Was ist, wenn der elektrische Strom ausfällt

Kaum Bereich ist so sensibel wie die Versorgung der Bevölkerung mit Strom und Wasser. In den Jahrzehnten nach dem letzten Krieg wurde alles dafür getan, hier größtmögliche Kontinuität herzustellen.

Damit zu experimentieren und „herumzuspielen“ wäre keinem verantwortungsbewussten Politiker in den Sinn gekommen. Und doch passiert dies gerade bei uns. Die vermeintliche Rechtfertigung für eine derart leichtfertige Vorgehensweise ist die weltweite Klimaveränderung. Die muss der Mensch selbstverständlich und weltweit in den Griff bekommen, um seine eigene Existenz auch in Zukunft zu garantieren. Ob der Weg, erst einmal alles abzuschalten, was die heutige Zivilisation garantiert und dann erst darüber nachzudenken, wie man alles klimafreundlich ersetzt, der Richtige ist, das ist die Schlüsselfrage.

Strom versorgt die modernen Rechen-Sklaven ohne die nichts mehr geht

Kraftwerke ob mit Kohle, Gas, Öl oder Kernkraft betrieben, produzieren rund um die Uhr elektrischen Strom und vom Privathaushalt bis hin zur Schwerindustrie stellte sich alles darauf ein, dass es hierbei keinerlei Unterbrechung gibt. Darüber hinaus sorgt Strom dafür, dass sämtliche Rechner im ganzen Land ständig mit elektrischer Energie versorgt werden. In den vergangenen Wochen und Monaten wird in den Medien, aber auch den offiziellen Regierungsverlautbarungen immer wieder von möglichen Blackouts gesprochen. Gemeint sind damit nicht regionale und kurzzeitige Stromausfälle, sondern der großflächige Zusammenbruch der gesamten Stromversorgung.  

Kartuschengaskocher und Stumpenkerzen sind im Ausnahmefall für den Privathaushalt die letzte Bastion vor dem totalen Abrutschen in die Steinzeit.

Und so ganz am Rande: Ohne elektrischen Strom bricht auch die gesamte Wasser Ver- und Entsorgung zusammen.

Ein Arbeitspapier der Berufsfeuerwehren teilt Blackout in sechs Phasen ein

Worauf muss man sich einstellen, wenn der Strom über einen längeren Zeitraum großflächig ausfällt? Die Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in Deutschland (AGBF) hat dafür bereits im Jahr 2015 in einem Arbeitspapier die Auswirkungen eines Blackouts auf Behörden des Katastrophenschutzes in sechs Phasen beschrieben.

Phase 1 – Die ersten 10 Minuten bei einem Blackout

In den ersten zehn Minuten gehen vermehrt Meldungen und Nachfragen von besorgten Bürgern, Firmen und anderen Institutionen ein, die entsprechende Störungen in ihrem Bereich melden. Allerdings gibt es bereits erste Einschränkungen bei der öffentlichen Telekommunikation, da das Festnetz bereits ausgefallen und der Mobilfunk überlastet ist. Dadurch ist auch die Kommunikation mit anderen Behörden der Gefahrenabwehr (Polizei, Feuerwehr, etc.) gestört. Erste Menschen melden sich auch aufgrund stecken gebliebener Aufzüge und darin festsitzenden Personen.

Phase 2 – die erste Stunde bei einem Blackout

Aufgrund von Betriebsstörungen werden automatische Brandmeldeanlagen ausgelöst und durch das Anlaufen von Notstromaggregaten kann es zu fehlerhaften Meldungen von Bränden kommen. Jetzt brechen auch die Mobiltelefonnetze zusammen, zu einen aufgrund der Überlastung und zum anderen, da auch die Pufferbatterien der Sendemasten leer sind. Der öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) kommt weitgehend zum Erliegen. Elektrisch angetriebene Bahnen bleiben stehen und Menschen sitzen auf Brücken und in Tunnels fest. Auf den Straßen in den Metropolen kommt es zu chaotischen Zuständen, weil die Ampelanlagen ausfallen. Dazu steigt auch noch das Verkehrsaufkommen, da wegen der liegengebliebenen öffentlichen Verkehrsmittel noch mehr Menschen auf das Auto umsteigen.

Phase 3 – zwischen erster und zweiter Stunde

Im privaten Bereich kommt es zu Einschränkungen bei der Versorgung von Patienten, denn Beatmungsmaschinen, Sauerstoff- oder Dialysegeräte funktionieren ohne Strom nicht mehr. Erste Hilfesuchende suchen die lokalen Rettungsdienste oder Notrufzentralen auf. Je nach Jahreszeit macht sich jetzt auch schon der Ausfall von Heizungen und Klimaanlagen bemerkbar.

Phase 4 – der Zeitraum von zwei bis acht Stunden

In diesem Zeitraum nehmen die Hilferufe nicht mehr versorgter Patienten immer stärker zu. Mittlerweile fällt auch der BOS-Funk, den Sicherheitsbehörden in Deutschland und Österreich sowie die Bundeswehr nutzen, nach und nach aus. Denn in den Basisstationen der Funkanlagen sind die Akkus leer. Weiter kommt es zu ersten Ausfällen bei der Wasserversorgung – dort arbeiten die elektrischen Pumpen und Filtersysteme nicht mehr. Auch in der Massentierhaltung treten erste Probleme auf. Kühe können zum Beispiel nicht mehr gemolken werden und in den Legebatterien steigt die Temperatur auf zu hohe Werte, weil die elektrischen Lüfter nicht mehr laufen.

