Mit geschlossenen Augen durch die Krise – Selten gab es so wenig befähigtes politisches Personal

Ein Kommentar, der mir heute Abend förmlich ins Auge sprang. Ich konnte nicht umhin, ihn hier in gerdaus-welt zu veröffentlichen.

19 Jan. 2022 06:30 Uhr

Die Machtverhältnisse in der Welt verändern sich, aber die deutsche Politik scheint unfähig, das wahrzunehmen. Statt die Verhältnisse realistisch zu sehen, wird einer Illusion gefolgt, die aus Hollywood stammen könnte. Die Aussichten, Wege aus den vielen Krisen zu finden, sind schlecht.

von Dagmar Henn

Es gibt eine berühmte Karikatur aus dem Jahr 1890, mit der damals eine britische Zeitschrift die Entlassung Bismarcks als Kanzler kommentierte. „Der Lotse geht von Bord.“ Damit wurde angedeutet, dass der junge Kaiser Wilhelm II. nicht nur wenig Kompetenz zeigte, sondern zugleich arrogant genug war, sich der vorhandenen Kompetenz anderer zu entledigen. Mit seinem Verlangen nach einem „Platz an der Sonne“ und der entsprechend aggressiven Politik führte er das Land schließlich in den ersten Weltkrieg; aber bis dahin dauerte es fast ein Vierteljahrhundert.

Doch verglichen mit dem heutigen Angebot an Kompetenz waren das selbst ohne Bismarck noch fast paradiesische Zustände. Es dürfte kaum einen Zeitpunkt in der deutschen Geschichte gegeben haben, an dem wie heute so viele gleichzeitig verlaufende Krisen auf so wenig befähigtes politisches Personal trafen. Es wirkt fast wie eine Verschwörung zum Untergang.

Wer gehofft hatte, nur Annalena Baerbock sei außerstande, die globalen Realitäten zu sehen, sieht sich mit den Aussagen, die Bundeskanzler Olaf Scholz in Spanien machte, eines Schlechteren belehrt. Russland müsse deeskalieren, erklärte er, ohne genauer auszuführen, wie weit im Landesinneren russische Truppen stehen müssten, damit sie seiner Meinung nach nicht mehr bedrohlich sind. Nur mal so zum Vergleich – die Standorte deutscher Gebirgsjäger sind nirgends mehr als zehn Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Nein, auch er unterschlägt den ukrainischen Aufmarsch und die wesentlich konkretere Bedrohung, der sich die Bevölkerung des Donbass gegenüber sieht, die täglich unter den Mörsergranaten leben muss, die die ukrainischen Truppen in ihre Richtung abfeuern. Der Balken im eigenen Auge wird nicht gesehen.

Als der ehemalige Außenminister Heiko Maas in seinem von russischer Seite veröffentlichten Schreiben zu erkennen gab, dass ihm grundlegende Kenntnisse über die Funktionsweise von Friedensverhandlungen abgingen, weil ihm nicht klar war, dass nur direkte Verhandlungen zwischen den Donbass-Republiken und Kiew überhaupt ein künftiges Zusammenleben beider Seiten in einem Staat ermöglichen könnten, offenbarte das eine erschreckende politische Ahnungslosigkeit. Dieser Zustand setzt sich fort. Und wird von großen Teilen der Medien auch noch mit Applaus bedacht, als würden sie sich jede Nacht mit Jüngers „Stahlgewitter“ in den Schlaf lesen.

„Kommt der Krieg, kommt er nicht? Eine unerträgliche Ungewissheit lastet auf Europa,“ schreibt der Tagesspiegel, dem es nicht scharf genug gegen Russland gehen kann. Als wäre Krieg etwas Erstrebenswertes und sein Ausbleiben eine Enttäuschung. Wenn man sich fragt, wie der Wahn des ersten Weltkriegs entstehen konnte, kann man hier live mitlesen. Und klar, „Putin“ muss „unter Druck“ gesetzt werden.

Dass das alles nicht funktioniert, sich Europa nur ins eigene Bein schießt damit und eine wirkliche militärische Konfrontation extrem schnell eskalieren könnte, gerade weil die NATO, nehmen wir mal die Formulierung, die 1914 gern in Bezug auf Russland gebraucht wurde, ein Koloss auf tönernen Füßen ist – das habe ich an anderer Stelle schon ausgiebig beschrieben. Dass diese äußere Krise noch von einer Legitimationskrise im Innern begleitet wird, und gleichzeitig das langsame Krümeln der Infrastruktur sich in ein reges Bröckeln verwandelt; dass das Corona-Spektakel eine weitere Umverteilungswelle von unten nach ganz oben verhüllt, aber auch dieser ökonomische Bürgerkrieg nicht endlos verborgen bleiben kann, das alles kommt noch hinzu. Aber die politische Elite des Landes tut so, als wäre alles eitel Sonnenschein.

Wie äußerte sich jüngst der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz anlässlich der zunehmenden Spaziergänge? „Ob das jetzt Corona ist oder die Flüchtlingspolitik. Oder auch die Flutkatastrophe: Da hat man teilweise die gleichen Leute gesehen, die versuchten, den Eindruck zu vermitteln, der Staat versage und tue nichts für die Menschen.“ Nein, werter Herr Haldenwang, den Eindruck muss man nicht vermitteln, schon gar nicht es versuchen. Das ist eine Tatsache, mit der wir leben müssen.

Vielleicht ist das ja ein Langzeitschaden neoliberaler Politik. Schließlich begann rund um die Einführung von Hartz IV eine Propagandisierung, die in dieser Form neu war. Wer den Sozialstaat erhalten wollte, wurde „Modernisierungsverlierer“ genannt, den der „Sozialneid“ antreibe; die Arbeitslosen, die durch die Deindustrialisierung des Annexionsgebietes erst geschaffen wurden, ruhten sich „in der sozialen Hängematte“ aus, während die Politik sich doch endlich um die „Leistungsträger“ kümmern solle.

Zwei Dinge verliefen damals parallel – die endgültige politische Kapitulation der Gewerkschaften, und die öffentliche Delegitimierung jeder anderen Haltung. Die Interessen der arbeitenden Bevölkerung wurden moralisch angegriffen und weitgehend aus der politischen Debatte verbannt.

