Offener Brief: Verkehrskonzept für das Hinterthal

Sehr geehrte Herren, ich werde den Anhang morgen der Bürgermeisterin Frau Gronau mit der Bitte um Weiterleitung und Bearbeitung zukommen lassen, Ihnen zur Kenntnis und gegebenenfalls zur weiteren Verwendung. Mir geht es besonders um die Verkehrsentwicklung unserer Stadt.(Im konkreten Fall bin ich als Eigentümer Austraße 17 direkt betroffen.)Im Rahmen von notwendigen Entscheidungen der Stadtentwicklung darf die Lebensqualität durch fehlende Verkehrskonzepte nicht weiter „leiden“. Ich hoffe sehr, dass dies auch Ihr Anliegen ist und Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten unterstützend wirken. Mit freundlichen Grüßen Frank Dalwigk

Das Verkehrsaufkommen in der Herborner Austraße (Bildmitte) könnte sich mit der Hinterthal-Bebauung nochmal erhöhen.

An die/den
Bürgermeisterin Frau Gronau
Magistrat der Stadt Herborn
Stadtverordnetenversammlung der Stadt Herborn
Ortsbeirat der Stadt Herborn
per Mail an:
Manfred Rompf (Vorsitzender Ausschuss für Klima-, Umweltschutz, Energie und
Verkehr)
Initiative „Wir für Herborn“
Gerdaus-Welt (zur Veröffentlichung im Blog freigegeben)

Sehr geehrte Damen und Herren,
mit (Eigen-) Interesse verfolge ich die angedachte Änderungen des
Bebauungsplanes im Hinterthal (ehemaliger Toom Einkaufsmarkt).
Die Erläuterungen des Investors, am 07.07.2021, gaben mir und den anwesenden
Bürgern einen Einblick in die Planungen.
Vielen Dank für die Möglichkeit der Teilnahme.
Bei der Entscheidung über die Änderung des Bebauungsplanes, sollte die Grundund Geschossflächenzahl sozialverträglich festgelegt werden.
Die Interessen eines Investors stehen naturgemäß im Widerstreit mit den Interessen
der Betroffenen.
Hier sollte ein für beide Seiten akzeptabler Kompromiss gesucht werden.
Die Planungen der drei GBS Neubauten mit jeweils 20 Wohnungen, in unmittelbarer
Nähe auf dem ehemaligen Gelände der Berkenhoff GmbH, sind für das
Verkehrsaufkommen ebenfalls zu berücksichtigen.
Mit den aufgeführten Neubauten werden im Bebauungsbereich geschätzt deutlich
über 5 0 0 zusätzliche Bewohner zu erwarten sein.
Wie soll das in ein zeitgemäßes, für die Anwohner der Austraße erträgliches
Verkehrskonzept eingebracht werden?
Ein erster sehr guter Ansatz ist der integrierte Bau eines Parkhauses mit 200
Stellplätzen, von der Westerwaldstraße aus nutzbar.
Die Aussage, dass dadurch k e i n e zusätzliche Verkehrsbelastung in der Austraße
entsteht, ist meines Erachtens nach aber nicht richtig.
Kurzzeitparker, Lieferverkehr und Besucher können zum Beispiel vom
Parkhauskonzept nicht aufgefangen werden.
Erlauben Sie mir eine Beschreibung der Verkehrsentwicklung rund um und in
der Austraße
1.) Die Konrad-Adenauer-Straße wurde aus verständlichen Gründen, städtischer
Kindergarten, Kinderspielplatz und Johanneum Gymnasium durch verschiedene
Maßnahmen für Verkehrsteilnehmer unattraktiv gestaltet. In erster Linie trägt die
ständige 30 km/h Regelung und deren Überwachung zur Verkehrsberuhigung bei.
Die Fahrbahnverengung Höhe Kindergarten und der Kreisel Otto-Wels-Straße sind
weitere wirksame Maßnahmen.
2.) Der Walkmühlenweg wurde zur Sackgasse und hat somit keinen
Durchgangsverkehr mehr zur Westerwaldstraße.
3.) Verkehrsabwicklung über die Austraße
Im südlichen Gewerbegebiet wurde der ehemalige Toom Markt (Hinterthal) durch
den Rewe Markt ersetzt. Dort sind weitere Versorger angesiedelt (Herkules
Baumarkt, Lidl, Thomas Philipps etc.). In den Zwischenbereichen sind mit Bell Oil,
Aldi, Schneider Sports oder Euronics weitere Händler die das Verkehrsaufkommen
zwangsläufig erhöhen.
Die Vitos Kliniken und der dortige Neubau AWO sind verkehrstechnisch ebenfalls an
die Austraße angebunden.
Inwieweit der Wohnpark Gutshof sich in der Austraße auswirkt bleibt abzuwarten.
Aus ehemals drei Durchgangsstraßen wurde im Laufe der Zeit eine, bei erheblich
gestiegenen Verkehrszahlen.
4.) Der Schulverkehr des Johanneum Gymnasiums belastet die Anwohner der
Austraße und der Otto-Wels-Straße sehr stark. Zu Schulbeginn und Ende werden
viele der mittlerweile ca. 1800 Schüler über die Otto-Wels-Straße gebracht /
abgeholt. Zeitweise entstehen gefährliche Situationen beim Aus- und Einsteigen
zwischen Fahrzeugführern und fußläufigen Schülern. Die temporär entstehenden
Lärmbelästigungen durch Hupen und das Türenschlagen sind ein belastender
Faktor. Das Abfließen des Verkehrs erfolgt über die Konrad-Adenauer-Straße /
Alstedweg / Austraße / Westerwaldstraße. Regelmäßig bilden sich Rückstaus von
der LZA Austraße/Westerwaldstraße bis zum Alstedweg.
Der Städtische Kindergarten wird ebenfalls häufig über die Otto-Wels-Straße
angefahren. Aktuell wird der Eingang Zur Grünen Flur / Otto-Wels-Straße zu Bringund Abholzeiten genutzt.Dies führt zu verkehrswidrigem Parken in der Otto-WelsStraße mit erhöhtem Gefahrenpotential.
5.) Hinzu kommen zukünftig die „neuen Anwohner“ (500+) im Hinterthal, die
über den Kreuzungsbereich Hinterthal / Austraße / Alstedweg die
Verkehrsbelastung erhöhen.
Allgemeine Hinweise
An Sonn- und Feiertagen wird die Austraße offensichtlich von einigen Zweirad- aber
auch von PKW Fahrern als Test- / Rennstrecke genutzt.
Gleiches gilt in den Abendstunden. Hier stellt sich die Frage der
Kontrollmöglichkeiten.
Kontrollen werden zumindest im Bereich Alstedweg/Hinterthal bis LZA
Westerwaldstraße nicht durchgeführt.
Das Überqueren der Austraße ist zeitweise kaum möglich.
Verkehrsberuhigende oder Geschwindigkeit reduzierende Maßnahmen gibt es keine.
Prüfung möglicher Maßnahmen
Eine zumindest zeitlich begrenzte Reduzierung der Geschwindigkeit auf 30 km/h.
Ein Fußgängerüberweg.
Sonstige Geschwindigkeitshemmer.
Verbote Schwerlastverkehr (ausschließlich über B 277).
Geschwindigkeitskontrollen (ggfls. feste Einrichtung).
Diese Aufzählung erhebt keineswegs den Anspruch auf Vollständigkeit. Die
Möglichkeiten sollten von Experten geprüft werden.
Ein Verkehrsgutachten könnte meiner Meinung nach hilfreich sein.
Insbesondere sollten Maßnahmen geprüft werden die eine Nutzung der
Umgehungsstraße B 277 attraktiv machen oder vorschreiben (z.B. Schwerverkehr).
Antrag
Aus den aufgeführten Gründen bitte ich darum, parallel zur Entscheidung bezüglich
einer Änderung des Bebauungsplanes im Hinterthal, ein VERKEHRSKONZEPT zu
erstellen, um einen „Verkehrsinfarkt“ in der Austraße zu vermeiden.
Ich bin mir bewusst, dass es für die unterschiedlichen Maßnahmen auch
unterschiedliche Zuständigkeiten gibt.
Zu einer sachgerechten Entscheidung über die Änderung eines Bebauungsplanes
gehört aus meiner Sicht eine vollumfängliche Betrachtung.
Unabhängig von der Änderung des Bebauungsplanes und dem damit
möglicherweise erhöhten Verkehrsaufkommen übersteigt bereits die aktuelle
Verkehrssituation den Rahmen des Erträglichen.
Mir jedenfalls reicht die gestrige Begründung des Investors zu verschiedenen
Fragen: „Erfahrungsgemäß regelt sich das von alleine“, nicht aus.

