Minus in der Kasse trotz harter Arbeit

Ein Bekannter schickte mir nachfolgende Aufstellung, die mich sehr nachdenklich macht. Man braucht keine Fakten-Checker, um deren Richtigkeit zu überprüfen. Wer wissen will, was in der Region Lahn-Dill tatsächlich verdient wird, kann das problemlos selber nachprüfen. Im Gegensatz zu einigen Politikern redet der Ersteller von Netto. Wenn er sein Brutto behalten könnte, ging es der Familie besser. Ach ja, von Urlaub war ja nicht die Rede und auch nicht von Rücklagen. Warum wohl? Ein E-Auto kaufen müsste ja wohl auch noch drin sein oder soll die Familie besser zu Fuß gehen, um das Klima zu entlasten?

Ich schäme mich beim Erstellen dieses Artikels. Ich schäme mich dafür, obwohl ich daran nichts ändern kann. Ich schäme mich, wenn ich Lobeshymnen über die Erhöhung des Mindestlohns von wenigen Cent höre, mit denen sich Politiker gerne brüsten. 20 Millionen Steuerzahler in unserem 82 Millionen-Land, halten das Schiff noch irgendwie auf Kurs. Was will unser Staat denen noch alles aufbürden. Kann es ein, dass diese berührungslose Strangulation Absicht ist? Wo sind denn die Gewerkschaften, Sozialdemokraten und Linke wenn es um die kleinen Leute geht? Den Großen kann egal sein, was in unserem Land passiert oder nicht passiert. Sie fliegen mit oder zu ihrem Geld dahin, wo die Renditen besser sind. Das Prekariat im Land muss sehen wie es klarkommt.

Dieses Archiv-Foto entstand mit Einwilligung des Fotografierten und gegen eine angemessene Bezahlung.

Man nehme:

750 Euro Kaltmiete

150 Euro Nebenkosten

100 Euro Strom

= 1000 Euro für Miete. Dann hat man ne 2-3 Zimmerwohnung.

Weiter:

50 Euro für Wlan mit Festnetz

30 Euro Mobilfunk

20 Euro Müllabfuhr

= 100 Euro zusätzlich

1000 + 100 = 1100 Euro.

Noch dazu kommen die Kosten die entstehen, wenn man zur Arbeit möchte…

Man braucht ja ein zuverlässiges Auto, kann aber keine 10.000 Euro Bar bezahlen. Also finanziert man es.

Das sind dann so um die rund 200 Euro Finanzierung monatlich. Dazu kommt die Versicherung für das KFZ, rechnen wir mal mit 50 Euro im Monat nur Haftpflicht.

= 250 Euro. Nur um ein Fahrzeug nutzen zu können, mit welchem man zur Arbeit fahren kann. (Steuer ist noch nicht mal auf den Monat umgerechnet, die ja auch noch jährlich anfällt).

1000 + 100 + 250 = 1350 Euro.

Bis jetzt sind wir bei 1350 Euro für komplett Grundlegende Dinge, die benötigt werden.

Und ja liebe Leute aus der Stadt…

Bei uns auf dem Land geht es nun mal nicht ohne Auto!!!

Dazu kommen bei einer einfachen Fahrstrecke von 25km zur Arbeit x2, 50 km Fahrstrecke täglich dazu. Das heißt, dass man somit bei 22 Arbeitstagen im Monat 1100km für die Arbeit fährt. Nehmen wir mal einen Durchschnittstank, so muss man 2x im Monat tanken. Nehmen wir da mal pauschal 200 Euro Sprit im Monat noch dazu…

= 1350 + 200 = 1550 Euro.

1550 Euro für all die oben genannten Dinge. Da hat man noch nicht mal was gegessen und getrunken, hat was zum Anziehen oder ist mit seinem Auto privat gefahren.

Nur damit man in die Arbeit kommt und eine Wohnung hat, in der man fast nicht ist, weil man sehr viel arbeitet, muss man in diesem Land rund 1500 Euro berappen.

Rechnet man dann noch jeden Tag mittlerweile bei den hohen Lebenskosten 15 Euro pro Tag für Essen und Trinken, ist man bei rund 460 Euro.

1550 + 460 = 2010 Euro.

Ein normal, hart arbeitender Mensch verdient grad mal 1700 – 1800 Euro.

Von mir aus auch 1900 Euro Netto.

Fehlen also trotz 10 Stunden Vollzeitjob noch 110 Euro.

Das ist das beste Deutschland aller Zeiten!

Danke dafür.

Erfahrungssache

Mit dem „49 Euro“ Ticket unterwegs

Von Siegfried Gerdau

Das Angebot der Deutschen Bahn (DB), mit einem Deutschland-Ticket für monatlich 49 Euro kreuz und quer durch die Republik zu reisen, klingt verlockend. Es ist allerdings ausnahmslos für Regionalzüge, Busse und S‑Bahnen gedacht. Nicht gültig ist das Von Siegfried in Fernverkehrszügen wie ICE, IC oder EC. Auch die Regionalzüge von DB-Fernverkehr sind für „49 Euro-Reisende“ tabu. Viele Menschen aller Altersklassen nutzen bereits das Monats-Abo obwohl es nur vom Monatsanfang bis zu dessen Ende gilt. Wem das ausreicht, sollte auch an die Kündigung denken, sonst verlängert es sich automatisch.

