Wie an fast jedem Morgen befasse ich mich mit der Weltpolitik und natürlich auch mit den Themen, die uns Bundesbürgern unter den Nägeln brennen.
Mich wundert dabei immer wieder, wie wenig sich die Menschen im Land konkrete Gedanken darüber machen, was in der kalten Jahreszeit auf sie zukommt. Das reicht von „mir doch egal, was die da oben machen“ bis hin zu „das geht nicht mehr lange gut, die fahren alles an die Wand.“
Auf meiner gerade zu Ende gegangenen Reise in Deutschlands Norden habe ich mit sehr vielen Menschen aller Couleur gesprochen. Was mir dabei auffiel, war die Resignation, die bei vielen Gesprächspartnern (natürlich auch Gesprächspartnerinnen) immer wieder anklang. Von einer Endzeitstimmung zu sprechen, wäre sicher völlig überzogen und doch hörte ich immer wieder den Satz: „Wir wollen es uns noch einmal schön machen, wer weiß ob wir das in Zukunft noch können.“
Was den Menschen besonders Sorgen bereitet, umfasst die Bereiche Energie, das liebe Geld und die allgemeinen Lebenshaltungskosten. Natürlich war mein Blickwinkel sehr eingeengt. Alle meine Gesprächspartner waren finanziell in der Lage, sich in ihren Lebensgewohnheiten reduzieren zu können. Die, die heute schon mit dem Rücken an der Wand stehen und nicht wissen wie sie den Monat überstehen werden, habe ich (anders als sonst) diesmal nicht gesprochen. Das hatte einen einfachen Grund.
Wenn auch die Medien voll mit Bildern von mit Reisewilligen überquellenden Flughäfen sind, es gibt unter den 82 Millionen Einwohnern unsers Landes viele Bürger, die von einer (egal welcher) Reise nur träumen können.
Immer wieder kam auch der Hinweis, auf die armen Menschen in der Ukraine, von denen viele ihre Existenz und sogar Gesundheit und Leben verloren haben. Es gab aber auch Gesprächspartner, die meinten, „warum und wofür wir, die doch aller Welt helfend unter die Arme greifen, bestraft würden.“
Ich habe mich nicht hinreißen lassen und mit dem abgedroschenen Satz vieler Politiker-und Medienschaffender geantwortet: „Uns geht es doch allen so gut wie nie und wir sind doch das reichste Land auf dem Globus.“ Auch habe ich nicht davon gesprochen, dass alles sei „Jammern auf hohem Niveau“ und „Stammtisch-Geschwurbel.“
Ich habe es deshalb nicht getan, weil diese Aussagen in höchstem Maße unverschämt und einfach unwahr sind. Was ich jetzt getan habe, ich habe zufällig ein Video von Julian Reichelt, dem in Ungnade gefallenen ehemaligen BILD-Chefreporter gesehen und es hier anschließend verlinkt. Man kann diesem Mann vieles wie Sexismus, Mobbing und unkollegialer Umgang mit seinen ehemaligen Mitarbeiterinnen unterstellen. Seine überragenden journalistischen Fähigkeiten wird man jedoch nur schwerlich in Zweifel ziehen können. Zum Inhalt des Videos will ich mich nicht äußern. Nur soviel: Es geht dabei auch um Geld, viel Geld. sig
So gut wie kaum von der Herborner Bevölkerung beachtet, trafen sich am Montagabend rund 130 Frauen, Männer und Kinder von „Herborn steht auf“ auf dem Marktplatz, um ihren Unmut über die unterschiedlichsten Themen zum Ausdruck zu bringen.
Von nur wenigen Ordnungshütern begleitet, machten sie sich anschließend auf den Weg, um mit Transparenten und Bannern ihre Meinung zu vertreten. Eine Trommlergruppe nervte einen Marktplatz-Anwohner derart, dass er seinem Unmut über diese „Lärmbelästigung“ lautstark aus einem Fenster heraus Luft verschaffte.
