Abgeordnetendiäten am Beispiel Baerbock

Die Bezeichnung Diät kommt von altgriechisch δίαιτα díaita und wurde ursprünglich im Sinne von „Lebensführung“/„Lebensweise“ verwendet. Die Diätetik beschäftigt sich auch heute noch wissenschaftlich mit der „richtigen“ Ernährungs- und Lebensweise. Im deutschsprachigen Raum bezeichnet der Begriff bestimmte Ernährungsweisen und Kostformen, die entweder zur Gewichtsabnahme oder auch Zunahme… Umgangssprachlich wird der Begriff in Deutschland häufig mit einer Reduktionsdiät (Reduktionskost) zur Gewichtsabnahme gleichgesetzt. Er bildet somit ein Synonym zur Schlankheitskur (Wikipedia).

Transparenz nennt Annalena Baerbock die Selbstauskunft auf ihrer Internetseite. Das ist sehr schön und auch in Teilen gefordert. In diesem Zusammenhang und völlig unabhängig von der Person Annalena Baerbock ist es interessant, einmal in die Brieftaschen unserer Volksvertreter zu schauen.

Annalena Baerbock ist seit 2018 Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und seit 2013 Abgeordnete des Deutschen Bundestags. Zuvor war sie von 2009 bis 2013 Landesvorsitzende der GRÜNEN in Brandenburg. Sie studierte an eigenen AngabenPolitikwissenschaft und Völkerrecht in Hamburg und London, arbeitete in Straßburg und Brüssel und lebt inzwischen in Brandenburg.

Meine Einkünfte

Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages sollen in die Lage versetzt werden, möglichst effektiv und unabhängig ihre Aufgaben zu erfüllen. Daher bekommen die Parlamentarier*innen eine finanzielle Entschädigung (Diäten), die sie entsprechend einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes selbst festlegen und versteuern müssen. Derzeit (1. Halbjahr 2021) betragen die Diäten monatlich 10.083,47 €. Die monatliche Entschädigung steigt jährlich zum 1. Juli. Grundlage ist die Entwicklung des vom Statistischen Bundesamt ermittelten Nominallohnindex, also der durchschnittlichen Lohnentwicklung in Deutschland. Wegen Corona hat der Bundestag einstimmig beschlossen, die automatische Erhöhung der Diäten in diesem Jahr auszusetzen.

Als Abgeordnete kann ich zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung wählen. Ich selbst bin weiterhin gesetzlich versichert, weshalb der Bund als Arbeitgeber und ich als Arbeitnehmerin anteilig zur Krankenversicherung beitragen.

Meine Abgeordnetenentschädigung muss ich voll versteuern.

Weihnachts- und Urlaubsgeld erhalten Mitglieder des Deutschen Bundestages nicht und Werbungskosten können bei der Steuererklärung nicht geltend gemacht werden. Dafür gibt es eine Kostenpauschale (Amtsausstattung, siehe unten). Als Altersentschädigung erhalten Bundestagsabgeordnete für jedes Jahr der Mitgliedschaft je 2,5 % der Abgeordnetenentschädigung bis zu einer Höchstgrenze von 67,5 %. Auch die Altersentschädigung muss voll versteuert werden.

Als Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bin ich von der Zahlung der Mandatsträger*innenbeiträge an meine Partei (normalerweise 19% vom Bruttoeinkommen abzüglich Kinderfreibeträge) befreit.

 Veröffentlichungspflichtige Angaben

In Kürze gebe ich ein Buch heraus und habe diese Angaben gegenüber der Bundestagsverwaltung gemeldet. Meinen Anzeigepflichten gegenüber dem Präsidenten des Deutschen Bundestages entsprechend den Verhaltensregeln für die Mitglieder des Deutschen Bundestages bin ich vollumfänglich nachgekommen.

Zusätzlich zu meinen Parlamentsfunktionen übe ich folgende unentgeltliche Funktionen aus:

     Mitglied des Parlamentarischen Beirates des Bundesverbandes Erneuerbare Energie e.V. (BEE), Berlin

    Mitglied des Flüchtlingshilfevereins Hand in Hand Potsdam e.V.

    Zweite Vorsitzende im Kita-Förderverein

 Amtsausstattung und Kostenpauschale

Zusätzlich zu den Abgeordnetendiäten steht uns Abgeordneten eine sogenannte Amtsausstattung als Aufwandsentschädigung zu, die sowohl Sach- als auch Geldleistungen umfasst. Der Bundestag stellt folgende Büroausstattung bereit:

    Büro am Bundestag in Berlin mit 2 Computern und 1 Laptop, Drucker, Telefon, Fax und Möblierung

    Jeweils ein Computer und Drucker für die beiden Wahlkreisbüros sowie 1 Laptop.

   Weitere Einrichtung muss aus der Kostenpauschale angeschafft werden. Diese Ausstattung ist für die Dauer der Abgeordnetentätigkeit vom Bundestag geliehen und muss nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag            zurückgegeben werden. Die Kostenpauschale beläuft sich derzeit auf 4.418,98 € monatlich und wird jährlich angepasst.

Von dieser Summe müssen alle mandatsbedingten Ausgaben bestritten werden. Das beinhaltet unter anderem:

    Miete und Nebenkosten meiner zwei Wahlkreisbüros in Potsdam und Frankfurt (Oder),

    Einrichtung meiner zwei Wahlkreisbüros in Potsdam und Frankfurt (Oder),

    Fahrten im Wahlkreis (bei mir das gesamte Bundesland Brandenburg),

    Büromaterial,

    Porto,

    Telekommunikation,

    Bezug regionaler Zeitungen,

    Telefonkosten für Diensttelefone meiner Mitarbeiter*innen,

    Reisekosten (Hotel, Taxi, PKW),

    Veranstaltungen,

    Flyer und Broschüren im Wahlkreis,

Die Kostenpauschale wird bei Nichtanwesenheit gekürzt: Bei unentschuldigtem Fehlen werden 200 € beim Verpassen eines Sitzungstages mit Plenum, 100 € an Sitzungstagen ohne Plenum abgezogen. Auch bei entschuldigtem Fehlen zum Beispiel wegen Krankheit gibt es einen Abzug von 100 € pro Sitzungstag. Beim Verpassen einer namentlichen Abstimmung werden von der Aufwandspauschale ebenfalls 100 € abgezogen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Wir Abgeordneten des Deutschen Bundestags erhalten ein Budget für Mitarbeiter*innen von derzeit monatlich 22.201 € (Arbeitgeberbrutto). Von diesem Budget beschäftige ich derzeit 8 Mitarbeiter*innen (5 in Berlin, 2 in Potsdam, 1 in Frankfurt (Oder)). Dieses Budget ist nur für Mitarbeiter*innengehälter und deren Reisekosten vorgesehen. Wird das Budget nicht ausgeschöpft, verfällt es.

Büroausstattung

Zur Ausübung ihres Mandats erhalten Abgeordnete Leistungen, die dazu bestimmt und geeignet sind, sie bei ihrer parlamentarischen Arbeit zu unterstützen. Hierzu gehören zum Beispiel auch die Bereitstellung eines eingerichteten Büros am Sitz des Deutschen Bundestages in Berlin sowie die Nutzung der Kommunikationssysteme (Telefon, Internet, E-Mail, Software). Für ihre Büroausstattung steht den Abgeordneten jährlich ein Betrag von höchstens 12.000 € zur Verfügung. Diese Summe wird nicht in bar ausgezahlt, vielmehr müssen sich die Mandatsträger ihre Büroausstattung selbst beschaffen und sich die Kosten erstatten lassen. Dazu gehören vor allem Büromaterial, Geräte wie Laptops mit Zubehör, Diktier- und Faxgeräte, mandatsbezogene Fachbücher, Schreibgeräte, Briefpapier, die IT-Ausstattung ihrer Wahlkreisbüros, Mobiltelefone sowie Mobilfunk- und Festnetzverträge. Auch die Telefonkosten, die im Wahlkreis entstehen, können aus diesen Mitteln bestritten werden. Nicht in Anspruch genommene Mittel eines Jahres verfallen zum Ende desselben.

Anmerkung

Seit meiner Wahl zur Bundesvorsitzenden von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN werden die Kosten, welche für meine Homepage anfallen, nicht mehr über den Deutschen Bundestag abgerechnet.

Meine Kontaktadresse

Annalena Baerbock

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Platz vor dem Neuen Tor 1

10115 Berlin

Tel.: 030 28442 114

Fax: 030 28442 210

Mail: annalena.baerbock {at} gruene(.)de

Hinweis

An der Stelle der Sternchen bitte auf die kurze Unterbrechung beim Lesen achten. Alles andere wäre nicht gendergerecht. (Nicht ganz ernst gemeint)

Alle Kursiv geschriebenen Passagen habe ich einer Internetseite von Annalena Baerbock entnommen.

Familiengottesdienst an Himmelfahrt

Von Klaus Dietrich

Nach vielen Monaten ohne Präsenzgottesdienst fanden sich heute an Christi Himmelfahrt rund 60 Gläubige aus Fleisbach und Merkenbach zusammen und begingen einen Familiengottesdienst an der „Einsamen Birke“.

Masken und Abstand waren Pflicht

Das Wetter schien mit Petrus abgesprochen und der Himmel zeigte sich morgens um 10 Uhr von seiner schönsten Seite. Da die Pandemieregeln auch hier strikt eingehalten werden mussten, konnten die Menschen statt gemeinsam zu singen, lediglich kirchliche Weisen aus der Musikkonserve hören. Passend zum Thema von Pfarr-Vikarin Sophie Gesing „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, schoben sich dicke, aber harmlose, Quellwolken über den Horizont.