Vor dem Kauf gilt es ein paar Hürden zu bewältigen und die sind für viele Reisewillige nicht zu unterschätzen. Die Buchung funktioniert ausschließlich online und nicht am Fahrkartenautomaten auf einem Bahnsteig. Benötigt wird ein PC oder Handy mit Internetzugang und natürlich ein funktionstüchtiges Bankkonto. DB spricht von ein paar Minuten, die man brauche, um einen der subventionierten Fahrscheine online zu erwerben. Das gilt aber höchstens für Menschen, die mit der digitalen Technik vertraut sind. Es empfiehlt sich auch die App DB-Navigator auf dem Smartphone zu installieren. Hier wird dann das gebuchte Ticket in Form eines Barcodes für den Kontrolleur angezeigt.

Mein „Bahn-Abenteuer“ fängt auf dem Herborner Bahnhof an. Das Ziel, Frankfurt Hauptbahnhof, sollte ich ohne Umsteigen um 10.14 Uhr erreichen, sagt mir zumindest meine Handy- App. Bei der Wahl des individuellen Fahrplans, muss man sehr genau darauf achten, keine Fernverkehrs-Züge wie ICE, IC oder EC zu besteigen. Das käme dann einer Schwarzfahrt und damit einer Straftat gleich.

Deutsche Bahnhöfe sind eher selten Vorzeigeobjekte

Den Zustand des Herborner Bahnhofs beschreibt eine Reisende, mit Ziel Freiburg, als „erbärmlich“, dem konnte ich nicht widersprechen. Sie relativiert jedoch diese Aussage, „in Freiburg sieht es genauso aus.“

Eine Gruppe Landfrauen steht auf dem Bahnsteig und ich will wissen, ob sie mit dem Deutschlandticket fahren. Ja, aber nicht alle. Für die meisten von ihnen rechnet sich das nicht, weil die Landbevölkerung meist wegen der bescheidenen Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf das Auto angewiesen ist.

Ich besteige den RB 40 um 8.40 Uhr und der ist verhältnismäßig leer, aber sehr gut klimatisiert. Ein ICE brettert durch den Bahnhof. Der ist jedoch für mich keine Option. Mit mir steigt die 30-jährige Karin (Name geändert) ein. Sie fährt jeden Tag mit dem günstigen Ticket nach Wetzlar zur Arbeit. Vorher hatte sie ein Jahresticket und das kostete sie rund 1 000 Euro im Jahr. Mit 49 Euro im Monat käme sie nun bedeutend billiger weg. Der Rhein-Main-Verkehrs-Verbund (RMV) habe die Umstellung für sie erledigt, so dass sie keine Probleme damit hatte. Im Gegensatz zum heutigen Samstag, seien die Züge jedoch meist brechend voll. Mit der Bummelei, durch Halt an jedem Bahnhof, müsse man in der Regel leben.

Auch der RB 40 bummelt und ich beschließe mir die Landschaft ein wenig anzuschauen. Das wurde aber auf meiner Seite nichts. Sprayer hatten die komplette Seitenwände des Wagens einschließlich der Fenster nachhaltig, aber dafür sehr CO2-intensiv in der Mache gehabt. Die Kontaktaufnahme im Wagen gestaltet sich nicht ganz einfach. Die meisten Reisenden schauen mit gesenkten Köpfen auf ihre Handys und sind wegen der eingeführten In-Ear-Kopfhörer kaum ansprechbar.

Handys erschweren die Kommunikation

Eine Radfahrer-Gruppe in voller Ausrüstung besteigt den Waggon und findet Platz in einem dafür vorgesehenen Abteil. 49-Euro-Ticket? Fehlanzeige. Die Radlerinnen und Radler sind Landesbedienstete und die fahren in Hessen kostenlos, einschließlich ihrer Räder. Ihr Ziel ist Frankfurt und dann geht’s per Rad nach Rüdesheim.

Eine kleine Zwangspause in Gießen wegen „Vorfahrtsgewährung“ ist kein Problem. Sie dauerte keine 5 Minuten. Mir gegenüber nimmt ein junger Mann Platz und ich traue meinen Augen nicht, er packt ein Buch aus und oh Wunder, er liest darin. Eine Mitreisende-mit Handy in Vorhalte-reagiert auf meine zaghaften Kommunikationsversuche recht ungehalten. „Was wollen sie wissen, ob ich mit diesem Ticket fahre, ich muss doch nicht jede Frage beantworten.“ Meine gemurmelten Entschuldigungen erreichen sie schon nicht mehr.