Mit freundlichen Grüßen

Frank Dalwigk

Zur Diskussion und Erledigung in den zuständigen Gremien mit der Bitte um
Rückmeldung

Stellungnahmen

Von: rompf.manfred@web.de
Datum: 9. Juli 2021
An: „Frank Dalwigk“ <Frank_Dalwigk@gmx.de>
Cc: buergerherborn2051@aol.com,
„Siggi Gerdau“ <siggi@gerdau-welt.de>
Betreff: Re: Änderung des Bebauungsplanes in Herborn Hinterthal – VERKEHRSKONZEPT

Sehr geehrter Herr Dalwigk,
ganz herzlichen Dank für Ihre treffende Beschreibung des Verkehrsaufkommens in der Austrasse.
Ich werde Ihr Schreiben am Montag in unserer Fraktion besprechen und entsprechen politische Überlegungen andiskutieren.
Beste Grüße
Manfred Rompf Fraktion GRÜNE Herborn

Viele Fragen zum Herborner Hinterthal

Von Siegfried Gerdau

Völlig unstrittig war in der am vergangenen Mittwoch stattfindenden Herborner Bauausschusssitzung, am Standort der geplanten Herborner Wohnsiedlung Hinterthal, dass hier Wohnraum entstehen soll. Über die Frage wie und in welchem Umfang, gab es teils unterschiedliche Meinungen. Vertretern des Investors, der HELM Wohnpark Herborn GmbH & Co. KG, Aßlar, den Mitgliedern des Ausschusses für Bauen, Stadtentwicklung, Stadtteilfragen und Wirtschaftsförderung, sowie zahlreichen interessierte Anliegern und anderen Herborner Bürgern, machten sich vor Ort ein Bild. Mit einem Ballon wollten man den Anwesenden eine visuelle Vorstellung darüber vermitteln, wie hoch sich die geplanten 15 Wohntürme einschließlich eines geplanten Parkhauses in der Realität darstellten. Eine Drohne machte dies schließlich möglich.

Die Banner an der Baustelle drücken das Unverständnis einiger Bürger über die Ballung von Wohnungen auf relativ kleinem Raum aus.

Mittlerweile hatte der Investor zu den Fragen und Anregungen des Ausschusses Stellung genommen und schriftlich signalisiert, einer Anpassung der „Geschossigkeit“ nicht im Wege zu stehen. Das heißt nach dem derzeitigen Entwicklungsstand im Klartext: Die ehemalige Geschoßhöhe von sechs plus einer Staffelhöhe bei fünf Gebäuden auf fünf plus einer Staffelhöhe zu verringern. Die habe aber zur Folge, dass damit erheblich in die Wirtschaftlichkeitsberechnung eingriffen werden müsste, erklärte ein Mitarbeiter des Unternehmens. Die Folge: Der Wohnraum wird teurer.

Verblüffung bei einigen der rund 70 Anwesenden über die immer noch reale Höhe von über 18 Meter bei den fünf mittleren Häusern und den restlichen zehn Häusern von effektiven rund 15 Metern.  Die GRZ könne hingegen von 0,8 auf 0,6 verringert werden, so Helm und damit dem Ausschuss entgegenkommen. Diese Grundflächenzahl ist neben der Art der Bebauung wichtig zur Bewertung und Nutzbarkeit eines Grundstücks. Sie gibt den Anteil an der Gesamtfläche des Baugrundstücks an, der sich überbauen lässt. Die Angabe erfolgt als Dezimalzahl. Ein Wert von 0,4 sagt aus, dass sich ein Anteil von 40 Prozent am Gesamtgrundstück überbauen oder versiegeln lässt. In der Regel darf der Wert 0,8 nicht überschreiten.  

Baugesetzbuch *) (BauGB)

§ 3 Beteiligung der Öffentlichkeit

(1) Die Öffentlichkeit ist möglichst frühzeitig über die allgemeinen Ziele und Zwecke der Planung, sich wesentlich unterscheidende Lösungen, die für die Neugestaltung oder Entwicklung eines Gebiets in Betracht kommen, und die voraussichtlichen Auswirkungen der Planung öffentlich zu unterrichten; ihr ist Gelegenheit zur Äußerung und Erörterung zu geben. Auch Kinder und Jugendliche sind Teil der Öffentlichkeit im Sinne des Satzes 1. Von der Unterrichtung und Erörterung kann abgesehen werden, wenn ein Bebauungsplan aufgestellt oder aufgehoben wird und sich dies auf das Plangebiet und die Nachbargebiete nicht oder nur unwesentlich auswirkt….

Es empfiehlt sich, Bauleitplanverfahren durch einen Beschluss der Gemeinde einzuleiten. Im Beschluss ist anzugeben, ob es sich um eine Neuaufstellung, Änderung, Ergänzung oder Aufhebung handelt. Der Aufstellungsbeschluss ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Im Hinblick auf Transparenz und Bürgerfreundlichkeit ist es aber zweckmäßig, einen solchen Beschluss zu fassen. (Quelle: Baugesetzbuches (BauGB).