Pfarrvikarin Sophie Gesing.

Fotos: Dietrich

Antisemitismus in Deutschland-gehts noch?

Am Dienstagabend zündeten junge Männer arabischer und anderer Herkunft vor Synagogen in Bonn und Münster israelische Flaggen an. In Bonn flogen Steine gegen die Synagoge. Die Polizei konnte in beiden Städten mehrere Tatverdächtige aufklären. Am Montagabend hatte in Düsseldorf ein Unbekannter am Denkmal für die von den Nazis zerstörte Großen Synagoge Müll angezündet. Am Mittwoch wurde eine im Internet kursierende Drohung bekannt. Ein in Deutschland lebender Syrer, postete „wir werden euch verbrennen, wie Hitler es tat“. Der Zentralrat der Juden in Deutschland ist logischerweise entsetzt.

In Bonn, Münster und Düsseldorf übernahm der Staatsschutz die Ermittlungen. Bisher ergibt sich folgender Stand: Die in Bonn festgenommenen Verdächtigen im Alter von 20 bis 24 Jahren haben einen arabischen Hintergrund.

Die Lage in Münster: Zeugen hatten am Dienstagabend der Polizei eine 15-köpfige Gruppe gemeldet, die vor der Synagoge Parolen rief und eine israelische Fahne verbrannte. Bei den Tatverdächtigen gebe es mehrere Staatsangehörigkeiten, sagte die Polizei. Fünf sind Syrer, einer stammt aus der Türkei, einer ist Kosovare, zwei sind Iraker, einer hat die israelische Staatsangehörigkeit, einer die libanesische, einer die deutsche, ein weiterer Staatsbürger von Deutschland und Togo. Zehn der Männer sind mehrfach mit unpolitischen Delikten aufgefallen – Raub, Diebstahl, Drogen, Körperverletzung, Bedrohung.

Was am vergangenen Dienstagabend in deutschen Städten passierte, ist mit nichts zu rechtfertigen. Es werden israelische Fahnen vor Synagogen verbrannt und antisemitische Parolen skandiert. Das erinnert sehr stark an die Novemberpogrome 1938. Der Antisemitismus scheint in unserem Land stärker denn je zu sein. Ihn ausschließlich ins rechte Lager zu schieben, ist kurzsichtig und klammert Tatsachen einfach aus. Der Israelhass schwärt in gewissen Kreisen und nicht nur Geheimdienstler wissen sehr genau, wer wirklich hinter diesen Angriffen steht. Wenn allerdings einige Klimaaktivisten ihr Verständnis oder zumindest ihre verbale Unterstützung für diese Taten bezeugen, braucht man sich nicht wundern, wenn diese Mordbrenner zusätzlich Auftrieb bekommen.

Versuche diese Umtriebe mit den Auseinandersetzungen zwischen Israel und den Palästinensern zu rechtfertigen, sind einfach hirnrissig. Angesichts unserer Vergangenheit kann die Welt von Deutschland erwarten, dass wir uns uneingeschränkt und mit aller Kraft für das jüdische Volk einsetzen. Unser Staat verfolgt Hetze und Hassbotschaften und seien sie noch so hirnrissig, mit allen Mitteln. Das mag in der Vielzahl aller Fälle durchaus auch angebracht sein. Wenn jedoch, wie vor einigen Jahren geschehen, israelische Flaggen unter dem Brandenburger Tor verbrannt und dabei zum Mord gegen Juden aufgerufen wird, hält sich die Staatsgewalt zurück. Das geht gar nicht und ist einfach nur beschämend. Auch jetzt müssen alle entsprechenden Staatsorgane Bestrebungen im Keim ersticken, die Gewalt, auch verbal, als probates Mittel ansehen.

Wehret den Anfängen. Nie wieder darf in Deutschland Gewalt gegenüber Menschen und Sachen diskutabel sein. Wer hier leben will, hat seinen Hass gegenüber anderen Völkern an der Grenze abzugeben oder draußen zu bleiben. Wer hier geboren ist und die Verbrechen seiner Väter und Großväter partout nicht einsehen will, darf keine Gelegenheit haben, seine skurrilen Ideen zu verbreiten.

Mir erzählten Menschen jüdischen Glaubens, dass sie Anfang der 1990er Jahren ihre Heimat Russland verlassen wollten, weil sie den wiedererstarkenden Antisemitismus in ihrer russischen Heimat fürchteten. Sie suchten und überlegten in welchem Land sie diesbezüglich am sichersten seien. Die Entscheidung fiel auf Deutschland. Sie setzten ihren Entschluss in die Tat um und wohnen seitdem in der Lahn-Dill-Region. Auf meine Frage, ob ihr Entschluss der Richtige war, sagte mir die Frau sehr zögerlich, sie glaube nein. Sie und ihre gesamte Familie hat wieder Angst. Ich war total entsetzt. Menschen eines Volkes, dass in Deutschland millionenfach umgebracht wurde, haben wieder Angst. Ein Rabbi, ebenfalls wohnhaft in der Region, sagte mir auf die Frage warum er keine Kippa trage: „Um Gottes Willen, die trägt in der Öffentlichkeit keiner meiner Gemeindemitglieder mehr.“ Das sei viel zu gefährlich, fügte er hinzu.

Geht’s noch. Wollen wir das zulassen. Nein, denke ich und werde mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln gegen solche Bestrebungen angehen. Ah, das wollte ich noch sagen. In meinem engeren und weiteren Umfeld habe ich noch nie jemanden gehört, der sich antisemitisch geäußert hätte. Zugegeben, wer mich kennt der weiß, dass ich mich auch sofort massiv dagegen ausgesprochen hätte. Hören wir also mit dem Mist auf, diese Typen ausschließlich in unseren eigenen Reihen zu suchen. Nennen wir Ross und Reiter wie das der Tagesspiegel in seinem heutigen Artikel tat. Daraus habe ich Übrigens obige Informationen extrahiert.

Am 11.05.2021 – 23:08 Uhr postete BILD:

……..sie sind mit dem wichtigen Ziel angetreten, den Klima-Schutz zu stärken – doch nun verbreiten sie Hetze gegen Israel!

Klima-Ikone Greta Thunberg (18) und die Klima-Bewegung „Fridays For Future“ (FFF) sorgen mit antisemitischen Behauptungen für massive Empörung.

Während die radikal-islamische Terror-Miliz Hamas Hunderte Raketen auf Israel abfeuert, teilte Greta mit ihren über fünf Millionen Twitter-Followern eine Botschaft der kanadischen Israel-Boykotteurin Naomi Klein (51).

In ihrem Tweet wirft Klein Israel „ein Kriegsverbrechen nach dem anderen“ vor und nutzt den Hashtag „GazaUnderAttack“ (Gaza wird angegriffen)……….

Cem Özdemir eben in Facebook:

Israel liegt unter Dauerfeuer von tausenden Hamas-Raketen. Geschützt wird das Land im Moment nicht durch warme Worte, sondern das Raketenabwehrsystem Iron Dome. Das muss man ganz klar sagen. Israel hat in dieser bedrohlichen Situation, in der auch das Kernland wieder angegriffen wird, natürlich das Recht auf Selbstverteidigung. Die Hamas muss die Angriffe sofort einstellen, um Schlimmeres zu verhüten.

Ich stehe an der Seite der Bürgerinnen und Bürger Israels, darunter übrigens 1,7 Millionen AraberInnen, die sich vor diesem Raketenhagel in Bunker flüchten müssen. Trotzdem sind Tote und Verletzte zu beklagen. Und ich fühle mit den PalästinenserInnen, die von der Hamas als menschliche Schutzschilde bei den Vergeltungsschlägen der Israelis missbraucht werden. Diese militärische Eskalation ist vollkommen inakzeptabel. Die Gefahr eines neuen, langen und blutigen Gaza-Krieges ist leider sehr real. Schon jetzt ist das menschliche Leid, das verursacht worden ist, riesengroß.

Ich finde es unerträglich, dass es in diesen Tagen auch in Deutschland vor Synagogen zu antiisraelischen Provokationen kommt. In Bonn und Münster wurden vor jüdischen Gotteshäusern israelische Fahnen verbrannt, Gebäude wurden mit Steinwürfen beschädigt. Ich sage das gerade hier in Halle: Auch solche Aktionen sind nichts anderes als Antisemitismus. Ich begrüße es ausdrücklich, dass der Staatsschutz hier Ermittlungen aufgenommen hat.

Deutschland hat eine historische Verantwortung gegenüber Israel. Die Existenz und die Sicherheit Israels als nationale Heimstätte des jüdischen Volkes mit gleichen Rechten für all seine BürgerInnen sind unverhandelbar.

sig

EssZimmer setzt auf Nachhaltigkeit

Von Siegfried Gerdau

Die Inhaber des gutbürgerlichen Restaurants EssZimmer, in der Herborner Konrad-Adenauer-Straße 33 (am Reitstall), Katharina Friedrich (47) und ihre 40-jährige Partnerin Josephine Schmid setzen auf wiederverwendbare Verpackung. Schon seit geraumer Zeit machten sich die beiden Restaurantfachfrauen Gedanken, wie man beim Essenverkauf außer Haus die Verpackungsmengen reduzieren kann oder besser ganz vermeidet. In den mehr als sechs Jahren ihres Bestehens haben sie sich durch gepflegte, gutbürgerliche Speiseangebote mit ihrem 50- Sitzplätze- Restaurant, einen Namen weit über Herborn gemacht.