Seitdem entwickelte sich das zum Standardverfahren in jeder Situation, die Widerspruch erzeugte. 2015 wurde jeder, der Angela Merkels plötzliche Bevölkerungserweiterung kritisch sah, sofort zum Rassisten erklärt; mit besonderer Vehemenz, wenn dabei auf die Konkurrenz um Wohnungen hingewiesen wurde. Das hatte gleich zwei Vorteile – man musste nichts tun, um die Lage auf dem Wohnungsmarkt zu verbessern, und die Vermieter konnten in der Folge massiv steigende Mieten verbuchen. Das reale Problem, dass jeder Mensch, der hier lebt, auch wohnen können muss, blieb erhalten. Die Interessen der normalen Bevölkerung wurden ignoriert (nebenbei, die der „neu hinzugekommenen“ auch), aber warum handeln oder gar Geld ausgeben, wenn ein wenig Diffamierung soweit trägt?

Ob es die Klimapolitik ist, die ganz nebenbei die deutschen Äcker der Nahrungsversorgung entzog, oder die Außenpolitik mit ihren Aggressionen, oder die Corona-Maßnahmen, es gibt nur noch eine Reaktion auf die ganz konkreten Probleme der Menschen da unten, die Beschimpfung. Wer sich gegen die CO2-Steuer wendet, weil Strom und Gas noch mehr vom Lohn fressen, ist ein Klimaleugner und schon mit dem Kunstgriff dieses Wortes (das davon lebt, im Hintergrund den ‚Holocaustleugner‘ mit aufzurufen) soweit an den gesellschaftlichen Rand befördert, dass man sich mit ihm nicht mehr auseinandersetzen muss.

Energiepreise belasten besonders Geldbeutel einkommensschwacher Haushalte

Politisch klug ist das nicht. Schließlich ist die Kooperation der Beherrschten die wichtigste Grundlage für die Macht der Herrschenden; aber wer kontinuierlich ignoriert oder beschimpft wird, wessen Interessen behandelt werden, als gäbe es sie gar nicht, hat irgendwann keinen Grund mehr, zu kooperieren. Dann tritt die Ausübung von Zwang an die Stelle der Kooperation, wie es mit dem Sanktionsregime der Hartz-Gesetze eingeführt und mit den Corona-Maßnahmen vollendet wurde; aber eine Herrschaft, die auf Zwang beruht, ist schwach.

Die Akteure wirken allerdings so, als könnten sie gar nicht anders. Als wäre ihnen nichts unmöglicher als ein Blick auf die Realität. Dass die gegenwärtige politische Generation in der Fantasie aufgewachsen ist, der Westen habe endgültig gesiegt, mag ein Teil davon sein. Dass mit der Selbstentleibung der Gewerkschaften so getan werden konnte, als gäbe es keinen Widerspruch mehr zwischen den Interessen der Beschäftigten und denen der Unternehmer, hat sicher ebenfalls dazu beigetragen. Wenn man betrachtet, dass sowohl in Frankreich als auch in Polen die Regierungen auf die steigenden Strom- und Gaspreise reagieren mussten, in Deutschland aber so getan wird, als wäre das für niemand ein Problem, kann man erkennen, wie weit die Folgen bis in Detailfragen reichen. Und die große ökonomische Heuchelei, bei der so getan wird, als wäre ein Wirtschaftssystem, das seit 2008 am Tropf der Zentralbanken hängt, quicklebendig, ja, sogar anderen überlegen, spielt mit Sicherheit ebenfalls eine Rolle.

Damals, 2008, waren sie alle in Panik. Inzwischen wird so getan, als wäre da nichts gewesen; auch wenn noch im Herbst 2019, vor Corona, in den USA eine weitere Runde Bankenrettung lief, in Höhe von 4,5 Billionen Dollar, und mit Hilfe von Corona immerhin genug Geld von unten nach oben geschaufelt wurde, um das Vermögen von Milliardären zu verdoppeln. Tatsächlich ist das der Punkt, der die ganze Phase neoliberaler Politik seit Maggie Thatcher prägt: ein hemmungsloser Griff in die Taschen der breiten Massen, um die Gewinnansprüche der aller obersten Schicht der Reichen zu befriedigen.

Ganz unauffällig ist es möglich, mit Corona das Gesundheitssystem endgültig auf die reine Gewinnerzielung zuzurichten; seit viele Ärzte mit dem lukrativen Impfen beschäftigt sind, stockt die ganz normale Gesundheitsversorgung; der Impfzwang reduziert das ohnehin knappe Pflegepersonal weiter, und wenn das Corona-Theater vorüber ist, werden sich die Deutschen mit einer wesentlich schlechteren Versorgung zufrieden geben, so die Erwartung, weil das immerhin wieder etwas mehr sein wird als jetzt, unter Corona.

Eine solche Situation, in der ein ökonomisches System seine eigenen Grundlagen vertilgt und die Lebensverhältnisse der Bevölkerungsmehrheit sich kontinuierlich verschlechtern, gibt es nicht zum ersten Mal. Vor einigen Tagen stolperte ich über folgendes Zitat: „So lässt sich am Ende der Feudalperiode zum Beispiel in Frankreich ganz außerordentlich deutlich beobachten, wie die feudale Basis zur Finanzierung der Kosten der herrschenden Klasse nicht mehr ausreicht und wie sich diese dann zunehmend nicht nur am Mehrprodukt, ja selbst am Konsumptionsfonds der Bauern, sondern auch am bürgerlichen Eigentum vergreift, bis das Bürgertum, unterstützt von den Bauern und den plebejischen Schichten der Städte, den Weg der Revolution geht, um die Steigerung seines Reichtums zu sichern.“ Es stammt aus dem zweiten Band der Geschichte des Alltags des deutschen Volkes von Jürgen Kuczynski. Davor beschreibt er eine identische Situation am Ende des römischen Reiches.

Wenn also, ob wegen Klima oder wegen Corona oder für die zehnte Bankenrettung den einfachen Menschen das Leben zur Hölle gemacht und erst die Wurst, dann die Butter vom Brot genommen wird, ist das, genau wie die Schlaglöcher in den Straßen oder das in Stücke geschlagene Bildungssystem ein Versuch, auf Kosten der Mehrheit ein System am Leben zu halten, das nur einer winzigen Minderheit nutzt, dessen Zeit aber längst abgelaufen ist.

In jenem Moment der Panik 2008, als nach der Pleite von Lehman-Brothers das ganze ineinander verwobene Bankensystem wie ein gigantisches Domino zu stürzen drohte, wurde ein kurzer Blick in den Abgrund geworfen. Dann wurde die Gelddruckmaschine angeworfen und seitdem stehen sie alle mit dem Rücken zu diesem Abgrund und tun so, als sei alles in bester Ordnung.