Phase 5 – nach acht Stunden bis zum dritten Tag

Sämtliche batteriegepufferte Sicherheitsanlagen von Alarmanlagen bis zur Brandmeldeanlagen fallen nach und nach aus. In der Massentierhaltung kommt es zu massiven Problemen. Erste Fahrzeuge bleiben ohne Kraftstoff liegen, da es an Tankstellen keinen Sprit mehr gibt. Es kommt zu ersten Versorgungsengpässen bei Lebensmitteln und Trinkwasser. Immer mehr Menschen hantieren mit offenem Feuer um zu kochen oder mit Kerzen, um die ausgefallenen elektrischen Lampen zu ersetzen. Dabei kommt es vermehrt zu Bränden. Die lokalen Katastrophenschutz-Einrichtungen haben nahezu alle Einsatzkräfte mobilisiert.

Phase 6 – nach dem dritten Tag

Bei allen Dingen des täglichen Bedarfs kommt es zu massiven Versorgungsengpässen. Auch in den Haushalten, die Vorsorge getroffen haben, gehen nach und nach die Lebensmittel und das Trinkwasser aus. Öffentliche Dienstleistungen sind völlig funktionsunfähig. Es kommt vermehrt zu Plünderungen und zu einer Destabilisierung der gesellschaftlichen Ordnung. Auch der lokale Katastrophenschutz hat keine Ressourcen mehr.

Polizei kann nach wenigen Tagen nicht mehr für Sicherheit sorgen

Nicht beschrieben sind die Auswirkungen auf die Polizei. Die Sicherheitskräfte sind nicht mehr in der Lage, Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten. Das liegt zu einem daran, dass sie nicht mehr kommunizieren können und zum anderen daran, dass sie selber ihre Dienststellen und ihr Einsatz-Equipment nicht mehr zur Verfügung haben.

Katastrophenschutz verfügt nicht über ausreichend Notstromaggregate

Weiterhin kommt die AGBF zu der Erkenntnis, dass der Katastrophenschutzbehörden nicht annähernd über die erforderliche Anzahl von Notstromaggregaten verfügt, um den Bedarf zur Vermeidung von schweren Personen- oder Sachschäden zudecken.

Die meisten Kliniken sind nach einigen Stunden nicht mehr handlungsfähig

Auch in den Kliniken fallen die Notstromaggregate nach und nach aus, da sie keinen Kraftstoff mehr haben. Lediglich 14 Prozent aller Krankenhäuser könnte ihre Patienten mehrere Tage bei einem Stromausfall versorgen. Der Rest müsste den Betrieb bereits nach einigen Stunden einstellen. Sieben Prozent würden noch nicht einmal einige Stunden durchhalten und müssten den Betrieb sofort beenden.

Sollte dann der „Ausflug in die Steinzeit“ irgendwann beendet sein, wird es viele Tage oder besser Wochen dauern, bis alles wieder annähernd rund läuft. Die wirtschaftlichen und strukturellen Schäden, die eine derartige Katastrophe hinterlässt, kann man sich kaum richtig vorstellen. Unzählige kranke Menschen werden in dieser Zeit frühe Opfer eines politischen Experiments werden. Sei es durch fehlende Medikamente oder Ausfall von Operationstechniken.

Fazit: Wer Hand an ein System Hand anlegt, welches in weit über hundert Jahren aufgebaut wurde und auf das sich das komplette Leben, Wirken und Werken aufgebaut hat, muss entweder sehr viel Sach- und auch allgemeinen Verstand haben oder Fachleute die den Gesamtüberblick und zwar für Jahrzehnte voraus besitzen, um alles über den Haufen zu werfen. sig   

Der Irrweg hat System

Kommentar

Die Grenzen der Umbauspielchen sind mittlerweile auch für die hörigsten Parteisoldaten spürbar. Täglich entwickeln „Experten“ neue Ideen für den Umbau der Gesellschaft. Vordergründig immer mit dem Ziel der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes. Kritik an diesen gesellschaftspolitischen Versuchen ist unerwünscht oder wird im Keim erstickt. Jeder, der es irgendwie geschafft hat in eine Position der allgemeinen Wahrnehmung zu gelangen, kann seine kruden Gedanken widerspruchslos unters Volk bringen. Eine wissenschaftliche oder auch nur praktische Ausbildung ist dafür nicht erforderlich. Es genügt möglichst lautstark und unter Einsatz von altbekannten Knüppelbegriffen, seine Sicht der Dinge zu postulieren. Geld sowie wirtschaftliche oder auch soziale Zusammenhänge spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Es muss nur, wie in den meisten Religionen dieser Welt üblich, ein größtmögliches Schreckenszenario aufgebaut werden. Schon regt sich beim Geführten das Schuldbewusstsein und beschäftigt ihn, so dass er keine Zeit mehr hat, klar zu denken. Der Begriff Religion ist kein Ausrutscher, sondern entspricht den Empfindungen vieler Menschen, die nicht verstehen, was gerade in und mit unserem Land passiert. Wir steuern auf wirtschaftliche Verwerfungen in unbekannten Ausmaßen zu und trotz der daraus resultierenden absinkenden Finanzkraft, pumpt unser Land immer weiter Geld in ein Sozialsystem, welches kaum noch mit gesellschaftspolitischer Vernunft zu erklären ist.