Auch in der Corona-Pandemie hielten ihnen die Stammkunden, aber auch viele neue Kunden die Treue. Essen außer Haus läuft sehr gut, sagte Katharina aber… die aufwändige „Verpackungsorgie“ und der viele Müll ist auch Küchenchefin Josephine (Josi) ein Dorn im Auge. Durch Zufall sahen sie im September 2020 die Sendung „Die Höhle der Löwen“. Sven Witthöft, Fabian Barthel und Tim Breker stellten in dem beliebten TV-Format ihr Unternehmen und die Marke Vytal vor. Das digitale Mehrwegsystem mit eigenen Leihschalen für Take-Away- und Lieferessen – und das ganz ohne Pfand, begeisterte Josi und Katharina. Sie nahmen mit den Start- Up- Gründern Verbindung auf und seitdem läuft das Geschäft im Esszimmer noch ein Tick besser.

Bisher waren es die Kunden, die von der umwelt- und ressourcenschonenden Idee so begeistert waren, dass sie per Mundpropaganda dafür reichlich Werbung machen.

Josephine Schmid (links) und Katharina Friedrich.

Wie funktioniert das? Im Grunde ganz einfach. Vytal stellt dem Restaurant je nach Nachfrage unterschiedlich große Behältnisse zur Verfügung. Der Kunde installiert auf seinem Smartphone die Vytal-App und gibt die notwendigen Daten ein. Jetzt marschiert er ins EssZimmer und holt seine Bestellungen in den Warmhalte-Gefäßen ab. Jedes der in drei unterschiedlichen Größen orderbare Behältnisse ist luftdicht verschließbar und enthält einen Barcode (Strichcode). Er bezahlt das Gericht, das oder die Gefäße, (so viel wie für den Transport benötigt werden), bekommt er kostenlos und ohne Pfand. Der Restaurantbetreiber scannt den Code und das Geschäft ist gelaufen. Nun hat der Kunde 14 Tage Zeit die Gefäße gespült oder auch ungespült zurückzubringen. Das Restaurant scannt wieder den Barcode und das wars. Die Vytal-Leute werben Übrigens damit, dass einer ihrer Behälter 200 Einwegverpackungen ersetzt.

Ein Sicherheitspolster muss man den Betreibern von Vytal jedoch eingestehen. Wer die Warmhaltebehälter über die zwei Wochen Frist behält, bekommt 10 Euro von seinem Konto abgebucht. Dazu muss er bei der Registratur seiner App seine Kontodaten angeben. Das wird möglicherweise Kunden abschrecken befürchten die Restaurantbetreiberinnen. Muss aber nicht sein. Es kommt es ja nie zu einer Abbuchung, wenn die Fristen eingehalten werden und mit den persönlichen Daten ihrer Kunden gehen die Start-Up-Unternehmer garantiert sehr sorgsam um, weiß Josephine Schmid.

Sie hofft ebenso wie ihre Partnerin, dass sich möglichst noch viele Restaurant- und Gaststättenbetreiber dem tollen System anschließen. Dann können die Kunden nämlich auch überall dort ihre benutzten Gefäße abgeben und müssen nicht zwingend nach Herborn zum EssZimmer fahren.

Kontakt zur weiteren Information und Bestellung: Phone 02772 4499794  

Vytal verspricht: Wir stellen unsere hochwertigen Verpackungen (100% auslaufsicher, BPA-frei, Mikrowellen & Gastrospülmaschinen-geeignet) auf Leihbasis zur Verfügung und werden von unseren Partnern pro Befüllung bezahlt – sodass wir nur dann Geld verdienen, wenn wir tatsächlich auch Verpackungsmüll einsparen.22.08.2020

Derzeit sind die Vytal-Verpackungen vor allem in Deutschland im Einsatz – alleine in Berlin hat das Kölner Startup 50 Partner-Restaurants, in der Heimatstadt Köln sind es 70. Zuletzt ist sogar die REWE aufgesprungen und bietet das innovative Mehrwegsystem in einigen Supermarktfilialen in Deutschland für Salatbuffets an.

Jeder Deutsche verursacht 226,5 Kg Verpackungsmüll pro Jahr.

Das können wir ändern, behaupten die Vytal-Gründer.

Volltreffer, ihr Schulschwänzer!

Kritische Worte eines Reporters von skynews Australien an die jungen Menschen, die kürzlich für das Klima demonstriert haben:

„Ihr seid die erste Generation, die in jedem Klassenzimmer eine Klimaanlage habt, euer Unterricht erfolgt computergestützt, ihr habt einen Fernseher in jedem Raum, ihr könnt den ganzen Tag elektronische Mittel verwenden.

Anstatt zu Fuß zur Schule zu gehen, benutzt ihr alle Arten von Transportmitteln mit Verbrennungsmotor. Ihr seid der größte Konsument von Konsumgütern in der bisherigen Geschichte der Menschheit. Ihr kauft ständig neue Kleidung, um ‚trendy‘ zu sein obwohl die Sachen vom letzten Jahr noch völlig in Ordnung sind. Kaum jemand von euch repariert seine Kleidung, ihr habt keine Ahnung wie man einen kaputten Reißverschluss auswechselt geschweige wie man mit einer Nähnadel umgeht.

Es wird weggeworfen was das Zeug hält. Euer Protest wird durch digitale und elektronische Mittel angekündigt. Euer Handy, Tablet sind 24h online. Ihr seid mit euren ganzen elektronischen Spielzeugen der größte Stromverbraucher.

Leute, bevor ihr protestiert, schaltet die Klimaanlage aus, geht zu Fuss zur Schule, schaltet eure Handys aus, eure PCs, XBoxen, PS4s und lest ein Buch, macht euer Sandwich selber, anstatt es fertig in Plastikverpackungen zu kaufen.

Nichts davon wird passieren, weil ihr egoistisch seid, schlecht ausgebildet, von Leuten manipuliert, die euch benutzen, und sagen, dass ihr eine edle Sache betreibt, während ihr Spaß habt und den verrücktesten westlichen Luxus genießt.

Wacht auf und haltet bloß euren verwöhnten Mund – Findet die Fakten, bevor ihr protestiert und fangt erst mal bei euch selber an die Welt zu verbessern und erklärt nicht Menschen zu Tätern, die ihr ganzes Leben lang nachhaltig gelebt haben“.

Dazu Lisa Neubauer: (Neubauer ist Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen und der Grünen Jugend)

Einige Kritiker werfen Fridays-for-Future-Bewegung vor, dass es viele Menschen gibt, die sich einen nachhaltigen Alltag nicht leisten und etwa nicht in Bioläden einkaufen können. Was sagen Sie dazu?

Es ist leicht, die Klimakrise als eine Art Elitenthema zu diskreditieren. Das ist aber ein Fehlschluss. Wir betonen, dass die Folgen der Klimakrise zuerst diejenigen trifft, die sich am wenigsten wehren können, die vulnerabel sind und schon heute in unsicheren Verhältnissen leben. Die Klimakrise verschärft die sozialen Ungerechtigkeiten weiter, und sie trifft die ohnehin Marginalisierten überproportional. Deswegen sollten gerade diese Menschen vor den Folgen geschützt werden. So gesehen ist guter Klimaschutz etwas, das letztlich mehr Gerechtigkeit stiftet…..

Dann können nur noch Reiche fliegen, oder?

Das zu propagieren finde ich schwierig. Aber natürlich muss Fliegen teurer werden – es muss unattraktiver sein, emissionsintensiv zu leben und damit den Planeten zu zerstören.

„Ich fliege nicht leichtfertig und mittlerweile sehr, sehr selten. Und natürlich kompensiere ich jeden Flug. Ich bin länger nicht geflogen und habe es in der näheren Zukunft auch nicht vor. Ich wollte aber sicher nicht sagen, dass ich noch nie geflogen bin.“ Neubauer in einem WELT-Interview 2019

Im Interview mit Axel-Springer-Vorstand Mathias Döpfner äußerte Neubauer: „Wir müssen aufhören, Öl, Gas und Kohle zu fördern. Wir brauchen eine wohlhabende, glückliche, liebende Gesellschaft, die ohne CO₂-Emissionen leben kann.“ Wir müssen Demokratie neu denken‘ und ‚Wir müssen weg vom quantitativen Wachstum und Konsum, hin zu einem qualitativen Wachstum mit Glück, Freiheit und Liebe‘.“

Sachliche Einwände werden zu Geschwurbel degradiert

Von Jan Schad

Eine ganze Seite hat die Berliner Zeitung gestern meiner Kritik an der Corona-Politik und den #allesdichtmachen-Gegnern eingeräumt. Auch online (allerdings mit Paywall).

Mein Punkt ist, dass es außer Bill-Gates-Chip-Fantastereien (die bevorzugt rausgepickt werden, als wäre das die ganze Kritik) durchaus grundsätzliche und sachliche Kritik an den Maßnahmen gibt.

In Wirklichkeit ist es so, dass jedwede wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit (und vor allem die Verhältnismäßigkeit) der von der Regierung durchgeprügelten Grundrechtseinschränkungen fehlt. Die immer wieder gebetsmühlenhaft wiederholten (und mittlerweile von jedem Trottel nachzuplappernden) „Argumente“ sind eben nur oberflächlich betrachtet echte Argumente!

In Bezug auf Corona gibt es zahlreiche Faktoren, die man alle ZUERST abschalten müsste und auch kurzfristig KÖNNTE, bevor man auch nur im Traum daran denken dürfte, hier für 83 Millionen Menschen (die überwiegend kerngesund sind) fundamentale Grundrechte einzuschränken und Lockdown-Kosten von bis zu 2,5 Milliarden Euro pro Woche in Kauf zu nehmen.