Am Ende des Marsches durch die Innenstadt versammelten sich die Teilnehmer wieder auf dem Marktplatz, wo verschiedene Rednerinnen und Redner Wortbeiträge per Beschallungsanlage verbreiteten. sig/Fotos: Gerdau
Die Herborner Edel-Second-Hand-Boutique „tante Mariechen“ ist in neuen Räumen wieder eröffnet. In der Hauptstraße 35, direkt neben Tafelski, bietet Katharina Giese jetzt im Schwerpunkt hochwertige Damenmode auf zwei Etagen an.
Katharina Giese
Bereits beim Betreten der Boutique wird deutlich, dass man es hier nicht mit einem landläufigen Second-Hand-Geschäft zu tun hat. Nicht nur beim Interieur, sondern auch bei der Dekoration und dem übrigen Ambiente hat ein Schöngeist Hand angelegt.
Die geschmackvolle Warenanordnung sowie die Zusammenstellung der unterschiedlichen Angebote, verrät eine geübte Hand und viel Gefühl für geschmackvolle Arrangements.
Nichts ist dem Zufall überlassen und die Kundinnen können sich frei, ohne Einengung, in dem Ladenlokal bewegen.
Die sehr kundenfreundliche Preisgestaltung der hochwertigen Artikel, ist verlockend und lädt förmlich zum Kauf ein.
Das Angebot an ehemals hochpreisigen Einzelstücken in den Größen 34 bis 44/46 besteht ausschließlich aus Markenware, die nicht älter als zwei Jahre ist und von ihren Besitzerinnen sehr gepflegt wurde. Dennoch legt Katharina Giese Wert darauf, dass ihre Mode zu allen Anlässen tragbar ist. Ausgefallene Abendgarderobe, die lediglich zu seltenen Anlässen ihre Trägerinnen schmückte, findet man in ihrem Geschäft hingegen nicht.
Die 33-jährige, fachlich versierte, Geschäftsfrau betont jedoch, dass ihr die Nachhaltigkeit der angebotenen Waren sehr am Herzen liegt. Auch der persönliche Kontakt zu ihren Kundinnen hat für Katharina Giese höchsten Stellenwert. Bereits seit 2019 führt sie ihr Geschäft mit viel Herzblut und Geschmack auch fürs Detail. Sie selber liebt schöne Mode so lange sie denken kann, entsprechend mag sie auch andere Frauen gerne schick einkleiden.
Das Serviceangebot hört bei „tante mariechen“ nicht beim breit gefächerten Sortiment der Waren auf. Die jahreszeitliche Abstimmung der Bekleidung ist ebenso selbstverständlich, wie auf Wunsch auch eine sehr detaillierte Stilberatung von Chefin und Mitarbeiterinnen.
Für die Begleiterinnen und Begleitern der Kundinnen, stehen bequeme Sitzgelegenheiten, Lektüren oder ein erfrischendes Getränk bereit. Umkleidekabinen erleichtern die Bekleidungsauswahl.
Wer sich von seiner hochwertigen Garderobe trennen möchte, findet in Katharina Giese ebenfalls eine kompetente Ansprechpartnerin, die mit der Anbieterin einen Termin vereinbart. Wenn die angebotenen Stücke in das Sortiment der Boutique passen und die Kundinnen mit der Preisvorstellung einverstanden sind, nimmt Giese die Waren auf Kommission in den Bestand des Geschäfts auf.
Mitarbeiterin Bettina Gruber in ihrem Element
Die Öffnungszeiten von „tante mariechen“ sind: Montag 14 bis 18 Uhr, Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr und Samstag von 10 bis 14 Uhr.
Einen tollen musikalischen Morgen gestalteten die Kinder der Klasse 2 der Fritz Philippi-Schule gemeinsam mit einigen Breitscheider Landfrauen für die Gäste der Breitscheider Tagespflege im Gesundheitszentrum. Sie wurden unterstützt von zwei ehemaligen „Westerwaldjungs“ mit Akkordeon (Erich Bechtum) und Eberhard Nickel (Gesang). Schon vor zwei Jahren rief Lehrerin Sabine Schüler die Aktion ins Leben. Doch die Pandemie machte allem einen Strich durch die Rechnung. Jetzt war es endlich so weit. In der Sing-Akademie der Breitscheider Schule suchten die Kinder gemeinsam mit Lehrerin Kerstin Ritter Volkslieder aus, die auch die Menschen kennen. Dann war gemeinsames Üben angesagt. Diese Fleißarbeit lohnte sich. Die Stimmung in der Tagespflege-Station war riesengroß. Mit strahlenden Gesichtern sangen alle aus Leibeskräften mit. In den strahlenden Kinderaugen spiegelte sich die Freude wider, die sie mit ihrem Gesang den älteren Leuten gemacht hatten. Anschließend wurden sie alle von den Landfrauen mit liebevoll gebastelten Geschenkboxen, gefüllt mit süßem Naschwerk, beschenkt. Dem eindeutigen Wunsche aller, eine solche Aktion zu wiederholen, wollen die Akteure schon bald gerne entsprechen.