Es gibt Mechanismen in unserem Parteiensystem, die eine Negativauslese fördern. Der einfachste besteht darin, dass jene, die alle ihre Ressourcen auf die Sicherung ihrer eigenen Position verwenden, statt sich mit realen politischen Problemen zu befassen (was eigentlich die Aufgabe wäre), immer bessere Chancen haben, sich durchzusetzen. Wer sich brav darauf beschränkt, im Mainstream seiner Partei zu schwimmen, hat weniger Gegner als jemand, der eigene politische Gedanken entwickelt. Sprich, es gibt eine strukturelle Tendenz hin zu unauffälligem, nicht an Politik, sondern an Karriere interessiertem Personal.

Der Abgrund im Rücken stärkt die notwendige Tendenz der Wirklichkeitsverleugnung weiter. Wenn man dann hinzunimmt, dass spätestens seit der Debatte um die Einführung von Hartz IV die moralisierende Abwertung politischer Gegner zum Standard gehört und das Aussprechen materieller Interessenskonflikte völlig tabuisiert ist, erklärt sich die wahnhafte Selbstsicht jener immer kleiner werdenden Gruppe, die für sich in Anspruch nimmt, „die Gesellschaft“, „die Demokratie“ und „die Wissenschaft“ zu verkörpern. Sie können gar nicht anders.

Die vielfach ineinander verflochtenen Ebenen der Krise sorgen dafür, dass nur jenes politische Personal das „Weiter so“ vertreten kann, dass die Selbsttäuschung perfektioniert hat. Das sich an eine Umgebung von Claqueuren gewöhnt hat. Das, wie Baerbock, schon mit der Missachtung der Kleiderordnung signalisiert, sich für etwas Besseres zu halten, und in einer Umgebung, die nicht wie erwartet huldigt, sogleich aus der Rolle fällt.

Sie können die Veränderungen, die in der Welt gerade geschehen, nicht begreifen, weil sie dafür die Augen öffnen müssten, und es ihr Lebensprinzip ist, sie fest geschlossen zu halten. Sie taugen nicht dazu, aus der Krise herauszufinden, weil ihre Existenz darauf beruht, sie zu verdrängen. Aus der historischen Distanz wird man vielleicht sagen können, dass sie den Zustand dieser Republik so passend verkörpern wie Wilhelm II. den des deutschen Kaiserreiches. Leider erreichen wir diese Distanz nur, wenn sie vorher nicht noch die Welt in Brand setzen.

Quelle: Linke Zeitung 19.01.2022

1500 Impfzweifler demonstrierten friedlich in Herborn mit Video in gesamter Länge

Von Siegfried Gerdau

Wieder einmal marschierten sie, diesmal am heutigen Samstag in Herborn (15. 01. 2022) „für eine freie Impfentscheidung, Menschlichkeit & ein neues Miteinander“. Die Initiative „Herborn steht auf“ (HSA) hatte zu einer angemeldeten Demonstration unter der Leitung des in Herborn wohnenden Thomas Espey aufgerufen. Die Teilnehmer Frauen, Männer und Kinder 1500 an der Zahl (die Polizei sprach von 1400 und die Veranstalter von 2000) trafen gegen 15 Uhr auf dem Schießplatz ein und versammelten sich im Bereich der Rednertribüne.

Auch einige Krankenpflegerinnen nahmen an dem Protestmarsch teil.

Allenthalben sah man rote Luftballons in Herzform und viele Menschen trugen Transparente, mit den mittlerweile bekannten Parolen. Es war ja schließlich die dritte Demo ihrer Art in Herborn. Die Polizei unter Führung des Herborner Polizeichefs Markus Schmitt war recht zahlreich und sogar mit zwei Dienstkrädern vertreten. Allesamt zeigten sich die teils sehr jungen Kolleginnen und Kollegen ziemlich unaufgeregt und hatten die Lage von Beginn bis zum Ende voll im Griff.

Nach dem Entrée, bei dem Espey unter anderen den Veranstaltungsleiter von Wetzlar, Heiko Schuster sowie viele Teilnehmer mit Migrationshintergrund in deren jeweiligen Sprache begrüßte, ging er sachlich und unpathetisch auf den Demonstrationsanlass ein. Es gab viel Zustimmung aus den Reihen der Anwesenden, die seine Worte mit Trommeln und Tröten unterstrichen. Irgendwann setzte sich der lange Zug in Bewegung. Die Polizei sicherte die Menschenschlange ab und die Fahrzeuge auf der Haupt-und Westerwaldstraße mussten sich in Geduld üben.

Zwei Fahnen wurden während des Rundgangs eifrig geschwenkt. Das eine war die bundesdeutsche Flagge, die andere, die Stadtfahne von Wetzlar. Die wurde von den Wetzlarer Freunden der HSA, „Bürger steht auf“ mitgeführt.

Randalierer, Demagogen und politische Wirrköpfe suchte man in den Menschenpulks tatsächlich vergeblich. Zum Glück, meinte einer der Teilnehmer. Man bezeichne sie zwar allesamt als Nazis, Querdenker und Coronaleugner, aber das treffe sicher nur auf einen verschwindend kleinen Teil zu, der aber in Herborn augenscheinlich nicht anwesend war. Die Masse der Teilnehmer nähmen ihre Rechte als freie Bürger in Anspruch und demonstrierten gegen staatliche Willkür. Nach der sehr geordneten Rückkehr vom Gang durch die Herborner Altstadt gab es noch zahlreiche Redebeiträge auf dem Schießplatz.  

   

Hier ist das Video, das ich selber von der Demo erstellt habe. Da ich es in voller Länge einstelle, hatte ich ein wenig Arbeit damit. Mir ist es wichtig, dass ich all das zeige, was ich selber wahrgenommen habe. Nur so kann man sich selber ein Bild von den Geschehnissen machen.

Leider gibt es derzeit keine andere Möglichkeit das Video aufzurufen. Es geht nur wenn man bei Youtube den Namen: Corona Demo 15 01 2022 in Herborn eingibt. Viel Spaß beim anschauen

Aktuelle Corona Regeln in Hessen ab 11.01.2022

EINHEITLICHE

MASKENPFLICHT

• Im Freien: Maskenpflicht, wenn Abstände nicht eingehalten werden können.

• Drinnen: Maskenpflicht (med. Masken) auch am Sitzplatz. Ausnahme: Gastronomie.

TREFFEN

• Im öffentlichen Raum dürfen sich maximal 10 Personen treffen.

• Ist bei einem Treffen im öffentlichen Raum eine ungeimpfte Person dabei, gilt:

Nur der eigene Haushalt plus max. 2 Personen eines weiteren Haushalts.

