Bigband konzertiert weihnachtlich

Ohne in Superlativen zu schwelgen, kann man das diesjährige Weihnachtskonzert der Big-Band des Herbornseelbacher Musikvereins als Ausnahmekonzert bezeichnen. 350 Besucherinnen und Besucher in der Herborner Comenius-Schule erlebten einen musikalischen, fulminanten Spät-Sonntagnachmittag mit den „Roten Teufeln“, der noch lange nachklingen wird.

Bereits beim Entrée mit der Weihnachtsouvertüre 2024, ahnten die Konzertgäste was sie erwarten durften. Einen bunten, ausgewogenen Reigen bekannter Stücke hatte Altmeister und Bandleader Erwin Gabriel vorbereitet, ausgiebig mit seinem Orchester geübt und virtuos vorgetragen.

Der Mann mit der Trompete, Roman Pacholek, einst als Gasttrompeter bei der Big-Band, ist mittlerweile ein wichtiger Eckpfeiler in dem Ensemble. Gemeinsam mit dem Gesangswunder Franziska (Franzi) Immel intonierte er „Have yourself a merry Christmas“ und um anschließend gemeinsam mit Tim-Danny und Benedikt Gabriel „When you wish upon a Star“ zu blasen.

Franzi, in einem schicken, körperbetonenden Outfit begeisterte mit dem „The Christmas Song“ und dann kam der singende Entertainer Dr. med. dent. Carsten Wenzel aus Gladenbach. Seit nunmehr drei Jahren ist er die gesangliche Ergänzung der Band und begeistert immer wieder mit seiner unnachahmlichen Stimme in seinen unterhaltsamen Solo-Einlagen. Dass diesmal seine gesamten Mitarbeiterinnen und sogar seine Mutter aus der Schweiz angereist waren, hatte ein besonderen Grund.

Carsten gab seine Abschiedsvorstellung. Das Multitalent wird seine Brücken in Deutschland abbrechen und nach Mallorca gehen. Mit dem eindrücklichen Vortrag von „It’s Beginning to look a lot like Christmas“ sang er sich auch am Sonntag in die Herzen der Anwesenden. Musikalisch von einzelnen Musikern und Sängern der Band begleitet klang der Schulchor sehr anmutig mit „We are the World“, Popsong von USA for Africa aus dem Jahr 1985, der von Michael Jackson und Lionel Richie geschrieben wurde.

Die eindringliche Friedensbitte „Dona Nobis Pacem“ (Gib uns Frieden), aus den Blas-Instrumenten von Tim-Dany und Benedikt passte wie kein anders Stück in die heutige Zeit. Dass auch „White Christmas“, das US-amerikanische Filmmusical, nicht fehlen durfte, verstand sich von selber. Die 1947 veröffentlichte Version, gesungen von „Bing“ Crosby, gilt mit geschätzten 50 Millionen verkauften Einheiten als die bisher meistverkaufte Single weltweit. Diesmal war es zwar nicht der 1977 verstorbene Sänger, sondern Carsten und der machte seine Sache sehr gut.

Franziska Immel

Im Duett sangen Franzi und Carsten „Baby it’s Cold outside“ davon war aber in der zum Glück gut geheizten Halle nichts zu spüren. Die Konzertgäste zeigten sich von den nahezu perfekten Musikvorträgen begeistert. Dies war auch den zahlreichen, enthusiastischen Beifallsorgien und Fußgetrappel leicht zu entnehmen. Eloquent und professionell begrüßte Moderatorin Kathi Gabriel – wie gewohnt mit teils amüsanten Einlagen – auch die Herborner Bürgermeisterin Katja Gronau sowie zahlreiche ehemalige Ensemble-Mitglieder in den Reihen der Gäste.

Kathi und Erwin Gabriel

Die hervorragende Jugendarbeit, die im Musikverein Herbornseelbach geleistet wird, hat eine besondere Würdigung verdient. Viele junge Menschen treten schon in sehr jungen Jahren ein und halten dem Verein die Treue. Das Ergebnis dieser Fleißarbeit von Erwin Gabriel schlägt sich, besonders bei Konzerten wie dem am Sonntag, erkennbar nieder.

Ein besonderes Highlight sind die zahlreichen Konzerte der Herbornseelbacher Bigband in Amerika. Es ist erst wenige Monate her, dass die „Roten Teufel“ wieder einmal die Menschen in mehreren amerikanischen Städten mit ihrer Musik begeisterten. sig/Fotos: Gerdau   

Hirschberger Stern leuchtet wieder

Seinen 25. Geburtstag feiert derzeit der Hirschberger Weihnachtsstern. Am Samstagabend beglückwünschten ihn zahlreiche Hirschberger und noch mehr Menschen aus der näheren Umgebung durch ihre Anwesenheit. „Macht hoch die Tür“ blies der Schönbacher Posaunenchor unter der Leitung von Christoph Henrich.

Der Hörbacher Gemeindepfarrer Thomas Gessner sprach in seiner Predigt davon, dass vermeintlich viel Negatives auf uns zukommt, aber man solle sich davon nicht ins Bockshorn jagen lassen. Es sei besser zu vergeben und sich vergeben zu lassen, als auf lauter Hass und Neid zu setzen. Es bleibe wahr, dass es besser ist, Frieden zu suchen und dem Frieden nachzujagen, als auf puren Streit und das Recht des Stärkeren zu setzen.

In einem Pavillon direkt unterhalb des Sterns buken fleißige Frauen aus dem Dorf Waffeln, verkauften Wurstbrötchen und Glühwein. Die Einnahmen werden einem guten Zweck zugeführt, konnte man von Mattias Schönling erfahren. Besonders die zahlreichen Kinder hatten einen Riesenspaß, als am Ende des Countdowns plötzlich der Stern-Komet in aller Pracht aufleuchtete.