Bebauungsplan (B-Plan)

Wurde ein bestimmtes Gebiet erschlossen und zu baureifem Land erklärt, legt die jeweilige Gemeinde mithilfe eines Bebauungsplans fest, wie die dortigen Wohngebäude aussehen sollen und dürfen (Dachform und -farbe, Farbe und Material der Außenfassade, Anordnung von Balkonen, Anzahl der Geschosse. Außerdem wird festgelegt, wie viel Fläche von einem einzelnen Grundstück bebaut werden darf. Dies soll dazu dienen, ein einheitliches Stadtbild herzustellen. Außerdem sollen auch die Interessen des Einzelnen garantiert werden. Wenn beispielsweise ein einzelnes Gebäude mit mehreren Geschossen gebaut wird, schlägt es unter Umständen Schatten auf den kompletten Garten des Nachbarn. Dies verletzt nicht nur die Nachbarschaftsinteressen, sondern mindert auch den Wert des Grundstücks. Dies wird in einem Bebauungsplan festgelegt. Hier spielen besonders die Kennzahlen der Geschossflächenzahl (GFZ), der Grundflächenzahl (GRZ) sowie die Anzahl der Vollgeschosse eine zentrale Rolle. Die GRZ legt fest, wie viel Fläche des Grundstücks bebaut werden darf. Die GFZ hingegen besagt, wie viel Quadratmeter Wohnfläche insgesamt auf dem Grundstück errichtet werden darf. Die Anzahl der Vollgeschosse definiert, wie viele Geschosse das Gebäude auf dem jeweiligen Grundstück haben darf.

Der Begriff Staffelgeschoss bezeichnet Geschosse, die gegenüber den darunterliegenden Geschossen zurückspringen und eine kleinere Grundfläche aufweisen. Es wird aus statischen Gründen verwendet oder um eine optische Aufweitung des Straßenraums nach oben zu erreichen. Staffelgeschosse können Schlupflöcher bei bestimmten Bauvorschriften sein. Vollgeschoss oder Nicht-Vollgeschoss? Das ist bei der Umsetzung der Bauordnung oft die Frage. Ein Staffelgeschoss als oberstes Geschoss ist oft die Lösung, wenn man das Haus nach oben hin erweitern will, es aber laut Bauordnung nicht darf. Wird ein zurück gestaffeltes Obergeschoss als Nicht-Vollgeschoss eingestuft, lassen sich damit Vorschriften austricksen. In dem Fall darf die nutzbare Grundfläche der obersten Etage zwei Dritteln der Haus-Grundfläche nicht überschreiten und in Folge wird sie nicht als Vollgeschoss eingestuft. Das Haus entspricht damit dennoch dem Bebauungsplan. Quelle: Thomas Hess, Redaktion Haus de.

Die Bebauung der ehemaligen REWE/TOOM- Fläche mit den 15 Wohneinheiten soll in drei bis vier Baueinheiten erfolgen. Dies sei abhängig von der Bedarfsnachfrage in Herborn und dem Verkauf der Wohnungen. Die Planung sehe vor, das Parkhaus parallel mit der Westerwaldstraße mit den ersten Wohneinheiten fertigzustellen. Die konnte man dem Frage und Antwortschreiben entnehmen. Darüber, wie viele Jahre dann tatsächlich die Baumaschinen und Bauarbeiter im Hinterthal das Sagen haben, lässt sich nur spekulieren.

Interessant in diesem Zusammenhang: Die Zufahrt zum Wohngebiet ist vom Parkhaus aus nicht möglich. Vor den geplanten Häusern sollen jedoch pro Haus wenige Kurzzeitparkplätze eingerichtet werden, um zum Beispiel Einkäufe auszuladen. Danach müssen die Fahrzeuge wieder durch die Siedlung über Austraße und Westerwaldstraße zurück ins Parkhaus gefahren werden.

Weitere Fragen nach Lademöglichkeiten im Parkhaus für die schon bald kommende Elektroauto-Generation wurden in der Sitzung, die nach der Ortsbesichtigung im Merkenbacher Bürgerhaus stattfand, nicht weiterverfolgt. Fakt ist jedoch, dass dies ohne eine entsprechende Trafostation und der (noch) nicht vorhandenen städtischen Stromkapazität kaum zu realisieren ist.

Der ebenfalls in der Sitzung anwesende Geschäftsführer der Genossenschaft für Bau & Siedlungswesen Herborn eG (GBS) Mark-Thomas Kling pochte darauf, nun doch endlich die Voraussetzungen für den Bau der geplanten drei Wohnhäuser mit insgesamt 60 Mietwohnungen am Beginn der Hinterthalfläche zu schaffen. Er reagierte auf die Anregung von Thea Garotti sich doch zwecks Kinderspielplätze mit den Bauplanern von Helm zusammen zu setzen. „In dieser Planungsphase werde ich keinesfalls irgendwelche Veränderungen oder Absprachen vornehmen“, machte er deutlich. Er habe mittlerweile nach zweijähriger Wartezeit alle, immer wieder neue, Forderungen des Gießener Regierungspräsidium bezüglich der Untersuchungen nach Altlasten auf dem ehemaligen Bedra-Gelände erfüllt.

Dieser Öltank war ebenfalls eine Altlast auf dem GBS-Gelände. Er wird in Kürze entsorgt.

Das sei ja auch im Interesse der zukünftigen Bewohner absolut geboten, sagte Garotti. Dass nur wenige Minuten vorher die Anfrage von Bauausschussmitglied Jonas Trocha (CDU) nach einer möglichen Tieferlegung der Helm-Häuser deutlich anders beantwortete wurde, war schon erstaunlich. Er bekam als Antwort: „Da wollen wir lieber mal nicht so tief hineinschauen, sonst steht uns das gleiche Problem (bezüglich Altlasten red) ins Haus wie damals auf dem Pertuis-Platz“. In einer für den 2. September geplanten Bürgerversammlung will die Stadt über das weitere Vorgehen im Hinterthal informieren. Fotos: Gerdau

Endlich! Lisa und Nico sind wieder da!

Corona-Sicher vor der KuSch in Herborn

Termin: Samstag, 10.07.2021, 20:00 Uhr. Ort: Vor der Kulturscheune in Herborn, bei schlechtem Wetter IN der KuSch Preise: 20€ (18 erm.), an der Abendkasse jeweils +2€
Bereits im fünften Jahr gastieren Lisa und Nico in der KuSch mit ihren Konzerten Lisa & Nico. Diesmal mit kleiner Band-Besetzung: Klavier+ Gesang: Nicolai Benner, Gesang: Lisa Thomas
Drums: Nico Weyland, Gitarre: Malte Napp, Bass: Dominik Bierbüsse
Das Programm wird eine Mischung aus Rock- und Popsongs, Klavierkabarett und Musical. Nach insgesamt über zwei Jahren Zwangs-Pause (letzter Auftritt war im März 2019) sind die Beiden extrem froh, dass es nun endlich wieder losgehen kann und sie wieder vor Menschen auftreten dürfen. Insgesamt hatten sie bereits sieben ausverkaufte Abende in der KuSch.

Die Karten von Lisa, Nico und Friends, die für April 2020 gekauft wurden, haben für dieses Konzert jedoch KEINE Gültigkeit, da es sich um ein komplett anderes Konzertprogramm handelt. Die Karten für die April 2020-Veranstaltung gelten aber weiterhin für die geplanten Konzerte von Lisa, Nico und Friends im Oktober 2021.

Wo einst Eisenerz dominierte, rösten heute die Bohnen.