• Diese Regeln werden auch für Treffen im privaten Raum empfohlen.

Außerdem sollte man sich davor testen lassen.

ARBEITSPLÄTZE

Geregelt durch das Bundesinfektionsschutzgesetz:

•Der Zutritt zur Arbeitsstätte ist nur Arbeitgebern und Beschäftigten mit

3G-Status erlaubt.

•Ungeimpfte müssen im Zweifel selbst für Testnachweise an allen

Arbeitstagen sorgen.

•Beschäftigten muss Homeoffice ermöglicht werden –

es sei denn, dies ist aus betrieblichen Gründen nicht möglich.

SCHULE

• Präsenzunterricht für alle Klassen. Negativnachweis: 3x pro Woche.

• Maske im Schulgebäude und auch am Sitzplatz.

• Bei Coronafall in der Klasse: 14 Tage tägliche Tests.

• Testangebot auch für geimpfte und genesene Schülerinnen und Schüler

(mind. 1 x pro Woche).

KITA • Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen (konstante Gruppen).

SPORT

• Drinnen: 2G-Pflicht.

• Im Freien: Keine Einschränkungen.

KULTURSTÄTTEN

(MUSEEN, GEDENKSTÄTTEN ETC.)

VERANSTALTUNGEN,

(THEATER, KINO ETC.)

ÜBER 10 PERSONEN

• Drinnen:

Ab 11 bis 100 Personen: 2G sowie Abstands- und Hygienekonzept.

Ab 101 Personen: 2G plus sowie Abstands- und Hygienekonzept.

Maximale Veranstaltungsgröße: 250 Teilnehmende.

•Draußen:

Ab 11 bis 100 Personen: Abstands- und Hygienekonzept.

Ab 101 Personen: 2G sowie Abstands- und Hygienekonzept.

Maximale Veranstaltungsgröße: 250 Teilnehmende.

Ausnahme: Kein 3G /2G bei Volksfesten oder ähnlichen Veranstaltungen.

Örtliche Sonderregeln bleiben möglich.

Ausnahmen weiterhin bspw. für berufliche Zusammenkünfte.

Gottesdienste: 3G dringend empfohlen.

KÖRPERNAHE

DIENSTLEISTUNGEN

•2G-Pflicht, Ausnahme: 3G bei Friseuren und medizinisch und hygienisch

notwendigen Behandlungen.

•FFP2 Maskenpflicht.

EINZELHANDEL • 2G außerhalb der Grundversorgung (Grundversorgung: Supermärkte,

Apotheken, Drogerien usw.), Maskenpflicht.

GASTRONOMIE

• Drinnen: 2G-Pflicht und Maskenpflicht bis zum Platz.

• Drinnen und im Freien: Abstands- und Hygienekonzept.

CLUBS/

DISCOTHEKEN

• Der Betrieb von Tanzlokalen, Clubs und Diskotheken ist nunmehr landesweit

und unabhängig von der Infektionsinzidenz vor Ort untersagt. Ein regulärer

Gastronomiebetrieb ist dort möglich.

HOTELS UND

ÜBERNACHTUNGEN

• 2G-Pflicht für touristische Übernachtungen; ansonsten 3G mit

 täglichen Tests.

• 2G für die Nutzung von Gemeinschaftseinrichtungen (Speisesäle,

Schwimmbäder pp.).

ÖPNV

Geregelt durch das Bundesinfektionsschutzgesetz:

•3G-Pflicht.

•Maskenpflicht im Fahrzeug und in den Bahnhofsgebäuden.

HOCHSCHULEN

•Überwiegend Präsenz-Semester.

•3G-Pflicht und Maskenpflicht auch am Platz.

PROSTITUTIONS –

STÄTTEN • 2G plus Test-Pflicht, Hygienevorgaben und Kontaktdatenerfassung.

Regelungen für Genesene und Geimpfte

• Weiterhin Pflicht zum Maske-Tragen und Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln.

• Keine Quarantänepflicht nach Reisen oder Kontakt zu Infizierten, Ausnahme: Es bestand Kontakt zu einer in

 Deutschland noch nicht verbreiteten Virusvariante oder Einreise aus einem Virusvarianten-Gebiet.

• Drinnen: 2G-Pflicht.

• Im Freien: Keine Einschränkungen.

3G Genesen, geimpft oder getestet.

2G Geimpft oder genesen. Zusätzlich Personen, die sich aus

 medizinischen Gründen nicht impfen lassen können (mit

 Attest) und Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren mit

 Schülertestheft oder aktuellem Schnelltest.

 Maskenpflicht und Abstandsregeln bleiben bestehen.

2G plus Geimpft, genesen und tagesaktuell getestet. Menschen mit

 (dritter) Auffrischungsimpfung benötigen keinen Test.

 Maskenpflicht und Abstandsregeln bleiben bestehen

Definition von 3 G, 2G und 2 G Plus

3G Genesen, geimpft oder getestet.

2G Geimpft oder genesen. Zusätzlich Personen, die sich aus

 medizinischen Gründen nicht impfen lassen können (mit

 Attest) und Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren mit

 Schülertestheft oder aktuellem Schnelltest.

 Maskenpflicht und Abstandsregeln bleiben bestehen.

2G plus Geimpft, genesen und tagesaktuell getestet. Menschen mit

 (dritter) Auffrischungsimpfung benötigen keinen Test.

 Maskenpflicht und Abstandsregeln bleiben bestehen.

Stand: 11.01.2022, Quelle: Hessische Staatskanzlei

Achtung! Aktueller Zusatz

Ab Dienstag (18.01.2022) gilt im LDK Maskenpflicht in Einkaufszentren und Fußgängerzonen. Auch der Alkoholkonsum an von Publikum stark frequentierten Orten ist untersagt.

Das Tragen von medizinischen Masken gilt von 8 bis 18 Uhr in Herborn an Wochenmarkttagen auf dem Kornmarkt, Holzmarkt und der Hauptstraße von der Einmündung Ottostraße bis Sandweg.

Der Inzidenzwert liegt aktuell bei 415,6, also oberhalb der markanten Schwelle von 350.

Diese Verfügung läuft gemäß Kreisverwaltung vorerst bis zum 10 Februar 2022. Es sei denn der Wert unterschreitet bis dahin den 350er Pegel.

Als das Hochwasser nach Herborn kam

Von Siegfried Gerdau

Der Beginn des Jahres 1984 brachte eine Reihe von Gewittern und schweren Hochwassersituationen über das Lahn-Dill-Gebiet. Auch Herborn war betroffen. In den frühen Morgenstunden des 7. Februars stand die Altstadt von Herborn fast zwei Meter unter Wasser. Die Erdgeschosse und Keller der Häuser waren allesamt überflutet und die Menschen mussten in die höher gelegenen Stockwerke flüchten.