Posaunenchor Schönbach

Der Wahl-Hirschberger Klaus-Dieter Scheld erinnert sich noch sehr genau, als er vor 25 Jahren den ersten Stern gemeinsam mit einem Freund zusammenbastelte. Das Gerüst bestand anfangs aus Dachlatten und viele Bewohner Hirschbergs beteiligten sich finanziell an dem Projekt. Er hatte schon damals einen Alleinstellungs-Charakter in der gesamten Region.

Heute steht der Komet mit dem leuchtenden Kreuz daneben auf Betonfundamenten und besitzt ein eisernes Grundgerüst. Viele Menschen berichten von dem einzigartigen Erlebnis, wenn sie in der Weihnachtszeit auf der BAB 45 unterwegs sind und diese christliche Friedensbotschaft von weitem sehen. sig/Fotos: Gerdau

Der ehemalige und langjährige Ortsvorsteher Matthias Schönling begrüßte die zahlreichen Gäste mit folgenden Worten:

Liebe Gäste, liebe Hirschberger, ich begrüße Euch ganz herzlich zu unserem 25-jährigen Stern- Jubiläum bei uns in Hirschberg. Traditionell findet unsere Sternaktion wie gewohnt am Samstag vor dem ersten Advent statt. Es freut uns sehr, dass so viele gekommen sind, um dieses Ereignis mit uns zu feiern.
Schön, dass Ihr alle da seid. Begrüßen möchte ich natürlich auch ganz herzlich unseren Pfarrer Thomas Gessner, der uns noch mit Andachten, Gebet und Segen auf dem Weg begleiten wird. Ich begrüße ganz herzlich den Posaunenchor aus Schönbach unter der Leitung von Christoph Henrich. Schön, dass Ihr wieder mit dabei seid, wir freuen uns immer wieder auf Eure Teilnahme.
Der Chor stimmt uns, wie schon seit vielen Jahren, mit Weihnachtsliedern auf die Advents- und Weihnachtszeit ein. Vielen Dank an Euch alle.
Begrüßen möchte ich auch ganz herzlich unsere Bürgermeisterin, Katja Gronau, wir freuen uns, dass sie sich wieder Zeit genommen hat, um an unserer Sternaktion teilzunehmen.
Ich begrüße den Presse-Vertreter Siegfried Gerdau, der unsere Stern- Veranstaltung fast von Anfang an begleitet hat. Grüße gehen auch an unseren Ortsvorsteher Klaus Brandenburger, der leider heute krankheitsbedingt nicht hier sein kann. Lieber Klaus, wir wünschen Dir alles Gute und gute Besserung.
Ich begrüße ganz herzlich den Hirschberger Ortsbeirat und danke Euch, dass Ihr die Organisation wieder in die Hand genommen habt, so dass diese Feier überhaupt stattfinden kann.
Ich möchte mich auch bei der Freiwilligen Feuerwehr Hirschberg bedanken. Ohne Euch wäre diese Veranstaltung nicht möglich. Mein Dank geht an alle freiwilligen Helferinnen und Helfer, die uns am Verkaufsstand im Höhenweg mit Getränken, Wurst und Waffeln versorgen und somit wieder zum Gelingen dieser Feier beitragen. Großen Dank auch an den Ortsbeirat und die Feuerwehr Hirschberg für den Auf- und Abbau im Höhenweg, der Instandhaltung des Sterns, sowie der Absicherung der Veranstaltung. Danke möchte ich auch den Stadtwerken Herborn sagen, die uns den Strombedarf für den Stern kostenlos bereitstellt und vielen Dank auch an die Familie Freund im Höhenweg dafür, dass wir die Feier wieder bei Euch ausrichten dürfen.
Ich möchte noch darauf hinweisen, dass der Erlös des heutigen abends je zur Hälfte an den Herborner Brotkorb und an den Krankenwagen „Herzenswunsch“ der Malteser in Wetzlar gespendet wird. Ich denke, das ist eine gute Sache. Weitere Informationen dazu sind am Verkaufsstand im Höhenweg einsehbar. Ich möchte Euch alle bitten, trotz der nicht einfachen Zeit, die wir haben, großzügig für diese Zwecke zu spenden. Vielen Dank schon mal im Voraus.
Ich hoffe nun, dass ich niemanden bei der Begrüßung vergessen habe, falls doch, war es keine Absicht und der oder diejenige sei hiermit gegrüßt.
Nun möchte ich einen Rückblick auf die Entstehung des Sterns geben.
Erbaut wurde der Stern am 13. November 1999 als Holzkonstruktion. Der Gedanke oder die Idee einiger Hirschberger war, einen Stern in der Advents- und Weihnachtszeit über Hirschberg und weit über das Land leuchten zu lassen, um den bevorstehenden Jahreswechsel in das neue Jahrtausend zu begrüßen.
Diesen Gedanken setzte man in die Tat um. Zusammengebaut und aufgestellt wurde er am 20.November im gleichen Jahr und sieben Tage später das erste Mal zum Leuchten gebracht. 2002 ersetzte man die Holzkonstruktion durch die heutige Stahlkonstruktion und sie wurde im Ganzen vergrößert. Gleichzeitig versah man sie mit einer stromsparenden Beleuchtung. Die neue Konstruktion wurde durch Spenden der Hirschberger Bevölkerung möglich gemacht.
Den Lichtschlauch musste man mittlerweile schon mehrmals erneuern, aber das ist normaler Verschleiß. Abschließend sei zusagen, dass aus einer guten Idee diese Adventsfeier entstanden ist und heute, das 25-jährige Jubiläum gefeiert werden kann. Wir konnten bereits zahlreiche Organisationen mit den eingenommenen Spenden unterstützen. Dafür geht ein herzliches Dankeschön an die Erbauer des Sterns.