Der Oppositionsführer im Deutschen Bundestag Friedrich Merz (CDU) schreibt dazu:

Lieber Herr Gerdau,

so langsam treten die Risiken und Nebenwirkungen des sozialpolitischen Prestigeprojekts der Ampel zutage: Das sogenannte „Bürgergeld“ kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem für den Arbeitsmarkt eigentlich ganz andere Signale notwendig wären: nämlich größtmögliche Anreize, so schnell wie möglich eine Beschäftigung anzunehmen. Die zukünftige Sozialleistung, die mit dem „Bürgergeld“ gezahlt wird, gibt den Betroffenen aber genau das gegenteilige Zeichen. Die Zahl der Leistungsempfänger wird deutlich ansteigen, und man wird sagen dürfen: Das genau ist der Wunsch insbesondere der Sozialdemokraten.

„Bürgergeld“ signalisiert nämlich schon vom Begriff her: Hier entsteht ein neuer Anspruch für den „Bürger“, und den soll er auch einfordern. Dabei war die Leistung, die dahintersteht, ursprünglich einmal eine reine Sozialleistung, nämlich die Sozialhilfe, die immer erst dann bezahlt wurde, wenn Versicherungsleistungen wie das Arbeitslosengeld oder die eigene Leistungsfähigkeit aus Ersparnissen und Vermögen erschöpft waren. Aber schon mit den Hartz-Reformen vor 20 Jahren wurden die Grenzen schwimmend, aus der Sozialhilfe wurde das Arbeitslosengeld II, die Unterscheidung zwischen selbst erworbener Versicherungsleistung und der von der Allgemeinheit gezahlten Sozialleistung war damit bereits begrifflich unklar geworden.

Da ist das neue „Bürgergeld“ nur die logische Fortsetzung dieses Weges. In der Diskussion um die angemessene Höhe und die Voraussetzungen zum Leistungsbezug geht verloren, dass für Arbeitnehmer, die arbeitslos werden, immer noch der Bezug des Arbeitslosengeldes oder des Kurzarbeitergeldes als Versicherungsleistung vorangeht. Und in dieser Zeit sind eigentlich alle Maßnahmen zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt erforderlich – nicht erst dann, wenn die Bezugszeit abgelaufen ist und demnächst das „Bürgergeld“ ansteht.

Und selbst dann setzen sich nach dem Willen der Koalition die Anreize fort, doch länger dort zu verweilen. Der Bundesrechnungshof weist – sehr zum Ärger der Koalition – darauf hin, dass eine vierköpfige Familie mit einem Haus jeder Größe, mit zwei Autos und 150.000 Euro Vermögen sowie weiteren Rücklagen zur Altersversorgung demnächst „Bürgergeld“ erhalten kann. Das Kieler Institut für Wirtschaft kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass insbesondere in Konstellationen einer mehrköpfigen Familie das Haushaltseinkommen mit „Bürgergeld“ höher oder gleich hoch sein wird wie bei einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Diejenigen, die angesichts dieser Aussichten immer noch jeden Morgen aufstehen und zur Arbeit gehen, stellen sich zu Recht die Frage: Warum eigentlich?

Damit kein Missverständnis entsteht: Menschen, die in Not geraten, muss unser Staat helfen. Und angesichts der hohen Inflation ist es selbstverständlich, dass die Regelsätze schnell angepasst werden, damit gerade die Schwächsten in unserer Gesellschaft unter den Kostensteigerungen nicht am meisten leiden. Aber hinter dem „Bürgergeld“ steht vor allem gesellschaftspolitisch der falsche Weg. Denn große Teile der Ampel-Koalition sympathisieren seit langer Zeit mit einem bedingungslosen Grundeinkommen für alle Bürger. Nach der Grundsicherung im Alter, die noch von der alten Koalition beschlossen wurde, folgt jetzt das „Bürgergeld“. Die Koalition arbeitet an den Plänen für eine Kindergrundsicherung, die spätestens 2024 folgen soll. Und dann wäre das Ziel weitgehend erreicht, dass ein sehr großer Teil der Menschen in Deutschland Anspruch auf staatliche Transferleistungen hätte. Aus dem zunächst einmal für sich selbst verantwortlichen Bürger wird mehr und mehr ein Versorgungsempfänger. Nicht Eigenverantwortung steht im Vordergrund, sondern ein paternalistischer Staat, der nach eigenen Maßstäben erst nimmt und anschließend einen Teil davon wieder gibt. Es bleibt am Ende eine Frage: Warum macht ausgerechnet die FDP das alles mit?

Mit besten Grüßen

Ihr Friedrich Merz

Die einzige Frage, warum macht die FDP das mit, glaube ich ganz einfach beantworten zu können. Es geht um Machterhalt und der verzweifelte Versuch durch Liebedienerei bei den Koalitionären wenigsten noch ein Quäntchen mitspielen zu dürfen.

Herr Merz, die große Zeit der vornehmen Zurückhaltung ist vorbei und jetzt geht es darum Wege zu finden Schaden vom Volk fernzuhalten oder besser gesagt zu begrenzen.

Krieg bis zum totalen Ende oder Verhandlungen?