Der Herborner Marktplatz am 7. Februar 1984

Privat-und Geschäftsleute traf es gleichermaßen schlimm. Es fehlte fast allen der Versicherungsschutz für Fälle höherer Gewalt. Der verstorbene Fotograf und Bildberichter Franz Krämer hatte alles auf Filmmaterial gebannt. Sein Sohn, Rolf Krämer gab mir freundlicherweise die Genehmigung, ein Teil der historischen Fotos in meinem Blog zu veröffentlichen.

Hauptstraße Ecke Sandweg

Eine denkwürdige Abhandlung zum Thema, welches aktueller denn je ist, gibt es von Lorenz King und Anja Schnettler unter der Überschrift: „Hochwasserschutz gestern-heute-morgen.“ (http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2008/5562/pdf/SdF-1992-2_27-33.pdf)

Herborner Kriegsgräberstätte-ein Mahnmal gegen den Krieg.

Von Siegfried Gerdau

Tagtäglich hört und sieht man wieder die Mächtigen in Ost, Fernost, Europa und den USA mit den Säbeln rasseln. Es ist nicht zu fassen. Überall auf der Welt gibt es Krieg, sterben Mensch und Tier. Der letzte große Krieg, der Millionen Opfer forderte, ist noch gar nicht so lange her. Für die „großen“ Staatsmänner offenbar schon zu lange.

Ein Spaziergang über die Herborner Kriegsgräberstätte machte mir wieder deutlich, was für ein Verbrechen es ist, Menschen aufeinander und in den Tod zu treiben. Erinnerungsplaketten machen sie nicht wieder lebendig und doch sind die Plaketten wichtige Mahnzeichen.

Viele Kriegstote aus mehreren Ländern haben hier auf der Herborner Kriegsgräberstätte, oberhalb des Friedhofes, ihre letzte Ruhe gefunden.

Ich habe mir beim Betrachten der Namenschilder das Alter der jungen Menschen intensiv vor Augen geführt. Eine ganze Generation aus vielen Ländern wurde verheizt und in den Tod geführt. Viel gelernt haben wir offensichtlich nichts daraus. Wenn ich sage wir, dann meine ich wirklich uns alle. Wenn niemand mitmachen würde, dann müssten die Kriegstreiber den Krieg unter sich ausmachen. Aber leider kann man Menschen aufeinander hetzen wie scharf gemachte Hunde. Wer‘s nicht glaubt, braucht sich nur umzuschauen. Es wird im Kleinen gehetzt, wie auf der großen Weltbühne.

Politiker machen da keine Ausnahme. Heute vielleicht etwas subtiler als früher. Für die Einen ist der Russe das personifizierte Böse (früher war es für die Deutschen der Erbfeind Frankreich), für die Anderen sind es die Amerikaner oder der Chinese. Es wird gedroht und schon wieder Atom-Raketen gegeneinander aufgewogen.

Die, die es einst ausbaden mussten, liegen unter der Erde. Die meisten von ihnen hatten nicht mal mehr ein Grab, weil sie von Bomben und Granaten so zerfetzt wurden, dass nichts mehr von ihren Körpern übrig blieb. Sie können nichts mehr von ihrem Leid und den Entbehrungen erzählen. Hätte auch vermutlich wenig gebracht.

Wir sind wieder wer und müssen es der Welt zeigen. Ein bisschen Frieden stiften und dabei mal eben über 50 junge Deutsche in Afghanistan opfern. Für nichts. Deutschlands „Interessen“ in Mali vertreten? Gleichzeitig werden die einstigen kolonialen Großmachtallüren der Kaiserzeit von denen gegeißelt, die heute die Marschbefehle mit unterzeichnen. Ein Gang über den Kriegsgräber-Friedhof-früher hieß so etwas noch Heldenfriedhof-schafft zumindest für kurze Zeit wieder Ordnung im Hirn. Kann ich nur wärmstens empfehlen. Leider findet der für viele nur zum Volkstrauertag statt- früher war das der Heldengedenktag. Was für ein Irrsinn. Helden sind die, die nicht in Kriege ziehen und da könnten wir uns an den Schweizern orientieren. Fotos: Gerdau 

Alles Bio bei natur pur in der Herborner Westerwaldstraße

Von Siegfried Gerdau

Naturkost natur pur in der Herborner Westerwaldstraße 36 ist nicht nur ein Slogan. Der Bio-Laden der diplomierten Ökotrophologin (Dipl. oec. troph.) Nicole Besserer, verkörpert die Philosophie einer biologisch einwandfreien Ernährung, wie kaum ein anderer in der Region. Auf dem Gelände der ehemaligen Molkerei, mit dem markanten Schornstein, betreibt die Mutter zweier Kinder ein Ladengeschäft, welches jedem Vollsortimenter alle Ehre machen würde. Der entscheidende Unterschied zum herkömmlichen Lebensmittelgeschäft: Alles was in den Verkaufsräumen angeboten wird ist zu einhundert Prozent Bio. Ein Großteil der Waren kommt aus der Region und davon, wie dort die Produktion abläuft, überzeugt sich Nicole Besserer immer persönlich.

Der barrierefrei Zugang und genügend Parkplätze machen den Einkauf leichter.

1995 begann sie mit der Vermarktung von Bio-Produkten in der Herborner Turmstraße. Das Geschäft lief und elf Jahre später folgte der Umzug in größere Räume gegenüber der Post. Als sich ihr die Möglichkeit bot, Natur pur noch mehr weiterzuentwickeln zog sie 2016 an den jetzigen Standort. Hier entspannte sich auch das leidige Parkproblem. Das wissen besonders die, auf fahrbare Untersätze angewiesenen, Kundinnen und Kunden sehr zu schätzen.

Auf 300 Quadratmeter Verkaufsfläche ist es der Unternehmerin nun möglich alle Einkaufswünsche der Kundschaft zu befriedigen. Drei Aushilfen und acht Verkäuferinnen, davon eine Auszubildende, sorgen dafür, dass der Einkauf reibungslos und fachlich auf hohem Niveau abläuft. Der Umzug führte nicht zu einem Einbruch der Verkaufszahlen, im Gegenteil, sagte Besserer. Die Kunden seien sozusagen mitgezogen und ihre Zahl habe sich sogar stark vergrößert.

