Führungsschwäche und Entschlusslosigkeit

Kommentar

von Siegfried Gerdau

Attribute wie Fantasie- und Entschlusslos, gepaart mit Empathielosigkeit und Starrsinn sind nicht unbedingt die besten Vorrausetzungen für eine Führungsposition. Menschen, denen es trotz dieser negativen Eigenschaften gelingt Macht über andere auszuüben, sind leider keine Ausnahme.

In der freien Wirtschaft wird Führungsschwäche jedoch schnell erkannt und man trennt sich früh genug, bevor Schäden entstehen. Sobald es jedoch in den Bereich von Ämtern geht, ist eine schmerzlose, schnelle Trennung sehr schwer oder in der Regel fast unmöglich. Je höher das Amt und je größer die Zahl der Nutznießer, die diese Schwächen nutzen, um sich unkontrolliert die Taschen voll zu machen, desto fataler erweist sich Führungsschwäche dort, wo Stärke ein unbedingtes Muss sein sollte. Entschlusslosigkeit in Verbindung mit der Priorisierung ganz persönlicher Interessen kostet Geld, schadet dem System und letztlich allen Beteiligten. Dass in einem Vakuum von Energie- und Antriebslosigkeit „Berater“ aller Couleur leichtes Spiel haben mindestens Teile der Macht zu übernehmen, ist nicht besonders schwierig. Eingebaute Kontrollmechanismen funktionieren folglich nicht mehr oder werden weitgehend außer Betrieb gesetzt.

Menschen, die darauf angewiesen sind ordentlich und gekonnt geführt zu werden, sind die ersten, die unter den genannten Missständen zu leiden haben. Sehr rasch stellen zumindest die meisten von ihnen fest, dass nichts mehr so läuft, wie es eigentlich sollte. Führungslosigkeit macht sich besonders an den „Rändern“ bemerkbar und es bilden sich in homogenen Gesellschaften teils gefährliche Vakuen. Halbherzige Versuche dieser negativen Entwicklung Herr zu werden und ihr mit unkontrollierbaren Verboten zu begegnen, scheitern meist schon im Ansatz.

Obwohl die Spielregeln in demokratischen Systemen grundsätzlich auf Volkssouveränität, Gewaltenteilung und Chancengleichheit für alle Parteien basieren, kommt es hier besonders durch Machtaneignung und Negierung von Gesetzesvorlagen zu Entgleisungen, die dramatische Folgen haben können. Wenn ideologische Exzesse zum Maß der Dinge erhoben werden, verschiebt sich der Fokus ins Negative.

Gehorchen leitet sich von dem Verb „horchen“ ab. Im Mitteldeutschen war mit gehorchen „aufmerksam zuhören“ gemeint und daran hapert es im Allgemeinen wie auch im speziellen bei den sogenannten Führungskräften. Aufmerksam zuhören empfiehlt sich ganz besonders für „Führer“ in einem demokratischen System. Schließlich gilt es die Souveränität des Volkes zu beherzigen und daher ist es Pflicht zu hören, was die Volksmeinung ist.

Führen heißt Dienen oder wie mein Vater oft sagte: Wer führen will, muss dienen lernen.“  Das ist nicht nur ein humanistischer Ansatz, sondern auch eine Philosophie, die den langfristigen Erfolg der Gesellschaft fördert. Indem politische Führungskräfte sich auf das Wohl der ihnen anvertrauten Menschen konzentrieren, schaffen sie ein Umfeld, welches von Vertrauen, Respekt und Zusammenarbeit geprägt ist.

Wie geht ein Volk von Geführten mit einer schwachen Führung um. Ganz einfach. Es nimmt sie mit Masse hin und fügt sich in die scheinbare Alternativlosigkeit. Das kann sich jedoch mit kontinuierlicher Abnahme des sozialen Gleichgewichts ändern. Wenn die Lebensumstände sich drastisch verschlechtern und der individuelle Spielraum für „Leben“ sich immer mehr verkleinert, kommen Fragen auf. Die werden dringlicher und je mehr sie unbeantwortet bleiben, desto größer wird der Unfrieden.

Das äußert sich anfänglich durch individuelle Vergrößerung der Ellenbogenfreiheit, gesellschaftliche Spaltungstendenzen und nicht zuletzt durch die Suche nach Alternativen. Jetzt wird es für Führungspersonen höchste Zeit ganz genau hinzuhören, also „dem Volk aufs Maul zu sehen“, wie einst Martin Luther empfahl.

Die Führungskraft, die jetzt aber lediglich den Machterhalt im Blick hat wird scheitern. Sie selbst muss Fehler bei sich suchen und je nach Fähigkeit korrigieren. Da sie aber genau diese Fähigkeit nicht besitzt, ist eine Trennung unumgänglich.

Tragisch ist, wenn sich die Dinge so weit verschlechtern, dass sogar kriminelle Strukturen „hoffähig“ werden und gemeinsam mit sogenannten „etablierten“ politischen Organisationen nach Macht streben, dann ist der Kollaps vorprogrammiert.

Traurig ist, dass dies auch einem Land wie Deutschland widerfahren kann und durch anhaltende Führungsschwäche auch wird.   

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