Ich bin sehr froh, dass hier der ehemalige Militärberater aus dem Kanzleramt, General a.D. Vad einen Standpunkt vertritt, den ich schon seit langem und voller Überzeugung unterschreibe. Wohlgemerkt es ist ein ehemaliger General und ausgewiesener strategischer Denker, der sich für diplomatische Wege und humanitäre Schritte im Ukraine-Krieg ausspricht. Hoffentlich schauen sich viele Scharfmacher und Säbelrassler von Rot und Grün und auch aus anderen Spektren politischer Parteien diesen Beitrag an. Aggression mit noch mehr Aggression zu beantworten, war noch nie der Königsweg. Tatsächlich sind es die einfachen Menschen in der geschundenen Ukraine, die letztlich die Zeche mit dem Verlust ihrer gesamten Habe und sogar mit seinem Leben bezahlen müssen. Das alles sind Tatsachen und natürlich auch, dass Putin ein Aggressor ist und diesen schlimmen Krieg begonnen hat. Wie lange soll das noch festgestellt werden, ohne dass etwas positives für das gequälte Land und seine Bewohner dabei herauskommt. Wie der General bereits sagte, fehlt genau jetzt humanitäre Hilfe und nicht noch mehr Waffen. Alle ehemaligen Anhänger von Friedensbewegungen, Wehrdienst- und Kriegsgegner, die sich mittlerweile als ausgewiesene „Militärexperten“ entpuppen, müssen sich die Frage gefallen lassen, ob ihre Sehnsucht nach Krieg und Vergeltung notfalls mit atomaren Mitteln, nicht zumindest abnormal ist. „Frieden schaffen-ohne Waffen“! War das nur ein Spruch, der sich in Verbindung mit Sitzblockaden und Soldaten sind Mörder-Rufen gegen das Etablissement richtete. Die Pflastersteine, die einst der Obergrüne Fischer zusammen mit seinen Grünen Genossen Aufrüstungsbefürwortern und Vertretern der Staatsmacht entgegenschleuderte, waren das nur Grüne Jungen und Mädchen-Streiche und aus der Langeweile geboren? sig

Herborner Martinimarkt 2022-Streiflichter

Gesundheitliche Gründe ließen bei mir nur einen ganz kurzen Besuch des Martinimarkt-Rummels zu. Das ging natürlich auch in diesem Fall nicht ohne ein Fotogerät . Hier ein paar Eindrücke für alle Nicht-Facebook-Fans.

Während die Vergnügungsparkbesucher von Regen verschont blieben, gab es auch diesem Riesengerät Wasser gratis von unten.

Rittals erste Tochtergesellschaft feiert 50-jähriges Jubiläum

50 Jahre Rittal Schweden: Sprungbrett für internationalen Erfolg

Herborn. Eine außergewöhnliche Erfindung für die Industrie, ein schwedischer Markt mit großer Konkurrenz und der neugierige Messebesuch eines jungen Elektroingenieurs – wie das zum Erfolgsrezept für internationale Expansion werden kann, zeigt die Geschichte von Rittal Schweden. Die erste Tochtergesellschaft des damaligen „Blechbiegers“ aus Mittelhessen war der Startpunkt der Entwicklung einer Unternehmensgruppe, die heute weltweit präsent ist und es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Digitalisierung in der Industrie voranzutreiben.

Ende der 1960er Jahre stand der junge Schwede Lars Johnsson auf der Hannover Messe am Rittal Stand und informierte sich über den Serienschaltschrank – damals eine so einfache wie durchschlagende Idee für die Industrie. Wenig später saß er 1971 als Geschäftsführer der ersten internationalen Tochtergesellschaft des hessischen Unternehmens in seinem Keller mit dem klaren Auftrag den schwedischen Markt zu erobern – gegen jeden Widerstand oder Wettbewerb: „Wir haben bei null angefangen, aber wir haben die Kunden schnell überzeugt“, erinnert sich Johnsson, der bis 2013 CEO von Rittal Schweden blieb. Die Argumente damals wie heute: Verlässlich hohe Qualität, Verfügbarkeit ab Lager, das 24-Stunden-Lieferversprechen – und das Streben danach, den Kunden erfolgreich zu machen, neue und unerwartete Lösungen zu entwickeln.

Gründer unter sich: Prof. Friedhelm Loh (l.) im Gespräch mit Lars Johnsson, bis 2013 CEO von Rittal Schweden. Foto: Rittal

Die Erfahrungen in Schweden lieferten die Blaupause für die weitere Expansion. Mit Frankreich, Belgien, Österreich und UK folgten in den 70ern weitere Tochtergesellschaften. 1981 gründete Rittal in den USA und 1997 in China die bis heute größten Tochtergesellschaften. Heute ist die Rittal Familie auf über 64 Gesellschaften – über 90 in der Friedhelm Loh Group – rund um den Globus angewachsen. Die Unternehmensgruppe bietet eine Kombination aus Hardware und Software-Lösungen für fast alle Branchen der Industrie, von Engineering-Software über Systemtechnologie bis hin zu IIoT-Lösungen für die smarte Produktion.

Und so ist auch die Feierstunde im schwedischen Ängelholm eine Kundenveranstaltung, aufgrund der Pandemie ein Jahr nach dem offiziellen Datum des Jubiläums: „Als erste Rittal Tochtergesellschaft außerhalb Deutschlands freuen wir uns, dass wir auf so einem starken Fundament weiter die Zukunft gestalten dürfen“, so Fredrik Wåhlstrand, heute Geschäftsführer Rittal Skandinavien.

Quelle: Rittal GmbH & Co. KG an.