Man könne jedoch davon ausgehen, dass es überwiegend Stammkunden seien, die ihren Bio-Laden besuchen. Deren Zahl sei mittlerweile relativ konstant. Das Einzugsgebiet im Bereich zwischen Siegen und Wetzlar, Westerwald und Aartal sei relativ groß. Der Verkaufsschwerpunkt bei natur pur liegt im Frische-Bereich mit Obst, Gemüse, Käse und Milch-Produkte. „Das ist natürlich auch alles Bio“, sagt die Chefin.  

Nicole Besserer verkauft seit einem viertel Jahrhundert alles was Bio ist.

Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz bei natur pur stark an. Das war auf Corona zurückzuführen, meint Nicole Besserer. Die Leute tätigten Hamsterkäufe und kauften auch vermehrt gute Lebensmittel ein, um selber zu kochen, weil die Restaurants geschlossen waren. Obwohl die Preise bei natur pur etwas über dem allgemeinen Preisniveau liegen, kommen die Kunden. „Das liegt daran, dass sie mir und meiner Produktauswahl vertrauen und sich darauf verlassen, dass meine Waren gut und schadstofffrei sind“, glaubt sie. Die Qualität sei auf einem hohen Niveau und dass, was sie anbietet, entspreche absolut ihren eigenen Ansprüchen. Die gesamte Kette vom Erzeuger bis hin zum Verbraucher sei so, wie sie sein sollte. Die Produzenten beispielsweise bekämen vernünftige Preise und außerdem unterstütze sie auch noch soziale Projekte, wie die „enkeltaugliche Landwirtschaft“. Dabei gehe es unter anderem darum, endlich die Pestizide von den Äckern herunterzubekommen und eine giftfreie Landwirtschaft durchzusetzen, macht Besserer deutlich. „Wenn wir so weiter machen wie bisher, schaffen wir Bio selber ab, weil sich das alles gar nicht mehr sauber trennen lasse. Es wird mittlerweile so viel Gift gespritzt, dass es überall, also auch auf den Bio-Flächen landet. Das alles möchten die Menschen, die bei mir einkaufen mit unterstützen“, so die Geschäftsinhaberin.   

Nicole Besserer hilft auch Saatgut-Initiativen, damit die Bio-Bauer unabhängig von den Saatgutkonzernen bleiben. Darüber hinaus ist ihr die ökologische Tierzucht ein großes Anliegen.

Diese hochmoderne Luftreinigungsanlage schützt Kundinnen, Kunden und Personal vor Infektionen.

Beim Betrachten des umfangreichen Warenangebotes stößt man vor den Kühltheken, die allesamt mit umweltfreundlichem Strom betrieben werden, auf eine große, grüne Säule. Was auf den ersten Blick wie eine überdimensionierte Kaffeemaschine aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als eine hochmoderne Raumluft-Desinfektionsanlage. Damit, so erzählt Frau Besserer, wird die Raumluft ständig mittels UV-Technik desinfiziert. Gleichzeitig werde diese auf den aktuellen CO2-Gehalt, sowie deren Luftfeuchtigkeitsgehalt kontrolliert. Das Gerät sorgt über eine automatisierte Lüftungsanlage für Frischluftzufuhr von außen, um die Übertragung von Viren durch belastete Aerosole einzudämmen oder ganz zu verhindern. Schlecht belüftete Räume erreichen hohe CO2-Werte und diese sind vermutlich ein Hauptfaktor für die massenhafte Verbreitung von Covid-19 und Co. Was sich beim Kauf von Bio-Waren positiv für die Verbraucher bemerkbar macht, setzt sich bei der gesunden Luft in den natur pur-Verkaufsräumen fort. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 bis 18.30 Uhr, Samstag 8.30 bis 13 Uhr. Kontakt phone: 02772 2274,Mail: info@naturkost-herborn.de. Fotos: Gerdau

Falsche Aussage über Herborner Demo zurückgenommen

Von Siegfried Gerdau

Die sogenannten „Spaziergänge“, ob angemeldet oder nicht, beherrschen derzeit die Medien. Am vergangenen Montag fand eine angemeldete Demonstration von zirka 600 Menschen in Herborn statt, die sich, wie auch auf der vor Weihnachten, gegen Corona-Maßnahmen der Regierung richteten. Der Hessische Rundfunk berichtete darüber und mit mindestens einer Aussage waren zahlreiche Hörer überhaupt nicht einverstanden und brachten gegenüber dem Sender ihren Unmut zum Ausdruck.

Originalton HR am 4. Januar 2022

In einem Brief an die Sendeleitung forderten viele aufgebrachte Hörer, diese ihrer Meinung nach wahrheitswidrigen Fakten zu korrigieren. Eine meiner Leserinnen schickte mir ihren Brief an die Sendeleitung zum Abdruck in gerdaus-welt.de.

Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit äußere ich mich zu einem Bericht, den Sie gestern am 4.1.2022 gesendet haben. Es ging um
die Demos in Mittelhessen.
Ich muss schon sagen, dass ich über die Aussagen, die Sie über Herborn und Wetzlar getroffen haben,
sehr enttäuscht bin.
Auch Sie veröffentlichen Dinge, ohne diese selbst überprüft zu haben.
Ich war von Anfang bis Ende als Ordner bei der Demo in Herborn anwesend und kann Ihnen
versichern, dass diese absolut friedlich verlief und mir und den anderen Ordnern keine Menschen mit
rechtsradikalem Hintergrund, aufgefallen sind.
Am Anfang der Veranstaltung hat der Organisator auch deutlich darauf hingewiesen, dass diese
Gruppen nicht toleriert werden und uns als Ordner angewiesen, wenn uns in dieser Richtung etwas
auffällt, sofort die Polizei darüber zu informieren.
Was ist nur los mit den Journalisten und Moderatoren, der Presse? Sollten diese nicht kritisch zu
allem stehen?
Wenn Menschen einfach alles glauben und Meinungen und Lügen übernehmen, ohne selbstständig
zu denken und zu recherchieren, dann ist das wirklich schon sehr schlimm. Wenn aber Journalisten
und Presse das ebenfalls nicht tun, sondern selbst Lügen verbreiten und Lügen nicht aufdecken, dann
ist das nicht zu tolerieren, sondern absolut zu verurteilen. Das ist meiner Meinung nach, Verrat an
der Gesellschaft!
Daher bitte Sie von ganzem Herzen, für die Wahrheit einzustehen, richtig zu recherchieren und Lügen
aufzudecken.
Ich bitte Sie, Ihre negativen Aussagen bezüglich der Demo in Herborn richtig zu stellen und mir den
entsprechenden Termin mitzuteilen.
Vielen Dank!
Zum Schluß noch eine Bibelstelle, die jedem Mensch eine Warnung sein soll.
Jesaja 5, 20
Wehe denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die Finsternis als Licht bezeichnen und Licht als
Finsternis.
Mit freundlichen Grüßen

Absender der Redaktion bekannt.