Von Siegfried Gerdau

Inge Lauel und Oliver Keller von der Herborner Kaffeerösterei Inge Lauel verschafften mir am vergangenen Freitag einen Kurztrip in Sachen Heimatkunde und Zeitgeschichte. Das Unternehmerpaar betreibt neben einer Ladengeschäftes auf dem Herborner Kornmarkt 1, seit geraumer Zeit eine Produktionsstätte zur Kaffeebohnenröstung in Oberscheld. Genauer gesagt auf dem Gelände der ehemaligen Eisenerz-Grube Königszug direkt an der Schelde-Lahn-Straße. In dem gut erhaltenen Sozialgebäude aus wunderschönen Backsteinen, wo sich früher die Bergleute für die Untertageschicht fertigmachten, duftet es heute nach handverlesenen Kaffeebohnen. Auch zwei Drehteams drehten hier. Den Streifen vom HR kann man am Ende des Artikels aufrufen

Ein schlichtes Schild weist auf die Produktionsstätte hin.
Inge Lauel mit Oliver Keller und Florian Lumeau vom HR (von links).

Als ich nach einer kleinen Irrfahrt-wer weiß denn schon genau wo die Grube Königszug liegt- ankam, hatte Reporter Florian Lumeau vom Hessischen Rundfunk schon sein Equipment eingeräumt. Der Wiesbadener Filmemacher Manuel Bahmer war hingegen mit seinem Team noch voll zu Gange. Zum Glück für mich. Sollte ich mir doch ein Bild von der Aktion in den historischen Räumen machen. Der Eingangsbereich war von Uniformierten bewacht und ich hatte das Gefühl als Eindringling zu stören. Olli Keller kam mir entgegen und räumte gleich mit diesem Eindruck auf. „Das sind die Protagonisten von der Dillenburger Lebenshilfe Am Forstdenkmal und die haben gerade eine Drehpause.“  

Die Protagonisten nehmen ihre Rollen sehr ernst.

Bei mir hatte sich auf der Rollerfahrt eine Schraube gelockert. Natürlich nicht in meinem Kopf, sondern in einem meiner Objektive. Olli stürmte los, kam mit Uhrmacherbesteck zurück und ich konnte den Schaden beheben.

Manuel Bahmer in Doppelfunktion als Regisseur und Kameramann, lässt sich von Inge das Röst-Handwerk erklären.

Vorsichtig näherte ich mich dem Drehort. Inge erklärte dem Mann vom Film gerade die Kaffeeröstanlage. Im Raum davor ruhten sich Filmleute und Darsteller samt dem Lebenshilfe- Kulturreferenten Sascha Kirchhoff zwischen den Kaffeesäcken aus. Sascha nutzte die Zeit, um mir alles zu erklären: Seine Jungs hätten die Zeit des Lockdowns zwar überstanden, aber es sei so gar nichts passiert. Da sei ihm der Gedanke gekommen, wieder einmal einen Film mit ihnen zusammen zu drehen.

Auch Kulturreferent Sascha Kirchhoff braucht mal eine Pause nach einem langen Drehtag.

Der Zufall wollte es, dass er vor einem Jahr Manuel kennenlernte und den konnte er für das Projekt begeistern. Das tolle daran, Manuel Bahmer wollte alles völlig unentgeltlich machen. Rasch hatte Kirchhoff eine Crew zusammengestellt und auch ein Drehbuch entstand in relativ kurzer Zeit. In dem Streifen geht es um eine Zeitreise und die Kaffeerösterei Inge Lauel spielt darin eine wichtige Rolle. Zwischen ihren Kaffeebohnen befindet sich ein Sack mit einer Zauberbohne und die muss gefunden werden.

Um diesen schmucken Kaffeesack aus Mexiko dreht sich (fast) alles.

Dafür rückt sogar die amerikanische Polizei mit einem ihrer Dienstwagen aus. Soviel zur Handlung. Mehr wird noch nicht verraten. Das Unternehmerpaar hatte sich mit Kaffee und Kuchen, sowie einem Sortiment von leckeren Pralinen aus dem eigenen Angebot, gut auf den Drehtag vorbereitet. Auch Vermieter Addi Hagelüken schaute vorbei und fand die Idee einfach Spitze.

Haltung zeigen, wenn der Dienstwagen vorfährt.

Mitten in den Szenegesprächen ertönten auf einmal Hornsignale. „Dynamit sprengt gerade wieder“, sagte Inge und kurz darauf gab es einen mörderischen Knall. Das passiere sechsmal am Tag, aber man gewöhne sich daran, meinte sie achselzuckend. Der Hintergrund: Die Firma DMC Dynaplat, ehemals aus Dynamit Nobel hervorgegangen und jetzt die Tochter eines amerikanischen Unternehmens, fügt Metalle, die sich auf herkömmliche Art nicht miteinander verbinden lassen, mittels Sprengung zusammen. Das passiert tief in der Grube Königszug und belästigt bis auf den Sprenglärm wohl niemand.     

Inge Lauel hat mit ihrer Kaffeerösterei ihre Berufung gefunden.

Die Grube Königszug war eine Eisenerzgrube bei Eibach (Gemeinde Dillenburg) im Lahn-Dill-Kreis. Sie war zeitweise die größte Eisenerzgrube in Hessen. Die Grube lag zwischen Oberscheld, Eibach und Nanzenbach. In ihrer aktiven Zeit war sie eine von mehreren Gruben rund um das Bergmannsdorf Oberscheld. Ihre oberirdischen Gebäude sind als einzige noch gut erhalten und werden von unterschiedlichen Firmen genutzt. Noch 1957 förderte Buderus 142 249 Tonnen Eisenerz. 500 Bergleute förderten in der Hoch- Zeit der Grube das sehr ergiebige Eisenerzgestein zu Tage. 1968 wurde der Betrieb endgültig eingestellt- aus wirtschaftlichen Gründen wie es heißt. Fotos: Gerdau

Bitte den Link von HR doppelt anklicken und im aufploppenden Fenster noch einmal klicken.

Video: Hollywood in Dillenburg | hr-fernsehen.de | Sendungen (mit freundlicher Genehmigung vom Hessischen Rundfunk)

Wieviel Wert sind uns die Kinder?

Von Siegfried Gerdau

Was während der Hochphase der Corona-Pandemie, aufgrund geringerer Präsenzzahlen in der Schule, keinerlei Probleme darstellte, tritt derzeit wieder in aller Deutlichkeit zu Tage. Es geht um die Bustransporte der Schülerinnen und Schüler von und nach den Schulstandorten. Die Plätze in den Bussen sind in der Regel „ausgebucht“, so dass die Fahrerinnen und Fahrer nicht selten gezwungen sind, Jugendliche und Kinder an den Haltestellen stehen zu lassen. Dieses Problem bestand jedoch auch schon lange vor Corona und trotz vieler Eingaben und Presseartikel hat sich daran nichts geändert.

„Ein weiteres Problem ist die Unmöglichkeit die AHA- Regel einzuhalten. Dies auch dann nicht, wenn die genehmigte Anzahl der Transportierten eingehalten wird“, sagte Dane Anders, Vorsitzender des Schulelternbeirates (SEB) des Herborner Johanneum-Gymnasium. Während in „seiner“ Schule sehr genau auf Kontaktbeschränkung und Hygiene geachtet werde, hätten die Schüler in den vollen Bussen keine Chancen sich vor Ansteckung zu schützen. So groß die Freude der Eltern von nahezu 1 800 Schülerinnen und Schüler des Johanneum über die Rückkehr in einen normalen Schulalltag auch sei, habe ein Großteil von ihnen berechtigte Angst um ihre Kinder. Dass manche Schul-Buspendler Gefahr laufen, in den frühen Morgenstunden oder nachmittags bei Wind und Wetter an den Haltestellen auszuharren und zu hoffen, dass wenigstens der nächste Bus sie mitnehmen kann, hält Dane Anders für einen Skandal. Dies gelte besonders für die sattsam bekannten „Problemlinien“ wie Aartal, Greifenstein, Sinn und die Strecken auf den Westerwald.

Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden, fordert der gesamte Schulelternbeirat des Gymnasiums. In einem Schreiben an das Hessische Kultusministerium und den Lahn-Dill-Kreis, bittet Anders die kritischen Buslinien zu entzerren, um die jeweils zu befördernde Schülerzahl zu verringern. Die Busunternehmer haben bereits vor geraumer Zeit eine Transport- Kapazitäten- Erweiterung aus ihrer Sicht in den Bereich der Möglichkeiten gestellt. Für den Johanneum-Elternbeirat kommt eine versetzte Öffnungszeit für jeweils die Hälfte der Schüler nicht in Frage. Damit würden sich automatisch die Nachmittags-Freizeitaktivitäten der Schüler, wie gemeinsamer Sport oder Musikunterricht, erledigen. Ausdrücklich weisen die Schulelternbeiräte jedoch daraufhin, dass sich ihre Kritik an den aktuellen Zuständen keinesfalls gegen die Buslinienbetreiber und schon gar nicht gegen die Leitung des Johanneum- Gymnasiums richtet.   

Die Glaskugel war selbst für Nostradamus kein zuverlässiges Vorhersageinstrument. Foto: Gerdau

Kommentar

Aus fundierter, zuverlässiger Quelle ist zu vernehmen, dass uns Corona mit seiner indischen Variante (D) schon bald viel mehr zu schaffen machen wird, als derzeit noch von den meisten Bürgerinnen und Bürgern vermutet. D ist weitaus infektiöser als seine Vorgänger und Experten warnen schon jetzt davor, dass bereits ein Sekret-Tröpfchen eines Infizierten genügt, um das Virus weiterzureichen.

Wir wiegen uns in Sicherheit, reisen in Massen in andere Länder, feiern unbekümmert Partys und tun so als sei alles vorbei. Ist es nicht und es wird zum Sommerende hin schlimmer werden, als im vergangenen Jahr.

Politiker aller Ebenen streiten über den Gender-Firlefanz und wiegen das Volk in Sachen Corona in einer trügerischen Sicherheit. Man möchte die bestehenden Unruhen auf den Straßen nicht verstärken und hat die Bundestagswahl im Fokus.

Gleichzeitig sammelt Corona D seine Truppen, um an Stärke zu gewinnen. Wir schauen zu oder weg und ignorieren, was da wieder auf uns zu kommt. Jetzt wäre es spätestens an der Zeit, entsprechende Maßnahmen einzuleiten, um dem Angriff der unsichtbaren Menschenfeinde begegnen zu können.

Dazu gehören dringend vorbeugende Maßnahmen für einen infektionssicheren Schulbustransport unserer Kinder. Es sind nur wenige Wochen bis zum Ferienbeginn, aber manche Familien werden unliebsame Mitbringsel bei der Rückkehr im Gepäck haben. Darüber, auf welchen Wegen diese dann nach den Ferien in den randvollen Bussen verteilt werden, lässt sich nur spekulieren. Fragen über Fragen, die jetzt einer Klärung bedürfen. Wenn der Schutz erst während einer neuen Pandemie wieder hochgefahren wird, kann es zu spät sein. sig

„Bergpredigt“ mit Hindernissen

Felix Reck ließ mir dieses köstliche Geschichtchen zukommen. Ich hoffe die Leser von gerdaus-welt.de freuen sich darüber genauso wie ich und sehen in ihm keine Blasphemie.

Ein Langenaubacher Pastor hatte vor seiner ersten Predigt großes Lampenfieber. Er fragte seinen Apotheker um Rat,

    was er dagegen tun könnte. Dieser empfahl ihm, vor dem Spiegel zu üben und immer dann, wenn er anfangen würde

    zu zittern, solle er einen Schnaps trinken.

    Am Sonntagmorgen zitterte der Pastor siebzehnmal und bestieg anschließend die Kanzel. Nach seiner Predigt verließ er diese

    unter anhaltendem Beifall der Gemeinde. Sein Apotheker lobte ihn auch, erklärte ihm aber gleichzeitig, dass er zehn Fehler

    in seiner Predigt hatte:

    1. Eva hat Adam nicht mit der Pflaume, sondern mit einem Apfel verführt.

    2. Kain hat Abel nicht mit einer MP erschossen, sondern ihn erschlagen.

    3. Es heißt auch nicht Berghotel, sondern Bergpredigt.

    4. Jesus wurde nicht auf einer Kreuzung überfahren, sondern gekreuzigt.

    5. Gott opferte seinen Sohn nicht den Eingeborenen, sondern seinen eingeborenen Sohn.

    6. Es war nicht der warmherzige Bernhardiner, sondern der barmherzige Samariter.

    7. In der Bibel steht auch nicht: „Suche mich nicht in der Unterführung”, sondern dort heißt

        es ”führe mich nicht in Versuchung”.

    8. Weiter heißt auch nicht: „Dem Hammel sein Ding”, sondern: “Dem Himmel sei Dank”.

    9. Es heißt nicht „Jesus, meine Kuh frisst nicht”, sondern „Jesus meine Zuversicht”.

  10. Am Ende der Predigt sagt man „AMEN” und nicht „Prost”. (Ähnlichkeit mit noch lebenden oder bereits verstorbenen Personen sind rein zufällig und keinesfalls beabsichtigt)

„Jede Schulstunde muss zugleich eine Deutschstunde sein“

Von Siegfried Gerdau

In einer Video-Pressekonferenz, an der neben dem Hessischen Kultusminister Professor Dr. Alexander Lorz (CDU), der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt Prof. Dr. Ronald Kaehlbrandt, Dr. Jörg F. Maas (Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen) und die Schulleiterin der Pestalozzi- Grundschule in Herborn- Schönbach, Herborn- Hörbach sowie der Neue Friedensschule in Merkenbach und Sinn Esther Ringsdorf- Zörb teilnahmen, ging es um das brandaktuelle Thema „Stärkung der Bildungssprache Deutsch“.

Videokonferenzen sind während der Corona-Pandemie „Salonfähig“ geworden.

In seinem Statement machte der Minister deutlich, dass ihm dieses Thema sehr wichtig sei und es eines der zentralen Maßnahmenpakete der Landesregierung wäre. „Es ist heute eben nicht mehr selbstverständlich, dass die Bildungssprache Deutsch ist und das trifft nicht selten auch auf Kinder zu, die keinen Migrationshintergrund haben.“ Es bestehe in der Kultusministerkonferenz große Einigkeit, dass dafür aktiv und Länderübergreifend etwas getan werden müsse, sagte Lorz. Deutsch müsse eben nicht nur in der originären Deutschstunde unterrichtet werden. „Jede Schulstunde muss zugleich auch eine Deutschstunde sein“, forderte er. Das Ziel sei, dass jedes Kind von der ersten Schulstunde mitreden können müsse. Wenn bei den einschlägigen Einschulungs-Tests hier sprachliche Defizite festgestellt würden, habe man noch ein Jahr Zeit, die entsprechenden Maßnahmen einzuleiten. Er nannte in diesem Zusammenhang verpflichtende Vorlaufkurse im kommenden Schuljahr, eine zusätzliche Deutschstunde in der 4. Jahrgangsstufe und die verbindliche Festlegung einer verbundenen Handschrift.