Pünktlich um 10.14 Uhr fährt mein Zug im Frankfurter Hauptbahnhof auf Gleis 15 ein. Nix mit Unpünktlich. Ich kann es kaum glauben und bin von dem Gewimmel im Bahnhof überwältigt. Beim Turmbau zu Babel-Projekt muss es ähnlich zugegangen sein. Man hört alle Sprachen dieser Welt. Die Menschen schieben sich förmlich in alle Richtungen und es kann einem schwindlig werden.

Mittendrin sehe ich eine alte Dame, die mir etwas überfordert erscheint. Sie sucht den Bahnsteig und die Abfahrt des Zuges nach Gießen. Soweit meine sparsamen Bahnfahrt-Kenntnisse reichen, helfe ich ihr gerne. Ein 49-Euro- Ticket hat sie nicht. Dafür fährt sie einfach zu wenig mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dann sei das Sparticket doch zu teuer.

Zugbegleiterinnen und Begleiter sind die guten Seelen des Bahnbetriebs

Der RB 30 steht schon auf Bahnsteig 15, aber eine nette Zugbegleiterin empfiehlt mir den etwas späteren Zug zu nehmen, weil ihrer schon überfüllt sei. Die Seniorin möchte aber mitfahren, weil sie um 12 Uhr in Gießen erwartet werde. Die Bedienstete der HLB weiß, dass die meisten ihrer Fahrgäste das 49 Euro-Deutschlandticket benutzen. Das sei mittlerweile so gut wie normal. Probleme, weil die Benutzer nicht so ganz mit der online-Buchung klargekommen sind, gäbe es schon hier und da einmal. Das sei aber kein Grund gleich „loszulegen“. Eine Nachfrage per Internet sei für sie kein Problem und die Leute müssten dann einfach ihr Ticket nachreichen. Im Übrigen kenne sie, aufgrund langer Erfahrung, ihre Pappenheimer recht gut.

Nach Bad Nauheim zum 21st European Elvis Festival möchte sie und das sei riesig, sagt eine weitere Mitreisende. Sie ist eine alte Häsin, was das 9 Euro und jetzige 49 Euro-Ticket angeht. Sie fährt das ganze Jahr kreuz und quer durch die Republik und schaut sich alle interessanten Städte an. Meist ist sie alleine unterwegs. Das sei aber überhaupt kein Problem. „Ich bin sehr zufrieden damit, das Einzige was mich nervt, sind die Verspätungen oder gar Ausfälle ganzer Züge.“

Sogar gestrandet ist sie einmal in einer Süddeutschen Stadt und weil der Bahnhof geschlossen wurde, musste sie und die anderen Reisenden stundenlang davorstehen. Damit sie bei Kontrollen immer ihre Berechtigung nachweisen kann und nicht Gefahr läuft bei leerem Handy-Akku blöd dazustehen, hat sie sich bei RMV eine Karte im Scheckkartenformat ausstellen lassen. Hier ist ebenfalls der Barcode eingearbeitet, den sie auch im Handy hat. „Wenn ich meine Touren alle normal bezahlen müsste, könnte ich mir meine Deutschlandfahrten keinesfalls leisten“, sagt die Langenselbolderin.

Ohne Auto geht es auch

Mit zwei kleinen Kindern, einem Kinderwagen und einem schwer bepackten Fahrrad, entert eine junge Familie den Wagen. Aus Heidelberg kommen sie, um ihre Familie im alten Dillkreis zu besuchen. Ein Auto hätten sie nicht und brauchten es auch in ihrer Stadt nicht. Dafür hat er, der leidenschaftliche Pedalritter, aber das Deutschlandticket für alle Fälle, wie den aktuellen. Zu Hause legen sie fast alle Wege mit den Rädern oder zu Fuß zurück. Ob aus ideellen oder rein praktischen Gründen habe ich nicht in Erfahrung gebracht. Die Mitnahme von Fahrrädern beim 49-Euro-Ticket sei in allen Bundeländern und Betreibergesellschaften unterschiedlich geregelt. Er habe diesbezüglich schon einige Diskussionen geführt, erzählt der Vater. Beim Aussteigen lege ich Hand an, weil genau an dem Edinger Bahnhof der Ausstieg fast lebensgefährlich, weil sehr hoch ist.

Ab Gießen fährt der RB 40 wieder alle Bahnhöfe an und plötzlich taucht die erste Kontrolleurin auf. Es ist wieder die nette Petra und ich bestehe darauf, dass sie meinen Barcode auf dem Handy scannt. „Alles klar“, sagt sie und wünscht mir ein gutes Nach-Hause-Kommen. Ich wünsche noch einen guten Arbeitstag und steige in Herborn aus.