Zur allgemeinen Verwunderung antworteten die Verantwortlichen des HR wie folgt:

Korrektur: hr1

Falsche Aussage in Reportergespräch

Veröffentlicht am 06.01.22 um 15:01 Uhr

Am 4. Januar 2022 gab es in der Sendung „hr1 am Mittag“ ein Reportergespräch zu den „Spaziergängen“ in Mittelhessen. Dabei wurde gesagt, dass bei der angemeldeten Demonstration in Herborn (Lahn-Dill) auch Mitglieder der rechten Szene demonstriert haben. Diese Aussage ist falsch und entspricht nicht dem Stand unserer Recherchen. Die Aussage bezog sich auf andere Veranstaltungen in Mittelhessen und nicht auf Herborn.

Wir bitten für diesen Fehler um Entschuldigung.

Quelle: Hessischer Rundfunk

Kommentar zur heutigen Herborner Demo

Von Siegfried Gerdau

Es war ein Wetter, bei dem man ganz sicher keinen Hund vor die Tür schickt. Dennoch trafen sich heute am späten Montagnachmittag (3.1.2022) geschätzte 550 Demonstrantinnen und Demonstranten auf dem Großparkplatz hinter dem Burger Bürgerhaus. Auch viele Polizeibeamtinnen und Beamte, sowie Mitarbeiter vom Herborner Ordnungsamt hatten das „Vergnügen“ vor Ort zu sein und sich im Dauernieselregen, um Recht und Ordnung zu kümmern.

Der Parkplatz hinter dem Burger Bürgerhaus füllte sich.

Die Veranstalter, um ihren Hauptredner Thomas Espey, hatten 60 eigene Ordnerinnen und Ordner entlang der Strecke vom Bürgerhaus, Burger Landstraße und zurück verteilt. Nach einer relativ kurzen Ansprache von Espey, in der er sehr intensiv auf die einzuhaltenden Corona-Bestimmungen und die Abgrenzung von Rechtsextremen pochte, setzte sich der Zug in Bewegung.  

Es waren über 1000 Teilnehmer gemeldet, aber das ungemütliche Wetter hat sicher mit dazu beigetragen, dass gerade einmal die Hälfte zu der Veranstaltung kamen. So dominierten Regenschirme und wetterfeste Bekleidung. Die Abstandsregel wurde auch nicht immer und überall eingehalten. Auch sah man so gut wie niemand mit einer Mund-Nasen-Schutzbedeckung. Warum eigentlich nicht, mag sich manch Unbeteiligter gefragt haben.

Die Ordner hatten ebenso wie die Polizei keinen Grund einzugreifen.

Ungeachtet dieser Tatsache, muss man der Demonstration einen absolut friedfertigen Verlauf bescheinigen. So soll es sein und man bewegte sich absolut auf dem Boden des Grundgesetzes. Von durch die Straßen ziehenden braunen Horden, wie manche Kommentatorinnen in den vergangenen Tagen behaupteten, war wieder nichts zu sehen und zu hören. Zum Glück. Das mag andernorts nicht so zu sein. Herborn ist scheinbar wirklich anders.

Ihre Bedenken gegen die Impfung machten die Demonstranten auf Schildern deutlich.

Fakt ist dennoch. Ob wir das inzwischen voll in der Mutation befindliche Virus mit Ignoranz und Verneinung bekämpfen können, ist sehr fraglich. Ja sicher, man kann nein sagen und alles ablehnen, was die Verbreitung von Covid-19 oder mittlerweile Omikron stoppen oder mindestens verlangsamen könnte. Das sollte man aber mit sich selber im stillen Kämmerlein aushandeln und nicht andere Menschen in Gefahr bringen. Wer für sich diese Entscheidung trifft, verdient Respekt. Vorausgesetzt, er respektiert auch den Wunsch der „Gegenseite“ nach Unversehrtheit.

Die Spaltung der Gesellschaft in Gute und Schlechte, muss so schnell wie möglich ein Ende haben. DIE Wahrheit gibt es nicht, aber wenn sich Laien anmaßen Experten den Verstand abzusprechen, wird es einfach nur noch albern. Jeder Einzelne hat für sich gute Gründe sich so zu verhalten, wie er sich verhält. Dennoch verlieren wir das Ganze nicht aus den Augen und versuchen uns einander zu nähern. Es lohnt sich. Fotos: Gerdau

Sind Impfverweigerer Ketzer oder Hexen?

Von Siegfried Gerdau

Das Corona-Virus in all seinen Variationen bedroht nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern auch die gesellschaftliche Einheit. Während ein großer Teil der Bevölkerung darauf hofft, sich durch geeignete Mittel vor den aggressiven und lebensgefährlichen Erregern schützen zu können, gibt es in unserem Land Millionen Menschen, die eine Impfung aus den unterschiedlichsten Gründen ablehnen.

Das Land ist schon (zu) lange in Geimpfte und Ungeimpfte gespalten. Jede Gruppe nimmt für sich in Anspruch, sich richtig zu verhalten und verharrt in diesen beiden Haltungen unnachsichtig und oftmals feindselig.

Während die Impfüberzeugten zu den Arztpraxen oder in die Impfzentren gehen, laufen die Verweigerer auf die Straßen zum Demonstrieren.

Demonstration von Impfverweigerern in Herborn. Foto Gerdau

Eine solche Demonstration soll auch heute am späten Nachmittag im Herborner Stadtteil Burg stattfinden. Die dritte ihrer Art in dem beschaulichen Herborn innerhalb von vier Wochen. (gerdaus-welt berichtet wieder aktuell.)

Ich habe mich seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 immer wieder mit Covid-19 beschäftigt und mir aus gegebenem Anlass auch aktuelle Meinungen verschiedener Medien-Vertretern angeschaut.

Es ist richtig und wichtig, wie von Freien Medien in einer Demokratie gefordert, alle Seiten möglichst unvoreingenommen zu beleuchten. Dies wird umso deutlicher, wenn ein Mann wie Claus Kleber kurz vor seinem letzten Auftritt im „Heute Journal“ sagt: „Ideologie ist für einen Journalisten „immer der faulste Weg.“ Wer eine bestimmte Weltanschauung abonniert habe, brauche nicht mehr lange nachzudenken und zu recherchieren, da schon alle Entscheidungen gefallen seien. „Ideologie vergiftet den Journalismus“, so sein Resümee.