Leserbrief

Eine Leserin von gerdaus-welt.de schickte mir diese Zeilen, die ich gerne veröffentliche. Es gibt sie also noch die Menschen, die solch schöne weihnachtliche Kunstwerke bauen und die Öffentlichkeit daran teilhaben lassen. Gerne veröffentliche ich auch andere Weihnachtsmotive.

Wir sind dem Trend gefolgt und haben tatsächlich noch ein paar Holzböcke ergattern können und diesen Stern gebaut. Ich konnte mir nicht verkneifen, ihn etwas zu „pimpen“. Er ist ( ich lobe uns gerade mal selbst😄) so schön geworden, dass meine Schwester meinte, er wäre Zeitungsreif. Da dachte ich an sie. Vielleicht haben sie Lust, auch wenn die Weihnachtszeit schon begonnen hat,  einen kleinen Artikel darüber zu machen. 
Außerdem würde es mich sehr interessieren, wer hier in der Umgebung eben diesen Stern gebaut hat. Und wie verschieden sie gestaltet wurden. Die Sterne sind wunderschön, leicht zu bauen, und ich würde mich sehr freuen, wenn es nächstes Jahr noch sehr viel mehr dieser Sterne in verschiedenen Gärten zu bewundern gäbe.
Auch wollte ich einfach mal etwas Schönes als Idee weiter geben, bei all den unschönen Themen in unserer Zeit.
Auf jeden Fall erfreut unser Stern die Nachbarschaft und vor allem die Kinder.
Mit freundlichen und herzlichen Grüßen, Heike Schäfer aus Hörbach

Dieses handwerklich sehr gut gelungene weihnachtliche Kunstwerk steht im Garten von Heike Schäfer in Hörbach

Martina Polster aus Herborn schreibt:

Das war unser Stern ⭐️ vor 2 Jahren.

Claudia Klingelhöfer schreibt:

Hallo Siegfried, die Kerze steht in Tringenstein. Da könntest du vielleicht auch eine Story zu schreiben. Diethelm Nickel oder Dennis Fischer sind Ansprechpartner.

In Übernthal steht ein Weihnachtsmaibaum. Der wurde aufgestellt als Übernthal bei „Dolles Dorf“ vor 2 Wochen mitgemacht hat… Ist bestimmt auch eine Story wert…

LG aus Übernthal Claudia

Glühwein ist nicht gleich Glühwein

Wer sich auf einem Weihnachtsmarkt für den traditionellen Glühwein entscheidet und dafür mittlerweile mehrere Euro für den Becher auf die Theke legen muss, kann erwarten, dass er auch gut schmeckt und keine lediglich erhitzte Fertigmischung vom Discounter ist.

Beim guten Glühwein muss man das Weinaroma erschmecken können. Ergänzt durch Aromen von Weihnachtsgewürzen, mit lediglich einem Hauch Süße, wird dieser Geschmack perfekt abgerundet.

Je hochwertiger das Wintergetränk ist, desto größer ist auch der Genuss. Ein guter Winzerglühwein schmeckt selbstverständlich völlig anders als ein Industrieprodukt. Wenn er dann noch mit frisch gepresstem Orangensaft, Gewürze wie Zimt, Sternanis, Zitronenschale, Gewürznelke oder vielleicht sogar Vanille veredelt ist, zahlt der Kunde gerne den entsprechenden Preis.

Gute Glühweine haben in der Regel zwischen zehn und zwölf Volumenprozent Alkohol. Also Vorsicht: ein Zuviel könnte die Fahrerlaubnis gefährden.

Auf diese Hinweise gilt es zu achten

Ist ein Glühwein sehr süß, sollte das misstrauisch machen. Mit Süße kann damit viel überdecken. Gleiches gilt, wenn der Glühwein überwürzt ist, also nur nach Nelke schmeckt. Ein „ehrlicher“ Glühwein braucht kaum Gewürze. Deshalb gilt: Je „weiniger“ ein Glühwein ist, desto besser. sig/Foto: Gerdau

Wie lässt sich die Innenstadt erhalten

Der nachfolgende Artikel des Vorstandes des Handel- & Gewerbevereins Tübingen e.V. hat mich so überzeugt, dass ich ihn hier ohne eigenen Kommentar wiedergeben möchte. Ich denke er spricht für sich und könnte für die Verantwortlichen jeder Kleinstadt eine Denkhilfe sein.

@Juwelier ohne Parkplätze

Bei Facebook gepostet von Boris Palmer (OB von Tübingen)

Die Schließung traditionsreicher Geschäfte wie Juwelier Seeger ist zweifellos ein Verlust für Tübingen. Doch anstatt die Innenstadt für tot zu erklären, gilt es, gemeinsam die richtigen Weichen zu stellen, um ihre Attraktivität zu bewahren und weiterzuentwickeln. Unser Ziel als Händler, Gewerbetreibende, Gastronomen, Stadtverwaltung und HGV ist es, Tübingen als lebenswerte und wirtschaftlich erfolgreiche Stadt zu stärken. Andere Städte kämpfen mit ähnlichen Herausforderungen, und wenn auch viele Fußgängerzonen darunter leiden, bleibt der Anspruch, durch Kreativität und Engagement Lösungen zu finden. Die Menschen wünschen sich bei einem Besuch der Innenstadt positive Erlebnisse – also müssen wir diese gezielt auch weiterhin schaffen.

Das La Momenta in Herborn ist schon Geschichte. Auch dessen Leerstand könnte als Synonym für infrastrukturelle Windstille herhalten.