Mein Fazit: Das Deutschland oder 49 Euro-Ticket ist bei den Menschen angekommen und hat auch einige zu Bahnreisenden gemacht, denen das Bahnfahren vorher zu teuer war. Die anfänglichen Probleme sind weitgehend ausgeräumt, aber noch immer tun sich Seniorinnen und Senioren mit der online-Buchung schwer und müssen auf die Unterstützung ihrer jungen Verwandten zurückgreifen. Dass die Züge oft stark besetzt sind, muss man ebenso in Kauf nehmen, wie die ausschließliche Fahrt mit Regionalbahnen. Bei den Verspätungen und Zugausfällen ist man mit den „Normalreisenden“ in einem Boot. Es trifft alle gleich. Da die alternativen Fortbewegungsmittel wie Fahrräder immer mehr propagiert werden, muss die Frage nach kostenloser Beförderung beim 49 Euro- Ticket unbedingt bundesweit einheitlich geregelt werden.  Insgesamt gilt und da bin ich der gleichen Meinung wie viele andere auch: Das Deutschlandticket ist dann prima, wenn man es oft benutzt. Auf „ab und zu“ mal langen Strecken, kann es sich aber auch rechnen.

Herborner Künstler setzt auf starke Farben

Der abstrakten Malerei hat sich der Herborner Tom Fischer ohne Wenn und Aber verschrieben. Das Ordnen oder Komponieren mit Farben, Kontrasten, Linien und geometrischen Formen, ohne absichtliche Abbildung von Gegenständen, ist seine Welt, in die er immer dann eintaucht, wenn ihm das Herz überzulaufen droht.

Himmlische Begegnung

Fischer setzt in seinen Werken auf starke Farben, die den Betrachtern viel Raum für eigene Interpretationen lassen. Immer wieder arbeitet er mit Akzenten, die seinen Bildern das gewisse Extra verschaffen. Mehrere sehr gut angenommene Ausstellungen zum Beispiel in Frankfurt, Mainz oder Wiesbaden und in der Region, zeigen dem 25-Jährigen, dass die Menschen seine Art zu malen mögen.

Heute hatte ich die Gelegenheit einen tiefen Blick in seinen reichhaltigen Fundus werfen zu dürfen. Mit seiner Genehmigung veröffentliche ich einige seiner Gemälde hier in gerdaus-welt.

Weitere Infos in www.tomfischer-art.com. sig

Aktivity Place im Herborner EKZ wird 10

Von Siegfried Gerdau

Unter Insidern ist das Herborner EKZ in der Kaiserstraße 1-3 schon lange kein Geheimtipp mehr. Im kommenden Herbst feiert das „Aktivity Place“ in den weitläufigen Räumen des ehemaligen Herborner Einkaufszentrum, in der Nähe des Bahnhofs, sein 10-jähriges Jubiläum.

Der VR (Virtual Reality) Escape Room im EKZ ist der Hammer

Als Alex Barta 2013 das heutige Spiel und Sport-Imperium gründete, ahnte er selber noch nicht, wie erfolgreich er einmal mit seiner Idee sein würde. Eine Schwarzlicht-Minigolf-Anlage und eine Videothek installierte er da, wo noch wenige Monate vorher ein Lebensmittel-Vollsortimenter seine Waren anbot.

Auf 18 Indoor-Bahnen konnten und können die Mini-Golfer bei sogenanntem Schwarzlicht ihrer Leidenschaft nachgehen. Dieses Licht aus sparsamen LED-Lampen, bringt Fluoreszierende Farben zum Leuchten und ist selber für das menschliche Auge unsichtbar. Die Videothek im Eingangsbereich war ein Magnet für alle Menschen, die des TV- Programms überdrüssig waren. Das änderte sich drastisch mit der rasanten Verbreitung von Netflix und Co und das Video- Geschäft neigte sich dem Ende zu.

Der Familienrat mit Vater Axel Barta, Sohn Florian und Tochter Stefanie Zöllner, die beide mittlerweile schon fest im Sattel des Unternehmens saßen, tagte und man beschloss diesen Geschäftszweig zu beenden. Keiner der Beteiligten ist um neue Ideen verlegen und so wurden die Anlagen um zwei Fußball-Billard-Anlagen erweitert. Diese fantastische Kombination aus Fußball und Billard stellt das herkömmliche Billardspiel buchstäblich auf den Kopf. Als Queues werden dabei die Füße eingesetzt und das fordert die ganze Frau oder den Mann.

Angrenzend können die Fußball-Artisten ihre gewonnen Fähigkeiten an Bolz-Boxen unter Beweis stellen. An Tischen sitzend können zwei Spieler ihre Beinarbeit durch die gläserne Tischplatte beobachten. Der Spaß ist inklusive. Immer noch angesagt ist das Torwandschießen. Auch daran haben die Betreiber des Aktivity Place gedacht.

Ein weiteres sport- und spielerisches Highlight, direkt nebenan, ist eine aus Skandinavien stammende Sportart, das Teppich-Curling. Dabei geht es wie auf einer bayrischen „Eisbahn“ zu. Der bedeutsame Unterschied: Die Spieler kommen, im Gegensatz zu den gleitenden Steinen, nicht ins Rutschen. Curling ist inzwischen zum Olympia-Kult aufgestiegen und daher ist man beim Spiel mit dem schweren „Eisstock“ den Olympioniken sehr nahe.