Das ist der Knackpunkt: Dass nämlich hier eine Hemmschwelle fällt vor der Antastung von Grund- und Freiheitsrechten!!! Und die Reihe derer, die sich auch zur „Rettung des Weltklimas“ durchgreifende Maßnahmen wünschen, ist lang. Immer mehr Verantwortliche wagen es, sowas auszusprechen oder zumindest anzudeuten. Die Hemmschwelle fällt…

„Im Zweifel für den Angeklagten“, also im Zweifel für die Freiheit, lautet ein zentraler Leitsatz des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaats.

Daraus wird zunehmend das Motto „Im Zweifel GEGEN die Freiheit“… Die Grünen, von ihren Medien-Groupies schon Richtung Kanzlerschaft geschreibselt und von beiden ehemaligen Volksparteien seit langem umgarnt, stehen GENAU DAFÜR!

Im Zweifel auch gegen die Meinungsfreiheit! Meinungsfreiheit birgt doch längst das Risiko, gebrandmarkt, sozial ausgegrenzt, für dumm verkauft und sogar beruflich erledigt zu werden. Nicht nur beim Thema „Corona“!

Davon zeugen auch die Emails zweier bekannter Akteure der #allesdichtmachen-Kampagne an mich (als Reaktion auf meinen Beitrag), die sehr persönlich waren… und teilweise auch deprimierend.

Meine Belege/Quellen für den Beitrag wurden von der Redaktion der Berliner Zeitung übrigens sorgfältig geprüft, ebenso mein Identitätsnachweis.


Hier der Text des Artikels (ich habe die Argumente im Artikel aber schon seit langem hier raus gehauen):

……….

Sachliche Einwände werden zu Geschwurbel degradiert

Unser Autor ist als Notfallsanitäter im Einsatz. Er verteidigt #allesdichtmachen, weil es nach seiner Ansicht wirklich viel zu kritisieren gibt.

Berlin – Die Reaktionen auf #allesdichtmachen waren teilweise unfassbar. Viele Gegner der Kampagne geben vor, im Sinne der Angestellten des Gesundheitswesens zu agieren und bescheinigen den Video-Machern „Zynismus“ gegenüber der „Corona-Front“ und den „Corona-Toten“. Auch die Ärztin Carola Holzner („Doc Caro“) hat sich in einem Videobeitrag zu der Kampagne geäußert. Sie watscht die Initiative verständnislos ab und maßt sich an, „die Stimme des Gesundheitssystems“ zu sein („zumindest eine“) und „für alle“ zu sprechen, die in diesem Bereich arbeiten.

Ich bin 41 Jahre alt, verheiratet, Vater, seit 19 Jahren im Rettungsdienst tätig, früher Rettungsassistent, mittlerweile Notfallsanitäter. Zur Ausbildung gehören Einsätze auf Intensivstation und in der Anästhesie.Vor dem Rettungsdienst habe ich in mehreren Altenheimen als Pflegekraft gearbeitet und davor mal als junger Bundeswehrsoldat einen Schwur auf die freiheitlich-demokratische Verfassung unseres Landes abgelegt. Ich bin außerdem aktuell Betriebsratsvorsitzender und gewähltes Mitglied einer Tarifkommission. Und ich möchte festhalten, dass die Gegner der #allesdichtmachen-Kampagne keineswegs für alle Mitarbeiter des Gesundheitssystems sprechen!

Der Shitstorm gegen die Initiative war maßlos bis repressiv. Jan Böhmermann attestierte den Mitwirkenden, „nicht mehr dicht“ zu sein. Andere fragten prollig nach dem „fucking Problem“ der Akteure. Wieder andere klagten darüber, sich für ihre Schauspielkollegen zu schämen. Helge Lindh (SPD) bezeichnete die Kampagne im Bundestag als „Rechtspopulismus“. Schließlich mündete der Aufschrei in eine Rhetorik wie gegenüber Kindern, die man „nicht aufgeben“, „nicht verlieren“ dürfe. Wohin aufgeben? Aus was heraus verlieren? Aus der Gemeinschaft der Wissenden, der Guten?

Für „Doc Caro“ Holzner wurde „eine Grenze überschritten“ von #allesdichtmachen, weil „zynische Diskussionen“ in dieser Situation „nichts verloren“ hätten. Es stellt sich die Frage, ob für sie überhaupt irgendeine Art von Diskussion etwas verloren hätte in dieser Situation. Unterlegt hatte sie ihren Video-Beitrag mit dem Hashtag #wirsindmehr. Der war bisher dem „Kampf gegen Rechts“ vorbehalten.

Der harten Abwehrhaltung gegenüber #allesdichtmachen liegt eine ideologisierte Dynamik zugrunde, die höchst bedenklich ist für eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft. Sachliche Einwände gegen die Maßnahmen werden zu kaum beachteten Fußnoten oder zu „Geschwurbel“ degradiert. Um dieses Zerrbild etwas aufzuhellen, möchte ich Eckpunkte einer sachlichen Grundsatzkritik an der Corona-Strategie umreißen, aus subjektiver Sicht eines im Gesundheitsbereich Tätigen, aber auch anhand objektiver Sachverhalte.

Die drohende Überlastung des Gesundheitssystems, namentlich der Intensivstationen, ist der Dreh- und Angelpunkt der Maßnahmen. Ohne dieses Damoklesschwert wären Grundrechtseinschränkungen nicht zu begründen. Nun ist es so, dass nicht nur ich, sondern auch viele andere Kolleginnen und Kollegen davon aber gar nichts mitbekommen. Der Rettungsdienst fährt nicht nur Notfälle, sondern auch normale Krankentransporte und Klinikeinweisungen. Vieles, was früher Hausärzte und Ärztliche Notdienste abwickelten, erledigt heute der Rettungsdienst, oft als erste Instanz im Gesundheitsbereich.

Davon, dass die Einsatzbelastung über das Aufkommen früherer Jahre gestiegen sei, kann keine Rede sein. Angespannt wurde die (sowieso seit Jahren prekäre) Personalsituation seit der Corona-Pandemie höchstens dadurch, dass immer wieder Kolleginnen und Kollegen für Wochen quarantänebedingt ausfielen – oft sogar trotz negativer Testergebnisse nach „bestätigtem Kontakt“ im Dienst.

Dazu kommen immer mal wieder verlängerte Fahrtstrecken mit Patienten zum Krankenhaus, weil einige Kliniken zwischendurch abgemeldet sind. Wegen Corona? Ja, aber anders als in Bergamo, wo die Flure mit Patienten überfüllt waren. Wenn Kliniken seit letztem Jahr „dicht“ sind, liegt es meinen Informationen nach überwiegend daran, dass Personal in Quarantäne steckt, oder daran, dass ein ganzes Krankenhaus auf „rot“ geschaltet wurde, weil es auf einer Station nachträglich einen positiven Test bei einem zuvor negativ getesteten Patienten gegeben hat.
Oder weil die Corona-Ambulanzen (Fieber-Ambulanzen) aufgrund der aufwändigen Reinigungsmaßnahmen abgemeldet sind. Da es so ist, dass wirklich jeder Patient mit erhöhter Temperatur durch dieses Klinik-Nadelöhr muss, können logistisch „verstopfte“ Fieber-Ambulanzen ständig zur Lahmlegung des Aufnahmebereichs führen. Es scheint, als ob es zumeist die logistisch-administrativen Anweisungen und Verfahren zu Corona sind, die zu punktuellen Überlastungen der Kliniken führen, nicht zwangsläufig das Infektionsgeschehen selbst.

Ursache dafür, dass die Zahl der gemeldeten Intensivbetten seit letztem Sommer immer wieder (teils drastisch) reduziert werden musste, ist der Personalmangel. Dieser besteht seit Jahren und wird jetzt durch Quarantäne und Kinderbetreuungsnotstände verschärft. Am 30. Juni 2020 meldete das Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) 32.505 Intensivbetten. Mitte April diesen Jahres wurden nur noch 23.868 Intensivplätze gemeldet. Personalnot als Begründung dafür ist absolut inakzeptabel. Ein Jahr lang war Zeit, dieses Problem anzugehen – und es ist auch jetzt noch möglich.

Das Deutsche Ärzteblatt schätzte bereits letztes Jahr, dass 30 bis 40 Prozent der Tätigkeiten auf einer Intensivstation durchaus von angelernten Hilfskräften übernommen werden könnten. Diese Einschätzung ist keine Herabsetzung der Arbeit auf Intensivstationen. Im Rettungsdienst können mindestens 50 Prozent der Tätigkeiten von angelernten Hilfskräften erfüllt werden. Fachpersonal ist nötig, es könnte so aber mehr überwachende Funktionen ausüben. Reservisten, Bundesfreiwilligendienstleistende, FSJ-Leistende – die Rekrutierung von Hilfspersonal wäre möglich.

Es heißt, durch die Pandemie-Verfahrensweisen hätten die Kliniken einen höheren Aufwand bei Hygienemaßnahmen. Das wundert mich. Die angeblich zusätzlichen Hygienemaßnahmen hätten bereits vor vielen Jahren implementiert werden müssen. Nämlich gegenüber multiresistenten Erregern (MRE). Dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge ist die Zahl der Meldungen zu antibiotikaresistenten Keimbesiedlungen deutlich zurückgegangen im Zuge der Covid-19-Hygienemaßnahmen der Kliniken. In den Jahren zuvor starben hierzulande bis zu 20.000 Menschen jährlich im Zusammenhang mit solchen antibiotikaresistenten Keimen.