Eine Veranstaltung, die nicht nur den Tagesgästen unter die Haut ging.
Die erste Begegnung mit dem mittelalterstädtchen Herborn ist etwas gewöhnungsbedürftig. Foto: sig
Gestern war es mal wieder soweit, ich kam um 23.30 Uhr auf Gleis 2 von einer Reise zurück. Geht man an Gleis 2 die Treppe hinab, durch die Unterführung, dann bekommt man schon direkt einen Ekel. Eine abgeranzte Unterführung , vermüllt und nach Urin stinkend. Willkommen zu Hause in Herborn denke ich dann. Da bekommt der Reisende ja einen Super-Eindruck von unserer schönen Fachwerkstatt.
Das ist die Herborner Bahnhofsunterführung zu den Bahnsteigen, in einer der schönsten Fachwerkstadt im alten Dillkreis. Foto: privat
Gut, Herborn ist nicht Wien. Dort wird anscheinend ständig gefeudelt und es liegt Null Dreck in den U- oder S-Bahnhöfen. Gestern kam ich von Hamburg, Kassel und Gießen, alles kein Vergleich zu Herborn. Hier muss ich mich schon schämen für unseren Bahnhof. Der müsste dringend saniert und gereinigt werden. Dies ist Aufgabe der Stadt, bei der Deutschen Bahn so etwas zu bemängeln und um Beseitigung zu bitten.
Begleitschutz Verschlungener StegDie Seehundmama hält das Kleine mit seinem Köpfchen über Wasser. Friesische Bocksprünge Eine Blumenwiese von der man nur träumen kann.Dem Sohn der kleinen Stadt Garding, Christian Matthias Theodor Mommsen, zum ewigen Andenken.
Schloss Husum hat eine reiche, geschichtliche Vergangenheit. Hier sieht man die schönsten Rosen, die auch in der gesamten Stadt die Häuser schmücken.
Friedrichstadt mit seinen Grachten, kann die holländische Vergangenheit nicht verleugnen. Der Tönninger Trödelmarkt ist bis weit über die Grenzen der Stadt bekannt und beliebt.
Wofür hatte ich eigentlich das 600er-Tele dabei. Na klar, um Deutschlands imposantesten Leuchtturm abzulichten. Den Besuch hatte ich immer wieder verworfen und neu geplant. Mit dem Fahrrad war es uns ein wenig weit und so beschlossen wir das Unternehmen auf den Tag unserer Abreise in Angriff zu nehmen. Eine gute Entscheidung, wie sich erweisen sollte. Der Verkehr von Tönning über Garding bis zum Deich hinter dem Örtchen Westerhever hielt sich in Grenzen und das Wetter spielte ebenfalls mit.
Zweieinhalb Kilometer vor dem Turm konnte man gut, aber nicht ganz billig parken. Die 80 D klar gemacht und los ging’s auf den Deich. Die Sonne lugte immer wieder durch die leichte Wolkendecke, aber als ich oben war, wurde der Turm schön angeleuchtet. Charakteristisch mit den beiden ehemaligen Wärter-Häusern links und rechts, leuchtet der über hundert Jahre alte und 40 Meter hohe Riese mit seiner Lichtkuppel fast 40 Kilometer weit über die Nordsee und ist noch von Helgoland aus zu sehen.
Leuchtturm Westerhever. Rechts dahinter St. Peter-Ording.