Der Maßnahmenkatalog des Ministers war prall gefüllt.

Die Handschrift von Kindern und Jugendlichen hat sich seit etwa drei Jahrzehnten dramatisch verschlechtert. Zu dieser Einschätzung kamen jedenfalls mehr als 2000 Lehrkräfte aus Grund- und Sekundarschulen, die 2015 zum Handschreiben vom Schreibmotorik Institut im Auftrag des Deutschen Lehrerverbands befragt wurden. Ende 2018 hat der Verband Bildung und Erziehung nochmals eine vergleichbare Umfrage von diesem Institut durchführen lassen, wiederum mit ähnlich besorgniserregenden Ergebnissen. Danach sind nur vier Prozent der befragten Lehrkräfte an Sekundarschulen mit der Handschrift ihrer Schülerinnen und Schüler zufrieden. Grundschullehrkräfte gaben an, dass „über ein Drittel der Kinder Probleme hat, eine gut lesbare, flüssige Handschrift zu entwickeln“. An Sekundarschulen könnten „nur zwei von fünf Jugendlichen 30 Minuten und länger beschwerdefrei schreiben“. Lehrkräfte an weiterführenden Schulen sehen die größten Probleme in unleserlichen Schriften und im zu langsamen Schreiben, was Rechtschreibschwierigkeiten auslösen, aber auch die schulischen Leistungen generell beeinträchtigen könne. Drei Viertel der Lehrkräfte fordern deshalb ein spezielles motorisches Schreibtraining. Es fehle ihnen aber das nötige Wissen, ein förderndes Schreibtraining durchzuführen, denn in der Lehrerausbildung werde Handschreiben gar nicht mehr oder nur noch am Rande vermittelt. Wer Kindern später im Schuldienst die Technik des Schreibens nahebringen möchte, benötigt jedoch eine genaue Kenntnis des bewegungsrichtigen Schreibens einzelner Buchstaben und Buchstabenverbindungen sowie schreibmotorischer Fähigkeiten. Daher sollten die Didaktik und Praxis des Handschreibens in der Ausbildung für das Lehramt an Grundschulen wieder einen hohen Stellenwert bekommen. Quelle: Siegener Erklärung zur Schrift in der Schule.

Resultierend aus diesen Schwierigkeiten hat die hessische Landesregierung die Konsequenzen gezogen und mittels Auswahlverengung die verbindliche Festlegung einer vereinfachten Ausgangsschrift eingeführt. „Weniger Schnörkel sollen die Schrift flüssiger machen“, so der Minister. Dem für viele Menschen suspekten „Schreiben nach Gehör“ wird so ganz am Rande die Existenzberechtigung entzogen.   

Auch die in den vergangenen drei Jahrzehnten vernachlässigte Handschrift der Schüler soll eine Aufwertung erfahren.

Der Grundwortschatz wird auf 850 Worteinheiten festgelegt, die in der Grundschule verpflichtend geübt werden müssen und Schreibfehler werden bereits ab dem 2. Schulhalbjahr korrigiert. Der Minister nannte dies pädagogisch motivierte Fehlerkorrektur. Sehr deutlich machte er klar, dass das Korrigieren nicht mit dem Bewerten gleichzusetzen sei. Falsch sei also nicht gleich eine schlechte Note. Auch an den höheren Klassen, wie die 9/10 wird im übernächsten Jahr der Fehlerindex eingeführt.

Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main warb sehr überzeugend für sein langjähriges Erfolgskonzept „Deutschsommer – Ferien, die schlau machen“. Der spielerische Umgang mit der Bildungssprache Deutsch bedeute für die Frankfurter Drittklässlerinnen und Drittklässler: Drei Wochen lang Ferien erleben, die schlau machen. „Die Kinder lernen nicht nur Deutsch und Theater spielen, sondern auch sich selbst und andere besser kennen. In Fach-, Selbst- und Sozialkompetenzen gestärkt, starten sie anschließend in das entscheidende vierte Schuljahr“, erklärte der Professor.

Die Lesekompetenz möchte das Kultusministerium ebenfalls massiv stärken. Im Vergleich mit anderen Ländern fehle es bei Kindern und Jugendlichen erheblich an der entsprechenden Motivation. Jedoch: Die Fähigkeit, Texte zu lesen und zu verstehen, beeinflusst alle Bereiche des Lebens und ist auch in der Schule wichtig und notwendig für das Lernen in allen Unterrichtsfächern.

100 Millionen Euro will Hessen in der kommenden Zeit für dies Stärkung der Bildungssprache ausgeben. Auch an eine entsprechende Aufstockung an Lehrkräften ist gedacht. Ebenfalls sollen diese entsprechend Aus- und Weitergebildet werden.

Reformen kosten, aber in der Bildung ist das Geld gut angelegt.

Dieses gesamte Maßnahmenpaket sei ein dickes Brett, sagte Dr. Jörg Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen. Er und sein Stiftungskollege Kaehlbrandt arbeiten eng mit dem Kultusministerium zusammen. Die Lesekompetenz schon im Klein-Kindesalter zu entwickeln, halte er für unabdingbar. Schule alleine könne das später nicht schaffen und hier seien die Eltern gefragt. Täglich eine halbe Stunde vorlesen könne so den Grundstock für die spätere Lesekompetenz liefern.

Deutsch in Wort und Schrift zu beherrschen, sei der Schlüssel für alles andere, sagte Schulleiterin Ester Ringsdorf-Zörb. „Ohne diese Kompetenzen versanden alle Talente“, fügte die Rektorin hinzu. So halte sie alle Maßnahmen, die geeignet seien Sprachkompetenzen zu stärken für gut und richtig. Wichtig seien jedoch einheitliche Regeln, zeigt sie sich überzeugt.

Auch zum Thema Korrektur vertrat sie nachdrücklich ihren Standpunkt. „Das ist nichts Schlimmes. So würde ein Gitarrenlehrer nie auf die Idee kommen, falsche Anschläge seiner Schüler unkorrigiert zu lassen“, fügte sie hinzu. „Wenn ich auch nur ein Kind wegen seiner Deutsch-Defizite zurückstellen muss, tut mir das sehr leid.“ All diese eingeleiteten Maßnahmen verpflichtend zu machen sei richtig. Sie helfen dem Kind und Jugendlichen gut durch die Schule zu kommen. Sehr authentisch und realitätsnah sprach Ester Ringsdorf-Zörb im Anschluss über ihre nachhaltigen Erfahrungen aus dem Schulalltag.