Mit einem VR (Virtual Reality) Escape Room haben die Bartas einen riesigen Schritt ins virtuelle Zeitalter der künstlichen Intelligenz (KI) getan. Was hier geboten wird, ist mit Worten kaum beschreibbar, weil fern jeder Realität. Die Akteure tauchen mit Hilfe ihrer VR-Brillen in eine Welt, die so fantastisch ist, dass sie ausnahmslos jeden Mitspieler total in ihren Bann zieht.

Im Obergeschoss können sich die Queue-Artisten an 10 Billardtischen austoben und es sich im Anschluss in der Lounge gut gehen lassen. Eine weitere Sportmöglichkeit ist das Kickboxen für Kinder und Jugendliche und sogar der Balletttanz.

Den Eingangsbereich beherrscht eine Anlage, die kurz vor ihrer Fertigstellung steht. Es ist ein Parcours mit kleinen Elektroautos, auf dem schon die Kleinsten ihre fahrerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen können. Das tolle daran: Die zuschauenden Eltern können per Fernbedienung unmittelbar auf das Fahrverhalten ihrer Sprösslinge Einfluss nehmen.

Alle Aktivitäten finden Übrigens unter idealen Temperaturen in jeder Jahreszeit statt. Klimaanlagen sorgen für das Wohlbefinden der Gäste. Betriebsfeiern, Kindergeburtstage, Junggesellenabschiede, aber auch ein ganz gewöhnlicher Besuch mit Freunden oder der gesamten Familie und vieles mehr, lassen sich hier wunderbar realisieren. So gehen sportliche Aktionen und gemeinsames Feiern eine gelungene Symbiose ein. Da unter dem Dach des EKZ auch eine Pizzeria residiert, kann man sich von dort verköstigen lassen. Nicht wenige Besucher bringen auch ihr Essen von zu Hause mit. Die unterschiedlichsten kühlen Getränke kann man im Aktivity Place dazu kaufen.

Über die breite, ehemalige Einkaufsmarkttreppe gelangt man in den 1. Stock und in das Reich von Alexej Proskurow und der fantastischen Welt von LaserTag oder LaserTec in der Laser Area. Der sympathische Betreiber erklärt gerade drei jungen Männern sehr ausführlich den Spielablauf und dessen Besonderheiten. In dem Spiel treten zwei oder auch viel mehr Spieler mittels „Laserpistolen“, sogenannten Phasern gegeneinander an und versuchen in den mit Schwarzlicht ausgestatteten Räumen ihre ebenfalls mit elektronischen Westen ausgestatteten Mitspieler mit einem ungefährlichen Laserlichtimpuls zu treffen. Dabei gilt es, so viele Punkte wie möglich zu ergattern. Das Spiel kann je nach Bedarf auf die unterschiedlichsten Interessengruppen eingestellt werden.

Proskurow hat daneben auch Kinder-Lasertags im Angebot. Allen Spielen gemeinsam ist, dass sie nicht am PC stattfinden, sondern man sich tatsächlich sehr viel bewegen muss. Dies stellten auch die drei Freunde nach kurzer Zeit fest, als sie schweißgebadet vor den Bildschirmen mit den Ergebnissen ihres Einsatzes standen.

An einer anderen Stelle lässt sich auch die Trendsportart Axtwerfen betreiben. Echte Tomahawk-Äxte werden in Sicherheitsbahnen ähnlich wie beim Dart, auf eine Holzzielscheibe geworfen. Außerdem: Eine Sensation wird wahr. Schon bald wird die Virtuix-Omni-Arena im Raum gleich nebenan an den Start gehen. Diese in Deutschland ziemlich einmalige Spielart fordert den vollen Körpereinsatz bei zahlreichen E-Games und könnte ein Renner werden.

Alle Aktivitäten von Aktivity Place sind in der Homepage des Unternehmens www.activityplace-herborn.de nachlesbar. Phone: 02772-5704750 und per Mail: info@activityplace-herborn.de

Die Öffnungszeiten sind: Mittwoch-Donnerstag: 15 – 21 Uhr. Freitag und Samstag: 12 – 22 Uhr. Sonn- und Feiertage: 12- 20 Uhr. Auf Anfrage kann von diesen Zeiten abgewichen werden.

Die LaserArea im EKZ ist telefonisch über +49 (0) 2772 92 33 229 und per Mail kontakt@laserarea.de erreichbar.

Fotos: Gerdau

Herbstgeschenke in Herborn

Anja Hähner, die Inhaberin von Tweetis Imbisswagen in Herborn gegenüber der Sparkasse, ist bekannt für ihre Bastelarbeiten. Ihre neuen Kreationen, die sich mit den Herbstfarben schmücken sind zur Zeit der Renner. Wer noch ein schönes Geschenk für sich oder seine Lieben sucht, wird hier für kleines Geld garantiert fündig. Die Unikate sind allesamt von Anja handgearbeitet. sig

Herborner liest auf der Leipziger Buchmesse

Nach der Frankfurter Buchmesse ist die Leipziger Buchmesse die zweitgrößte Literaturveranstaltung in Deutschland. Sie findet üblicherweise jedes Jahr im März (2023 ausnahmsweise im April) auf dem Leipziger Messegelände statt und gilt als erster großer Branchentreff des Jahres. Anders als die Frankfurter Buchmesse, ist die Messe in Leipzig in erster Linie eine Publikumsmesse.

