal, über den Karerpass ins Eggental, von da aus weiter bis nach Bozen.