Über 157 Treppenstufen erreichen die Besucher für 6 Euro pro Person die Aussichtsplattform und können von dort weit ins Land und die See schauen.
Hallig Süderoog
Die Hallig Süderoog (4 Einwohner) und deren einziges Bauernhaus ist bei guter Sicht ebenso vom Deich aus zu erkennen, wie die Pfahlhäuser am Strand von St. Peter-Ording. Die Radwege zum und vor dem Deich sind ein Traum und wer kein Rad dabei hat, kann sich bei Theo’s Fahrradverleih ein Stahlross gegen eine kleine Gebühr ausleihen. Der große und kleine Hunger lässt sich trefflich „bi Silke & Theo“ in deren Edel-Schnell-Restaurant stillen.
Die von Silke Friedrichsen-Dirks und ihren freundlichen Mitarbeiterinnen zubereitete Ofenkartoffel mit frischen Krabben, haben wir uns ebenso munden lassen, wie die Fisch-und Schafsfleisch-Frikadellen. Das Interieur des Restaurants genügt selbst höheren Ansprüchen und der Service lässt keine Wünsche offen. Was uns besonders gut gefallen hat, sind die mit viel Herzblut angerichteten Speisen. Da isst selbst das Auge noch gerne mit. Das perfekt gekühlte Flensburger Pils, für das der Westerhever Leuchtturm unübersehbar wirbt, rundet jedes Mahl bei Theo und Silke ideal ab.
In Sichtweite des Leuchtturms haben Silke und Theo Dirks ihr Restaurant und einen Fahrradverleih installiert.
Chef Theo Dirks ist der Mann für alle Fälle.
In aller Ruhe peilten wir unser nächstes Ziel auf dem Nachhauseweg, den Stellplatz Wildeshausen, an. Der aufgeräumte und ruhige Platz am Schwimmbad ließ uns gut schlafen.
War auf den Hinfahrt der Campingplatz Münster ein lohnendes Erst-Ziel, wollte wir unsere Reise ebenfalls dort beenden. Leider war der Platz belegt, aber wir ergatterten auf dem Stellplatz davor noch einen Platz. Dennoch konnten wir alle Annehmlichkeiten des Platzes genießen und die Übernachtungsgebühr war sogar etwas reduziert.
Den guten Eindruck, den man auf der Zufahrt zum Campingplatz Münster bekommt, bestätigt sich auch im Inneren.
Am meisten freuten wir uns auf das Abendessen im platzeigenen Restaurant „Wersetiger“. Ein solch erstklassiges Menü bekommt man nicht überall und auch das zuvorkommende Personal bestätigte wieder einmal den Gesamteindruck. Beim Schreiben dieser Zeilen läuft mir das Wasser wieder im Mund zusammen.
Der Optimist denkt oft ebenso einseitig, wie der Pessimist.
Nur er lebt froher
Wandspruch: Wersetiger
Die Furcht vor der Lüdenscheider Vollsperrung war total unbegründet. Es lief langsam aber zügig und das lag sicher auch an dem kaum nennenswerten Verkehrsaufkommen auf der A45.
„Achtung, wir nähern uns den Sandbänken. Wenn wir Glück haben sehen wir ein Seehund-Baby oder eine ihrer Mütter. Noch aber führt die Eider hohes Wasser und bis zur Ebbe ist es noch ein wenig hin“, ruft der smarte Kapitän des Adler durch die Lautsprecheranlage. Wir haben eine Ausflugsfahrt auf der Eider mit Durchquerung der Schleuse in die Nordsee gebucht. Zweimal täglich fährt das Schiff mit Passagieren diese Strecke und zurück.
Das niedliche Seehundbaby ist Synonym für den Zweck des Schiffes .
Die Eider misst hier an der breitesten Stelle drei Kilometer. In der Mitte ist eine Fahrrinne ausgebaut, damit die Schiffe bei Ebbe überhaupt fahren können. Die meisten Mitfahrer haben ihre Kameras gezückt und warten auf die possierlichen Räuber. Ihre Beißkraft ist zehnmal so groß wie die eines Schäferhundes, erzählt der Kapitän und das Erstaunen der Zuhörer ist entsprechend. Schon bald kommt das weltweit einzigartige Eider-Sperrwerk näher. Vier mächtige Tore können bei Sturmflut den Zufluss des Nordseewassers sperren. Ein Segen für die Wattlandschaft im Mündungsgebiet.