Das Frühjahrsereignis der Buch- und Medienbranche präsentiert alljährlich Neuerscheinungen, Verlagsprogramme, Autoren und Trends. Auf der Buchmesse und dem größten europäischen Lesefest „Leipzig liest“ begegnen sich Leser, Autoren und Verleger, um sich zu informieren, auszutauschen und Neues zu entdecken

Auch der Herborner Autor Konstantin Becker-Bachmann stellte sein Werk „Der Hase des Henoch“ vor und las daraus vor einem sehr interessierten Publikum. sig

Konstantin Becker-Bachmann liest aus seinem Buch auf der Leipziger Buchmesse 2023

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, das Becker-Bachmann ein Enkel von Professor Dr. Gert Joachim Hartmann (verstorben am 8. Februar 2016) ist. Dieser lehrte von 1975 bis 1999 in Herborn am Theologischen Seminar der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau als Professor für Seelsorge. Er war in dieser Zeit auch als Direktor des Seminars tätig. Sein Buch „Lebensdeutung – Theologie für die Seelsorge“ sammelt die Grundideen seiner Lehrtätigkeit und ist bis heute ein Standardwerk in der seelsorgerlichen Ausbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer

Im folgenden der Erlebnisbericht des Autors von der Leipziger Buchmesse

„Ich hab mich in meinem Leben schon immer für alte Kulturen interessiert, alles gelesen, was mir in die Finger kam, jede Dokumentation geguckt und war immer, allerdings ohne ernsthaften Drang, danach bestrebt, mehr über die Ursprünge aller Kulturen und deren Religionen und Mythen zu erfahren. Und wer sich so mit diesen Themen beschäftigt wie ich, kommt nicht umhin, festzustellen, dass es bemerkenswert viele Gemeinsamkeiten gibt. Wer weiß, wie viele Stunden habe ich zusammen mit meinem Großvater verbracht, um mir anzuhören, wie die abrahamitischen Religionen sich entwickelt haben, und immer wieder hatte ich neue Ideen, Schriften und Theorien über die Verbindungen zu anderen Kulturen und Religionen zu ihm getragen, um darüber zu diskutieren.

Nun hatte ich hier, mitten in der spanischen Wüste, in einem Heft einen Artikel über die Bauweise der Mauern in Gizeh, Mohenjo Daro, den Osterinseln und Cuzco gelesen und darüber, dass die Mauern an diesen Orten nach der gleichen, bis heute technisch nicht nachvollziehbaren Methode gebaut wurden. Ich überlegte mir kurzerhand: Was passiert denn eigentlich, wenn ich diese vier Orte jetzt bei Google Earth miteinander verbinde?“

Das Ergebnis überraschte nicht nur das Publikum der diesjährigen Leipziger Buchmesse: Gizeh, Mohenjo Daro, die Osterinsel und Cuzco lagen exakt auf einer Linie.

Mit diesem Ausschnitt aus „Der Hase des Henoch“ führte der Herborner Autor Konstantin Becker-Bachmann die Zuhörer ein, in eine unkonventionelle Welt kulinarischer Finesse, menschlicher Abgründe und menschlichem Schaffensgeist, der Gedankenwelt alter Kulturen und moderner Sinnesart. Eine Reise, dazu geeignet, so manches Weltbild in Frage zu stellen.

Wenn man den positiven Beurteilungen glauben kann, kommt der „Hase des Henoch „ und sein Autor bei Leserinnen und Lesern an. „Solange es solche Schreibtalente in Deutschland gibt, ist mir vor der Zukunft der deutschen Literatur nicht bange! Ich bestelle es noch einige Male zum Verschenken.“ (Beurteilung zum Buch bei Amazon. ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3985031030. Preis: 17,70 Euro

Konstantin Becker-Bachmann wurde am 03.März 1989 in Gießen geboren und lebt in Herborn. Seit 2010 ist er als Küchenchef in einem Restaurant tätig. Der Hase des Henoch ist sein erstes Werk, für welches die 2016 von ihm absolvierten außergewöhnlichen Reisen zu den im Roman beschriebenen Orten als Grundlage dienten.

Grundgesetz und Bundesbürger

Wem gilt die Treue eines guten Demokraten und Staatsbürgers in erster Linie? Vermutlich der Verfassung unserer Republik, also dem Grundgesetz. Es wurde am 8. Mai des Jahres 1949 vom Parlamentarischen Rat beschlossen und im gleichen Monat durch die Volksvertretungen der Länder angenommen.

Einigkeit und Recht und Freiheit.

Die westdeutschen Ministerpräsidenten fürchteten, eine Verfassung als Gründungsdokument eines neuen Staates könnte die Spaltung Deutschlands in Ost und West vertiefen. Die Verfassung sollte provisorischen Charakter haben und nur gelten, bis die Teilung überwunden und die Einheit hergestellt wäre. Deshalb war nur von einem Grundgesetz die Rede.