Resistente Keime waren vor Corona DAS brennende Thema des deutschen Gesundheitswesens. Deutschland lag zuletzt europaweit auf Platz 3, was Todesfälle im Zusammenhang mit MRE betraf, wie die Ärztezeitung meldete. Entweder haben die klinischen Hygienemaßnahmen gegen Corona die MRE-Fälle deutlich gesenkt – dann würden diese Maßnahmen nicht als Zusatzbelastung „oben drauf“ kommen, sondern man müsste vielmehr von einem bisher jahrelangen schwerwiegenden Versagen gegenüber MRE reden. Oder es ist so, dass die MRE-Fälle eben doch nicht so entscheidend gesenkt wurden durch Corona-Hygienemaßnahmen – man aber weniger testet und dadurch eventuell Todesfälle im Zusammenhang mit MRE in die Corona-Todesstatistik einfließen.

Ein wichtiger Faktor für die hohe Belastung der Intensivstationen ist die fortschreitende Privatisierung im Kliniksektor. Das Fallpauschalensystem der Krankenkassen zwingt die Kliniken, ihre Intensivstationen auszulasten, wenn sie keine gravierenden Umsatzverluste hinnehmen wollen. Tatsächlich haben die Kliniken im Zuge der Pandemie (und der Freihaltung von Betten, für die der Staat 560 Euro pro Bett pro Tag bezahlt) bereits immense Verluste eingefahren, wie die Krankenhausstudie 2020 zeigt.

2018 machte die Rhön-Klinikum AG einen Jahresgewinn von 51 Millionen Euro, Sana 100 Millionen, Asklepios 171 und Helios 686 Millionen Euro. Alleine die jährlichen Personalkosten deutscher Kliniken beliefen sich 2018 indessen insgesamt auf ca. 66,5 Milliarden Euro. Selbst wenn davon nur 37 Prozent auf private Betreiber fallen, übersteigen alleine diese laufenden Personalkosten die Gewinne der vier großen Privatgesellschaften um das 24-Fache! Gibt es deswegen Druck seitens der DIVI, das Fallpauschalensystem pandemiebedingt auszusetzen? Gibt es Druck auf den Staat, den Kliniken derart finanziell beizuspringen, dass diese Faktoren für die verfügbaren Intensivkapazitäten keine Rolle mehr spielen?

Im November 2020 führte ich ein Telefongespräch mit der Pressesprecherin der DIVI. Sie bestätigte, dass es zur Auslastung von Intensivstationen keine bundesweiten Daten zu früheren Jahren gibt, weil das DIVI-Intensivregister erst im April 2020 eingeführt worden sei. Die Daten einzelner Kliniken und Gesundheitsämter würden aber durchaus darauf hindeuten, dass es auch in früheren Jahren vergleichbare Auslastungen gab. Trotzdem rief DIVI-Präsident Marx unmittelbar vor der „Bundesnotbremse“ zu Verschärfungen der Lockdowns auf. Die DIVI wird trotz ihrer bescheidenen Datenlage zu den Jahren vor 2020 häufiger zitiert, als die viel größere DKG (Deutsche Krankenhausgesellschaft). Deren Präsident Gaß sagte Anfang April klipp und klar, dass es eine totale Überlastung unseres Gesundheitssystems absehbar nicht geben werde.

Bereits letztes Jahr zeigte eine Studie zur Nutzung von Intensivbetten aufgrund von Covid-19 (Ärzteblatt 19/2020), dass es selbst bei Annahme einer maximalen täglichen Fallzahl von 20.966 Covid-Patienten „keinen Anlass zu einer Diskussion über eine bevorstehende notwendige Triage“ gebe. Die „Initiative für Qualitätsmedizin“ zeigt, dass im ersten Halbjahr 2020 (erste Corona-Welle inklusive) die Zahlen der Patienten mit Atemwegsinfekten und der Beatmungspatienten durchgängig unterhalb der Zahlen von 2019 lagen. Und für das Gesamtjahr 2020 zeigt eine aktuelle (März 2021) Auswertung des InEK (Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus), dass die Belegung der Klinikbetten im Schnitt um 13 Prozent gesunken war gegenüber früheren Auswertungen.

Ist es also nicht doch berechtigt, zu fragen, ob Inzidenzen als Indikator für Schließungen taugen? Die Öffentlichkeit scheint sich auch einig darin, dass die Falsch-Positiv-Rate bei anlasslosen Massentestungen kein Problem ist. Obwohl das Bundesgesundheitsministerium jetzt 550 Millionen Schnelltests für 2021 bereitstellt, deren positive Ergebnisse theoretisch alle mit einem PCR-Test nachgeprüft werden müssten. Wenn wir vom Durchschnitt der Positiv-Rate der letzten Kalenderwochen ausgehen, kann man also durchaus mit 50 Millionen positiven Schnelltestergebnissen rechnen im Jahr 2021. Bei einer Falsch-Positiv-Rate von bis zu 10 Prozent, von der das Ärzteblatt spricht, hätten wir so alleine durch falsch-positive Schnelltestergebnisse eine Sieben-Tage-Inzidenz von 115,5 zu erwarten.

Und wie viele Menschen wissen, dass es zur Berechnung der Corona-Sterblichkeitsrate zwei verschiedene Rechenverfahren gibt? Das eine teilt die Gestorbenen durch die Anzahl aller positiv Getesteten. Das zweite (Case Fatality Rate – Fallsterblichkeit) teilt die Toten lediglich durch die Zahl der abgeschlossenen Fälle (genesen oder gestorben). Verfahren zwei kommt zu einer deutlich höheren Sterblichkeitsrate. Das RKI verwendet das zweite Verfahren, während es bei den Inzidenzen nicht nur Krankheitsfälle (genesen oder verstorben) zählt, sondern alle positiv Getesteten. Die WHO veröffentlichte dagegen im Oktober 2020 eine Studie zur Sterblichkeit von COVID-19, bei der man die erste Methode verwendete. Ergebnis: eine durchschnittliche Sterblichkeitsrate von 0,2 Prozent, bei den unter 70-jährigen 0,05 Prozent.

Hinsichtlich einer „Übersterblichkeit“ weisen führende Statistiker, wie Göran Kauermann von der Universität München darauf hin, dass der Begriff nicht bedeutet, dass mehr Menschen gestorben sind, sondern dass UNERWARTET mehr Menschen gestorben sind. Kauermann stellt für 2020 keine Übersterblichkeit in Deutschland fest, sobald man die erwartete Mehrsterblichkeit einer alternden Gesellschaft pro Jahr abzieht. Auch weltweit kann man anhand der Daten der UNO keine Übersterblichkeit erkennen: 2020 starben weltweit im Schnitt 7,61 Menschen pro 1000 Menschen. 2019 waren es 7,59, 2015 ebenfalls 7,61.

Im Rettungsdienst sind übrigens eindeutig internistische Probleme wie Herzinfarkt oder neurologische Probleme wie Schlaganfall maßgeblich. 270.000 Deutsche erleiden jedes Jahr einen Schlaganfall, 99.900 Personen sterben daran, das sind 37 Prozent. Warum versuchen wir es nicht mal mit Verbot von Zigaretten, Alkohol, fettem Essen, Zucker und der Verordnung von Zwangssport, um diese Menschen zu retten? Weil wir eine freie, eigenverantwortliche und mit Eigenrisiko ausgestattete demokratische Gesellschaft sind.

Unsere Grund- und Freiheitsrechte erschienen mir immer als etwas Unantastbares. Einschränkungen müssen wasserdicht begründet und durch die Verhältnisse gerechtfertigt sein. Es in eine rechtspopulistische Ecke zu drängen, wenn Bürger die Begründungen und die Verhältnismäßigkeit in Frage stellen, ist antidemokratisch. Dass Freiheit und das Recht auf Kritik so schnell zur Disposition stehen, wenn Angst im Spiel ist, macht Sorge. Diese Sorge hat die #allesdichtmachen-Kampagne aufgegriffen. Und das war richtig so.

Jan Schad ist in Hessen als Notfallsanitäter tätig.

Mein Globus

Kommentar

von Siegfried Gerdau

Ich habe einen Globus. Er steht so an exponierter Stelle, dass ich das Weltgeschehen immer plastisch vor Augen habe. Nur, wenn ich unser Land sehen möchte, muss ich näher rücken. Deutschland nimmt auf meinem Globus kaum mehr Platz als eine dicke Fliege ein. Ich sehe große Flüsse wie Mekong, Gelber Fluss, Jangtsekiang, Ganges, Amazonas und den Nil. Alle transportieren sie gigatonnen Abfall, ungeklärte Fäkalien und alles was Menschen in ihrer Dummheit achtlos entsorgen, Richtung Meer. Ich sehe nicht die abertausenden Flugzeuge, die rund um den Globus Abgase in der Luft verteilen und nicht selten Sprit ablassen. Ich sehe auf meinem Globus nicht die Straßen der Welt, auf der Tag und Nacht 1, 25 Milliarden benzin- oder dieselgetriebene Fahrzeuge die Luft verpesten, so dass zum Beispiel in China an manchen Tagen kaum der Himmel zu sehen ist.

Ein Blick auf den Globus hilft zu relativieren.

Ich kann auch die 350 Kreuzfahrtschiffe und die über 5 000 Handelsschiffe nicht sehen, die zusammen 139 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen. Unabhängig von allen Zahlenspielchen und Relativierungen sind sie wohl maßgeblich für die Luftverschmutzung verantwortlich. Ich sehe auf meinem Globus auch nicht die unzählbaren Schlote der Fabriken, der Müllverbrennungen oder die Feuer am Ganges, auf denen Leichen verbrannt und dann die Reste in den Fluss entsorgt werden. Ich sehe auf meinem Globus nicht die Müllberge überall auf der Erde, die entweder vor sich hin qualmen oder das Grundwasser in hohem Maße verseuchen. Ich kann auf meinem Globus alle aktuellen Kriegsschauplätze verfolgen, sehe aber nicht, was diese Kriege, oder wie man sie immer nennen will, für immense Schäden an für Mensch und Umwelt anrichten. Ich will nicht zwischen guten und bösen Kriegen unterscheiden und es schüttelt mich, wenn ich sehe, wie der Mensch in seiner bodenlosen Dummheit und Zurückgebliebenheit immer weiter Schwerter schmiedet und sich von skrupellosen Mitmenschen in kriegerische Auseinandersetzungen hetzen lässt.