Mehr Ausbildung-Initiative für berufliche Orientierung

Von Siegfried Gerdau

Mit einem wegweisenden Konzept machen derzeit die Gewerblichen Schulen Dillenburg (GSD) auf sich aufmerksam. Ein Pilotprojekt unter dem Namen „Mehr Ausbildung“ soll Schülerinnen und Schülern schon frühzeitig eine berufliche Orientierung geben. Studiendirektor Burkhard Meuser, Abteilungsleiter der GSD-Abteilung Technik, möchte gemeinsam mit heimischen Betrieben und Bildungseinrichtungen jungen Menschen den Blick für gewerbliche Tätigkeiten öffnen und gleichzeitig den Wert handwerklicher Arbeit vermitteln. Für die Eltern baut sich so eine echte Alternative zum gymnasialen Bildungsweg auf, ohne sich Chancen darauf zu verbauen.

Bei der Leiterin der Schönbacher Pestalozzi-Schule Esther Ringsdorf-Zörb, die in Personalunion Schulleiterin der heimischen Neuen Friedensschule in Merkenbach, Hörbach und Sinn ist, rannte Meuser sprichwörtlich offene Türen ein. Beide waren sich einig, dass durch den Wegfall des sogenannten Werkunterrichts an den Grundschulen den Kindern die Möglichkeit genommen wurde, mit handwerklichen und arbeitstechnischen Tätigkeiten in Berührung zu kommen und sich dabei „auszuprobieren“.

 Dr. Matthias Fink vom staatlichen Schulamt Weilburg findet die Initiative sehr gewinnbringend und einen tollen Ansatz, der den Kindern einen Zugang zum handwerklichen Lernen zu verschafft. Der Einbau in den Lehrplan sei überhaupt kein Problem, findet auch Esther Ringsdorf-Zörb.

Die kleinen Handwerker mit ihren Tutoren. Oben von links: Dominic Helsper, Burkhard Meuser, Tanja Buchholz, Esther Ringsdorf-Zörb und Dr. Matthias Fink.

In Absprache mit dem Schulamt startete Burkhard Meuser gemeinsam mit dem Fachlehrer der GSD Dominic Helsper unter Einbindung heimischer Firmen und der Eltern das Projekt Leuchtsäule, die mittlerweile im Eingangsbereich der Pestalozzi-Schule voll funktionsfähig steht. Tanja Buchholz Klassenlehrerin der Klasse 4 (bei Projektbeginn noch 3) legte mit 15 Schülerinnen und Schülern los. Es galt eine Entwurfsplanung für die Gestaltung der Hülle mit Farben und Mustern zu erstellen. Die Junghandwerker waren mit Feuer und Flamme dabei und schon bald füllte sich der Klassenraum mit Modellen und Zeichnungen. Die Anfertigung der Drahtkonstruktion, sowie das Bekleben der Hülle füllte den gesamten 1. Projekttag aus. Natürlich wollte die Jung-Konstrukteure auch bei der Installation der Unterkonstruktion mit Hand anlegen, Baggerfahren und Betongießen inklusive. Beim gemeinsamen Besuch der Haigerer Firma Cloos, ging es um das Grundsatzwissen Schweißen. Das war erforderlich, um das Zusammenfügen der Eisenkonstruktion der Licht-Säule zu begreifen. So ganz nebenbei durften sich auch zwei Mädchen aktiv in der Schweißkunst üben. Die jungen Herren übten sich dagegen bei diesem heißen Thema in bescheidener Zurückhaltung.

Der Zusammenbau der Teile auf dem mittlerweile stabilen Sockel erfolgte unmittelbar nach dem Bemalen der Glasscheiben und dann ging es an die Montage der einzelnen Bauelemente. Der Sockel nahm eine Batterie auf, die von einem auf dem Säulendach installierten Solarpanel gespeist wird und die Leuchten im inneren mit Strom versorgt. Ganz zum Schluss wurden die bunten Glasscheiben montiert.

Im Rahmen einer gemeinsamen Auswertung und Beurteilung der Arbeiten mit Kindern und Eltern besprachen die Pestalozzi-Pädagoginnen sowie die Objekt-Manager der Gewerblichen Schule die beruflichen Orientierungen, die ja keinesfalls den Erwerb des Abiturs ausschließt. Ringsdorf-Zörb wies daraufhin, dass es viele Wege zum höheren Bildungsgrad und nachfolgendem Studium gäbe. Der Weg über eine berufliche Ausbildung sei ja nur einer davon. Auf die Frage an Burkhard Meuser, ob es denn nicht zu früh sei, die Kinder schon in der Grundschule mit dem möglichen späteren Berufsleben zu konfrontieren, beantworte er mit „keinesfalls“. Die Weichen, welchen Weg ihr Kind einmal beschreitet, würden seiner Meinung nach viel zu spät gestellt. Während zu früheren Zeiten die Väter oder Großväter in ihren heimischen Hobbyräumen und Werkstätten gewerkelt hätten, seien lange vorbei. Damals hätten die Kinder Gelegenheit gehabt zuzuschauen und auch schon sehr früh in Landwirtschaft oder heimischen Handwerk selber Hand angelegt. Heute wüssten die meisten von ihnen gar nicht, was es außer Schule und Studium noch für teils sehr lukrative und kreative Tätigkeiten und Berufe gäbe. Die hohe Zahl der Studienabbrecher an Universitäten läge bei 33 und an Fachschulen bei 23 Prozent. Alles Zahlen, die nicht froh machen, sagte Meuser.