Dieses Gesetz ist seitdem die Basis für alle anderen Gesetze und Verordnungen in der Bundesrepublik. Es lohnt sich immer wieder dieses fundamentale Werk zu durchstöbern und aufmerksam die einzelnen Artikel zu lesen.

In der Präambel steht ganz klar, dass sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben hat. Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk.

Die Verfassungsprinzipien sind in Artikel 20 des Grundgesetzes, der Verfassung, festgelegt.

Diese Verfassungsprinzipien sind – Demokratie, Sozialstaat, Rechtsstaat, Bundesstaat, Gewaltenteilung, Widerstandsrecht

Demokratie: Das Volk bestimmt in Wahlen, wer regieren soll.

Sozialstaat: Der Staat muss dafür sorgen, dass alle Bürgerinnen und Bürger ein menschenwürdiges Leben führen können.

Rechtsstaat: Der Staat und alle Bürger müssen die Gesetze achten.

Bundesstaat: Die 16 Bundesländer, aus denen die Bundesrepublik Deutschland besteht, haben jeweils eine eigene Regierung, ein eigenes Parlament und eine eigene Verwaltung. Die Bundesländer müssen auch bei der Gesetzgebung beteiligt werden.

Gewaltenteilung: Die gesetzgebende Gewalt (Legislative), die ausführende Gewalt (Exekutive) und die rechtsprechende Gewalt (Judikative) sind voneinander getrennt. So soll verhindert werden, dass diejenigen, die die Macht im Staat haben, ihre Macht missbrauchen.

Recht zum Widerstand: Wenn jemand versuchen sollte, die demokratische Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand.

Die Parteien, gleich welcher Couleur, die Abgeordneten und andere Funktionsträger nehmen ihre Aufgaben im Auftrag, im Interesse und zum Wohl des Deutschen Volkes wahr.

Eine sehr wichtige Feststellung ist:

Der demokratische Rechtsstaat lebt nicht nur vom Gehorsam der Bürgerinnen und Bürger, sondern auch davon, dass seine Regeln immer wieder hinterfragt werden. Das Misstrauen gegenüber dem Staat gehört demnach zur Demokratie und ist erste Pflicht der Medien. Jedoch dürfen Mehrheitsregeln nicht nach Belieben ausgesetzt werden, wenn eine Minderheit sie herausfordert. sig/Foto: Gerdau

Motorrad-Gottesdienst in Herborn

Der Einladung der Freie evangelische Gemeinde (FeG) am Sonntag in die Herborner Konrad-Adenauer-Straße zu einem Motorrad-Gottesdienst folgten genau 50 Biker mit ihren heißen Öfen. Die Initiatoren um Volker Fries und Carlo Braun hatten die Organisation voll im Griff und für hungrige Anreisende gab es sogar ein kleines Frühstück-Büfett.

Viktoria Bechtum und Helena Gabriel, begleitet von Schlagzeug, Gitarre und Klavier empfingen die rund 250 Gottesdienstbesucher mit schönen Gesangsstimmen. Die Moderation übernahm Amelie Braun und Mario Bechtum. Wie es sich für einen derartigen Gottesdienst gehört, stand ein 98 ccm Einzylinder „Gold Rad“ des Kölner Unternehmens Goldberg, Baujahr 1939 auf der Bühne. Im Hof der FeG waren dagegen fast ausschließlich High-End-Maschinen vertreten und warteten geduldig auf ihre Eigner.

Für die Predigt konnte man den „Motorrad-Pastor“ Jörg Sahm aus Griesheim gewinnen. Der leidenschaftliche Motorradfahrer ist auch als Motorrad-Missionar unterwegs und setzt sich stark für Fahrsicherheitstrainings ein.

Das Moderatorenteam interviewte den 25 Jahre alten Motorradfahrer Jannik Bese. Der heute Querschnittgelähmte hatte bei einer Ausflugs-Fahrt die Kontrolle über sein Krad verloren und verunfallt. Erst im Februar dieses Jahres konnte er die Klinik verlassen. Die Betroffenheit der Anwesenden war förmlich zu spüren. Er habe sich mit seinem Schicksal durch Gottes Beistand arrangiert und lediglich noch Schwierigkeiten seine häusliche Umgebung auf sich passend umzustellen. „Es gibt allerdings Momente in denen ich auch mal einen „Durchhänger“ habe“, räumte er ein. Auf die Frage ob er denn, wenn er könnte, wieder aufs Motorrad steigen würde, beantworte er mit einem deutlichen Ja.

Am Ende des eindrucksvollen Gottesdienstes unternahmen die Teilnehmer einen gemeinsamen Ausflug auf ihren Harley-Davidson, BMW und Co.