Die Frage eines der anwesenden Pressevertreter nach der Ursache mangelnder Motivation bei Jugendlichen in Punkto Lesefleiß beantwortete Jörg Maas wie folgt: „Entscheidend sind die ersten sechs Lebensjahre. Diese entscheiden über den weiteren Verlauf und das spätere Leseinteresse des Kindes. Das können Eltern sehr stark durch Vorlesen beeinflussen“. Natürlich könne da später ein Motivationsknick aus den unterschiedlichsten Gründen eintreten, fügte er hinzu, aber die einmal geschaffene Basis sei Gold Wert. Die Pressekonferenz wurde von Michael Ashelm, Pressesprecher des Hessischen Kultusministerium geleitet. Fotos: Gerdau

Unglaublich aber wahr

Nachfolgend angehängte Messanger erreichte mich eben (21 Uhr). Ich bin fassungslos und kann gut verstehen, dass mein Bekannter sich auf den Arm genommen fühlt. Sind wir in unserem Land eigentlich noch normal? Ich habe mittlerweile berechtigte Zweifel. Übrigens: Wenn jemand auf den Gedanken kommt und meint ich würde Fake News verteilen, muss ich ihn enttäuschen. Der Mann ist über jeden Zweifel erhaben und ich glaube ihm jedes Wort. Natürlich ist mir sein vollständiger Name sowie seine Anschrift bekannt.

Hey Siggi

Ich komme gerade aus Rumänien heim. Ich sitze im „Blabla Fern-Bus“ mit anderen acht Personen.

Ich musste diesen Weg wählen, da ich heute morgen keinen PCR TEST am Flughafen hatte.

Der Flieger ging dann ohne mich.

Dann reisten neun Personen stundenlang ohne Maske und Corona-Test auf dem normalem Landweg in Deutschland ein.

Mann, das sollte man echt mal bringen, um die Leute aufzuwecken🥺😩

Das ist doch alles nicht mehr nachvollziehbar.

Ausreisen und in Rumänien einreisen auf dem Landweg darf man ohne Test🤭

Lieben Gruß W.

Stadtentwicklung mit Fingerspitzengefühl

Von Siegfried Gerdau

Nicht erst in jüngster Zeit stehen der Wohnungsbau und damit die Mietpreise in der Region Herborn und anderswo immer wieder zur Debatte. Dem Ruf „wir brauchen Wohnungen“, wird nicht zu Unrecht genauso oft dagegengehalten, „aber zu bezahlbaren Mietpreisen.“ Da mir vorgeworfen wurde, ich habe zu ungenau recherchiert, möchte ich mit nachfolgender Aufstellung den Beweis für die Richtigkeit meiner Aussagen in einem meiner vorherigen Artikel antreten.

Natürlich gibt es im Lahn-Dill- Kreis und explizit im Großraum Herborn sehr viele gutverdienende Menschen und nicht „nur“ Fabrikarbeiter. Es gibt Millionäre, einkommensstarke Geschäftsleute, Beamte und Politiker mit hohen Monatsgehältern, aber eben auch ein Heer von Arbeitern, Angestellten und Dienstleistungsmitarbeitern, die „den Karren“ in Bewegung halten.

Wer sehr genau überlegen muss, wo er am günstigsten einkauft, wie oft er sich ein Theaterstück oder eine Tasse Kaffee leisten kann und ob das Kind den Schulausflug mitmachen darf oder nicht, ist der Personenkreis, um den es mir geht.

Diese Leute können eine Wohnung nicht nach Ausstattung, Lage und Größe wählen, sondern in erster Linie nach der Miethöhe. Wer jetzt antwortet, „dann hätten die mal besser in der Schule aufgepasst und einen ordentlichen Beruf gelernt“, sollte jetzt aufhören weiter zu lesen.

Politiker die sich dem Wohle des Volkes verpflichtet fühlen (und das sollten alle) müssen Willens und in der Lage sein, die Dinge wahrzunehmen so wie sie sind und immer wieder an gerechten Lebensbedingungen für alle Menschen arbeiten. Zu Zeiten eines Ludwig Wilhelm Erhard (CDU), der auch gerne als Vater des „deutschen Wirtschaftswunders“ und des als Soziale Marktwirtschaft bezeichneten Wirtschaftssystems der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet wurde, war es dennoch unstrittig, dass die Gesellschaft durch sozial-, wirtschafts- und finanzpolitische Maßnahmen Grenzen ziehen oder Regeln setzen muss.6

Natürlich ist es wichtig, Investoren zu finden, die es ermöglichen die Infrastruktur einer Kommune (am besten positiv) zu verändern. Diese Menschen wollen Geld damit verdienen und auch das ist absolut verständlich. Genau hier kommt jedoch die Politik ins Spiel. Sie muss beide Interessen miteinander verbinden und auch das Gesamtbild nicht aus den Augen verlieren.

Alles so lassen wie es immer war, ist sicher eine schlechte Lösung. Stadtentwicklung verträgt dennoch keine Schnellschüsse. Foto: Gerdau

Fabrikarbeiter:

1. Gehalt

Für Fabrikarbeiter liegt das deutschlandweite Gehalt bei 2.552 € pro Monat. Diesen Wert ist auf Basis von 518 Datensätzen ermittelt worden. Hinsichtlich der Gehaltsspanne ist festzustellen, dass die unteren Monatsgehälter bei 1.959 € beginnen, Fabrikarbeiter in den oberen Regionen jedoch auch bis zu 3.370 € und mehr verdienen können.

Wie bei nahezu allen Berufen, hat neben vielen anderen Faktoren auch der Standort des Arbeitgebers individuellen Einfluss auf die Höhe des Gehalts. So beträgt das monatliche Durchschnittsgehalt im nördlichsten Bundesland der Republik ungefähr 2.748 €. Arbeitet man hingegen im Süden, so kann man beispielsweise in Baden-Württemberg mit einem durchschnittlichen Gehalt von 2.812 € rechnen. Insoweit ist anzumerken, dass die Analyse unserer Daten bundesweit regelmäßig zu dem Ergebnis führt, dass die Gehälter im Süden Deutschlands tendenziell über denen im Norden liegen. Jedoch ist dabei – wie auch beim Vergleich des Verdienstes in städtischen Gebieten mit denen auf dem Land – zu beachten, dass die Lebenshaltungskosten oft parallel zu den Gehältern steigen. Quelle: Gehaltsvergleich.com

Nach dem „Gehaltsrechner“ von Gehaltsvergleich.com liegt somit das Netto-Gehalt im Durchschnitt zwischen knapp unter 2 000 und 2300 Euro.

Aktueller Marktmietspiegel für

Herborn (Hessen)

7,48 €

pro m² Wohnfläche

5,50 € – 9,73 € (Preisspanne) Quelle: wohnpreis.de

9,00 € (Neubau) Das sind für eine 100 Quadratmeterwohnung 900 Euro Kaltmiete+ mindestens 200 Euro Nebenkosten. Ergibt eine Miete von 1 100 Euro monatlich.

Somit verbleiben einem Fabrikarbeiter mittleren Alters, verheiratet und einem Kind knapp 1000 Euro für Lebenshaltungskosten wie Lebensmittel. Abzahlungen für den Kauf eines PKW (demnächst E-Auto), Versicherungen und vieles mehr.

Bei den alles andere als gut bezahlten Angestellten in der Gastronomie, im Friseurhandwerk oder in der Lebensmittelbranche sehen diese Zahlen durchaus ein wenig anders aus.

Leser-Stellungnahme:

Ra-Mona schrieb heute folgendes zu meinem Artikel in Facebook und das fand ich so treffend, dass ich es meinen Blog-Freunden nicht vorenthalten möchte.