Endlich, auf dem Rückweg tauchen Seehunde mit ihren Jungen auf. Langsam aber stetig streben sie zu der noch unsichtbaren Sandbank. Ein Mitarbeiter der Schiffsbesatzung hat ein Schleppnetz ausgeworfen und alle Umstehenden sind schon auf den Fang gespannt. Nach einer kurzen Zeit entleert er das Netz in einem Bottich. Nur ein paar Krabben schauen vorwurfsvoll hoch und ärgern sich, dass sie in ihrer Beschaulichkeit gestört wurden. Immerhin bekommen die Interessierten viel Wissenswertes zu den Meeresbewohnern erzählt. Für uns war die Fahrt ein kleines Highlight, wenn sie auch nicht ganz billig ist. Den Tag beschließen wir in der Alten Werft bei einem Lillet mit Erdbeeren und einem Stück göttlicher Trümmertorte.
Tönning Alte Werft mit Blick auf den historischen Hafen. Rechts oben, das alte Packhaus.
Mit dem Fahrrad nach Tetenbüll
Beinah hätte ich unsere Fahrt in den bezaubernden kleinen Ort Tetenbüll unterschlagen. Bekannte von uns haben dort ein wunderschönes Haus mit großem Garten gekauft und aufs Feinste hergerichtet. Der Ort strahlt eine Ruhe und Behaglichkeit aus, die uns sofort in ihren Bann gezogen hat. Eine hübsche Kirche mit einer bemalten Holzdecke, einen historischen Gemischt-Warenladen, eine Grundschule und ein Seniorenheim. Diese Kriterien waren sicher nicht ausschlaggebend für den Kauf, des mit einem Reetdach gedeckten Hauses. Das Theatrium im Ort bietet Kulturveranstaltungen, leckeren Kuchen und andere kulinarische Köstlichkeiten. Die zehn Kilometer waren auf den geteerten Fahrradwegen überhaupt kein Problem und den E-Antrieb brauchte man nicht zu bemühen. Die hervorragende Beschilderung ließ das Navi im Handy nie in Aktion treten.
Hoch zu Ross zum Herrenhaus Hoyerswort
Damit kein falscher Verdacht aufkommt, ich meine natürlich das Stahlross, mit dem ich eines der schönsten Gehöfte in der Nähe unseres Urlaubsdomizil Tönning besuchte. Anfangs ging es in Richtung St.Peter-Oeding auf einem Radweg, dann leider über die Landstraße, auf der gefährlich schnelle Fahrer mit NF-Kennzeichen unterwegs waren. Zum Glück war die Entfernung moderat und man sah schon von weitem das Dach des mächtigen Hauses durch die Bäume lugen. Das Herrenhaus mit angeschlossenem Haubarg (Bauernhaus eines Großbauern) strahlt aus jeder Ritze das Vermögen seiner Erbauer aus und so ähnelt es eher einem kleinen Schloss als einem Herrenhaus. In dem riesigen Park kann man eine Skulpturensammlung bewundern und es sich danach bei einem Stück Kuchen und einer Tasse Kaffee vor dem Haus gut gehen lassen. Das Herrenhaus ist von einem doppelten Wassergraben umgeben und zählt zu den schönsten Renaissance-Bauten Schleswig-Holsteins. Die Rückfahrt begleitete mich eine zunehmend düstere Wetterlage. Kaum am Wohnmobil angekommen, öffnete sich der Himmel und es regnete wolkenbruchartig.