Die Lichtsäule mit Burkhard Meuser und Esther Ringsdorf-Zörb

Beim Besuch der Schönbacher Pestalozzi legt nun der 1,20 Meter hohe Leuchtstein als Leuchtturm für praktische Bildung Zeugnis ab, über die innovative Zusammenarbeit von Grundschule und Gewerblicher Schule. Nachhaltiger geht es kaum noch und außerdem hat es allen Beteiligten unendlich viel Spaß gemacht. Man darf auf die nächsten Schritte in Richtung Arbeitsgemeinschaften und Kooperationen mit heimischen Unternehmen gespannt sein. Fotos: Gerdau

PRESSEMITTEILUNG der LINKEN

Die LINKE Fraktion im Hessischen Landtag vom 1. November 2022

Hessische Landesregierung verweigert die Sicherstellung einer
wohnortnahen Geburtshilfe

Auf Antrag der LINKEN kam der Sozial- und Integrationspolitische Ausschuss heute zu einer
Sondersitzung zusammen, um die drohende Schließung der Geburtsstation in Dillenburg zu
diskutieren. Dazu erklärt Petra Heimer, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im
Hessischen Landtag und Wahlkreisabgeordnete im Lahn-Dill-Kreis:
„In Sonntagsreden zeigt sich Schwarzgrün gern auf der Seite der Hebammen und verspricht eine
gute Versorgung Schwangerer. Jetzt, wo in Dillenburg und Fritzlar weitere Geburtsstationen vor der
Schließung stehen, kommt von der Landesregierung nichts Konkretes zur Unterstützung.
Gespräche mit den Rettungsdiensten, um nach der Schließung die schlechtere Versorgungslage
irgendwie zu sichern, ist nicht das, was sich die Menschen vor Ort erhoffen.“
Heimer kritisiert, die offensichtliche Untätigkeit der Landesregierung. Dies sei symptomatisch, denn
seit 2008 seien bereits ein Drittel der Geburtsstationen in hessischen Krankenhäusern geschlossen
worden.
„Was bringt ein Runder Tisch Geburtshilfe mit vielen guten Ideen im Ministerium, wenn kaum etwas
davon umgesetzt und im ländlichen Raum weiter die medizinische Versorgung zusammengestrichen
wird?
Die schwarzgrüne Landesregierung muss mit allen Mitteln dafür Sorge tragen, dass ein
wohnortnahes Angebot der Geburtshilfe in allen hessischen Regionen unter Wahrung der
Rettungsfristen bestehen bleibt. Bloße Lippenbekenntnisse kann sie sich sparen.

Wieduwilts Woche. Steinmeier hält Rede zur Blamage der Nation

Eine Kolumne von Hendrik Wieduwilt 28.10.2022, 17:20 Uhr Quelle: ntv.de

Der Bundespräsident hat eine Rede zur Lage der Nation versprochen. Mit diesem Text und Vortragsstil aber hätte er nicht einmal eine Schar Vertriebler in einem Stadtrandhotel fürs nächste Quartal motiviert.

Der Bundespräsident hat einen einzigen Job: reden. Diesen Job hat er am Freitag komplett vergeigt. Mit großem Tamtam weckte Frank-Walter Steinmeier Hoffnung auf eine „Rede zur Lage der Nation“. Dann stellte er sich ins Schloss und nörgelte. Er nörgelte eine Stunde lang in wehleidigem und zugleich kraftlosem Singsang, als ginge es um seine verregneten Ferien auf Fuerte, als es am zweiten Samstag sogar ein wenig geregnet hat – Rita, stell Dir nur einmal vor, geregnet!

Steinmeier rechnet mit Putin ab-„Für Deutschland beginnt eine Epoche im Gegenwind“

Steinmeier hat die größte Chance eines politischen Redners im Deutschland der Nachkriegszeit verquengelt. Der Mann mit der manchmal röhrenden Stimme und den wuchtigen Fäusten hätte den Menschen jetzt ein „Wofür“ geben müssen. Das war wichtig, verdammt noch mal! Stattdessen steht der Mann wie ein Kellner am Pult im Schloss Bellevue, berichtet vom Ungemach in Deutschland, in Deutschland und noch einmal in Deutschland.

Als er doch einmal von „Freiheit“ reden muss, zitiert Steinmeier erst einmal die estnische Ministerpräsidentin – soviel Berührungsangst mit dem Zentralwert der westlichen Welt und Nummer drei der nationalhymnischen Trias muss man als deutscher Redner erst einmal aufbringen. Joachim Gauck wird in seinen Kaffee geweint haben. Im Iran lachen sogar die Sicherheitskräfte. Und in der Ukraine täten die Überfallenen wohl das gleiche, aber da schaut man lieber echten Geschossen nach als einer deutschen Panzerhaubitze 2022.

Bürokratisches Stapfstapfstapf

Steinmeier über Luftalarm-Flucht„Wussten, dass sowas während der Reise passieren kann“

Steinmeiers Totalausfall ist ein Desaster, denn dieses Deutschland dürstet gerade nach rhetorischer Richtung, sucht förmlich einen Leuchtturm, Zuspruch, Hoffnung und Identität. Menschen wollen nicht für nichts leiden, aber so muss es sich für sie anfühlen. Polarisierte, verängstigte und aufgeriebene Bürger bräuchten jemanden, der politische Führung wenigstens simuliert, Ziele ausmacht, das Durchhalten zur Mission erhebt. Der Bundeskanzler kann das bekanntlich nicht und ist ohnehin jeden Tag damit beschäftigt, das fragile Machttrapez seines Kabinetts mit komplizierten Kompromissen vor dem Kollaps zu bewahren.