1. Konstruktive Berichterstattung statt Schwarzmalerei.

Natürlich ist es bedauerlich, wenn traditionsreiche Geschäfte schließen. Doch ein Artikel, der auf Frustration und Resignation fokussiert, schreckt potenzielle Besucher und Kunden ab, anstatt Perspektiven oder Lösungen aufzuzeigen. Gerade die Presse hat eine wichtige Aufgabe, die nicht nur in der Aufdeckung von Missständen besteht, sondern auch darin, Entwicklungen konstruktiv zu begleiten und Chancen aufzuzeigen. Reißerische Headlines wie „Innenstadt ohne Zukunft“ ohne Fragezeichen wirken hingegen wie ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich tagtäglich mit viel Engagement für die Zukunft unserer Stadt einsetzen.

2. Das Parkplatz-Argument: Ein Rückblick ohne Realitätsbezug.

Seit 1974 gibt es an diesem Standort keine Parkplätze – ein halbes Jahrhundert. Dies weiterhin als zentralen Grund für eine Geschäftsaufgabe zu nennen, erscheint überholt. Vielmehr sollten wir daran arbeiten, das Image Tübingens als „autofeindliche Stadt“ zu korrigieren. Die Parkhäuser in der Stadt haben fast immer freie Kapazitäten, aber kaum jemand in der Region weiß davon. Neben gezielten Kommunikationsmaßnahmen könnten Aktionen wie kostenloses Parken an den Adventssamstagen gefördert werden – schließlich ist der ÖPNV samstags auch kostenlos. Solche Anreize steigern die Attraktivität für Besucher und Händler gleichermaßen.

3. Attraktivität schaffen und gezielt fördern.

Niemand wünscht sich, dass unsere Innenstadt von Spätis und 24/7-Automatenshops dominiert wird. Stattdessen sollten wir gezielt daran arbeiten, attraktive und erlebnisorientierte Angebote anzulocken, die zur Identität Tübingens passen. Gleichzeitig sind auch Vermieter gefragt, Verantwortung zu übernehmen und bei der Auswahl der Mieter langfristig zu denken. Kurzfristige Gewinne dürfen nicht auf Kosten der Attraktivität der Innenstadt gehen. Es liegt an uns allen, eine Balance zwischen wirtschaftlicher Vernunft und gestalterischer Weitsicht zu finden.

4. Baustellen: Ein notwendiges Übel.

Baustellen sind ohne Frage belastend, doch sie sind oft leider unvermeidlich. Der HGV arbeitet intensiv daran, gemeinsam mit der Stadt und den Bauunternehmen Maßnahmen so zu gestalten, dass die Belastung für Anrainer minimiert wird. Regelmäßige Beteiligungsformate sollen sicherstellen, dass die Bedürfnisse aller Beteiligten gehört werden.

5. Tübingen macht vieles richtig.

Unsere Stadt hat nach wie vor eine Vielzahl individueller, inhabergeführter Geschäfte, die ihren besonderen Charakter prägen. Doch der Druck auf Innenstädte wächst überall, und auch viele Fußgängerzonen in anderen Städten kämpfen mit ähnlichen, teils viel weiter fortgeschrittenen Problemen. Es liegt an uns, Tübingen durch neue Ansätze und innovative Konzepte attraktiv zu halten. Dafür brauchen wir kreative Ideen und gemeinsames Engagement.

Ein optimistischer Blick nach vorn

Tübingen hat Herausforderungen, ja – aber auch zahlreiche Stärken. Mit Engagement, Zusammenhalt, Kreativität und einem positiven Blick in die Zukunft können wir dafür sorgen, dass unsere Innenstadt lebendig bleibt. Es liegt an Ihnen und uns allen, aktiv an dieser Zukunft zu arbeiten und sie zu gestalten. Jeder kann einen Beitrag leisten, damit Tübingen seinen besonderen Charme behält und als lebenswerte Stadt weiter wächst.

Der Vorstand des Handel- & Gewerbevereins Tübingen e.V.

Herborns Handwerk ist fest im Sattel – Besuch der Sattlerei Bienhaus in Herborn

Von Michael Scheld

Herborns Handwerk ist fest im Sattel – Besuch der Sattlerei Bienhaus in Herborn

Der Beruf des Sattlers entwickelte sich bereits im Mittelalter und existiert noch heute. Daher war es für mich eine ganz besondere Erfahrung, einen Einblick in dieses alte Handwerk zu gewinnen. Die in Herborn ansässige Sattlerei Bienhaus ist einer der wenigen Sattlereibetriebe der Region. Hier werden von der Inhaberin und Geschäftsführerin Bianka Bienhaus kunstvoll verzierte und maßangefertigte Westernsattel und andere Lederprodukte auf Wunsch gefertigt. „Jedes Stück ist ein Unikat und wird nach den individuellen Kundenwünschen auf Bestellung hergestellt“ erklärt mir die Sattlermeisterin im Gespräch. „Vor Beginn der Fertigung werden alle Details und Kundenbedürfnisse in einem zweistündigen Gespräch festgelegt. Zudem sind 2-3 Termine vor Ort notwendig, um die perfekte Passform für Pferd und Reiter zu finden. In der Regel hält ein Sattel ein „Pferdeleben“ lang und gerade deshalb ist präzise und qualitativ hochwertige Maßarbeit von Beginn an wichtig, um dem Kunden lange Freude dem Produkt zu bieten“, führt Frau Bienhaus weiter aus.

Natürlich sei es, wie in fast allen Bereichen, möglich auf Produkte aus Fernost, Polen, Tschechien oder anderen Ländern zurückzugreifen, doch hier sei häufig nicht die Qualität wie bei einem in Deutschland gefertigten Sattel gegeben. Zudem seien die Arbeitsbedingungen bei weitem nicht mit denen in Deutschland gleichzusetzen. Nur so können günstigere Preise angeboten werden.