Ich höre besonders in unserer jetzigen Zeit ständig, dass Deutschland seine Schadstoffausstoße an CO2 so bald als möglich gegen Null reduzieren müsse. Natürlich müssen wir das, aber auf der Welt oder zumindest in Europa. In fast klerikaler Manier predigen Heilsverkünder von Zurücknahme aller „schlechter“ Lebensgewohnheiten in Deutschland und versprechen zum Beispiel, dass mit der Aufgabe unserer Verbrenner, die Erde gesunden werde. Ich schaue auf meinen Globus und schüttele den Kopf. Nicht über diese Wanderprediger oder die sie ergeben begleitenden Nachrichtenüberbringer. Nein, ich schüttele den Kopf über die Menschen, die sich von diesem engstirnigen Denken inspirieren lassen und glauben, dass Deutschland alleine durch vorbildliches Energie-Fasten acht Milliarden Menschen der Welt auf den rechten Weg bringen kann. Wir schaffen die schädliche Energieerzeugung von Kohle und Erdöl ab, setzen dagegen auf erneuerbare Energie wie die Sonnen-und Windkraft. Wenn es dann eng wird, haben ja unsere Nachbarn rund um Grünland genügend Strom aus sehr nachhaltiger Atomkraft, den sie uns gerne verkaufen. Wir setzen auf elektrische Antriebe, die wir massenhaft in unseren Autos installieren wollen und wissen noch nicht Mal genau, wie wir den immensen Strombedarf zum Laden der Batterien decken können.

Wir plündern dafür die Rohstofflager andere Länder, um unseren Fortbewegungswohlstand nicht zu gefährden. Dabei nehmen wir die Ausbeutung von Natur und Mensch locker in Kauf. Wir verzichten auf Gas aus Russland, weil dieses Land ja so gefährlich für uns ist. Dafür kaufen wir das, unter schlimmsten Bedingungen aus der Erde gespülte, Fracking-Gas. Wir haben immer noch keine langfristigen Endlager für Atommüll. Jetzt kommen noch die Flügel der Windkraftanlagen dazu. Alles was wir machen tun wir halb und obwohl das Wort Nachhaltig in jeder Umwelt-Rede vorkommt, schaffen wir nichts, aber auch gar nichts tatsächlich nachhaltig zu betreiben. Vielleicht brauchten wir nachhaltige Politiker, aber da mangelt es wie beim Lithium an geeigneten Vorkommen.

Wir haben das Ziel unser Land schadstofffrei zu machen und da sind all diese Bedenken ohne Bedeutung. So ganz nebenbei zeigen wir Putin nicht die Grüne Karte, sondern wenn er sich nicht besinnt und unseren Maßstab für Menschenrechte akzeptiert, auch bald die rote Karte. Wir sind nämlich die Guten und das wird Wirkung bei ihm zeigen.

Kann es sein, dass das Corona-Virus nicht nur die Lungen befällt, sondern mittlerweile auch unsere Köpfe. Unsere sicher ehrenwerten Bestrebungen die Welt besser und sauberer für die nächsten Generationen zu machen, funktioniert bestimmt schon bald in Deutschland. Was aber ist mit dem nicht unbedeutenden Rest der Welt? Die Grenzen Deutschlands existieren lediglich auf dem Papier und wenn wir sie überschreiten stehen wir rundherum vor Kohle- und Kernkraftwerken in großer Zahl.

Wenn wir in neun Jahren die Luft sauber haben wollen, müssen wir 106 große Kohlekraftwerke abschalten. Wir müssen noch sechs Kernkraftwerke stilllegen und die mit Erdöl befeuerten natürlich auch noch. Die Alternativen sind dann Wind- und Sonnenenergie. Wir wollen es also schaffen die derzeitigen Megamengen an elektrischer Energie alleine von Solarelementen auf den Hausdächern und aus den WKA zu erzeugen. Seriöse Berechnungen haben ergeben, dass der Strombedarf für alle PKW, (wenn sie denn elektrisch angetrieben wären) durch sechs Kraftwerke oder eine vergleichbare Größe von alternativen Energieerzeugern gedeckt werden müssten. In neun Jahren schon? Na denn gutes Gelingen.

Prof. Dr. Dr. Ulrich Schmidt – Kiel Institute (IfW) sagt:  Aktuelle Studien haben berechnet, dass das Elektroauto bereits beim jetzigen Strommix in Deutschland eine positive Klimabilanz besitzt. Der Autor stellt jedoch fest, dass diese Studien den erhöhten Stromverbrauch, der aus dem Ausbau der Elektromobilität resultiert, vernachlässigen. Er zeigt, dass bei Berücksichtigung des erhöhten Stromverbrauchs Elektroautos tatsächlich zu 73% höheren Treibhausgasemissionen führen als moderne Diesel-PKWs. Als Begründung führt er an, dass es umweltschonender ist, erneuerbare Energien zur Reduzierung der Verstromung von Kohle zu nutzen, als damit Elektroautos zu betanken.

Noch ein paar Fakten:

Ein mittleres Atomkraftwerk hat eine Nennleistung von etwa 1.400 Megawatt, das entspricht jährlich elf Milliarden Kilowattstunden Strom für 3,5 Millionen Haushalte.

Eine moderne Windkraftanlage mit etwa 3 Megawatt elektrischer Leistung erzeugt jährlich so viel Strom, wie 2.000 Haushalte im Jahr benötigen. Gerechnet wurde mit einem Strombedarf von 3.500 kWh pro Haushalt.

Und so ganz nebenbei ist der Strompreis für private Haushalte im März 2020 im weltweiten Vergleich am höchsten: 39 Dollar-Cent mussten Deutschlands Einwohner pro Kilowattstunde zahlen.

Nach Expertenschätzungen wird sich das auch in Zukunft nicht ändern. Wir steigen um auf alternative Energien, zahlen aber dafür horrende Preise.  

Lanz gegen Merz- Boulevard-Journalismus im ZDF

Kommentar

von Siegfried Gerdau

Selten habe ich einen schlechteren und unhöflicheren Lanz gesehen. Was der gestern Nacht lieferte, war verbaler Boulevard- Journalismus par exzellenz. Seine Körpersprache machte deutlich, um was es ihm in erster Linie ging: “ Wie mache ich Merz am gründlichsten fertig.“ Der ließ sich jedoch nicht fertigmachen und hielt mit seiner guten Kinderstube und seinem profunden Fachwissen dagegen.


Mancher Zuschauer fragte sich sicher, was den Moderator geritten hat und was er eigentlich von Merz hören wollte. Über seine teilweise unverschämten Bemerkungen konnte der Politiker meist nur mitleidig lächeln und dennoch blieb er keine Antwort schuldig… wenn er denn die seltene Gelegenheit dazu hatte. Lanz wollte offensichtlich gar nichts ausführlich von ihm hören, sondern seinen Gast lieber mit Schlagworten und Plattheiten traktieren: („Sind sie sozusagen so etwas wie ein Maaßen light?“). Warum eigentlich hat er sich so in einen Mann verbissen, der noch nicht einmal ein politisches Amt innehat. Das stank gewaltig polarisierend und abgeledert.

Als die bis dahin überhaupt nicht zu Wort gekommene DIW-Professorin Claudia Kemfert (der weitere Gast in der Sendung) endlich grünes Licht bekam, sah sich Merz einer zweiten Front gegenüber. Er wehrte sich berechtigt gegen die aufgezwungene Rolle als „regierungsamtlicher Antwortgeber“, der er sicher nicht ist. Fazit: Nicht ohne Grund forderten 2014 mehr als 230. 000 Menschen die Entlassung des Moderators. Der Tenor der Forderung: Lanz hat zum wiederholten Male gezeigt, dass er weder fähig noch willens ist, seinen Gästen gleichberechtigt Wohlwollen, Referent und Anstand entgegenzubringen.“ Genau dieses Verhalten hat er am Donnerstagabend füßescharrend wieder einmal sehr anschaulich unter Beweis gestellt.

Was wird Intensivpfleger Ricardo Lange gedacht haben Angesichts eines ungehobelten Markus Lanz, der sich die Probleme auf deutschen Intensivstaionen zwar anhörte, sich danach sofort wieder seiner „Zielscheibe“ zuwandte.

Nicole Diekmann aus dem ZDF-Haupstadtstudio Berlin hätte sich gerne an der verbalen Dresche für Merz beteiligt. Ihre Einlassungen waren jedoch farblos und lasch.

Wer sich die Mühe machte, am Donnerstagabend bis zum ZDF- Programmbeginn um 23.15 Uhr aufzubleiben, hatte zum LANZ-Ende sicher einen schalen Geschmack im Mund. Gute Talk-Runden gehen anders und nicht jeder unhöfliche Moderator ist gleichzeitig auch ein Guter.

Den Kommentar, den Kollege Mirko Schmid von der Frankfurter Rundschau zum Thema geschrieben hat möchte ich Ihnen nicht vorenthalten

Markus Lanz im ZDF

„Der Talk vom 6. Mai“, ZDF, von Donnerstag, 6. Mai, ab 23.15 Uhr. Im Netz: ZDF Mediathek.