Liebeserklärung an Tönning, die kleine Hafenstadt an der Eider
Ganze vier Wochen stehen wir nun auf dem Wohnmobilstellplatz Eiderblick. Gras und Klee haben fast den Boden unseres Wohnmobils erreicht und der Platzwart schaut immer kritischer zu diesem Wildwuchs hin. Es ist Zeit ein Statement abzugeben um diese ungewohnte Sesshaftigkeit zu erklären. Der Plan sah ursprünglich lediglich eine Woche Verweildauer vor. War es die fantastische Seeluft, der Platz mit seiner fast perfekten Infrastruktur oder die Nähe zu der gemütlichen Stadt mit allen Einkaufsmöglichkeiten. Nein, das alleine war es sicher nicht. Es war in erster Linie die wunderbare Ruhe, der schöne Blick auf die Eider, die nur wenige Meter entfernt, an unserem Mobil im Takt der Gezeiten vorbei floss. Es war auch die bequeme Verkehrsanbindung mit Bus, Rufbus und Eisenbahn. Die schönen Restaurants und Cafés in fußläufiger Entfernung sowie die freundlichen Menschen, die uns allenthalben aufgeschlossen begegneten. Vielleicht hat aber auch Bäcker Balzer vom Tönninger Marktplatz mit seinem himmlichen Sortiment unterschiedlichster Backwaren einen großen Anteil daran. Auch Boye Hamken, das Geschäft in dem man alles bekommt, was die Lieben zu Hause erfreut, muss man ebenso besuchen, wie auch seinen Ableger „Das Kontor am Hafen“, mit seinen ganz speziellen Leckereien mit und ohne Alkohol.
Zu alldem Gesagten kommt das einzigartige Flair der kleinen Stadt, dass sich nur ganz schwer erklären lässt. Im Gegensatz zu den klassischen Seebädern in der Nähe, hat sich Tönning seinen ganz eigenen Stil erhalten und lebt mit der überschaubaren Zahl der Touristen in perfekter Symbiose. All das gilt auch für die beiden Stellplätze und den Campingplatz der Familie Simon Am Freizeitpark 1a. Die Anlagen sind super gepflegt und die Organisation ist kaum zu toppen. Einzig die elektronischen Helfer beim Ein-und Auschecken, verlangen vielen Gästen ein wenig Kenntnis in der Handhabung digitaler Kommunikationsgeräten ab. Reservierung ist auf allen Plätzen angesagt und dies ganz besonders in der Saison. Das einzige was die Ruhe auf dem Eiderblick etwas stört, ist das ständige Ratsch-Bumm der Kastenwagentüren. Damit werden die „alten“ Wohnmobilfahrer leben müssen. Diese Art der Freizeitfahrzeuge, aus den Anfängen der Camping-Mobile, hat in den letzten Jahren stetig zugenommen und der Trend wird wohl noch eine Weile anhalten.
Wohnmobil-Stellplatz Eiderblick in Tönning
Seit 30 Jahren bin ich jetzt mit meinem vierten Mobil in ganz Europa unterwegs. In Deutschland, nach dem Besuch vieler Camping und Stellplätzen haben wir wohl unsere Camping-Heimat gefunden. Tönning, wir kommen gerne wieder. sig/Fotos: Gerdau
Die beiden Eisenbahnwaggons waren gut gefüllt. Es gab aber noch Sitzplätze für uns. Das 9-Euro-Ticket wollte wieder niemand sehen. Für Urlauber ist 9 Uhr noch eine fast nachtschlafene Zeit. Allerdings, der Zug nach Husum kannte keine Gnade. Punkt 9.04 Uhr war Abfahrt am Tönninger Bahnhof. Die Schäfchen und Kühe links und rechts auf den schier endlosen Wiesen, fraßen schon eifrig das leckere Gras. Von dem hin und wieder schiffssirenartigen Geblöke des Zuges, wenn er sich einem unbeschrankten Bahnübergang näherte, ließ sich keines der Tiere stören.
Sanft glitten die Räder des betagten Gefährts über die fast ausnahmslos gerade verlaufenden Schienen. In der Ferne tauchten zwei Schiffskräne am Horizont auf. Das war schon die Hafenstadt, von der Theodor Storm, der große Sohn der Stadt in seinem Gedicht „Die Stadt“ behauptete, sie sei grau. Dies ist vermutlich aber im Kontext zu seiner Entadvokatisierung zu sehen. Er war darüber so bitter enttäuscht, „weil er doch nur trotz Friedensschluss“ gegen die Dänen gearbeitet hatte.