Nicht zu vergessen die mittlerweile Heerscharen an benötigten Kurier- und Postfahrern, die üblicherweise zwischen 1500 und 2000 Euro bekommen – brutto! Und die können sich mit Sicherheit nicht mal Mieten von 700 Euro leisten, ganz zu schweigen von PKW oder ständig neuem Handy oder Computer für die Kinder. Ganz schwer haben es auch die Langzeitarbeitslosen (oft sind sie ohne eigenes Verschulden davon betroffen, das sieht aber anscheinend eine Menge Leute leider anders). Die dürfen nur nach kleinen Wohnungen suchen und das noch zu Mieten, die je nach Anzahl der Familienmitglieder 300 bis 400 Euro i.d.R. nicht überschreiten dürfen. Wo sind die Wohnungen für diese Menschen?“

Soll Politik Einfluss auf Wohnungsmarkt nehmen?

Viele Haushalte durch hohe Mietkosten stark belastet

Der Wohnungsmarkt bleibt vor allem in den Großstädten prekär. Es fehlen kleine, günstige Wohnungen, für ärmere Haushalte ist die Miete ein großes finanzielles Problem.

18 Prozent der Mieterhaushalte in Großstädten können laut einer Studie nicht mit bezahlbaren und angemessenen Wohnungen versorgt werden. © Lothar Ferstl/​dpa

Fast jeder zweite der rund 8,4 Millionen Haushalte mit einer Mietwohnung in einer deutschen Großstadt gibt mehr als 30 Prozent seines Nettoeinkommens für die Miete aus. Das geht aus einer von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung geförderten Untersuchung der Humboldt-Universität Berlin hervor. Demnach muss gut ein Viertel der Haushalte mindestens 40 Prozent des Einkommens für Warmmiete und Nebenkosten aufwenden. Knapp 12 Prozent der Großstadthaushalte benötigten sogar mehr als die Hälfte ihres Einkommens für die Miete.

Die verstärkte Bautätigkeit hat die Wohnungsnot allenfalls geringfügig verbessert, schreiben die Forscher. Vor allem kleine und günstige Wohnungen fehlten, und das Angebot sei über die Jahre noch deutlich knapper geworden.

Laut der Studie können selbst unter Annahme einer optimalen Verteilung des vorhandenen Wohnraumes 1,5 Millionen Haushalte nicht mit bezahlbaren und angemessenen Wohnungen versorgt werden. Dieser „harte Kern“ der Wohnungsnot betreffe mehr als 18 Prozent aller Mieterhaushalte in den Großstädten. Das Angebot an Wohnungen, die mehr als 15 Euro brutto warm kosteten, sei seit 2006 dagegen deutlich um mehr als 535.000 gestiegen.

Eine Überlastung durch hohe Mieten ist der Studie zufolge nicht auf bestimmte Städtetypen begrenzt. So fänden sich unter den Städten mit der höchsten Belastungsquote bei der Warmmiete im Verhältnis zum Einkommen vergleichsweise wohlhabende und „teure“ Großstädte wie Düsseldorf, Wiesbaden oder Darmstadt ebenso wie das wirtschaftlich eher schwache Bremerhaven, Recklinghausen oder Mönchengladbach. Dort seien zwar die Mieten, aber auch die Einkommen niedriger.

Auch das Statistische Bundesamt hatte die Belastung der Haushalte mit den Wohnkosten analysiert. Nach seinen Daten lebten im Jahr 2019 knapp 14 Prozent der Bevölkerung (rund 11,4 Millionen Personen) in Haushalten, die von hohen Wohnkosten finanziell überlastet waren. Eine Überbelastung bei Wohnkosten sieht die Behörde, wenn ein Haushalt mehr als 40 Prozent des verfügbaren Einkommens für das Wohnen ausgibt.

Quelle: ZEIT ONLINE 15. Juni 2021, 7:49 Uhr

Alles fließt. Nur die Richtung kann der Mensch beeinflussen. Foto: Gerdau

Kommentar

von Siegfried Gerdau

Diese sicher unstrittigen Tatsachen, denen sich die ZEIT in dem obigen Artikel gewidmet hat, können verantwortungsbewusste Politiker aller Ebenen auf Dauer nicht ignorieren.

Am Beispiel der Stadt Herborn im Lahn-Dill-Kreis mit ihrem wunderschönen Ambiente, wird das mehr als deutlich. Die Bautätigkeit, mit dem Ziel hochpreisige Eigentums-Wohnungen zu errichten, ist ungebrochen. Mittlerweile kann man schon von einer Bauwut sprechen. Mieten jenseits der 1 000 Euro-Marke sind fast schon die Regel und die Kaufpreise liegen für den normal Sterblichen im exorbitanten Bereich. Von der Zersiedlung des alten Stadtkerns möchte ich hier gar nicht reden. Mit der unglückseligen Pertuisplatz-Bebauung, die heute keiner mehr so gewollt hat, hat sich bereits mancher Kommunalpolitiker ein Denkmal der besonderen Art gesetzt.

Man bedient mit der Schaffung von exklusivem Wohnraum lediglich eine fest umrissene Klientel. Wohlhabende Rentner und Pensionäre, Manager und Geldanleger. Junge Menschen und hier denke ich besonders an junge Familien mit ganz normalen Einkommen, haben keine Chance und wenden notgedrungen Herborn den Rücken zu. Genau diese Personengruppen braucht aber eine Stadt, wenn sie sich weiterentwickeln will.

Um es noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen: Für den Durchschnittsverdiener, der in der heimischen Industrie oder im Handwerk beschäftigt ist, wird es kaum möglich sein, viel mehr als 2000 Euro netto monatlich nach Hause zu bringen. Abzüglich der laufenden Kosten und dem Riesenbetrag für Miete und Nebenkosten bleibt für Kultur und Sonstiges nichts mehr übrig.

Natürlich können Politiker all dieses völlig ignorieren und sich freuen, wenn möglichst viele gutsituierte Ruheständler die Herborner Cafés füllen. Ob diese Entwicklung aber auf Dauer gut und ausreichend ist, mag dahingestellt sein. Angesichts der Tatsache, dass sich Herborn langsam aber sicher zu einer Kaffeehaus-Stadt entwickelt und die „industrielle Revolution“ der Nachbarstadt Haiger überlässt, wohl eine logische Folge.  

Unter diesem Aspekt und sehr sarkastisch betrachtet, braucht man ja auf den sogenannten sozialen Wohnungsbau keinen Wert mehr zu legen. Wir schicken die jungen Leute dahin, wo die lukrativen Arbeitsplätze und bezahlbare Wohnungen sind und bauen für deren alten Tage noch ein paar Luxuswohnungen und Altenheime mehr.

Herborn, eine ehemals prosperierende Stadt mit viel Industrie und Wirtschaft, ist müde geworden. Wir sollten sie wieder aufwecken und nicht den Beton-Gold-Investoren das Feld alleine überlassen. Ein zweiter Pertuisplatz im Herborner Hinterthal, jedoch in fünffacher Dimension, kann nicht im Sinne einer vernünftigen und verantwortungsvollen Wohnungspolitik sein.

Dies wird sicher auch in der versprochenen Bürgerversammlung deutlich werden.