Aber Steinmeier hat an diesem Freitag das Charisma einer Scheibe Graubrot, die jemand in der Spüle liegengelassen hat. Seine Stimme mäandert salbungsvoll von einem milde erhöhten Punkt zum nächsten. Seine Formulierungen sind ein bürokratisches Stapfstapfstapf ohne Rhythmus und Varianz. Kurz: Als Trostredner in der Palliativstation würde man ihn ohne Honorar vor die Tür setzen und am gleichen Tag die Schlösser austauschen.

Beleidige nicht Dein Publikum!

Auch Steinmeiers Inhalte sind ein Kaleidoskop sprachlichen Versagens. Allein der Schlüsselsatz der Rede ist geradezu eine Frechheit: „Ich bin jedem dankbar, der an mehr denkt als nur sich selbst.“ Vier Punkte als Beleg.

Erstens: Wenn einer Deiner wichtigsten Sätze mit einem „Ich“ beginnt, ist Deine Rede Mist. Es geht nicht um Steinmeier und seine Gefühle, es geht um Deutschland – es ist, wie gesagt, eine Rede „zur Lage der Nation“. Auch wenn Steinmeier wegen kolossal falscher Russlandfreundlichkeit jeden Abend Sodbrennen erleidet, und das wäre verständlich, ist das nicht das Problem seiner Adressaten.

Zweitens: Beleidige nicht Dein Publikum. Der Satz unterstellt der Bevölkerung Egoismus, was zwar akkurat sein mag, aber nicht wirklich motiviert, das eigene Verhalten zu ändern.

Drittens: In diesem Satz steckt nicht einmal eine Bitte, es ist eine passiv-aggressive Aufforderung. „Ich bin Dir dankbar, wenn Du heute beim Abendessen keine Szene machen könntest, Liebling.“

Viertens: Wo ist das Ziel? Reden sollen zum Handeln motivieren oder wenigstens Hoffnung auf eine bessere Zukunft spenden. Hier ist die Hoffnung allenfalls, dass das Staatsoberhaupt ein bisschen dankbar sein kann – was für ein royales Verständnis verbirgt sich hinter dieser Rede eigentlich?

Stanzen aus einer drittklassigen PR-Bude

„Wir brauchen aktive, ja widerstandskräftige Bürgerinnen und Bürger.“ Wieder geht es nicht um die Bürger, sondern darum, was „wir“ von Bürgern brauchen. Also … wir, die Regierung? Oder wir Bürger brauchen bestimmte Bürger? Hä? Er quetscht dann die Demokratie nach „Bahn“, „Internet“, „Handys“ und „Energieversorgung“ irgendwie als „kritische Infrastruktur“ ein. So blutleer-bürokratisch hat wohl noch niemand vom Zauber der Volksherrschaft gesprochen. „Demokratie ist so verletzlich wie ein gutes Stempelkissen!“, sagte er zwar nicht, hätte aber fugenlos in seine Rede gepasst. Bitte, Belleveue, nicht übernehmen!

„Wandel durch Handel“ veraltet. Steinmeier will Abhängigkeit von China verringern

Er appelliert an die Bürger wie Pädagogen in einer Kindertagesstätte. „Widerstandskräftige Bürger unterscheiden zwischen der notwendigen Kritik an politischen Entscheidungen – und dem Generalangriff auf unser politisches System.“ Das klingt wie „Brave Kinder räumen ihre Klötze nach dem Spielen wieder ein.“ Die Kernaussage „Putin übt einen Generalangriff auf unser politisches System“ verkleckert Steinmeier hinter einem Gedankenstrich. Warum, warum, warum?

Steinmeier begeht natürlich auch den Fehler so vieler deutscher Redner, die ihre Abstraktionsebene nicht verlassen können. Er spricht von dem, was „Jung und Alt“ verbindet – sagt aber nicht, was das ist, außer, das „Land verändern“ und es „zu einem besseren machen“. Was heißt das? Er spricht vom „Umgang mit dem Planeten“. Lebensqualität sei mehr als eine „stabile Internetverbindung“ – und was? Sagt er nicht. Es sind Stanzen wie aus einer drittklassigen PR-Bude. Warum beschreibt Steinmeier das Leben nicht? Kennt er es nicht mehr?

Steinmeier, der Demotivationsredner

Stattdessen holt das Staatsoberhaupt die Idee einer sozialen Pflichtzeit aus der Tiefkühltruhe, jagt sie zehn Sekunden durch die Rhetorikmikrowelle, erwartet aber zum Glück nach eigenem Bekunden nicht, dass der Fraß „nur Begeisterung hervorruft“. Also falls Sie in Ihrem Unternehmen zu motivierte Mitarbeiter haben – holen Sie auf die Bühne einfach Steinmeier, den Demotivationsredner.

Und so rumpelt diese Rede durch den Freitagvormittag wie ein Klavier beim Umzug durch eine Wendeltreppe. „Es wird nicht einfach sein, und es wird anstrengend sein.“ So, so. „Vertrauen wir einander – und vertrauen wir uns selbst!“ Aha, aha. Von historischen prägnanten Ausrufen wie „es muss ein Ruck durch Deutschland gehen“ keine Spur, geschweige denn von „Wir schaffen das“, „tear down this wall“ oder „yes we can“.