Wir müssen den Dialog mit Impfgegnern aufrechterhalten, meint Kolumnist Michael Herl in der FRANKFURTER RUNDSCHAU. Die innere Bedrohung unserer Demokratie durch eine Allianz von Impfgegner mit rechten Gruppierungen sei gegenwärtig. Sie müsse aber von unserer Demokratie ausgehalten werden. Denn Meinungsvielfalt sei „eines der höchsten Güter in der Geschichte der Menschheit“, schreibt der Journalist. Er wolle Impfgegner mit Fakten überzeugen und ihnen keine Vorwürfe machen.

Wissenschaftsredakteur Philip Bethge warnt im SPIEGEL davor, „aus Wut die alleinige Schuld bei den Ungeimpften zu suchen. Die derzeitige Corona-Welle sei auch die Folge eines schweren Regierungsversagens. Bundesregierung, aber auch Landesregierungen und Kommunen hätten auf die Warnungen der Wissenschaft viel zu spät reagiert. Die Schließungen der Impfzentren und die wieder kostenpflichtigen Tests, hätten der Bevölkerung ein völlig danebenliegendes Sicherheitsgefühl vermittelt. Es habe lange genug die Möglichkeit gegeben die Impfquote zu erhöhen, schreibt der Journalist. Die meisten Ungeimpften seien „keine Schwurbler“. Vielmehr seien sie „verunsichert, ängstlich, uninformiert, oftmals auch nur bequem.

„Grenzt die Impfgegner aus!“, fordert Thomas Laschyk auf dem linken Onlineblog VOLKSVERPETZER. Diese Menschen argumentativ zu erreichen sei nur „naiv“. Deren Mehrheit seien laut Umfrage der Bundesregierung radikalisierte Wissenschaftsfeinde. Neun von zehn Impfgegnern sei es egal, wenn ihre Mitmenschen auf der Intensivstation landeten.

Der Journalist Henryk M. Broder hingegen kritisiert in der WELT die wütende Stimmungsmache gegen Ungeimpfte in Deutschland. Schon lange sei von den Regierungsverantwortlichen ein Ende der Pandemie in Aussicht gestellt worden. Die nun steigenden Infektionszahlen, trotz „Millionen Geimpfter, frustriere die Menschen. „Diesen Frust lassen viele nun an den Ungeimpften aus“, glaubt Broder. Mit diesem einfachen Freund-Feind-Denken – Geimpfte gegen Ungeimpfte – mache es sich die Gesellschaft zu einfach in der Pandemie. Der für seine harsche Kritik bekannte Kolumnist legte noch eine Schippe drauf: „Die Art und Weise, wie öffentlich über das Drittel der Deutschen gesprochen wird, das sich bisher gegen eine Impfung entschieden hat, weckt in mir Erinnerung an finstere Zeiten. Diese Menschen erfahren im Moment eine Aufmerksamkeit, „wie sie früher nur Ketzern, Hexen, Deserteuren, Volksschädlingen, Friedensfeinden und asozialen Elementen zuteilwurde“, findet Broder. Doch „auch für Impfgegner, Impfskeptiker und Impfkritiker“ gelte das Recht auf Selbstbestimmung und freie Meinungsäußerung, fügt er hinzu.

Herborn trauert um Rüdiger Wilhelm Störkel.

Von Siegfried Gerdau

In tiefer Trauer denke auch ich an den Mann, den ich so lange ich ihn kenne, immer verehrt habe. Rüdiger Wilhelm Störkel ist am 26. Dezember 2021 nach relativ kurzer, schwerer Krankheit von uns gegangen. Der langjährige Stadtarchivar hat in seiner 40-jährigen Amtszeit tiefe Spuren in Herborn hinterlassen. Auch nach seiner offiziellen Pensionierung war er immer für seine Stadt da. Bescheiden und nie in vorderster Reihe stehend, stellte der leidenschaftliche Historiker sein beispielloses Wissen jedem, der danach verlangte, zur Verfügung.

Rüdiger Störkel war nicht nur ein anerkannter Historiker und Buchautor, sondern auch ein brillanter Redner. Foto: Gerdau

Unzählige Male kam ich in den Genuss, davon profitieren zu können. Seine überragenden Geschichtskenntnisse konnte er wie kein anderer bildlich darstellen und man fühlte sich dabei in die jeweilige Epoche zurückversetzt.

Jeder kannte den Mann mit Hut und Rucksack. Wenn er durch die Stadt eilte, vermittelte er stets den Eindruck keine Zeit zu haben. Immer war er zu Fuß unterwegs und ob er überhaupt einen fahrbaren Untersatz hatte, wusste wohl niemand so genau. Nur einmal fragte ich ihn vor Beginn einer Laudatio, ob ich am Ende seines Vortrags sein Manuskript haben könnte. Er schaute mich mit seinem einnehmenden Lächeln an und sagte: „Manuskripte habe ich noch nie gebraucht.“ Ich fragte ihn nie wieder und hatte den Schreib-Stift aber immer schon in Bereitschaft, wenn ich mit ihm zu tun hatte. Er starb mit 73 Jahren, nur wenige Wochen nach dem Tod seines Vaters, der die Hundert überschreiten durfte.

Es tut weh, wenn ein Mensch seines Formates die Welt verlassen muss. Ich hatte so oft ich ihn traf immer eine Frage und es war klar, mit einer knappen Antwort war nie zu rechnen. Er wusste alles mit Namen, Daten und den jeweiligen Zusammenhängen. Einmal ritt mich der Schalk und ich bot ihm an sein Wissen per USB-Stick abzuzapfen. Wir haben beide herzlich bei dieser Vorstellung gelacht. Seine Herzlichkeit und fröhlich-gewinnende Art war es, die es ihm leicht machte, die Herzen der Menschen zu gewinnen. Wenn er jedoch fest von einer Sache und dem geschichtlichen Hintergrund überzeugt war, konnte Rüdiger Störkel auch sehr hartnäckig sein. Das löste nicht selten lange Dispute im Kreis seiner Freunde und Mitstreiter aus. Der Herborner Geschichtsverein, wird sein langjähriges Wirken noch schmerzlich vermissen.

Rüdiger Wilhelm Störkel, ich verneige mich vor diesem großen Menschen. Mit sehr viel Mitgefühl denke ich an seine Lieben und kann ihren Schmerz so gut nachvollziehen. Mein herzliches Beileid.