10 Jahre nach seinem Tod 1888 wurde im Park des Schlosses vor Husum seine Büste enthüllt. Sein Wohnhaus in der Wasserreihe 31, unweit des malerischen Hafens, ist Ziel vieler Touristen, die den Juristen gerne auf sein bekanntestes Werg „Der Schimmelreiter“ reduzieren.
In der strahlenden Sonne des Nordens reihen sich Haus neben Haus entlang der Hafenkante und jedes davon ist in bunten Farben gestrichen. Obwohl die Saison noch nicht so richtig brummt, sind die Cafés rund um den Marktplatz und am Hafen schon früh am Morgen besetzt. Es ist Donnerstag und Markt. Die steingewordene Magd Tine, das heimliche Wahrzeichen der Stadt, schaut von ihrem Sockel, auf dem Marktbrunnen, auf das muntere Markttreiben herab. Die Krabbentage im Oktober und im Hochsommer die Husumer Hafentage locken zusätzliche Besucher an.
Das Schloss aus dem Jahre 1577 bis 1582 ist heute ein wichtiger Veranstaltungsort. Das Café im Schlosshof soll im Herbst wieder eröffnet werden. Auch bei einem längeren Besuch der Stadt kommt keine Langweile auf. Schön shoppen geht immer und auch die Gastronomie ist gut aufgestellt. Unbedingt einkehren sollte man in Jacquelines Cafè, im Schlossgang 12. Vor 32 Jahren von der Namensgeberin eröffnet, wird es jetzt vom Sohn der Gründerin geführt. Die täglich gebackenen Torten sind legendär.
Auch das HafenKaffee hatte uns mit einem umfangreichen Frühstück und aufmerksamen Service schon früh gut versorgt. Den Blick auf Hafenbecken und Hafengebiet gab es kostenlos dazu. Das wunderschöne Kopfsteinpflaster in der Stadt wird von PKW, Radfahrern und Fußgängern gleichermaßen benutzt. Keiner ist dem anderen ernsthaft im Weg und die Luft ist auch sehr frisch. Was mir auffiel, ist das selbstverständlich und oft zu hörende Moin! Die Menschen sind freundlich und das gilt auch für das Service-Personal in den Geschäften.
Apropos, Service. Der Mangel an Servicekräften ist in Husum, ebenso wie in allen anderen Orten mit Fremdenverkehr, gravierend. Das ist Angesichts der vielen jungen Menschen, die Deutschland als ihren Lebensmittelpunkt ausgesucht haben, nicht sofort nachzuvollziehen.
Mit einem ansehnlichen Sonnenbrand geht es per Bahn zurück. Auch diesmal keinerlei Probleme mit den Sitzplätzen, obwohl der Ferienanfang in manchen Bundesländer erste Signale aussendet. Fazit: Tönning ist auch als Ausgangspunkt zu vielen attraktiven Ferienorten sehr gut gelegen.
Unser Wohnmobil blieb die gesamten vier Wochen stehen. Alle Fahrten wurden entweder mit dem Rad, dem Ruftaxi, Bus und Bahn erledigt. Nachhaltig heißt das wohl in der Sprache der Klimaschützer und darauf sind wir Stolz. sig/Fotos: Gerdau
Als ich mein erstes Wohnmobil 1992 mein Eigen nennen durfte, war ich Happy. Es war ein gebrauchter Chausson mit 69 PS. Der westerwälder Händler hat sich bestimmt belacht. Immerhin tauschte ich meinen 8 Meter langen, zweiachsigen und kaum drei Jahre alten Hobby-Wohnwagen gegen das Fahrzeug meiner Begierde ein.
Mein Sohn fand das alles sehr spannend und wir haben sehr schöne Reisen durch ganz Europa gemacht. Reservieren war ein Fremdwort und damals höchstens auf wenigen Campingplätzen üblich. Stellplätze ausschließlich für Wohnmobile gab es ein paar, aber verteilt über ganz Europa.
Autark, wie man es heute immer liest, war der Normalfall und wurde so gut wie überall geduldet. Wer ein Wohnmobil hatte, war entweder ein wenig durchgeknallt, hatte zuviel Geld oder war einfach nur ein Mensch mit einer ganz eigenen Urlaubsphilosophie. Pauschalreisen waren angesagt und wer es sich leisten konnte, enterte ein Kreuzfahrschiff.