Diese Rede war eine urdeutsche, aktendeckelige, nörgelige, diffuse Abrechnung mit der Gegenwart, gelangweilt ausgeteilt an die eigenen Bürger. Ich hatte mehr erwartet, ich hatte mich auf mehr gefreut. Es wird kein Zucken durch Deutschland gehen. Das war eine Rede zur Blamage der Nation, deren Oberhaupt Steinmeier unbedingt fünf weitere Jahre sein wollte.

Quelle: ntv.de

Hendrik Wieduwilt, Publizist, Jurist, Autor und Kommunikationsberater, schreibt bei ntv.de

Lieber Herr Gerdau,

„Respekt“ – so stand es im Sommer 2021 auf den Wahlplakaten von Olaf Scholz. „Respekt“ war eines der meistgenutzten Worte im Wahlkampf der SPD und während der Koalitionsverhandlungen. Respekt – das sollte wohl heißen: Wir nehmen die Menschen ernst, wir nehmen das Land ernst, wir nehmen unsere Aufgabe ernst.

Von diesem Respekt ist ein Jahr danach nichts mehr übrig geblieben. Im Gegenteil: Noch nie zuvor hat sich eine Regierung so respektlos gezeigt wie die Ampel. Der vorläufige Höhepunkt war diese Woche erreicht. Am Freitag wandte sich der Bundespräsident in einer lange vorbereiteten Rede über die schwierige Lage in Putins Krieg an unser Land. Eingeladen in das Schloss Bellevue zur persönlichen Teilnahme waren zahlreiche Vertreter gesellschaftlicher Gruppen aus den verschiedensten Lebensbereichen und die Vertreter der drei Gewalten: der Gerichtsbarkeit, des Parlaments, der Regierung. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts war selbstverständlich anwesend, der Präsident des Bundesrates ebenfalls. Die Bundesregierung hingegen fehlte völlig, nicht eine Bundesministerin, nicht ein Bundesminister. Die Präsidentin des Deutschen Bundestages: Fehlanzeige. Der Vorsitzende der FDP-Fraktion und ich waren die einzigen Fraktionsvorsitzenden aus dem Parlament. Alle übrigen Partei- und Fraktionsvorsitzenden: Fehlanzeige. Von der SPD, von den Grünen: Niemand.

Wir sollen uns doch alle „unterhaken“, wird der Bundeskanzler nicht müde zu betonen. Jetzt sei die Stunde des Zusammenhalts, nicht des Gegeneinanders. Wenn das alles so gemeint ist: Warum fehlen dann bis auf eine einzige Ausnahme a l l e Vertreter dieser Regierung, wenn der Bundespräsident zur Lage des Landes spricht? Das sieht nach einem abgesprochenen Affront aus, mitten in der Krise, mitten in einer Zeit, in der die Menschen auch von der Politik Zusammenhalt und ein gemeinsames Vorgehen erwarten.

Dieses Muster der Respektlosigkeit zeigt sich bei der Ampel schon lange. Wir erleben es in jeder Sitzungswoche im Parlament. Regelmäßig ist die Regierungsbank nicht mit den Mitgliedern der Bundesregierung besetzt, sondern mit den namenlosen Gesichtern einer schier unüberschaubaren Zahl von Parlamentarischen Staatssekretären. Zurzeit sind es 37, so viele wie nie zuvor. Aber die Ministerinnen und Minister ziehen es vor, dem Bundestag selbst bei wichtigen Debatten fernzubleiben. Es gibt Parlamentswochen, in denen der Bundeskanzler nicht einmal im Parlament erscheint. Ist das der „Respekt“, den er meint?

Wir alle kämpfen mit der zunehmenden Kritik an unserer Demokratie und an den politischen Parteien. Wer sich aber so respektlos gegenüber unserem Staat und seinen Institutionen verhält, der sollte über den Wert der Demokratie in Zukunft besser schweigen.

Mit besten Grüßen

Ihr Friedrich Merz 30.10.2022

Eiserne Konfirmation in Dillenburg

Eine nicht alltägliche Feier fand vor kurzem in der Dillenburger Kirche statt. 19 Konfirmanden des Jahrgangs 1957 begingen die Eiserne Konfirmation (65 Jahre nach der Konfirmation) mit dem Sinner Pfarrer in Ruhe Wilfried Höll. Wegen einer Corona Erkrankung konnten weitere sechs Frauen und Männer nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Auch den eigentlich zuständigen Pfarrer Dr. Ackva hatte das Virus erwischt. Der Gottesdienst fand unter dem Wochenspruch aus 1. Johannes 5, Vers 4 c: „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat“.

Die Teilnehmer waren: Ernst Hofmann, Manfred Stoll, Helmut Hagner, Klaus Hallwas, Manfred Hoyme, Volker Stoll, Heinz-Dieter Textor, Karl-Ludwig Geier, Otto Peter, Rosemarie Heller-Markert, Bärbel Schuhmann-Hümer, Hilde Stern, Susanne Linde-Mauden, Ursula Rübsamen-Hardt, Renate Heile-Ebener, Gisela Schmidt-Daniel, Erika Schmidt-Pfeiffer, Karin Schröder-Pfaff und Brigitte Soika-Ludwig.

Das waren die Konfirmanden im Jahr 1959. sig/Repro-Foto: Gerdau