ZDF-Talk: Friedrich Merz schwimmt, Markus Lanz beißt zu

Von Mirko Schmid Frankfurter Rundschau

Markus Lanz präsentiert im ZDF seinen Stargast Friedrich Merz – um den mäandernden Politiker dann vorzuführen. Relevant wird es mit Pfleger Ricardo Lange. Die TV-Kritik.

Mit Markus Lanz ist es immer so eine Sache. Positiv betrachtet kann man ihn einen Wadenbeißer nennen, der im ZDF regelmäßig Finger in Wunden legt. Der nachhakt, seine Fragen wiederholt, bis sie beantwortet werden und ein Gespür dafür hat, wenn sich einer seiner Gäste herauszuwinden versucht. In seinen besten Momenten erinnert er dann an Michel Friedmann zu dessen bester Zeit – vielleicht ein bisschen weniger aggressiv und auch ein Stück weit weniger verliebt in sich selbst.

In anderen Momenten scheint der oft gescholtene Linkenfresser durch, der sich auffällig häufig in jene verbeißt, die es wagen, konservative Dogmen infrage zu stellen. Dann kann Markus Lanz wie kaum ein Zweiter wütend machen oder wahlweise eine Röte des Fremdschams in Gesichter zaubern.

An diesem Abend macht Lanz fast alles richtig, vor allem darin, einen auf sehr unangenehme Weise von sich selbst überzeugten Protagonisten eines überholten Politikstils auf den Grill zu legen. Nicht oft war eine solche Verzwergung des Friedrich Merz zu erleben wie an diesem Abend. Dabei war er als Stargast eingeplant. Von Maybritt Illner als Einziger angekündigt, als diese den verbalen Staffelstab an Lanz weiterreicht.

Markus Lanz lässt Friedrich Merz zusammenschrumpfen

Und doch schrumpft Friedrich Merz, der sich in der CDU für so viel geeigneter hält als alle anderen, im Kreuzverhör des Markus Lanz im ZDF auf ein dermaßen mikroskopisches Bouquet aus Selbstgefälligkeit und Hilflosigkeit zusammen, dass man mit diesem Mann, dem die Moderne so offensichtlich zuwider ist, fast schon Mitleid haben kann. Natürlich nur so lange, bis es ihm wieder einmal gelingt, eine Frau mit einem passiv-aggressiven Unterton zurechtzuweisen, doch bitte die Klappe zu halten.

Oder wie Friedrich Merz es gegenüber Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Kemfert wörtlich herauspresst: „Jetzt unterbrechen Sie mich bitte nicht.“ Kurz bevor er ihr verächtlich lachend seinen Respekt verweigert, als Frau Kemfert dann auch mal reden darf. Dabei wäre er doch so gern der Maurer, wie es Markus Lanz nennt, der den „Renovierungsbedarf auf allen Etagen“ (Merz), den die bundesrepublikanische Politik ohne ihn, den Bessermacher, aufgestaut haben soll.

Damit Friedrich Merz allerdings endlich dort ankommt, wo er sich selbst sieht – also ganz oben – wird er auf seine späteren Jahre lernen müssen, sich zu erklären. Ob er unter einer Kanzlerin Annalana Baerbock ins Kabinett einziehen würde? Will er nicht drüber nachdenken, schließlich kämpfe man um Platz 1. Ober er das Gendern verbieten würde? Das geht in Deutschland doch gar nicht, „zumindest nicht in unserem Rechtssystem“. Wie er es findet, dass Populist Maaßen für die Thüringer CDU in den Bundestagswahlkampf geht? Inakzeptabel sei es, dem Wahlkreis reinzureden.

Friedrich Merz schwimmt, Markus Lanz beißt zu

In diesen Momenten ist Markus Lanz gut. Obwohl dieser Friedrich Merz weder für die Grünen noch für die Linkspartei Reden schwingt, beißt der Mini-Friedmann zu. Lässt Merz nicht von der Angel. Wirft immer wieder neue Kohle in den Grill, über dem Merz so sehr schmort, dass es niemanden hätte verwundern können, hätte er zu schreien angefangen. Oder hätte er die Weidel gemacht und wäre beleidigt abgezogen. Doch Merz, das muss man ihm lassen, bleibt auf seine Weise stabil. Er gibt die immer selben ausweichenden Antworten auf die immer selben klaren Fragen. So gesehen konsequent.

Doch Lanz spielt Merz‘ Spiel nicht mit, an diesem in Teilen echt denkwürdigen ZDF-Abend. Mehrfach macht der Talkmaster wenig subtil deutlich, dass er dem Politiker einfach nicht glaubt. Dass er ihm nicht abnimmt, dass er keinen Groll auf die CSU und Edmund Stoiber hegt, die ihn auf dem vermeintlichen Höhepunkt seiner Schaffenskraft aussortiert hatten. Und dass Merz, wenn es um Hans-Georg Maaßen geht, so rein gar nichts mehr von der in seiner Selbstbeschreibung behaupteten klaren Kante zeigt: „Sie eiern hier gerade unglaublich rum.“ Lanz macht den Rezo, das staunende Publikum erlebt die Zerstörung des Friedrich Merz.

Auch wenn es schade ist, wie wenig Markus Lanz seinen weiblichen Gästen, also eben Claudia Kemfert und der während ihrer viel zu kurz bemessenen Redezeit oft brillanten Journalistin Nicole Diekmann (zum Impfen: „Die Einstiche kommen immer näher“), an diesem Abend einräumt: Der eigentliche Skandal ist, dass sich Lanz viel zu lange mit einem alten weißen Mann kabbelt, der sich nicht zu schade ist, sich über eine angebliche Diskriminierung (sic!) aufzuregen, als er zu hören bekommt, dass ein politisches Urgestein wie er nicht wirklich wie ein Gesicht der Modernisierung wirkt.

Der eigentliche Stargast bei Markus Lanz heißt an diesem Abend Ricardo Lange

Denn der eigentliche Stargast dieses Abends ist ein anderer. Kein Politiker. Keine Journalistin und keine Professorin. Sondern ein Intensivpfleger. Und zwar dieser Ricardo Lange aus Berlin, der Gesundheitsminister Jens Spahn so lange auf die bedrückenden Missstände in deutschen Kliniken aufmerksam machen musste, bis dieser nicht mehr anders konnte, als dem Pfleger den Rahmen der Bundespressekonferenz zu bieten. Natürlich erst, nachdem Lange der Presse von all seinen hilflosen Versuchen berichten musste, Gehör bei diesem Minister zu finden. Dem er vergeblich Mails schrieb, ihm auf den Anrufbeantworter sprach.

Zu Gast bei Markus Lanz            

Claudia Kemfert              Wirtschaftswissenschaftlerin

Nicole Diekmann            Journalistin

Ricardo Lange   Intensivpfleger

Friedrich Merz  Politiker

Lange macht das nicht, weil er ins Rampenlicht will. Lange macht das, weil er etwas zu sagen hat. Weil er eine unbequeme Wahrheit mit sich rumträgt, die ihn nach eigenem Bekenntnis „emotional vergewaltigt“. Weil er es nicht mehr aushält, sich Vorwürfe zu machen, weil er es nicht gleichzeitig schafft, sich drei an heftigsten Corona-Symptomen leidenden Menschen in zwei verschiedenen Krankenzimmern zu widmen. Weil ihn die Politik im Stich lässt.

Und die Worte des Ricardo Lange tun weh. Sie sind unangenehm, bedrückend, berührend. Sie machen betroffen und wütend. Und sie machen hilflos. Und das vor dem Fernseher und nicht nach stundenlangem Dauereinsatz auf einer Intensivstation, auf der man vom System alleingelassen mit ansehen muss, wie schnell die Politik darin ist, Milliarden mit der Bazooka herauszuhauen, Fluglinien zu retten, aber so rein gar nichts gegen den Personalmangel auf den Stationen unternimmt.

Markus Lanz hätte gut daran getan, Ricardo Lange länger zuzuhören

Der Kloß im eigenen Hals schwillt an, wenn dieser stiernackige Mann von „Mama“ und „Papa“ spricht, die ihre Liebsten nicht mehr in den Arm nehmen können. Die in schwarze Säcke gepackt werden, weil die Zeit nicht mehr dazu reicht, sie herzurichten. Ihnen das Fenster zu öffnen, damit die Seele entweichen kann. Von ihnen als Pflegekraft Abschied zu nehmen. Wenn er erzählt, dass er sich dafür beleidigen lassen muss, dass er offen zugibt, wie sehr ihn das mitnimmt. Sich als Müllmann bezeichnen lassen muss, der für seinen Beruf ungeeignet ist, wenn er Probleme damit hat, den „Müll in schwarze Säcke“ zu packen.

Wenn er von Zuschriften erzählt, in denen behauptet wird, dass Puppen statt Menschen in den Intensivbetten lägen, um eine Pandemie vorzutäuschen. Während er mit ansehen muss, wie Betten auf einmal leer sind. Betten, in denen am Abend zuvor Menschen gelegen haben. Menschen, die um ihr Leben gekämpft haben. Und den Kampf verloren. Und wenn dieser Ricardo Lange uns alle daran erinnert, dass eben nicht nur die Alten und Schwachen um ihr Leben kämpfen. Sondern auch die 27-jährige werdende Mutter, der ihr Kind in der 25. Woche aus dem Leib entrissen werden muss, damit eine Überlebenschance bleibt.

Dieser Abend mit Markus Lanz und seinen Gästen war in Teilen bedeutend. Er hätte noch bedeutender werden können, wäre Ricardo Lange länger zur Sprache gekommen. Oder hätte man ihn mal gefragt, was er von dem ganzen Politiktheater hält, dass die Merzens, Söders und Laschets mit ihren abgehobenen Intrigenspielen aufführen. Wie relevant es auf der Intensivstation ist, wer von denen sich in welches Amt drängt.