Wie oft hörte ich:“ In so einer Hasenkiste Urlaub machen? Im Leben nicht.“ Ich machte und weil meinem heranwachsenden Sohn die 69 PS so langsam peinlich wurden, kam ein größerer, immer noch gebrauchter, aber immerhin Hymer in die Scheune. Im Alkoven ruhte mein Sohn, der Rest im Doppelbett und die fast doppelt so starke Maschine röhrte immer noch wie ein Schiffsdiesel.
Alle waren zufrieden, die Reisen führten uns nach Frankreich und in viele andere Länder. Noch immer grüßte man sich bei der Begegnung mit andern Wohnmobilisten und auch die Stellplätze wurden mehr. Die französischen Senioren hatten mittlerweile auch diese zwar teure, aber unkomplizierte und dennoch komfortable Form des Camperlebens entdeckt. Ihre mobilen Konstruktionen gefielen mir so gut, dass ich mit einem Challenger liebäugelte. Neu sollte er sein. Der wohnmobilistische Größenwahn hatte mich voll im Griff. Es wurde ein Verlustgeschäft, aber immerhin profitierten der Hymerkäufer, der Challenger-Verkäufer und der Staat.
Fast 7 Jahre lang war er Urlaubsdomizil, Zweitwohnung und Übernachtungsherberge während Verwandtenbesuche. Dann war wieder ein Messebesuch angesagt. Dem voraus ging ein Korsika-Urlaub, bei dem Petra und ich feststellten, dass unser französisches Wägelchen Probleme mit den engen, korsischen Gebirgsstraßen hatte.
Wir beschlossen zu reduzieren. 6 Meter lang sollte der Neue höchsten sein und in der Breite auch etwas abspecken. Knaus hatte genau das, was wir suchten. Mit einem Werksverkäufer wurden wir schnell handelseinig und wir stellten uns ein WoMo genau nach unseren Vorstellungen zusammen. Die lange Lieferzeit war uns egal, da wir in den Wintermonaten als Camper sowieso nie unterwegs sind. Bereits im Jahr darauf waren wir minimalistischer als je zuvor auf Achse. Mit einem möglicherweise Kastenwagen wollten wir garantiert nicht tauschen. Abgesehen von dem nervigen Ratsch- Bumm der Eingangstür, wohnt man in unserem teilintegrierten Mobil doch wesentlich komfortabler. Das glauben wir zumindest ganz fest.
Seit Corona hat sich auf dem Campingsektor alles geändert. Ohne Reservierung geht zumindest auf deutschen Plätzen nichts mehr. Aus Angst vor Ansteckung, steigen immer mehr Menschen in die einst mit Naserümpfen beobachteten rollenden Kisten. Der Preis: Die Plätze werden immer voller…und teurer, die Fahrzeuge natürlich auch. Der Markt ist leer gefegt und die Wohnmobilcaravanen gehen den Menschen in den klassischen Urlaubsregionen immer mehr auf den Wecker. Wer nicht mal eben 70, 80 oder 90 000 Euro locker hat, lässt sich bei den Händlern alte Möhrchen für teures Geld andrehen. Die hohen Spritpreise dämpfen die Lust aufs Fernreisen und wer autarke Camperfreuden im Sinn hat, wird schon bald eines Besseren belehrt. Man braucht Wasser, muss sein Abwasser an der richtigen Stelle loswerden und den Inhalt der bordeigenen Toilette möchte auch niemand gerne in seinem Vorgarten haben.
Wohnmobilurlaub kostet Geld und wer das sparen möchte oder muss, ist mit einer Ferienwohnung sicher gut beraten. Ja, wenn da nicht die schöne Philosophie von der unbegrenzten Freiheit wäre, hätte auch ich meinen Knaus schon verkauft. Ich warte noch ein wenig. Dann sehen wir weiter. Ob mir der Umstieg aufs E-Lastenrad mit Schlafkoje noch gelingen wird, glaube ich nicht. Aber über 30 Jahre Urlaub mit Wohnmobilen reichen vielleicht auch aus. sig/Fotos: Gerdau
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