Nach ihrer Meisterprüfung im Jahr 2006 zog es die passionierte Reiterin in die Selbstständigkeit. In der Kernstadt ist sie nun seit 10 Jahren ansässig mit ihrem Unternehmen.

„Ich liebe meinen Beruf, es ist der perfekte Mix aus arbeiten mit dem Kunden vor Ort und der anschließenden Fertigung in meiner Werkstatt. Es macht mich immer noch stolz, dieses traditionelle Handwerk heute noch ausüben zu können. Besonders schätze ich das positive Feedback meiner Kunden, die die Fertigung vom ersten Gespräch, bis zum ersten Ausritt mitbegleiten. Individuelle Wünsche bleiben selten unerfüllt.“

Abschließend wollte ich von Frau Bienhaus wissen, mit welchen Argumenten sie junge Menschen für dieses Handwerk begeistern würde.

„Jungen Menschen, die sich für dieses Handwerk interessieren, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es Spaß macht mit einem Naturprodukt etwas zu erschaffen, an dem andere Menschen lange Freude haben. Das fertige Produkt dem Kunden zu präsentieren erfüllt mich immer noch mit großer Freude. Der Kontakt zu den Menschen, ihren Tieren und das große Maß an Kreativität macht dieses Handwerk für mich zum Traumberuf.“

Als Fazit kann ich folgendes festhalten: Es ist schön und wichtig, dass solche Handwerksbetriebe in Herborn ansässig sind und nicht aussterben. Hier werden langlebige und nachhaltige Produkte auf älteste Art und Weise geschaffen, die wir in vielen anderen Konsumbereichen dringend nötig hätten.

Handwerk will gelernt sein, stellt auch Herborns Bürgermeisterkandidat Michael Scheld (parteilos) fest.

Breitscheider Tropfsteinhöhle Teil 2

Wie war das mit der Erforschung der Höhle

Breitscheid im Lahn-Dill-Kreis besitzt mit der „Tropfsteinhöhle Herbstlabyrinth“ zwischen Breitscheid und seinem Ortsteil Erdbach gelegen, eine weit mehr als „nur“ eine touristische Sensation. Über ihre Entdeckung wurde schon einiges geschrieben und der begehbare Teil der Anlage für die Öffentlichkeit entsprechend zugänglich gemacht.

Manfred Thielmann

Mehr zufällig kam ich mit einem älteren Breitscheider ins Gespräch. Dieser ist nach eigenen Angaben, einer der Entdecker dieses heute mehr als populären Höhlensystems. Manfred Thielmann Oberstleutnant a.D. und langjähriger Vorsitzender der Breitscheider Gemeindevertretung sowie ehemaliger 1. Vorsitzender des Heimat-und Geschichtsvereins Breitscheid, berichtete mir von den Ereignissen bei der Entdeckung und Erforschung des Höhlensystems.

In langen Gesprächen mit der unteren Naturschutzbehörde habe man erreichen können, dass das bisher entdeckte Höhlensystem „Herbstlabyrint-Adventshöhle“ 1999 zum Naturdenkmal erklärt wurde, erzählte Manfred Thielmann. Das habe den Vorteil, dass automatisch auch der zukünftige Ausbau der Höhle untersagt sei.

Ein angestrebter Flächentausch mit dem Kalksteinwerk Medenbach ging glatt vonstatten und damit war gesichert, dass durch den weiteren Kalksteinabbau über dem Teil, in dem die Höhlen liegen, diese nicht in Gefahr sind. Die bekannten Höhlenforscher Annette Hüser und Ingo Dorsten lieferten mit ihren exakten Vermessungen einen wichtigen Beitrag für die weitere Erschließung.

Die im Breitscheider Haushaltsplan schon bereitgestellten Gelder für die Erschaffung eines Stollens als Zugang zur Höhle wurde kurzerhand vom Haupt-und Finanzausschuss der Gemeinde gestrichen. Die Bürger der Gemeinde Breitscheid gingen mit Unterschriftslisten auf die Barrikaden um zu erreichen, dass die vorgesehenen 100.000 Euro doch noch zu Verfügung gestellt werden.

Der Ablehnungsbeschluss in der Gemeindevertreter-Sitzung am 15. Dezember 2003 traf nicht nur Thielmann hart. Ob die Verleihung des Denkmalschutzpreises an die Gemeinde im Jahr darauf ein Umdenken in Gang setzte, kann nur vermutet werden. Der politische Durchbruch kam 2005. Bürgermeister Roland Ley warb zum wiederholten Male für die Erschließung der Höhle und gleichzeitig auch einer Zugänglichmachung der „Knöpfchenhalle“ für die Bevölkerung.

Alle Träger öffentlicher Belange sprachen sich mittlerweile geschlossen für das vorliegende Erschließungskonzept aus und nach endlos langen Beratungen sowie der Klärung der Finanzierungsfragen, traf im Mai 2006 endlich der Bewilligungsbescheid im Breitscheider Rathaus ein. Noch im gleichen Jahr gab darauf die Gemeindevertretung mit der Mehrheit ihrer Stimmen den Startschuss für die Erschließung einer Schauhöhle.

Zur Knöpfchenhalle wurde ein Zugang geschaffen, weil die als Schauhöhle mit ihrem einzigartigen Tropfsteinschmuck sehr gut geeignet erschien. Die erste Sprengung für diesen Stollen fand am 3. November 2006 im Beisein von zahlreichen Offiziellen statt. Es waren nachfolgend viele Arbeitsstunden nötig, um den schräg geneigten Stollen bis hinunter zur Knöpfchenhalle zu „graben“.

Der Ausbau der Schauhöhle ging in den nächsten Monaten zügig voran und die Höhlenforscher der Speläologischen Arbeitsgemeinschaft Hessen (SAH) um Ingo Dorsten und Annette Hüser engagierten sich sehr dabei mit Rat und Tat.