Kleinst-PKW-Treffen

Von Siegfried Gerdau

Ein recht ungewöhnliches Treffen von ebenso außergewöhnlichen kleinen Autos fand am Samstag auf dem Herborner Marktplatz statt. Initiator Axel Schwehn aus Eschenburg, selber Eigner eines Messerschmidt Kabinenrollers, hatte zahlreiche Besitzer von Kleinschnittger-Kleinstwagen um sich geschart und sie der Öffentlichkeit präsentiert. Mit dabei waren nicht nur Messerschmidt Kabinenroller, sondern auch BMW-Isettas, die damals gerne Himmelfahrtsautos genannt wurden.

Ästhetik pur. Der Kleinschnittger F 125 ist eine Augenweide

Acht Kleinschnittger F 125 beherrschten jedoch die Szene und wurden von den zahlreichen Besuchern ausgiebig unter die Lupe genommen. Die putzigen Autochen waren einfach zu schön anzuschauen und ihren Besitzer stand die Leidenschaft für ihr schönes Hobby förmlich auf der Stirn geschrieben.

Uwe Beier aus Herten lud kurzentschlossen die frische Braut Theresa Kulozikt aus Beilstein ein, mit ihm in seinem schicken Kleinschnittger-Cabrio eine Runde zu drehen. Auch Claudia Heinz aus Haiger-Flammersbach ließ es sich nicht nehmen in den roten Kabinenroller von Robert Philipp aus Einhausen einzusteigen. Sieglinde und Eckhart hatten es sich nicht nehmen lassen mit ihrem supergepflegten F 125 per PKW und Autotransporter aus Donzdorf in Baden-Württemberg anzureisen. Eckhart hatte ihn als junger Student für gerade einmal 90 DM erworben und ihn dann „verkommen“ lassen. Als er in Pension ging, nahm er sich seiner wieder an und restaurierte den Kleinschnittger weit über ein Jahr lang zu seiner heutigen Schönheit.

 „Volkswagen aus dem Sauerland“ wurde der Kleinschnittger F 125 einst genannt. Für seinen Erfinder Paul Kleinschnittger, ein gelernter Modellbautischler, war es der zweite Anlauf ein bezahlbares Fahrzeug, für die vom Weltkrieg gebeutelten Bevölkerung herzustellen. Bis 1950, dem Geburtsjahr des schnuckeligen Kleinstwagens, waren die Menschen höchstens auf zwei Rädern unterwegs und sehnten sich nach einem Fortbewegungsmittel mit einem Dach und auf vier Rädern. Diesem Wunsch kam der geniale Konstrukteur mit seinem „Kleinschnittger“ entgegen. Er war war ein preisgünstiges Fahrzeug. Zu Beginn der Produktion kostete er 1995 DM, das entspricht heute etwa einem Preis von 6 200 Euro. Mit diesem Angebot sprach er insbesondere die Zweiradfahrer an. So stand auch in der Bedienungsanleitung: „Betrachten Sie bitte dieses Fahrzeug als Roller oder Motorrad in den unteren Klassen, jedoch auf 4 Rädern.“ Die Karosserie bestand nicht mehr aus Stahlblech, sondern aus Aluminium. Der kleine Einzylinder-Zweitaktmotor mit 122 cm³ Hubraum war vorne eingebaut. Man startete ihn so ähnlich wie ein Rasenmäher, mit einem Seilzug. Er wurde bei ILO, dem damals größten Zweitaktmotoren-Hersteller in Pinneberg, gebaut. Mit seinen 6 PS und einem Verbrauch von 3 Litern auf 100 Kilometern erreichte das Wägelchen eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h. Dank seiner Leichtbauweise wog der F 125 gerade einmal 150 Kilogramm, bei einer Nutzlast von 170 Kilo. Mit einem Dreiganggetriebe und einer sogenannten Ratschen-Lenkradschaltung ausgestattet, fehlte ihm jedoch ein Rückwärtsgang, so dass sein Fahrer den Wagen zum Wechsel der Fahrtrichtung hinten anheben und herumdrehen musste. Fahrer und Beifahrer hatten „genügend“ Platz, aber auf Türen mussten sie verzichten.

Pro Monat produzierte Kleinschnittger mit seinen 50 Mitarbeitern etwa 50 Exemplare in dem Arnsberger Unternehmen. Bis 1957 entstanden so zwischen 2000 und 3000 Kleinschnittger F 125. Die sich sehr schnell weiter entwickelnde Nachkriegsgesellschaft verlangte nach größeren Fahrzeugen und das Unternehmen versuchte dem mit mehreren 250 Kubikzentimeter-Prototypen nachzukommen. Obwohl das Modell mittlerweile einen Rückwärtsgang hatte, blieb der Erfolg aus. Gerade einmal 26 Fahrzeuge wurden bis zum Unternehmenskonkurs 1957 produziert.

Was blieb ist die blechgewordene Erinnerung auf vier Rädern an die Gründerjahre der Bundesrepublik. Ein besonders schönes und seltenes Exemplar steht auch im Nationalen Automuseum in Ewersbach. Beim Sammlerwert kann man heute je nach Zustand von mindestens 5.000 Euro und weit mehr ausgehen. Fotos: Gerdau