Ricardo Lange hätte bei Markus Lanz noch viel mehr zu sagen gehabt

Doch nachdem Ricardo Langes, durchaus empathische, Befragung durch Markus Lanz zu Beginn der Sendung abgehakt ist, bleibt er leider ein stummer Beisitzer. Lanz bittet ihn nicht ein einziges weiteres Mal zu Wort. Dabei hat er doch so viel zu sagen, dieser Intensivpfleger aus Berlin. Zum Beispiel, wie sehr es ihn bedrückt, dass „irgendwelche Schauspieler“ von Minister Spahn sofort zum Gespräch eingeladen werden, wenn diese auf ätzende Art und Weise ihrem Unmut darüber Luft machen, dass sie noch ein wenig die Füße still halten müssen. Damit die Intensivstationen wieder atmen können.

Und wie er es findet, dass ihm ein Jens Spahn erst Gehör schenkt, nachdem er es mit seiner Beharrlichkeit auf die Titelseite einer Zeitung bringt. Und dort für den Minister unangenehm angeprangert wird, dass er dem Mann von der Front nicht zuhört. Anders als diesen Schauspielern, die in ihrer zynischen Selbstbezogenheit den Blick für diejenigen verloren haben, die um ihr Leben kämpfen. Oder um das anderer. Doch Applaus für seinen Kampf, den will Ricardo Lange nicht. „Das Rumgeklatsche hat mich genervt“, sagt er, „es müssen Taten folgen“.

Markus Lanz hätte ihm länger zuhören sollen an diesem Abend. Und wir alle sollten wieder lernen, den Richtigen zuzuhören. Und damit sind keine bornierten Schauspieler gemeint, die pseudo-witzige Systemkritik ins Internet erbrechen. Und erst recht keine Wiedergänger der Politik, die nicht wahrhaben wollen, dass der März vielleicht alles neu macht. Aber ganz sicher nicht der Merz. (Mirko Schmid)

Frankfurter Rundschau

Jugendwehr erhält Geldspende

Ein Herz für die Driedorfer Jugendfeuerwehr hat die Geschäftsführerin des Driedorfer Fitnessstudios Formline Stephanie Gross. Am Dienstag überreichte sie vor ihrem Driedorfer Fitnessstudio dem Gemeindejugendfeuerwehrwart Frank Heidrich im Beisein des Gemeindebrandinspektors Frank Merkelbach und des Driedorfer Bürgermeister Carsten Braun einen symbolischen Scheck in Höhe von 2045, 79 Euro.

Steffi Gross, die Geschäftsführerin von Formline Driedorf.

Wie kam es zu diesem unverhofften, aber höchst willkommenen Geldsegen.

Ein euroträchtiges Symbol wechselt die Besitzer

„Im vergangenen Jahr erlosch der ortsansässige Verein für Gesundheitssport Driedorf e.V. und ging in den bundesweit tätigen Verein für Rehasport und Gesundheitsförderung e.V., Oberhausen über. Für die Rehasport Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die auch weiterhin unter dem Dach von Formline agieren, änderte sich nichts. Sie gehen wie gewohnt ihren verordneten Reha-Maßnahmen im orthopädischen Bereich nach“, sagte Steffi Gross, die dem aufgelösten Verein als Vorsitzende angehörte.  Eine Änderung gibt es jedoch und die ist im Vereinsrecht begründet. Da sich der Verein aufgelöst, beziehungsweise einen Vereinswechsel vorgenommen hat, sagt der § 45 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) unter „Anfall des Vereinsvermögens“

  • Mit der Auflösung des Vereins oder der Entziehung der Rechtsfähigkeit fällt das Vermögen an die in der Satzung bestimmten Personen.

In der Satzung des mittlerweile erloschenen „Vereins für Gesundheitssport“ wurde damals einvernehmlich festgelegt, dass im Falle seiner Auflösung das Vermögen an die Jugendwehr der Gemeinde Driedorf übergeht.

So einfach geht und ging das auch in Driedorf. Die Mädchen und Jungen im blauen Outfit der Feuerwehr-Novizen freuen sich und die Euros sind mehr als gut angelegt. Gerade im Nachwuchsbereich müssen alle Wehren immense Anstrengungen in der Nachwuchsförderung unternehmen. Auch Bürgermeister Carsten Braun gefällt diese Unterstützung, nicht nur Angesichts klammer Gemeindekassen, sehr.

Mit dem nötigen Abstand. Von links: Carsten Braun, Steffi Gross, Frank Heidrich und Frank Merkelbach.

Einziger Wermutstropfen: Am Fitnessstudio stehen die Bewegungswilligen immer noch vor verschlossenen Türen. Steffi Gross bietet zwar Online-Kurse an, aber dabei kommt kein einziger Cent in ihre Kasse. Sie hofft sehr, dass sich die Corona-Pandemielage in absehbarer Zeit zum positiven hin ändert und sich das Leben aller Menschen wieder normalisiert. sig/Fotos: Gerdau

Ehemaliger Herborner lenkt Gießener Parlament

„Die Würde unseres Parlaments lebt, nach meiner festen Überzeugung, von den Werten des Grundgesetzes, von Menschenwürde, Toleranz, Respekt und Anstand“, rief der Wahl-Gießener Joachim Grußdorf den Gießener Parlamentariern in seiner Antrittsrede zu. Der 69-jährige ehemalige Herborner wurde am 29. April dieses Jahres „inthronisiert“. Seine Wahl zum Stadtverordnetenvorsteher erfolgte einstimmig und ohne Enthaltungen. Grußdorf, der seit 1993 dem Zusammenschluss der Grünen mit der Bürgerrechtsbewegung Bündnis 90 als Mitglied angehört, versteht sich nach eigener Aussage ausdrücklich als Bündnisgrüner.

Joachim Grußdorf kam am 15. November 1951 in Eberswalde, in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zur Welt und wuchs in Joachimstal nordöstlich von Berlin auf.

Joachim Grußdorf, ein ehemaliges Herborner Gesicht.

Als die DDR am 13. August 1961 ihre Staatsgrenze und damit auch die Berliner Sektorengrenze nach Westberlin mit einer Mauer abriegelte, befand er sich mit seiner Mutter zum Verwandtenbesuch in Westberlin. Joachim, der fast Zehnjährige, blieb mit ihr dort. Verwandte, die in der Nähe von Tringenstein (Lahn-Dillkreis) im Forsthaus Schwellengrund wohnten, versprachen sie aufzunehmen. Bereits am 1. September 1961 ging der Flug von Berlin nach Frankfurt am Main und nach dem Notaufnahmeverfahren in die neue Heimat.

Im April des darauffolgenden Jahres zog die kleine Familie nach Herborn. Joachim Grußdorf besuchte die Alsbach-Grundschule und im Anschluss daran das Johanneum-Gymnasium bis zum Abitur 1971. Seinen Grundwehrdienst leistete er bis 1972 in Herborn-Seelbach ab.

Viele Freundschaften mit Gleichaltrigen, die ihn auf seinem Weg in den Herborner Jahren begleiteten, bestehen heute noch. Die enge Bindung zu der Stadt an der Dill fußt nicht zuletzt auf der familiären Bindung zu Tochter Yvonne Grußdorf , Schwiegersohn Frank Pletka und Enkeltochter Sophie Grußdorf.

Nach dem Lehramtsstudium in Gießen und Marburg, mit Referendariat in Dillenburg, war Grußdorf als Förderschullehrer an der Herborner Kirchbergschule, der beruflichen Schule Limburg, der Gießener Martin-Buber-Schule und schließlich dort als Konrektor tätig. In dieser Zeit (1987 – 1995) heiratete er 1994 seine zweite Frau Susanne Klare-Grußdorf .

Später wechselte er in die Lehrerweiterbildung an der Hessischen Lehrkräfteakademie und wurde 2016 in den Ruhestand versetzt.

Erste politische Schritte unternahm Joachim Grußdorf in der antiautoritären Schülerbewegung 1968. Kommunalpolitisch betätigte er sich jedoch erst seit 2009 in Gießen. Schon 2011 amtierte er als ehrenamtlicher Stadtrat im Magistrat und war ab 2016 bis zu seiner Wahl zum Stadtverordnetenvorsteher 2021 Stadtverordneter. Darüber hinaus fungierte Grußdorf als Schul- und kulturpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, sowie als Mitglied im Schul- und Kulturausschuss des Hessischen Städtetags. Er war Aufsichtsrat in „Schule@Gießen“ und Mitglied im Vorstand des Behindertenbeirats sowie Mitglied im Seniorenbeirat.

Neben Politik und Familie treiben ihn zwei weitere Leidenschaft um. Joachim Grußdorf spielt sehr gerne Gitarre und fährt leidenschaftlich und oft Fahrrad. Seit 2010 stehen regelmäßig Fahrradurlaube mit Distanzen von 500 Kilometern gemeinsam mit Frau Susanne auf dem Stundenplan. Beide hoffen sehr darauf, dass dies auch im Juli wieder klappen könnte. Die Freude an der Gartenarbeit teilt er ebenfalls gerne mit ihr und abends greift Joachim auch schon mal zur Krimi-Nachtlektüre.

Einen seiner prägnanten Grundsätze machte er in seiner Einführungsrede in das Amt des Gießener Stadtverordnetenvorstehers deutlich. „In einem demokratischen Gemeinwesen ist kein Thema es wert, über den Streit das Gemeinsame in Vergessenheit geraten zu lassen.“

In diesem Sinne wünscht auch gerdaus-welt ihm für seine weitere politische und private Zukunft viel Glück und vor allem Gesundheit.

sig/Foto: privat