125 Stufen runter zur Höhle mussten ebenso gefertigt werden, wie das Eingangsbauwerk aus Beton. Treppen, Laufstege und Handläufe wurden von dem Herbornseelbacher Unternahmen GERMTEC mit aus Glasfaser verstärktem Kunstsoff installiert, damit die Schritte in der Höhle nicht metallisch klingen. Die Beleuchtung mit reinweißem LED-Licht wurde ebenfalls von diesen heimischen Spezialisten eingebaut.

Die vielen sehenswerten Sinterfahnen, Tropfsteine, Stalagmiten und Stalaktiten sowie Bodenbedeckungen werden damit in besonderer Weise hervorgehoben. Der magische Anblick der punktuell beleuchteten, natürlichen Kunstwerken, hat schon etwas Besonderes. Durch die LED-Strahler wird zudem kein warmes Licht erzeugt, so dass das Wachstum von Algen in der Höhle nicht gefördert wird.

Am 9. Mai 2009 war es schließlich so weit, dass die Eröffnung der Schauhöhle mit einem großen Fest und vielen Ehrengästen gefeiert werden konnte. Dabei erfuhren die Anwesenden, dass neben den Zuwendungen aus dem Dorferneuerungsprogramm von 200.000 Euro von der Gemeinde 90. 000 Euro nötig waren. 30.000 Euro gingen zusätzlich als Spenden aus der Bevölkerung ein. Die Höhlenforscher der SAH leisteten insgesamt 3.000 Arbeitsstunden ehrenamtlich, um die Erschließung überhaupt zu ermöglichen. Davor müssen man den Hut ziehen, lobte sie der Bürgermeister.

Die geführte Besichtigung der Höhle ist ausschließlich an Samstagen und Sonntagen möglich. Es dürfen gleichzeitig nur 13 Besucherinnen und Besucher die Höhle betreten, so ist dies erst nach vorheriger Anmeldung auch im Internet (www.proticket.de) möglich.

Da der Eingang in die Schauhöhle über den 45 Meter langen Stollen mit 125 Stufen in die Tiefe erfolgt, ist für Menschen mit Herz-Kreislaufbeschwerden, Kniebeschwerden oder anderen Gehbehinderungen ein Besuch nicht angeraten. Auch die in der Höhle lediglich konstante Temperatur von 9 Grad Celsius mit nahezu 100 prozentiger Luftfeuchtigkeit, verlangt warme Bekleidung und festes Schuhwerk.

Ein paar grundlegende Informationen zum Herbstlabyrint-Adventhöhlen-System
Die Gemeinde Breitscheid liegt auf einem im Devon (beginnend vor rund 410 Millionen Jahren und vor 360 Millionen Jahren endend) entstandenen Korallenriff. Dessen Kalkablagerungen wurden durch die wechselnde Höhe des Grundwasserspiegels und seiner Strömungen ausgespült.
So entstanden die vier „Stockwerke“ des Herbstlabyrinth-Systems. Seine Extraklasse verdankt das Höhlensystem der Tatsache, dass neben Tropfstein- und Kristallvorkommen auch Wirbeltier-Knochen gefunden wurden.
Die bislang auf einer Länge von 5.500 Metern (im Jahr 2009) und bis zu 100 Meter Tiefe erkundeten Höhlen, sind mit Abstand die größten als Naturdenkmal ausgewiesen in Hessen. Weitere vorhandenen Eingänge zu den Höhlen bleiben aus Sicherheitsgründen verschlossen, so dass bis auf die Schauhöhle die Öffentlichkeit keinen Zutritt hat. sig/Fotos: Gerdau  

Quelle: Manfred Thielmann

Herborner Weihnachtsmarktplatz eröffnet

Am Montag, pünktlich kurz nach 17 Uhr, eröffneten Herborns Bürgermeisterin Katja Gronau, Stadtmarketingchef Jörg Michael Simmer und Werbering Herborn-Vorstandsmitglied Lars Heidemann den Herborner Weihnachtsmarktplatz.

Eröffnungsreden. Von links: Katja Gronau, Jörg Michael Simmer und Lars Heidemann

Im Gott-sei-Dank wieder vorhandenen Pagodenzelt drängten sich die Markplatz-Besucher und suchten Schutz vor dem fast zeitgleich einsetzenden Nieselregen. „Der Elch“ verkaufte Glühwein und am Stand des SV-Herborn gab es das heiße Getränk in Form von Apfelwein mit und ohne Schuss. Nach Jahren der unfreiwilligen Abstinenz konnten die Nicht-Glühwein-Trinker ihren Durst wieder mit einem gezapften köstlichen Bier am Stand von Pierre Archinal stillen.

Von Susies zarter Hand gezapft schmeckt ein kühles Blondes noch mal so gut.

Mit dem Alpenhäusle punktete der Weihnachtsmarkt mit einer kulinarisch bayrischen Neuerung, die sofort gut angenommen wurde. Hans Czermak mit seinem Crépes-Stand bietet schon seit 35 Jahren zur Vorweihnachtszeit und auch in diesem Jahr seine leckeren Crépes an.

Ohne Elch kein Weihnachten, möchte man meinen.

Gleich ums Rathaus-Eck spielte „2Rockyou“ auf der kleinen Bühne. Das Kinderkarussell hielt sich noch bedeckt und wird erst in den kommenden Tagen und noch bis zum 30 Dezember genug zu tun bekommen. sig/Fotos: Gerdau

Polizeikonzert in Herborn.

Zwar noch kein Jubiläum, aber immerhin schon zum 14. Mal lädt die Polizeidirektion Lahn-Dill gemeinsam mit der Evangelischen Polizeiseelsorge am 7. Dezember (Samstag) um 17 Uhr zu einem Adventskonzert in die Evangelische Stadtkirche Herborn ein.

Wie auch in den vergangenen Jahren werden die Besucher einen bunten Strauß schöner Melodien erleben. Neben den Young Voices aus Mittenaar wirken „Reine Frauensache“ aus Wetzlar, das „Oranienquartett“ Dillenburg, der „MGV Eintracht“ Altenkirchen und „Principium Canti“ Lindenholzhausen mit.

Die Moderation wird Pfarrer Dr. Armin Kistenbrügge übernehmen und der Eintritt ist wie immer frei. Einlass ist um 16.15 Uhr.  sig/Foto: Gerdau

Muss Deutschland kriegstüchtig werden?

Kommentar von Siegfried Gerdau

Das Land mit der hoffnungsvollsten demokratischen Entwicklung gerät immer mehr aus den Fugen. Wie konnte es nur passieren, dass all das, wofür in den 1968er Jahren linksgerichtete Studentenmassen auf die Straßen gingen, auf den Kopf gestellt wird.

Erbittert kämpften sie damals gegen Nachrüstungsbeschlüsse. Die Existenz der Bundewehr wurde in Frage gestellt und die, die damals die Uniformen anzogen, als potentielle Mörder beschimpft. Der Wehrdienst wurde in denselben Kreisen verweigert und der Kriegsdienst sowieso. Es gehörte zum guten politischen Ton an Ostern gegen die Nato, Atomraketen und Waffen überhaupt zu marschieren, Kasernen zu blockieren und in den linken Hochburgen zur Jagd auf Wehrpflichtige zu blasen. Die noch relativ junge Grüne Partei forderte in ihrem damaligen Parteiprogramm gar die Abschaffung der Bundeswehr.

Die Friedensmarschierer von damals („Frieden schaffen ohne Waffen“) und Schwerter zu Pflugscharen-Schreier machen heute die nieder, die sich gegen Krieg und für eine Intensivierung intelligenter Diplomatie aussprechen.

Mit hunderten Holzkreuzen protestierten stramme Sozialisten gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen, verurteilten aufs tiefste jegliche Aufrüstung und achteten streng darauf, dass ihre Kinder nicht einmal mit Holzgewehren spielen.

Die immer noch Genossen sangen gemeinsam mit ihren sowjetischen Brüdern im Geiste die Internationale, pflegten enge Verbindungen über den eisernen Vorhang hinweg und verurteilten den konservativen Teil der deutschen Bevölkerung aufs tiefste.

Mao Tse-tung und Ernesto „Che“ Guevara, die marxistischen Revolutionäre und Vordenker, waren die Ideale und wer sich vom Establishment deutlich abgrenzen wollte trug deren Buttons auf dem revolutionären Kittel.

Was ist seitdem passiert?

In den Medien sind fast täglich die neuesten Waffen zu bestaunen, die Bundeswehr soll so schnell wie möglich erstarken und das Volk kriegstüchtig gemacht werden. Es wird die Stationierung von weiteren Mittel- und am besten auch Langstreckenraketen im Herz der Republik befürwortet und sogar gefordert. Krieg als politischem Mittel wird wieder Satisfaktion erteilt.

Es gibt kaum noch genügend Pflugscharen, um den Stahlbedarf einer explodierenden Rüstungsindustrie zu stillen. Wer es wagt sich dagegen auszusprechen oder gar die Friedenstaube der einstigen Friedenskämpfer zu zeigen, wird als ewig Gestriger verdammt oder als Putin-Freund verunglimpft.

Müssen ausgerechnet wir als militärisches Bollwerk die Freiheit notfalls mit dem Einsatz unseres Lebens und der Auslöschung unseres Landes verteidigen?

Anders als ein Paradoxon lässt sich es nicht bezeichnen, dass die in der Vergangenheit nicht selten als Kriegstreiber gebrandmarkte USA heute der beste Freund Deutschlands ist. Dies hält aber Viele nicht ab fast die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung als Idioten zu bezeichnen, weil sie einen angeblichen Idioten zu ihrem Präsidenten gewählt haben.

Der deutsche Kaiser von Gottes Gnaden Wilhelm I. übernahm einst den anmaßenden Satz, dass vom deutschen Wesen die Welt genesen sollte. Sein Sohn forcierte das Gesagte und ließ sich in einen Krieg auch gegen Russland ziehen. Von Napoleon Bonaparte dem selbsterklärten Kaiser Napoleon I. dessen Truppen 1812 in Russland ihre Vernichtung erlebten, hatte der Guten nichts gelernt. Dieser I. Weltkrieg der sowohl in Russland, den westlichen Staaten und sogar in Fernost stattfand, endete erst 1918 mit dem totalen Zusammenbruch des Kaiserdeutschlands und forderte auf allen Seiten mindestens 17 Millionen Opfer.

Diese eindrucksvolle Karte verbildlicht deutlich die Dimensionen

Die Wunden waren noch nicht gänzlich geleckt, als der nächste Größenwahnsinnige namens Adolf Hitler 1939 das Deutsche Volk in einen weiteren Krieg schickte. Er schaffte es mit lockerer Hand sich die ganze Welt zum Feind zu machen. Als die 9. Armee in Stalingrad fast völlig vernichtet wurde, wendete sich allmählich das Blatt und der II. Weltkrieg geriet auf deutscher Seite ins Stocken. Ungeachtet auch der zunehmenden Zerstörung deutscher Städte durch alliierte Bomben, schrien 1943 Tausende im Berliner Sportpalast ihr Ja zum totalen Krieg heraus. Das Ergebnis ein weiterer totaler Zusammenbruch mit vermutlich 80 Millionen Menschen, die mittel oder unmittelbar durch Kriegseinwirkungen zu Tode kamen.

„Ich weiß nicht, mit welchen Waffen der Dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber der IV. Weltkrieg wird mit Stöcken und Steinen ausgetragen“, orakelte Albert Einstein, der bereits 1955 verstarb. Der Ausnahme-Wissenschaftler hatte sehr präzise Vorstellungen davon, welche Folgen der Einsatz der bisher schrecklichsten aller Waffen auf Menschen, Tiere und Umwelt haben würde.

Haben gerade wir, die Deutschen, nichts von all dem gelernt?

Wir setzen mit aller Kraft auf Experimente in Sachen Umwelt und Klimaschutz, zerstören dabei fast die Grundlage unseres bisherigen Wohlstandes und wollen der Welt erklären was richtig und falsch ist.

Wir lassen zu, dass das deutsche Volk bis in die Familien gespalten wird und feuern die Menschen an sich gegenseitig mit aller verbaler Kraft an die Hälse zu gehen. Wir lassen zu, dass Denunziationen, und gegenseitige Verleumdungen wieder hoffähig werden. Die „Melder“ haben Hochkonjunktur. In dem Land, dass sich viele Jahrzehnte lang mit dem Eintreten für Recht, Ordnung und persönlicher Freiheit gebrüstet hat, wird wieder überwacht was das Zeug hält. Politiker aller Couleur zeigen Bürger an, wenn diese sich ihnen gegenüber im Ton vergriffen haben. Das hatte schon vor 80 und zuletzt bis vor 35 Jahren in Deutschland Konjunktur.

Wir erklären die, die eine andere Meinungen vertreten, zu Nazis oder Querdenkern und würden ihnen am liebsten eindeutige Erkennungszeichen umhängen. Wir Deutsche, die im sogenannten III. Reich Millionen Menschen ermordet haben, lassen zu oder schauen weg, wenn Menschen jüdischen Glaubens oder Abstammung beschimpft und sogar verfolgt werden.

Wir Deutschen lassen uns von Staatsekretären erzählen, dass wir uns darauf einstellen müssen militärisches Aufmarschgebiet zu werden. Wir Deutschen diskutieren darüber, ob uns der Einsatz taktischer Atomwaffen wirklich mehr schaden könne, als dem „Feind“.

Wo ist der gesunde Menschenverstand geblieben?

Deutschland wurde aus der Sicht unserer Nachbarn als das Land der Dichter und Denker bezeichnet. Nachdem der deutsche Größenwahn abrupt ausgeschaltet werden konnte, waren wir dennoch bis vor kurzer Zeit mit die größte Exportnation und unsere Produkte wegen Made in Germany gefragt. Fast unmerklich erwachte er wieder, der der alte Größenwahn: Wir retten die Welt vor der Klimakatastrophe. Wir weisen der Welt den Weg zur Glückseligkeit. Wir wissen alles und sind gnädig bereit unser Wissen der Welt zu schenken.

Dann marschierten Putins Truppen in das einst russische Bruderland Ukraine ein. Das ist verbrecherisch und dafür muss Russland bestraft werden. Wirtschaftliche Sanktionen erwiesen sich jedoch als kontraproduktiv. Selbst konnten und können wir mangels Masse gegen die Militärmaschinerie aus den Weiten des russischen Imperiums nicht antreten. Aber wir konnten und können die ukrainischen Soldaten mit Knowhow und vielen Waffen unterstützen.

Parallel dazu wird die Bundeswehr zahlenmäßig und rüstungstechnisch aufgerüstet. 100 Milliarden Sondervermögen auf Pump, zusätzlich zum auf über 50 Milliarden gestiegenen Vereidigungshaushalt kein Problem. Finanzminister Christian Lindner (FDP), der sich gegen weitere Kreditaufnahmen wehrte und auf die vereinbarte Schuldenbremse verwies, wird einfach aus der Regierungskoalition hinausgeschmissen und seine Partei im nachhinein als Bremser und Querschießer bezeichnet sowie an den Pranger gestellt. „Der zu erwartende Krieg fordert von Allen Opfer“ und wieder machen (fast) alle mit. Die im Februar 2025 zu wählende Regierung wird vermutlich da weiter machen, wo die alte aufgehört hat. Da einige aus der Ampel ihren Platz im Berliner Reichstag behalten werden, ist Kontinuität garantiert.

Eines ist doch gewiss. Auch wenn die russische Nomenklatura einen verbrecherischen Krieg vom Zaun gebrochen hat, werden wir militärisch noch lange nicht dagegenhalten können. Ob wir das letzten Endes überhaupt wollen, ist die Frage.  Ganz sicher wollen wir keinen totalen Krieg, zumal die Bevölkerung noch nicht einmal die Möglichkeit hat sich in Bunkern in eine vermeintliche Sicherheit zu begeben. Es gibt nämlich gar keine mehr und dafür hatte in den vergangenen Jahren auch die deutsche Friedensbewegung gesorgt. Wir waren ja ausschließlich von Freunden umgeben und das ist auf die Dauer doch sehr langweilig. Foto: Gerdau

Anmerkung: Soeben sah ich in den Nachrichten, dass öffentliche Gebäude in Deutschland als Bunker genutzt werden sollen. Alles klar?

Noch eine Anmerkung: Soeben schickte mir eine Leserin folgenden Text und ein dazu gehöriges Foto: Sehr geehrter Herr Gerdau,

Ich habe vorhin ihren o.g. Artikel gelesen. Passend dazu möchte ich Ihnen das angehängte Foto zusenden.
Ich hatte es vor drei Jahren an einer Gedenkstätte in Bremen – Blumenthal aufgenommen.

Es erschien mir irgendwie passend ..

Mit freundlichen Grüßen

Kornelia M.